Die Periode bleibt aus? Das bedeutet Amenorrhö

Eine Frau sitzt in eine Decke gekuschelt und einem Sofa und denkt nach

Wenn du im gebärfähigen Alter bist, gehört die Periode für viele einfach zum Leben dazu: Sie kommt ungefähr alle paar Wochen. Wie lang dein Zyklus ist und wie stark die Blutung ausfällt, ist ganz individuell. Trotzdem gibt es meist so etwas wie einen „Rhythmus“. Und dann passiert es auf einmal: Deine Periode bleibt aus – obwohl du sie eigentlich erwartet hättest. Erstmal: Das kann ganz harmlose Gründe haben. Aber wenn es häufiger vorkommt oder länger anhält, lohnt sich ein genauer Blick. Ärztinnen und Ärzte nennen das Ausbleiben der Regel Amenorrhö (du findest auch die Schreibweise „Amenorrhoe“). Hier erfährst du, was es damit auf sich hat.

Was ist Amenorrhö?

Amenorrhö heißt einfach: Deine Regelblutung bleibt aus. Man unterscheidet zwei Formen:
  • Primäre Amenorrhö: Die erste Periode bleibt ganz aus. Gemeint ist: Bis zum 15. Geburtstag kommt keine Monatsblutung, obwohl die Pubertät sonst normal läuft (Brustentwicklung, Körperbehaarung). Oder: Bis 13 verändert sich am Körper noch nichts und die Periode bleibt ebenfalls aus.
  • Sekundäre Amenorrhö liegt vor, wenn die Periode mehr als drei Monate (bei zuvor regelmäßigem Zyklus) oder über sechs Monate (bei ohnehin unregelmäßigem Zyklus) aussetzt.

Wann bleibt die Periode natürlicherweise aus?

Daneben gibt es die sogenannte physiologische Amenorrhö. Die Periode bleibt aus, Ursachen dafür sind aber „planmäßige“ natürliche Faktoren:

  • Vor der Menarche: Vor der ersten regulären Regelblutung sollte es keine Blutung geben.
  • Frühe Pubertät: Der Körper muss sich hormonell erst einpendeln. Unregelmäßigkeiten sind da oft normal.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft setzen die Blutungen aus.
  • Wochenbett und Stillzeit: Gerade in den ersten Wochen/Monaten ist es typisch, dass der Zyklus erstmal Pause macht.
  • Wechseljahre: Die Periode bleibt aus, wenn Wechseljahre einsetzen. In der Perimenopause, also der Zeit vor der Menopause, wird der Zyklus unregelmäßiger. Bleiben die Monatsblutungen über ein ganzes Jahr aus, wird die letzte Monatsblutung als Menopause bezeichnet. Diese kann erst rückwirkend festgestellt werden – sofern keine Gebärmutterentfernung erfolgt ist und keine Hormone eingenommen werden.

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Diese Ursachen kann eine Amenorrhö haben

Aber warum bleibt deine Menstruation aus? Wenn es nicht an Schwangerschaft, Stillzeit oder Wechseljahren liegt, kann Amenorrhö verschiedene Gründe haben. Häufig spielen Hormone eine Rolle – manchmal auch Stress, Ernährung oder Erkrankungen:
  • Stress und Energiemangel: Dein Körper ist manchmal ziemlich pragmatisch: Wenn er Alarm spürt (viel Stress, sehr intensiver Sport, zu wenig Kalorien oder Nährstoffe), kann er den Zyklus herunterfahren.
  • PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom): Ein hormonelles Ungleichgewicht kann dazu führen, dass der Eisprung seltener stattfindet oder ausbleibt.
  • Schilddrüse (Über- oder Unterfunktion): Die Schilddrüse mischt beim Hormonhaushalt kräftig mit und kann deinen Zyklus spürbar beeinflussen.
  • Erhöhter Prolaktinwert: Prolaktin ist das „Stillhormon“. Ist es ohne Stillen erhöht, etwa durch Medikamente oder andere Ursachen, kann der Körper so reagieren, als wärst du stillend.
  • Vorzeitige Erschöpfung der Eierstockfunktion (POI): Dabei arbeitet der Eierstock ungewöhnlich früh weniger aktiv.
  • Probleme in Gebärmutter oder Gebärmutterhals: Selten liegt es daran, dass Blut nicht richtig abfließen kann, beispielsweise durch Verwachsungen nach Eingriffen oder eine Engstelle am Gebärmutterhals.

Periode bleibt aus: Welche Beschwerden können eintreten?

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Je nach Ursache und Dauer kann eine Amenorrhö gesundheitliche Folgen haben:

  • Hormoneller Nebeneffekt: Ein Mangel an Östrogen kann Haarausfall, Scheidentrockenheit oder Hitzewallungen hervorrufen. Akne oder starke Gesichtsbehaarung (Hirsutismus) entsteht, wenn durch die Hormonschwankungen übermäßig Androgene, männliche Geschlechtshormone, gebildet werden.
  • Schmerzen im Beckenbereich: Kann das Menstruationsblut nicht richtig abfließen, drohen heftige Unterleibsschmerzen.
  • Neurologische Symptome: In seltenen Fällen kann eine hormonproduzierende Veränderung der Hirnanhangsdrüse (wie ein Prolaktinom, also gutartiger Tumor) zu erhöhtem Prolaktin führen. Dann können zusätzlich Kopfschmerzen oder Sehstörungen auftreten.

Stress, Stimmungsschwankungen sowie anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung können dein allgemeines Wohlbefinden beeinträchtigen und dazu führen, dass die Periode ausbleibt. Bleibt die Blutung über längere Zeit aus, kann das zusätzlich die psychische Belastung erhöhen und sich in niedergeschlagener Stimmung oder Ängsten äußern.

Lass es am besten gar nicht erst so weit kommen: Wenn deine Periode über mehrere Zyklen hinweg ausbleibt, wende dich vertrauensvoll an deine gynäkologische Praxis. Die Periode ist nicht peinlich – es gibt keinen Grund, Veränderungen zu verschweigen.

Periode bleibt aus – wann zum Arzt oder zur Ärztin?

Die Periode kann sich mal verspäten. Wenn aber zusätzlich etwas hiervon zutrifft, ist ein Termin sinnvoll:

  • Dein Zyklus war sonst regelmäßig – und plötzlich kommt nichts mehr: Wenn du sicher nicht schwanger bist und nach drei Monaten noch keine Blutung da war: abklären lassen.
  • Dein Zyklus ist dauerhaft „chaotisch“: Sehr kurze Zyklen (häufiger als alle 21 Tage), sehr lange Zyklen (seltener als alle 35 Tage), Zwischenblutungen oder stark wechselnde Blutungen können Hinweise liefern.
  • Du hast zusätzliche Beschwerden: Sehr starke Schmerzen, ungewöhnlich starke oder sehr lange Blutungen, Schmerzen beim Sex, deutliche Gewichtsveränderungen, auffällige Behaarung, Hautveränderungen oder milchiger Ausfluss aus der Brust – das gehört in gynäkologische Abklärung.

Wenn du unsicher bist, gilt: Lieber einmal zu früh fragen als zu spät.

So sieht die Behandlung bei Amenorrhö aus

Diagnostizieren Gynäkologin oder Gynäkologe ein behandlungsbedürftiges Ausbleiben der Periode, richtet sich die Therapie nach der Ursache. Bei stressbedingten Unregelmäßigkeiten oder einem Energiedefizit kann es ausreichen, den Lebensstil anzupassen. Entfällt deine Periode aus hormonellen Gründen oder als Symptom einer übergeordneten Erkrankung, könnte medikamentös therapiert oder bei Notwendigkeit durch Nährstoffausgleich korrigiert werden. Bei nervlich bedingten Ursachen ist eventuell eine Psychotherapie, bei anatomischen Problemen eine Operation erforderlich.

Um Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus zu bemerken und zu dokumentieren, führst du am besten einen Regelkalender. Vordrucke dafür bekommst du auf Nachfrage in der Apotheke, online gibt es sie zum Download. In den Kalender trägst du Zeitpunkt und Stärke der Blutungen ein. Diese Dokumentation kann deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen für die Diagnose wertvolle Hinweise liefern.

Häufige Fragen zur Amenorrhö

Welches Hormon fehlt bei Amenorrhö?

Häufig liegt eine Störung im Zusammenspiel mehrere Hormone vor. Östrogenmangel kann die Ursache sein, ebenso zu viel Prolaktin.

In welcher Schwangerschaftswoche bleibt die Periode aus?

Streng medizinisch gesehen setzt die Regelblutung in der vierten oder fünften Schwangerschaftswoche aus. Rechnerisch beginnt die Zählung der Schwangerschaftswochen nämlich nicht mit dem Tag der Empfängnis, sondern ab dem ersten Tag der vorangegangenen Periode. Die mögliche Einnistung der Eizelle findet an Tag acht bis zehn nach dem Eisprung statt, also in der vierten Schwangerschaftswoche. Ist das geglückt, löst sich die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr ab – das ist in der vierten Woche der Fall. Die rein physiologische Antwort auf die Frage „Ab wann bleibt die Periode aus, wenn man schwanger ist?“ lautet:  Ab dem Zeitpunkt der erfolgreichen Einbettung der befruchteten Eizelle.

Was bedeutet Post-Pill-Amenorrhö? 

Gemeint ist damit das Ausbleiben der Monatsblutung nach dem Absetzen eines hormonellen Verhütungsmittels. Werden die Hormonspirale oder die Pille abgesetzt und die Periode bleibt aus, benötigt der Organismus eine Weile, bis sich die körpereigene hormonelle Kommunikation wieder ausbalanciert hat.

Kann sich die Periode durch die Kupferspirale verschieben?

Verhütest du mit der Kupferspirale und die Periode bleibt aus, solltest du umgehend einen Schwangerschaftstest machen lassen. Im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmitteln können Kupferspiralen stärkere Blutungen auslösen, greifen aber nicht in den Hormonhaushalt ein.

Die Periode bleibt aus trotz Pille – warum?

Wenn du zur Empfängnisverhütung die Pille nimmst, wird deine Periode normalerweise durch die Einnahmepause ausgelöst. Wenn diese Abbruchblutung ausbleibt, kann das daran liegen, dass sich unter dem Einfluss der Hormone kaum Gebärmutterschleimhaut aufgebaut hat. Bei einigen Präparaten ist das sogar eine bekannte Nebenwirkung. Allerdings kann es auch in seltenen Fällen trotz Verhütung zu einer Schwangerschaft kommen.

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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