Durchfall während der Periode: Was dahintersteckt und was hilft

Du hast deine Periode und plötzlich spielt der Darm verrückt? Mehr Stuhlgang, dünner Stuhl oder richtiger Durchfall während der Periode sind alles andere als selten. Viele bemerken solche Beschwerden schon vor der Blutung – das wird dann PMS-Durchfall genannt – oder direkt am ersten Tag. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen steckt dahinter ein hormonell bedingter, normaler Vorgang im Körper. Trotzdem kann Durchfall bei der Periode sehr belastend sein – gerade im Alltag, in der Schule, der Uni oder im Job. Hier erfährst du, warum Durchfall bei der Periode überhaupt auftritt, wie du Perioden-Durchfall von einem Magen-Darm-Infekt unterscheidest, was wirklich helfen kann und wann du ärztlichen Rat holen solltest.
Warum kommt es bei der Periode zu Durchfall?
Damit du verstehst, warum die Periode und Durchfall so oft zusammen auftreten, schauen wir kurz auf deinen Menstruationszyklus und die wichtigsten Hormone.
Dein Zyklus besteht grob aus:
- Follikelphase: Die Gebärmutterschleimhaut wird aufgebaut, das Östrogen steigt.
- Eisprung: Ein Ei springt, dein Körper bereitet sich auf eine mögliche Schwangerschaft vor.
- Lutealphase: Das Hormon Progesteron steigt an, stabilisiert die Gebärmutterschleimhaut, bremst aber auch die Darmbewegung – viele bemerken jetzt eher Verstopfung, Blähungen und ein Völlegefühl.
- Menstruation: Wird keine Schwangerschaft aufgebaut, fallen Östrogen und Progesteron ab, die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen – du bekommst deine Periode.
Ergebnis: Der Stuhl wird weicher oder wässrig, du musst häufiger auf die Toilette – es kommt zu Durchfall bei der Periode oder auch zu dem, was viele scherzhaft „Periodenschiss“ nennen.
Typische Symptome: Periode und Durchfall – wie äußern sich die Beschwerden?
- Häufigerer Stuhlgang als sonst – manche gehen mehrere Male am Tag
- Weicher oder wässriger Stuhl rund um den Beginn der Blutung
- Bauchkrämpfe, ziehende Schmerzen im Unterbauch, teils kombiniert mit Regelschmerzen aus der Gebärmutter
- Blähungen, Völlegefühl und allgemeine Bauchschmerzen
- Übelkeit, Appetitlosigkeit, manchmal leichte Kopfschmerzen oder Müdigkeit
Wichtig: Einige menstruierende Frauen haben kaum Verdauungsprobleme während der Periode, andere dafür sehr ausgeprägte Symptome – beides kann im Rahmen des „Normalen“ liegen, solange keine Warnzeichen dazukommen.
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Wann ist Durchfall bei der Periode noch „normal“ – und wann nicht?
Kurz gesagt: Leichter bis mäßiger Durchfall, der zeitlich klar an Periode, PMS oder den Eisprung gekoppelt ist, nach wenigen Tagen wieder abklingt und ohne weitere alarmierende Symptome auftritt, ist meist eine harmlose, hormonelle Reaktion des Körpers.
Hier solltest du hingegen hellhörig werden:
- Fieber, Schüttelfrost, ausgeprägtes Krankheitsgefühl
- Blut im Stuhl (außer es ist klar, dass Blut aus der Scheide auf das Toilettenpapier oder in die Toilette gelangt ist)
- Schleimiger oder sehr übelriechender Durchfall, der unabhängig vom Zyklus auftritt
- Durchfall nach bestimmten Lebensmitteln, etwa Milchprodukten, denn das kann ein Hinweis auf mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein
Wenn du in fast jedem Zyklus starken Durchfall und Bauchkrämpfe während der Periode hast, kann das ein Zeichen dafür sein, dass zusätzlich eine andere Erkrankung dahintersteckt, zum Beispiel:
- Endometriose mit Herden in der Nähe des Darms oder direkt im Darmbereich: Typische Symptome sind sehr starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Stuhlgang während der Periode, zyklusabhängige Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen und Übelkeit.
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa: Hier verschlechtern zyklische Hormonschwankungen häufig die Symptome, auch wenn die eigentliche Grunderkrankung unabhängig von der Periode besteht.
- Reizdarmsyndrom (RDS): Viele Betroffene berichten, dass sich Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall oder Verstopfung rund um die Periode verstärken.
Was hilft gegen Durchfall während der Periode?
Auch wenn Durchfall bei der Periode oft „nur“ hormonell bedingt ist – du musst nicht tatenlos abwarten. Mit einigen Maßnahmen kannst du Beschwerden meist deutlich lindern.
- Ausreichend trinken: Durchfall bedeutet immer Flüssigkeits- und Salzverlust. Trinke deshalb mehr als sonst, am besten stilles Wasser, ungesüßte Kräutertees, leichte Brühen oder Elektrolytlösungen.
- Ernährung anpassen: Bei akutem Durchfall während der Periode darf deine Ernährung gerne „sanft“ sein. Gut verträglich sind zum Beispiel Bananen, geriebener Apfel oder Apfelmus, Zwieback, trockene Brötchen, Salzstangen, Haferflocken, Reis, Nudeln oder leichte Suppen. Eher meiden solltest du sehr fettige, frittierte oder stark gewürzte Speisen, viel Koffein, Alkohol und sehr zuckerreiche oder kohlensäurehaltige Getränke.
- Probiotika und darmfreundliche Lebensmittel: Joghurt mit lebenden Kulturen, Kefir oder fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut können deine Darmflora unterstützen – das ist besonders hilfreich, wenn du wiederholt Durchfall hast. Bei stärkeren oder häufigen Durchfällen können auch probiotische Nahrungsergänzungsmittel helfen, um das Gleichgewicht der Darmbakterien zu stabilisieren. Wichtig: Bei schweren oder anhaltenden Beschwerden ersetzen Probiotika keinen Besuch in der Arztpraxis, sie können aber eine sanfte Ergänzung sein.
- Wärme: Wärme ist ein Klassiker gegen Regelschmerzen – und sie hilft auch dem Darm. Lege eine Wärmflasche oder ein Wärmepflaster auf deinen Unterbauch oder den unteren Rücken, nimm ein warmes Bad oder eine warme Dusche. Wärme entspannt die Muskulatur in Gebärmutter und Darm, reduziert Krämpfe und kann auch dein allgemeines Wohlbefinden verbessern.
- Entspannungsverfahren: Mache ruhige Atemübungen, Meditation, Achtsamkeitsübungen oder progressive Muskelentspannung. Stress gilt als Trigger für viele Verdauungsbeschwerden – gerade dann, wenn du ohnehin eine empfindliche Verdauung oder ein Reizdarmsyndrom hast.
- Schonende Bewegung: Wenn du kannst, bleib in Bewegung – sanft, nicht leistungsorientiert – etwa durch Spaziergänge, leichtes Dehnen oder sanftes Yoga. Das fördert die Durchblutung, kann Krämpfe in der Gebärmutter und im Darm lösen und wirkt oft auch stimmungsaufhellend.
- Schmerzmittel und Durchfallmittel: Medikamente solltest du nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache einnehmen. Die folgenden Informationen ersetzen keine individuelle Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder in der Apotheke. Bei starken Regelschmerzen und Krämpfen, die durch Prostaglandine verursacht werden, können nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen helfen. Weitere Schmerzmittel können geeignet sein, sollten aber ebenfalls nicht dauerhaft ohne ärztliche Empfehlung verwendet werden. Bei sehr unangenehmem, kurzfristigem Durchfall während der Periode können vorübergehend Durchfallmittel infrage kommen. Sie verlangsamen die Darmbewegung und können den Stuhl eindicken.
- Hormonelle Verhütung (langfristig): Bei sehr starken, zyklusabhängigen Beschwerden – also immer wieder heftigen Krämpfen, starken Blutungen und ausgeprägtem Durchfall bei der Periode – kann eine hormonelle Verhütung langfristig helfen. Ob und welche Methode zu dir passt, solltest du immer gemeinsam mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen besprechen.
Ab wann sollte ich bei Durchfall während der Periode eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?
Auch wenn Durchfall während der Periode häufig und meist harmlos ist: Es gibt klare Situationen, in denen du nicht mehr nur auf Hausmittel setzen solltest.
Du solltest ärztlichen Rat einholen, wenn:
- Der Durchfall länger als zwei bis drei Tage anhält oder sich verschlimmert.
- Du starken oder anhaltenden Durchfall in jedem Zyklus hast, der dich im Alltag massiv einschränkt.
- Blut im Stuhl auftaucht.
- Du Fieber, Schüttelfrost, einen starken Krankheits- oder Erschöpfungszustand bemerkst.
- Du unerklärlich Gewicht verlierst.
- Du Zeichen von Austrocknung (Dehydratation) hast, wie zum Beispiel kaum Urin, starken Durst, Schwindel, Kreislaufprobleme, einen trockenen Mund oder Benommenheit.
- Du sehr starke Regelschmerzen hast.
- Der Verdacht auf Endometriose im Raum steht.
- Du vermutest, dass eine chronische Darmerkrankung oder ein Reizdarmsyndrom hinter deinen Beschwerden steckt.
Erste Ansprechpersonen sind in der Regel deine Hausärztin oder dein Gynäkologe. Bei akuten, schweren Beschwerden, starken Kreislaufproblemen oder deutlichen Zeichen von Austrocknung solltest du den ärztlichen Notdienst oder eine Notaufnahme kontaktieren.
Durchfall bei der Periode im Alltag: Tipps für Schule, Studium & Beruf
Wenn du in fast jedem Zyklus unter Durchfall leidest, kennst du wahrscheinlich die Sorge: „Schaffe ich es ohne Toiletten-Drama durch den Tag?“ Ein paar praktische Tipps können helfen:
- Pack dir Wechselunterwäsche, Binden, Tampons, Menstruationstasse und Periodenunterwäsche ein.
- Nimm Feuchttücher und gegebenenfalls Wundschutzcreme für die empfindliche Analregion mit.
- Plane Toilettenpausen ein.
- Schaue frühzeitig, wo Toiletten sind.
- Gehe vor wichtigen Terminen vorher zur Toilette.
- Plane Pausen ein.
- Reduziere, wenn möglich, Aufgaben, wenn es dir wirklich schlecht geht.
- Je nach Umfeld kann es entlastend sein, ehrlich zu sagen, dass du mit Regelschmerzen und Verdauungsproblemen kämpfst.
Und ganz wichtig: Menstruation und Verdauung sind nichts Peinliches. Durchfall bei Periode ist kein komischer Einzelfall, sondern etwas, das viele kennen – auch wenn kaum jemand darüber spricht.
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Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)
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Häufige Fragen zu Durchfall während der Periode
Ich habe sowohl Verstopfung als auch Durchfall im Zyklus – ist das normal?
Ja, das kann im Rahmen des Normalen liegen. In der zweiten Zyklushälfte neigen viele eher zu Verstopfung, Blähungen und Völlegefühl. Kurz vor der Periode und an den ersten Tagen der Blutung steigen die Prostaglandine, das Progesteron fällt – dadurch wird der Darm plötzlich aktiver, und es kann zu Durchfall kommen.
Hilft die Pille gegen Durchfall bei der Periode?
Kann Durchfall bei der Periode ein Hinweis auf Endometriose sein?
Muss nicht, kann aber. Viele Menschen haben völlig harmlose, hormonell bedingte Verdauungsprobleme während der Periode. Allerdings kann Endometriose, wenn sie im Beckenraum oder am Darm sitzt, zu sehr starken, zyklusabhängigen Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Schmerzen beim Stuhlgang während der Periode und sogar Blut im Stuhl zur Menstruationszeit führen.
Ist schmerzhafter Stuhlgang während der Periode normal?
Leichte Bauchkrämpfe beim Stuhlgang, wenn die Gebärmutter sowieso krampft, können bei Regelschmerzen normal sein. Denn Prostaglandine wirken gleichzeitig auf Gebärmutter und Darm – beides kann gleichzeitig ziehen und drücken.
Warum habe ich manchmal Verstopfung statt Durchfall während der Periode?
Nicht jede Person reagiert gleich. Bei einigen überwiegt die progesteronbedingte Verlangsamung des Darms – sie haben eher Verstopfung, manchmal sogar während der Blutung. Andere erleben zuerst Verstopfung, dann plötzlich Durchfall bei Beginn der Periode, wenn die Prostaglandine hochgehen und das Progesteron abfällt. Auch Ernährung, Stress, Bewegung, Schlaf und bestehende Verdauungsprobleme spielen eine große Rolle.
Was kann ich vorbeugend tun, um Durchfall während der Periode zu vermeiden?
Du kannst versuchen, ein Zyklustagebuch führen. Außerdem kann es helfen, in der Woche vor der Periode ausreichend zu trinken und auf eine leichte, ballaststoffbewusste Ernährung zu achten. Vermeide sehr fettige oder stark reizende Speisen und achte darauf, Koffein und Alkohol zu reduzieren.
Fachbereich der DAK-Gesundheit





