Im Urlaub krank: Was hinter Leisure Sickness steckt

Wochenlang arbeitest du unter Hochdruck und sehnst deinen Urlaub herbei. Doch kaum ist der erste freie Tag da, liegst du flach oder bist völlig erschöpft. Damit bist du nicht allein. Dieses Phänomen wird häufig als Leisure Sickness bezeichnet. Gemeint ist damit keine offizielle medizinische Diagnose, sondern eine stressbedingte Reaktion deines Körpers auf den Wechsel von großer Belastung in die Erholung. Hier erfährst du, welche Symptome bei Leisure Sickness auftreten und was dir helfen kann, besser mit Belastung umzugehen.

Junge Frau sitzt mit dem Nacken nach hinten gebeugt auf der Couch und hält sich erschöpft aussehend ihre Faust an die Stirn.

 

Was ist Leisure Sickness?

Leisure Sickness beschreibt Beschwerden, die häufig genau dann auftreten, wenn eine belastende Phase endet. Während stressiger Zeiten fühlst du dich vielleicht leistungsfähig und funktionierst scheinbar problemlos. Erst am Wochenende oder im Urlaub geht es dir plötzlich nicht mehr gut. Dieser sogenannte Poststress ist kein Zufall: Der Körper befindet sich durch anhaltenden Stress in einer Art Alarmmodus. 
Viele Menschen werden in den ersten Urlaubstagen krank oder kämpfen am Wochenende regelmäßig mit Kopfschmerzen und Müdigkeit. Dieses Phänomen wird deshalb auch Freizeitkrankheit genannt. Umgangssprachlich wird hierfür manchmal der Begriff „Post-Stress-Syndrom“ verwendet. In der wissenschaftlichen Literatur spricht man jedoch eher von Leisure Sickness. 

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Welche Auslöser begünstigen Leisure Sickness?

Wie Leisure Sickness entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt verschiedene Faktoren, die das Auftreten der Beschwerden begünstigen können. Die folgende Übersicht nennt einige mögliche Auslöser, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Abrupter Wechsel zwischen Stress und Erholung: Ein häufiger Auslöser ist der direkte Wechsel von Anspannung in völlige Ruhe. Wer wochenlang im Hochleistungsmodus arbeitet und dann ohne Übergang in den Urlaub startet, fordert den Körper stark heraus. Dein Nervensystem braucht erst einmal Zeit, um sich umzustellen.
  • Dauerhafte Überlastung: Auch anhaltender Stress ohne ausreichende Erholungsphasen spielt eine wichtige Rolle. Wenn regelmäßige Pausen fehlen und Belastung über Wochen oder Monate anhält, bist du anfälliger für stressbedingte Beschwerden.
  • Stress kurz vor dem Urlaub: Viele Menschen erleben unmittelbar vor dem Urlaub besonders stressige Tage. Aufgaben sollen noch schnell abgeschlossen, Termine organisiert und Reisen vorbereitet werden. Dadurch steigt dein Stresspegel genau dann an, wenn eigentlich die Erholung beginnen sollte.
  • Hohe Erwartungen an die freie Zeit: Auch der Wunsch nach dem perfekten Urlaub kann Druck erzeugen. Wer unbedingt entspannen möchte, setzt sich oft unbewusst zusätzlich unter Stress.

Zwar reagieren nicht alle gleich auf Belastung, aber gerade Menschen mit hoher beruflicher Verantwortung oder dauerhaftem Zeitdruck können betroffen sein.

Was passiert im Körper, wenn der Stress nachlässt?

Unter Dauerstress schüttet der Körper unter anderem Adrenalin und Cortisol aus. Diese Botenstoffe helfen dir kurzfristig, wach und handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig nimmst du dadurch Müdigkeit, Erschöpfung oder leichte Krankheitszeichen weniger wahr. Lässt der Druck nach, stellt sich dein Nervensystem vom Sympathikus, der den Kampfmodus steuert, auf den Parasympathikus für den Ruhe- und Erholungsmodus um. Dein Körper wird in dieser Übergangsphase besonders anfällig für Infekte und Erschöpfung. Ein ähnliches Prinzip kennt man aus dem Sport als Open-Window-Effekt: Nach sehr intensiver Belastung kann das Immunsystem vorübergehend weniger stabil reagieren. Bei beiden Phänomenen werden Beschwerden dann spürbar, wenn die Anspannung nachlässt.

Typische Symptome bei Leisure Sickness

Die Symptome von Leisure Sickness können unterschiedlich ausfallen. Manche Menschen verspüren nur leichte Müdigkeit, andere fühlen sich komplett erschöpft. Oder ein beginnender Infekt macht sich bemerkbar, wenn der Körper zur Ruhe kommt. Viele beschreiben das Gefühl, plötzlich „ausgebremst“ zu werden. 

Zu den häufigsten körperlichen Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen oder Wochenend-Migräne
  • Halsschmerzen, Schnupfen oder leichte Infekte
  • Magen- und Verdauungsprobleme
  • Schwindel
  • ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafstörungen trotz Müdigkeit

Zusätzlich kann auch die Psyche auf den Stressabfall reagieren, etwa mit:

  • innerer Unruhe
  • Gereiztheit
  • Konzentrationsproblemen
  • Schwierigkeiten beim Abschalten
  • einem Gefühl innerer Leere
  • emotionaler Überforderung

Was genau du bemerkst und wie stark, hängt unter anderem davon ab, wie lange du gestresst warst und wie gut sich dein Körper erholen konnte. Häufig halten die Symptome nur einige Stunden oder wenige Tage an. Gleichzeitig reagieren Menschen sehr unterschiedlich auf Stress. Während manche vor allem körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Infekte entwickeln, stehen bei anderen eher Erschöpfung, Schlafprobleme oder emotionale Belastungen im Vordergrund. Die Symptome können daher individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Wenn sie aber regelmäßig und intensiv auftreten, solltest du sie ernst nehmen und sicherheitshalber ärztlich oder psychotherapeutisch abklären lassen. 

Wie kann ich Leisure Sickness vorbeugen?

Leisure Sickness lässt sich nicht immer vollständig verhindern. Aber du kannst deinem Körper den Übergang leichter machen. Plane vor dem Urlaub möglichst nicht bis zur letzten Minute durch. Hilfreich ist ein kleiner Puffer: Übergib Aufgaben früher, schreibe dir offene To-dos auf und starte nicht direkt nach dem letzten Arbeitstag in ein volles Reiseprogramm. So bekommt dein Nervensystem Zeit, langsam herunterzufahren.

Auch aktive Entspannung wirkt oft besser, als sofort gar nichts mehr zu tun. Gerade am Anfang helfen ruhige Aktivität und feste Anker im Tag: ein Spaziergang, leichtes Dehnen, Yoga oder Atemübungen. Wenn du merkst, dass du sehr erschöpft bist, nimm das ernst. Du musst im Urlaub nicht sofort funktionieren, erleben und genießen. Manchmal beginnt Erholung damit, dass du deinem Körper erst mal erlaubst, müde zu sein. Wichtig sind außerdem regelmäßige Erholungsphasen im Alltag, damit du dich stärken und den Stress abbauen kannst. Wenn Entspannung nur einmal im Jahr im Urlaub stattfindet, rutscht der Körper schnell in eine dauerhafte Anspannung.

Hilfreich kann es auch sein, eigene Stressmuster bewusster wahrzunehmen. Gehe sanft mit dir um und höre in deinen Körper hinein, um Bedürfnisse und Warnsignale zu erkennen. Wenn du dich ständig müde, überfordert und gereizt fühlst oder nicht gut schläfst, kann es sein, dass dein Körper mehr Erholung braucht.

Probiere zum Beispiel aktive Entspannung in Form von Morgenyoga aus:

Wann solltest du ärztlichen Rat suchen?

Leisure Sickness gilt grundsätzlich nicht als gefährlich. Trotzdem solltest du Anzeichen nicht dauerhaft ignorieren, besonders dann, wenn sie regelmäßig auftreten oder stärker werden. Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn:

  • Migräne oder Kopfschmerzen häufig auftreten
  • Erschöpfung über längere Zeit anhält
  • Schlafstörungen deinen Alltag belasten
  • du immer wieder krank wirst
  • depressive Symptome oder Angstgefühle hinzukommen

Um andere Auslöser auszuschließen, solltest du Beschwerden abklären lassen, wenn sie sich verschlimmern oder dauerhaft bestehen bleiben. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Je nach Symptomen können auch neurologische oder psychotherapeutische Angebote sinnvoll sein.

Generell gilt: Du musst freie Zeit nicht „perfekt“ nutzen und du solltest dich auch nicht dafür verurteilen, wenn dein Körper erst einmal Ruhe einfordert. Darin liegt eine wichtige Botschaft der Leisure Sickness: Dein Körper zeigt dir, dass Erholung kein Extra ist, sondern ein wichtiger Teil deiner Gesundheit. 

Nimm Belastungen früher wahr und plane regelmäßig Pausen ein. Wenn du noch besser lernst, deine Grenzen zu setzen, wird die Freizeit wieder zu dem, was sie sein soll: ein Raum zum Auftanken und Gesundbleiben.

Häufig gestellte Fragen zu Leisure Sickness

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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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