Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall? Symptome richtig einordnen

Plötzliche Rückenschmerzen lassen sich oft nicht auf den ersten Blick einordnen: Steckt ein Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall dahinter? Hier erfährst du, woran du die beiden Beschwerden unterscheidest, welche Symptome typisch sind und was dir bei Schmerzen helfen kann.
Wie merke ich, ob ich einen Hexenschuss oder einen Bandscheibenvorfall habe?
Der wichtigste Unterschied: Bei einem Hexenschuss sind meist die Muskeln im unteren Rücken beteiligt, bei einem Bandscheibenvorfall kann zusätzlich ein Nerv gereizt sein.
Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall: Typische Symptome und Unterschiede
Typisch für einen Hexenschuss sind plötzliche, stechende Schmerzen im unteren Rücken. Häufig verspannt sich die Muskulatur dabei so stark, dass Bewegungen vorübergehend schwerfallen. Bei einem Bandscheibenvorfall können zusätzlich Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust auftreten. Die Schmerzen können bis ins Gesäß oder Bein ausstrahlen.
Die folgende Übersicht zeigt, worin sich die Symptome eines Hexenschusses und die eines Bandscheibenvorfalls unterscheiden und ähneln:
Symptome | Hexenschuss (Lumbago) | Bandscheibenvorfall |
|---|---|---|
| Schmerzen | beginnen plötzlich, meist begrenzt auf den unteren Rücken | können ebenfalls plötzlich auftreten, bei einem Vorfall der Lendenwirbelsäule aber weiter ins Gesäß oder Bein ausstrahlen |
| Beweglichkeit | häufig deutlich eingeschränkt, oft durch verspannte Muskeln | kann durch die Schmerzen eingeschränkt sein |
| Kribbeln oder Taubheit | eher untypisch | möglich, wenn eine Nervenwurzel gereizt oder eingeengt wird |
| Kraftverlust | eher untypisch | Muskelschwäche kann auftreten, wenn ein Nerv stärker betroffen ist |
| Verlauf | bessert sich häufig innerhalb weniger Tage bis Wochen deutlich | Beschwerden können länger anhalten, bei größeren Bandscheibenvorfällen kann eine Operation notwendig sein, viele Vorfälle bessern sich auch ohne Operation |
Übrigens: Einen verlässlichen Hexenschuss- oder Bandscheibenvorfall-Test für zu Hause gibt es nicht, da sich die Symptome überschneiden. Ob ein Nerv beteiligt ist, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.
Sind starke Rückenschmerzen ein klarer Hinweis?
Nein, starke Schmerzen allein sind kein verlässlicher Hinweis, ob hinter den Beschwerden ein Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall steckt. Starke Rückenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Und auch ein Hexenschuss kann sehr schmerzhaft sein. Aussagekräftiger sind Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust. Für die Einordnung sind alle Symptome wichtig.
Wie entstehen Hexenschuss und Bandscheibenvorfall?
Ein Hexenschuss entsteht meist durch eine vorübergehende Reizung und Verspannung der Rückenmuskulatur, oft ohne erkennbare Ursache. Ein Bandscheibenvorfall entwickelt sich dagegen meist über Jahre durch Verschleiß der Bandscheiben.
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Auslöser eines Hexenschusses
Beim Hexenschuss kann eine ungünstige Bewegung beim Heben oder Drehen den Schmerz auslösen. Dahinter muss jedoch keine Verletzung oder Erkrankung der Wirbelsäule stecken. Fachleute sprechen deshalb häufig von unspezifischen Rückenschmerzen, also Schmerzen, bei denen keine eindeutig nachweisbare Ursache wie ein Bruch, Tumor, eine Entzündung oder ein Bandscheibenvorfall gefunden wird.
Auslöser eines Bandscheibenvorfalls
Beim Bandscheibenvorfall verlieren die Bandscheiben mit zunehmendem Alter an Elastizität. Dadurch kann Gewebe nach außen treten und einen Nerv im Wirbelkanal reizenoder einengen. Auch hier kann eine plötzliche Belastung die Schmerzen auslösen, muss aber nicht die eigentliche Ursache sein. Ein Bandscheibenvorfall kann grundsätzlich an verschiedenen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten, am häufigsten betrifft er jedoch die Lendenwirbelsäule (LWS), also den unteren Rücken.
Was hat der „Ischias“ damit zu tun?
Ischias-Beschwerden (Ischialgie) sind Schmerzen, die vom Gesäß bis in Bein oder Fuß ausstrahlen, weil der Ischiasnerv oder seine Nervenwurzeln gereizt werden. In den meisten Fällen steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter. Es kommen aber auch andere Ursachen infrage.
Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Rückenschmerzen?
Faktoren, die das Risiko für Rückenschmerzen erhöhen, sind:
- zu wenig Bewegung
- langes Sitzen
- ungewohnte Belastungen
- eine schwache Rumpfmuskulatur
Was hilft gegen die Rückenschmerzen?
Was tun bei Hexenschuss, Bandscheibenvorfall oder akuten Rückenschmerzen? Oft helfen einfache Maßnahmen:
- Bewegung: Bleib möglichst aktiv, vermeide langes Sitzen und längere Bettruhe. Kurze Spaziergänge können ein guter Anfang sein. Bewege dich nur so weit und lange, wie es die Schmerzen zulassen. Steigere das Pensum vorsichtig und lass ärztlich abklären, wann du wieder ins Sporttraining einsteigen kannst.
- Wärme: Eine Wärmflasche, ein Wärmepflaster oder ein warmes Bad können verspannte Muskeln lockern. Achte darauf, dass die Wärme angenehm bleibt.
- Entspannung: Schmerzen führen häufig dazu, dass sich die Muskulatur zusätzlich anspannt. Ruhiges Atmen oder eine progressive Muskelentspannung können dabei helfen, wieder etwas lockerer zu werden.
- Belastung reduzieren: Verzichte bei akuten Schmerzen vorübergehend auf schweres Heben sowie ruckartige Bewegungen oder Drehungen.
- Medikamente: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen können akute Rückenschmerzen kurzfristig lindern. Beachte die Angaben in der Packungsbeilage und die empfohlene Höchstdosis. Bei Magen-, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, anderen Medikamenten oder Schwangerschaft kläre die Einnahme vorher ärztlich oder in der Apotheke ab. Bei einem Bandscheibenvorfall kann die Ärztin oder der Arzt bei starken Beschwerden verschreibungspflichtige Medikamente erwägen.
Wie lange halten die Beschwerden an?
Ein Hexenschuss bessert sich meist innerhalb weniger Tage bis Wochen, ein Bandscheibenvorfall kann länger dauern. Bei etwa neun von zehn Betroffenen mit Bandscheibenvorfall lassen die Schmerzen innerhalb von sechs Wochen nach. Vermutlich baut der Körper einen Teil des ausgetretenen Bandscheibengewebes ab oder das Gewebe verschiebt sich so, dass der Nerv nicht mehr gereizt wird.
Halten die Rückenschmerzen länger an, besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welche weitere Behandlung sinnvoll sein könnte. Eine Operation ist bei einem Bandscheibenvorfall nur selten notwendig. Bei Lähmungserscheinungen oder Störungen von Blase und Darm kann sie jedoch dringend erforderlich sein.
Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall: Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?
Rückenschmerzen haben selten eine gefährliche Ursache. Bei leichteren Beschwerden kannst du dich zunächst an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt wenden. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Rufe die 112 oder fahre in die Notaufnahme, wenn:
- du Blase oder Darm nicht mehr richtig kontrollieren kannst,
- du ein Taubheitsgefühl im Schritt oder Genitalbereich bemerkst,
- plötzlich Lähmungserscheinungen in den Beinen auftreten.
Geh noch heute zur Ärztin oder zum Arzt, wenn:
- dein Fuß beim Gehen plötzlich hängen bleibt (Fußheberschwäche),
- Fieber hinzukommt,
- dem Schmerz ein Sturz oder Unfall vorausging.
Zeitnah solltest du ärztlichen Rat einholen, wenn:
- eine Muskelschwäche zunimmt,
- das Kribbeln bis ins Bein oder den Fuß anhält,
- sich die Schmerzen nach einigen Tagen nicht bessern oder deutlich stärker werden.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Bei einer ärztlichen Untersuchung werden deine Beweglichkeit, Muskelkraft und Reflexe getestet. Außerdem wird geprüft, ob du Berührungen normal wahrnimmst. Für die Diagnose spielt es auch eine Rolle, wann die Schmerzen begonnen haben und wo sie genau auftreten.
Ein MRT oder eine andere bildgebende Untersuchung ist nicht bei jedem Rückenschmerz erforderlich. Bei länger anhaltenden oder stärker werdenden Beschwerden kann sie jedoch sinnvoll sein, um über die weitere Behandlung zu entscheiden, vor allem bei einem Bandscheibenvorfall.
Wie beuge ich Rückenschmerzen im Alltag vor?
Am besten beugst du Rückenschmerzen mit regelmäßiger Bewegung vor. Dazu kommen Pausen beim Sitzen und rückenschonendes Heben:
- Bewegung: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen pro Woche mindestens 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität. Krafttraining sollte an mindestens zwei Tagen dazukommen. Für zu Hause eignen sich gezielte Übungen gegen Rückenschmerzen, um die Körpermitte zu kräftigen.
- Spazierengehen: Regelmäßige Spaziergänge können helfen, erneuten Kreuzschmerzen vorzubeugen. In einer australischen Studie „Walk Back“ erhielten Menschen, die sich von Rückenschmerzen erholt hatten, ein individuell angepasstes Gehprogramm. Ziel waren fünf Spaziergänge pro Woche von jeweils mindestens 30 Minuten. Die Rückenschmerzen kehrten in dieser Gruppe deutlich später zurück als in der Vergleichsgruppe.
- Bewegungspausen: Unterbrich langes Sitzen regelmäßig und wechsle zwischendurch deine Position. Achte außerdem auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz.
- Richtig heben: Hebe schwere Gegenstände möglichst kontrolliert und nah am Körper. Beuge dabei die Knie und vermeide es, dich unter Belastung zu verdrehen.
Häufige Fragen zu Hexenschuss und Bandscheibenvorfall
Kann Osteopathie bei Rückenschmerzen helfen?
Kann Chiropraktik bei einem Bandscheibenvorfall helfen?
Darf ich mit Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall noch Sport machen?
Welche Schlafposition ist bei Rückenschmerzen am besten?
Fachbereich der DAK-Gesundheit
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