Slow Jogging: Ausdauer und Achtsamkeit beim Laufen

Faszinierende Sportarten kommen oft aus Japan: Judo, Aikido und Kyudo, um nur einige zu nennen. Mit „Niko-Niko-Running“, international bekannt als „Slow Jogging“, wird seit einiger Zeit ein neuer Laufsporttrend weltweit populär. Das Besondere daran: Anders als beim klassischen Jogging geht es weniger um Geschwindigkeit und Leistung als um Achtsamkeit, Ausdauer und schonende Bewegung. Langsames Joggen ist verblüffend effizient und eignet sich für viele. Sogar Sportmuffel finden dabei einen idealen Einstieg, um in Bewegung zu kommen. Hier erfährst du, wie Slow Jogging funktioniert, welche Vorteile es hat, für wen es sich besonders eignet und was du beachten solltest.
Was ist Slow Jogging?
Slow Jogging wurde von Professor Hiroaki Tanaka entwickelt. Der 2018 verstorbene Sportmediziner galt in Japan als „Lauf-Guru“. Er war Gründer des „Instituts für körperliche Aktivität“ der Universität von Fukuoka und Direktor der japanischen „Akademischen Gesellschaft für Laufsport“. Den Praxistest für die von ihm entwickelte Lauftechnik Slow Jogging lieferte er persönlich bei mehr als 60 Marathonläufen. Inspiriert wurde Tanaka möglicherweise durch die Arbeit des deutschen Arztes Ernst van Aaken. Dieser Sportpionier warb bereits in den Sechzigerjahren für ein ähnliches Konzept: Viel, aber langsam laufen, um die Ausdauer zu steigern.
Der Begriff „Slow Jogging“ (wörtlich: langsames Trotten) ist Programm: Anders als beim klassischen Jogging oder Laufen spielt beim Slow Jogging der Leistungsgedanke keine Rolle. Die Laufenden bewegen sich nicht mit raumgreifenden, sondern mit kleinen Trippelschritten voran. Dabei wird eine hohe Schrittfrequenz eingehalten. Diese ungewöhnliche Gangart stellt ein bemerkenswert effektives Ausdauertraining dar. Du stärkst damit dein Herz-Kreislauf-System, die Muskeln und förderst deine Beweglichkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Slow Jogging und Walking?
Beide Sportarten setzen auf schonende Bewegung bei mäßigem Tempo. Den wesentlichen Unterschied macht die Lauftechnik aus. Beim Walking hat stets ein Fuß Bodenkontakt, die Schritte sind lang, beim Laufen wird auf der Ferse aufgesetzt und abgerollt. Beim Slow Jogging gibt es trotz kurzer Trippelschritte eine kleine Flugphase. Der Fuß setzt auf dem Mittelfuß oder Ballen auf. Übrigens: Auf gleicher Strecke ist der Energieverbrauch beim Slow Jogging deutlich höher als beim Walking.
Wie schnell läuft man beim Slow Jogging?
Ein Kernelement beim Slow Jogging ist das „Niko-Niko-Prinzip". Frei übersetzt bedeutet das „mit einem Lächeln“. Der Gedanke dahinter: Während des Slow Joggings sollen die Laufenden entspannt lächeln und miteinander plaudern können. Es gilt, die Intensität niedrig zu halten und nicht außer Atem zu kommen oder zu ermüden. Mit einem Lächeln auf den Lippen gefühlt ewig weiterlaufen zu können, ist das Ziel.
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Beim Slow Jogging wird eine Frequenz von etwa 180 bis 190 Schritten pro Minute angestrebt, also etwa drei Schritte pro Sekunde. Das ist tendenziell etwas mehr als beim „normalen“ Jogging. Dass die zurückgelegte Strecke bei gleicher Zeit trotzdem viel kleiner ist, liegt schlicht an den kleinen Schritten. Je nach Fitnessgrad legen Slow-Joggende pro Stunde zwischen drei und sechs Kilometer zurück.
Für wen eignet sich Slow Jogging besonders gut?
- Im Alter: Mit regelmäßigem Laufen setzt du als Seniorin oder Senior dem Muskelabbau etwas entgegen. Gleichzeitig verringerst du durch mehr Beweglichkeit dein Sturzrisiko.
- Bei Mehrgewicht: Mit der richtigen Lauftechnik stören Extrapfunde die Bewegungsabläufe nicht. Außerdem verbrauchst du Energie und kannst somit eine gesunde Gewichtsreduktion unterstützen.
- Bei Gelenkproblemen: Auch bei akuten oder chronischen Schmerzen oder Steifheit sind die kleinen Schritte gut zu bewältigen. Das liegt daran, dass der Körper sich so nicht heftig auf- und abbewegt wie bei anderen Laufdisziplinen.
- Bei orthopädischer Vorbelastung: Slow Jogging ist durch die geringe Aufprallenergie eine schmerzarme Bewegungsform, die deine Hüfte, den Rücken und die Knie nicht zu sehr belastet.
- Bei Stress: Das langsame Laufen im Freien und die gleichförmige Bewegung können beruhigende, nahezu meditative Effekte bewirken. Das verschafft dir eine wertvolle Auszeit, um Kraft zu schöpfen und deine Achtsamkeit zu üben.
- In den Wechseljahren: In der Perimenopause und nach der Menopause verlangsamt sich der Stoffwechsel. Das kann zu mehr Bauchfett führen. Mit Slow Jogging bringst du den Stoffwechsel in Schwung und verbrennst Kalorien. Zugleich hilft das Laufen, das Osteoporose-Risiko (Knochenabbau) zu mindern, das durch den sinkenden Östrogenspiegel zunimmt.
Welche Vorteile hat Slow Jogging gegenüber herkömmlichem Jogging?
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Slow Jogging ist für Anfänger und Anfängerinnen ein optimaler Start. Sogar wenn deine sportlichen Möglichkeiten eingeschränkt sind, erlernst du die Slow-Jogging-Technik im Nu.
Im Direktvergleich mit konventionellem Jogging werden Gelenke und Sehnen weniger beansprucht. Das macht den Sport für Ungeübte oder bei Vorbelastungen schonender. Zudem ist das Verletzungsrisiko überschaubar, solange die Laufstrecke über ebenes Gelände führt. Außerdem ist beim Slow Jogging das Tempo entspannt. Es geht nicht darum, Leistung zu erbringen, sondern darum, sich mehr zu bewegen.
Puls und Kalorien beim Slow Jogging
Auch wenn es für einen Beobachter zunächst nicht so aussieht: Beim entspannten Joggen im „Niko-Niko-Tempo“ verbrennst du Energie und bringst dein Herz-Kreislauf-System in Schwung. Tatsächlich entspricht der Kalorienverbrauch dem beim klassischen Jogging – auf die Zeit gerechnet, nicht auf die zurückgelegte Strecke. Im Vergleich zum Walking liegt er etwa doppelt so hoch.
Wie viel das in konkreten Zahlen ist, variiert bei jedem Menschen. Faktoren wie Geschlecht, Gewicht, Gelände und Trainingsniveau beeinflussen die Kalorienbilanz. Zur groben Orientierung: Eine 60 Kilogramm schwere Frau verbraucht bei einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde etwa 350 Kalorien, ein 75 Kilogramm schwerer Mann etwa 450 Kalorien. 300 bis 500 Kalorien wären also eine realistische Größenordnung.
Slow Jogging: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Beim „Niko-Niko-Jogging“ weicht der Bewegungsablauf vom normalen Joggen oder Laufen ab. Wie es geht, zeigt dir folgende Anleitung.
Aufwärmen:
- Sanft dehnen: Waden, Oberschenkel und Fußmuskulatur.
- Bewegungsvorbereitung durch Treppensteigen, Ausfallschritte oder zügiges Gehen.
Körperhaltung:
- Aufrecht laufen, nicht nach vorne beugen.
- Brust raus, Schultern leicht zurücknehmen.
Fußtechnik:
- Mit dem Mittelfuß aufsetzen, nicht mit der Ferse.
- Die Ferse berührt den Boden nur kurz nach dem Auftritt.
Schrittlänge:
- Sehr kleine Schritte machen – nur wenige Zentimeter pro Schritt.
- Nicht stark vom Boden abstoßen oder abspringen.
Armbewegung:
- Arme locker und natürlich mitschwingen.
- Keine verkrampfte oder angespannte Haltung einnehmen.
Atmung:
- Natürlich atmen: durch die Nase ein- und ausatmen.
Laufrhythmus:
- Ziel: 180 Schritte pro Minute.
- Musik kann helfen, in den richtigen Rhythmus zu kommen. Gib einfach 180 bpm (beats per minute, Taktschläge pro Minute) in die Suchleiste eines Streamingdienstes ein.
Tipp für Anfänger: Lauf- und Gehphasen wechseln sich ab, auf eine Minute Slow Jogging folgen also 30 Sekunden Gehen. Achte darauf, dich nicht zu überfordern. Ruhiges Atmen und Gespräche müssen beim Laufen möglich sein. Vergiss nicht, nach der Trainingseinheit bei entspanntem Gehen eine Auslaufphase einzulegen.
Augen auf beim langsamen Joggen
Durch die kleinen flachen Schritte und die gerade Körperhaltung besteht beim Slow Jogging ein gewisses Stolperrisiko. Wo ein klassischer Läufer über kleine Hindernisse wie Steine oder Wurzeln „hinwegfliegen“ würde, bleiben bodennahe Schritte schnell hängen. Achte gut auf den Weg vor dir, damit du nicht auf die Nase fällst.
Häufige Fragen zum Slow Jogging
Wie gestalte ich einen Slow-Jogging-Trainingsplan?
Brauche ich eine spezielle Ausstattung fürs Slow Jogging?
Hat Slow Jogging Nachteile?
Fachbereich der DAK-Gesundheit


