Erkältet zur Arbeit: Was ist erlaubt und wann sollte ich zu Hause bleiben?

 Erkältet zur Arbeit: Beschäftigter niest am Schreibtisch in ein Taschentuch.

Hier erfährst du, welche Anzeichen ein klares Signal sind, zu Hause zu bleiben und was du arbeitsrechtlich beachten musst.

 

Halskratzen, verstopfte Nase und ein bisschen matt am Morgen? Krankmelden ist keine Option, denn das Team ist knapp besetzt und der Kalender voll. Schon sitzt du erkältet am Schreibtisch. Damit bist du in guter Gesellschaft: Laut DAK-Gesundheitsreport 2025 haben rund 65 Prozent der Beschäftigten unter 30 Jahren in den vergangenen zwölf Monaten krank gearbeitet. Ob das in deinem Fall sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark erkältet du bist und was dein Job von dir verlangt.

Darf man mit einer Erkältung zur Arbeit gehen?

Ja, ein gesetzliches Verbot, erkältet zur Arbeit zu gehen, gibt es in Deutschland nicht. Maßgeblich ist deine Arbeitsfähigkeit: Kannst du deine Tätigkeit erfüllen, ohne dich selbst oder andere zu gefährden? Diese Einschätzung triffst du selbst, im Zweifel gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Wie sinnvoll das ist, hängt stark von deinem Arbeitsumfeld ab:

  • Homeoffice mit leichtem Schnupfen: Das ist meist vertretbar.
  • Großraumbüro oder Kundenkontakt: Das Ansteckungsrisiko wiegt schwerer als ein halber Arbeitstag Output.
  • Körperlich fordernde Arbeit, Maschinen, Fahrdienst: Nachlassende Konzentration wird hier zum Sicherheitsrisiko.
  • Pflege, Kita, Lebensmittelverarbeitung: In diesen Bereichen können besonders schutzbedürftige Personen oder Lebensmittel mit Krankheitserregern in Kontakt kommen. Deshalb gelten je nach Tätigkeit und Einrichtung besondere Hygiene- und Infektionsschutzvorgaben. Bei einer Erkältung solltest du dich deshalb vor Arbeitsbeginn bei deinem Arbeitgeber informieren, ob für deine Tätigkeit besondere Vorgaben gelten. Frag im Zweifel den Betriebsarzt oder die Betriebsärztin.
Häufig spielt auch das schlechte Gewissen eine Rolle, wenn Menschen erkältet zur Arbeit gehen. Dazu kommt die Sorge um den eigenen Ruf: Laut DAK-Gesundheitsreport 2025 wollten von den jungen Beschäftigten, die krank gearbeitet haben, 79 Prozent ihr Team nicht hängen lassen. 44 Prozent fürchten zudem Nachteile durch häufige Krankmeldungen – bei den über 50-Jährigen sind es nur 18 Prozent. Fachleute sprechen in diesen Fällen auch von Präsentismus – der Tendenz, trotz Krankheit zu arbeiten.

Doch dem stehen Nachteile gegenüber: Wer trotz deutlicher Beschwerden arbeitet, kann sich zusätzlich belasten. Deine Leistung sinkt und die Genesung dauert oft länger. Wer einen Tag früher zu Hause bleibt, fällt am Ende häufig kürzer aus. Daher spricht vieles dafür, sich rechtzeitig zu schonen und auszukurieren.

Wann brauchst du für deinen Arbeitgeber eine Krankschreibung? 

Gesetzlich gilt: Du musst deine Arbeitsunfähigkeit sofort deinem Arbeitgeber melden. Eine ärztliche Bescheinigung – die Krankmeldung oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – ist erst ab dem vierten Kalendertag verpflichtend. Dein Arbeitgeber kann jedoch schon ab dem ersten Tag ein Attest verlangen. 

Übrigens, wenn du krank bist, musst du nicht immer persönlich zur Praxis. Die telefonische Krankschreibung geht schnell, bequem und ohne langen Aufenthalt im Wartezimmer. Einfach Praxis anrufen und nachfragen, ob sie für dich in Frage kommt.

Arbeiten trotz Krankschreibung

Wenn du bereits krankgeschrieben bist, gelten besondere Regeln zur vorzeitigen Rückkehr. Ob du trotz Attest arbeiten darfst, erklären wir im Artikel Arbeiten trotz Krankschreibung. Und: Dein Arbeitgeber darf dich aus seiner Fürsorgepflicht heraus nach Hause schicken, wenn du erkennbar nicht arbeitsfähig bist. 

eAU: Elektronische Krankmeldung

Um die Übermittlung der Krankschreibung zum Arbeitgeber und der Krankenkasse müssen sich DAK-Versicherte nicht selbst kümmern. Das läuft elektronisch.

Symptom-Check: Welche Anzeichen ein klares Signal sind, zu Hause zu bleiben

Fieber ist ein Zeichen dafür, dass der Körper auf eine Infektion reagiert. Wer Fieber hat, sollte sich körperlich schonen und in der Regel zu Hause bleiben. Auch diese Anzeichen sprechen für einen Krankentag:

  • Fieber ab etwa 38 Grad oder Schüttelfrost
  • sehr starke Glieder- und Kopfschmerzen oder ein plötzlicher, heftiger Krankheitsbeginn – das kann auf eine Grippe statt einer Erkältung hindeuten
  • ausgeprägte Abgeschlagenheit oder Schwindel, weil deine Konzentration dann messbar nachlässt
  • starker Husten, der dich deutlich erschöpft oder deine Arbeit beeinträchtigt
  • Druck auf der Brust, Luftnot oder Herzstolpern – das gehört ärztlich abgeklärt
  • Beschwerden, die nach einigen Tagen nicht besser werden oder sich deutlich verschlimmern
Wenn du unsicher bist oder die Beschwerden sehr belastend sind, solltest du ärztlichen Rat einholen. Unser Grippe-oder-Erkältung-Check hilft dir ebenfalls bei der Einordnung: Erkältung oder Grippe.
Ein reiner Schnupfen ohne Fieber ist kein zwingender Grund für eine Krankmeldung, solange du auf Hygiene achtest und Rücksicht nimmst. Wichtig ist, wie dein Arbeitstag aussieht. Im Büro geht es vor allem um die Ansteckungsgefahr für andere.
Kommen jedoch Fieber oder ein starkes Krankheitsgefühl hinzu, ist Vorsicht geboten: Belastung während oder auch kurz nach einem fieberhaften Infekt solltest du vermeiden. Das gilt insbesondere für Sport bei einer Erkältung. Seltene, aber ernste Komplikationen wie eine Herzmuskelentzündung können mit Infektionen in Zusammenhang stehen. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder Herzstolpern solltest du ärztlichen Rat einholen.

Wie lange besteht Ansteckungsgefahr für dein Team?  

Erkältungsviren können bereits übertragen werden, bevor erste Beschwerden deutlich werden. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr meist zu Beginn der Erkrankung. Wie lange eine Erkältung ansteckend ist, haben wir hier kurz zusammengefasst. Normalerweise verläuft ein Infekt in drei Phasen:
  • Inkubationsphase, ein bis drei Tage vor den ersten Symptomen: Die Viren vermehren sich unbemerkt. Anstecken kannst du andere trotzdem schon.
  • Akutphase, Tag eins bis fünf nach Symptombeginn: Die Ansteckungsgefahr ist am größten. Erkältungsviren werden vor allem über virushaltige Partikel beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Auch eine Übertragung über Hände und gemeinsam berührte Gegenstände ist möglich.
  • Abklingphase, ab Tag sieben bis zehn: Die Ansteckungsgefahr sinkt deutlich. Ein hartnäckiger Husten kann aber weiter Viren verbreiten.

Musst du trotzdem ins Büro, senkst du das Risiko für das Team spürbar mit Folgendem:

  • Hände mehrmals täglich mindestens 20 Sekunden mit Seife waschen
  • in die Armbeuge niesen und husten, Einmaltaschentücher sofort entsorgen
  • auf Händeschütteln und Umarmungen verzichten
  • mehrmals täglich stoßlüften
  • Meetings digital abhalten und in Gemeinschaftsräumen Abstand halten

Wann kannst du bei Erkältung wieder arbeiten? So findest du den richtigen Zeitpunkt

 DAK Online-Videosprechstunde

Bist du unsicher, ob du schon so weit bist, klärt das die DAK Online-Videosprechstunde schnell und ohne Wartezimmer.

Zurück an den Arbeitsplatz kannst du, wenn diese Kriterien erfüllt sind:

  • mindestens 24 Stunden fieberfrei, ohne fiebersenkende Medikamente
  • Symptome deutlich abgeklungen, kein starker oder produktiver Husten mehr, der dich einschränkt
  • genug Kraft für einen normalen Arbeitstag

Ein trockener Husten kann noch länger anhalten und ist in der Regel kein Grund, länger zu Hause zu bleiben. Laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) dauert es bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage, bis der Husten vollständig abklingt. Steig trotzdem ruhig ein: zuerst die wichtigsten Aufgaben, in den ersten sieben bis vierzehn Tagen nach einem fieberhaften Infekt keine schweren körperlichen Belastungen. 

So beugst du Erkältungen vor

  • ausreichend Schlaf und Stressreduktion
  • regelmäßiges Händewaschen
  • ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst
  • Bewegung an der frischen Luft
  • jährliche Grippeimpfung, besonders für Risikogruppen
  • Räume regelmäßig lüften

Häufige Fragen zum Thema Erkältet zur Arbeit?

Autor(in)

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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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