Verhütung mit der Hormonspirale: Die wichtigsten Fakten im Überblick

Hormonspirale: Eine Gynäkologin sitzt an ihrem Schreibtisch und berät eine Patientin

Sicher und bequem für Jahre verhüten – mit der Hormonspirale ist das möglich. Wie diese Verhütungsmethode funktioniert, für wen sie empfohlen wird, welche Nebenwirkungen häufig auftreten können und mit welchen Vor- oder Nachteilen du rechnen musst, erfährst du hier!

Was ist die Hormonspirale?

Die Hormonspirale zählt, wie der Name vermuten lässt, zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Die Methode basiert auf einem T-förmigen Kunststoffkörper, welcher direkt in die Gebärmutter eingesetzt wird. Ein im Kunststoff als Depot enthaltenes Gestagen wird je nach Präparat über etwa drei bis acht Jahre hinweg in kleinen Dosen direkt im Uterus freigesetzt. 
Diese hochwirksame Verhütungsmethode bietet einen langfristigen und sehr zuverlässigen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Der Pearl-Index ist mit 0,1 bis 0,3 einer der niedrigsten Werte unter allen Formen der Verhütung. 

Wie wirkt die Hormonspirale?

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Die Hormonspirale setzt das Gestagen Levonorgestrel in kleinsten Mengen direkt in der Gebärmutter frei. Weil das Hormon direkt am Ort der Wirkung vorliegt, kann die tägliche Dosis im Körper deutlich geringer sein als bei der Mini-Pille oder der Dreimonatsspritze

Die Wirkung der Hormonspirale basiert zum einen auf einer Verdickung des Zervixschleims. Das erschwert es den Spermien bis in die Gebärmutter zu gelangen, um zu einer Eizelle im Eileiter vorzudringen. Zum anderen reduziert das freigesetzte Hormon den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, so dass eine möglicherweise befruchtete Eizelle keine idealen Bedingungen zur Einnistung vorfindet. Zudem wird die Beweglichkeit der Spermien gehemmt.

Aufgrund der geringen Dosis findet bei 60 bis 80 Prozent der Frauen der Eisprung ganz normal statt. Dass der Verhütungsschutz dennoch sehr hoch ist, liegt an der lokalen Wirkung des Hormons und der Kombination der verschiedenen Wirkmechanismen. 

Hormonspirale einsetzen – das erwartet dich!

Die Hormonspirale wird durch eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt eingesetzt. Der beste Zeitpunkt dafür ist die Monatsblutung, weil zu dieser Zeit der Muttermund leicht geöffnet ist, was die Prozedur deutlich erleichtert. 

Im ersten Schritt werden Lage und Länge der Gebärmutter mit einer Sonde genau vermessen. Anschließend wird die Hormonspirale mithilfe eines schmalen Einführungsröhrchens vorsichtig durch den Gebärmutterhals in den Uterus geschoben. Bei Bedarf kann die Stelle örtlich betäubt werden oder es können vorbeugend Schmerzmittel verabreicht werden.

Du kannst diesen Moment als kurzen, ziehenden Schmerz oder einen leichten Krampf wahrnehmen. Zum Abschluss kontrolliert die Ärztin oder der Arzt den Sitz der Hormonspirale mittels einer Ultraschalluntersuchung. 

Deine erste Zeit mit der Hormonspirale: Der Körper kann die Hormonspirale als „Fremdkörper“ wahrnehmen, so dass die Periode in den ersten Monaten stärker sein kann als zuvor. Hautirritationen, Stimmungsschwankungen und Zwischenblutungen können am Anfang häufiger vorkommen. Leichte, krampfartige Schmerzen sin in den ersten ein bis zwei Tagen normal und können gegebenenfalls durch Schmerzmittel gelindert werden. Fühlt sich etwas „komisch“ an oder hattest du eine ungewöhnlich starke Menstruation, lasse dich von deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt untersuchen – möglicherweise hat dein Körper die Hormonspirale abgestoßen. 

Für wen eignet sich die Hormonspirale?

Die Hormonspirale ist die richtige Wahl, wenn du

  • langfristig und zuverlässig verhüten möchtest,
  • wenn du keine Östrogene verträgst, beispielsweise bei erhöhtem Thromboserisiko, aber dennoch hormonell verhüten willst,
  • öfter mal die Pille vergisst und daher lieber eine dauerhafte Lösung bevorzugst,
  • unter starken oder schmerzhaften Monatsblutungen leidest und dir von der hormonellen Verhütung dahingehend Erleichterung versprichst,
  • unter Wechseljahresbeschwerden leidest und eine lokale hormonelle Therapie von deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt empfohlen wird.

Auch Frauen, die noch nicht schwanger waren, können mit der Hormonspirale verhüten. Aufgrund ihrer Anatomie wird diese Verhütungsform für Frauen unter 20 Jahren nur selten empfohlen. Bei Jugendlichen unter 16 Jahren wird die Hormonspirale nicht angewendet. Lass dich am besten von deiner Ärztin oder deinem Arzt beraten, ob eine Hormonspirale für dich infrage kommt. 

Achtung: Bedenken solltest du außerdem, dass die Hormonspirale zwar einen sicheren Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft bietet, nicht aber vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Bei wechselnden Sexpartnern ist daher eine zusätzliche Verhütung mit einem Kondom wichtig. 

Vorteile der Hormonspirale

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Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)

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Zuverlässig, langfristig und wenig anfällig – die Hormonspirale bietet umfassende Vorteile:

  • Sehr hohe Verhütungssicherheit über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren (je nach Präparat)
  • Keine Anwendungsfehler möglich, da du nicht an eine Einnahme denken musst und die Wirksamkeit selbst bei einem Magen-Darm-Virus erhalten bleibt
  • Geringere Hormonbelastung als bei der Mini-Pille oder der Dreimonatsspritze und daher oft bessere Verträglichkeit
  • Abnahme der Beschwerden im Rahmen der Monatsblutung als häufiger „Nebeneffekt“
  • Volle Rückkehr der Fruchtbarkeit wenige Monate nach dem Ziehen der Hormonspirale

Hormonspirale & Kosten – ein Vorteil?

Neben der einfacheren Anwendung und der hohen Zuverlässigkeit spielen auch die Kosten für viele Frauen eine Rolle bei der Entscheidung für die Hormonspirale. Über den gesamten Zeitraum von drei bis acht Jahren musst du mit etwa 250 bis 400 Euro Gesamtkosten rechnen. Die Kosten für die jährliche Kontrolle der Lage sind keine IGEL-Leistung und wir nicht von der Krankenkasse übernommen. 

Die Kosten für die vergleichbare Mini-Pille liegen bei 20 bis 50 Euro für drei Monate. Es lohnt sich also, hier genau nachzurechnen, was für dich langfristig günstiger ist. Bei Frauen unter 22 Jahren gelten auch bei der Hormonspirale die Regeln zur Kostenübernahme für Verhütungsmittel wie bei der Pille. 

Hormonspirale – Nebenwirkungen & Nachteile

Wie alle Verhütungsmethoden hat auch die Hormonspirale Nebenwirkungen und Nachteile. Zum einen können die typischen unerwünschten Wirkungen hormoneller Verhütungsmittel auftreten:

  • Zwischen- und Schmierblutungen oder Ausbleiben der Periode
  • Kopfschmerzen
  • Brustspannen
  • Libidoverlust
  • Akne und Haarausfall

Die Hormonspirale kann außerdem Entzündungen verursachen, verrutschen oder sogar herausfallen. Bleibt das Letztere unbemerkt, so kann es zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Bei Entzündungen ist unter Umständen eine Entfernung nötig.

Darüber hinaus sind bei der Hormonspirale Einsetzen und Entfernen oft unangenehme Vorgänge, welche nur durch medizinisches Fachpersonal vorgenommen werden können. Entwickelt sich ein Kinderwunsch, muss die Spirale unter Umständen vorzeitig entfernt werden. Es kann dann einige Monate dauern, bis sich wieder eine normale Fruchtbarkeit einstellt. 

Wie oft sollte der Sitz der Hormonspirale geprüft werden?

Weil die Hormonspirale verrutschen und gar herausrutschen kann, sollte ihr Sitz regelmäßig kontrolliert werden. Das passiert per Ultraschall einmal im Jahr bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Zusätzlich kannst du immer zum Ende deiner Periode mit einem frisch gewaschenen Finger vorsichtig die aus dem Muttermund ragenden Rückholfäden ertasten. Sie sollten sich immer gleich lang anfühlen. Tun sie das nicht, ist ein Check in der gynäkologischen Praxis ratsam. 

Häufige Fragen zur Hormonspirale

Hormonspirale: Welche gibt es?

In Deutschland sind derzeit drei Varianten verfügbar. Sie unterscheiden sich in ihrer Größe, ihrer üblichen Liegedauer und der enthaltenen Hormondosis. Im Rahmen der frauenärztlichen Beratung erfährst du, welches Präparat für dich und deine persönlichen Umstände am besten geeignet ist. 

Schwanger trotz Hormonspirale – kommt das oft vor?

Wie der Pearl-Index mit einem Wert unter 0,3 anzeigt, kommt eine Schwangerschaft trotz Hormonspirale sehr selten vor. Nur eine bis drei von 1.000 Frauen werden innerhalb eines Jahres trotz Hormonspirale schwanger. Darunter sind aber auch Frauen, deren Spirale verrutscht oder verloren gegangen ist. 

Hormonspirale – bis zu welchem Alter?

Die Hormonspirale kann helfen, Beschwerden zu lindern, die zu Beginn der Wechseljahre auftreten. Sie gibt ein Hormon ab, das in der Gebärmutter wirkt und dort den abnehmenden natürlichen Hormonspiegel ausgleicht, ohne den ganzen Körper zu beeinflussen. Deshalb kann die Hormonspirale bis zum Eintritt der Menopause eingesetzt werden, meist im Alter zwischen 45 und 55 Jahren. Insbesondere wenn Frauen in den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie einnehmen, wird die Hormonspirale empfohlen, um die Gebärmutterschleimhaut lokal vor übermäßigem Wachstum durch die Östrogene zu schützen.

Pickel durch Hormonspirale: Was tun?

Gerade in den Anfangsmonaten mit der Hormonspirale kommt es häufig zu  Nebenwirkungen wie unreiner Haut. In den meisten Fällen gibt sich das mit der Zeit. Machen kannst du da nicht viel: Verwende geeignete Hautpflegeprodukte und gib deinem Körper Zeit, sich auf die hormonelle Veränderung einzustellen. 

Was ist besser: Kupferspirale oder Hormonspirale?

Im direkten Vergleich gibt es keinen Sieger zwischen der Kupfer- und der Hormonspirale. Die richtige Wahl hängt von deinen persönlichen Umständen ab. Die Kupferspirale bietet eine zuverlässige hormonfreie Verhütung, kann aber mit stärkeren Monatsblutungen einhergehen. Bei der Hormonspirale sind die Blutungen oft schwächer als zuvor. Dafür nimmt sie Einfluss auf deine Hormone und kann etwa deine Lust auf Sex reduzieren. 
Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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