Hodenbruch: Symptome erkennen, Risiken verstehen, richtig behandeln

Ein Mann sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einem Sofa und hält sich den Bauch.

Schwellungen und Schmerzen am Hoden können eine ganz spezielle Form des Leistenbruchs zur Ursache haben: den Hodenbruch, auch Skrotalhernie genannt. Hier erfährst du, was hinter der Erkrankung steckt, welche Risikofaktoren es gibt, wie der Hodenbruch erkannt und auf welche Weise er behandelt wird. 

Was ist ein Hodenbruch (Skrotalhernie)?

Ein Hodenbruch ist eine besondere Form des Leistenbruchs. Dabei tritt Bauchgewebe – meist eine Darmschlinge – durch eine Schwachstelle in der Bauchwand bis in den Hodensack vor. Sichtbar wird das als einseitige Schwellung oder Auswölbung am Hoden, die sich im Liegen oft zurückbildet. Medizinisch heißt diese Form Skrotalhernie.

Ursache ist meist eine angeborene oder erworbene Bindegewebsschwäche im Bereich des Leistenkanals. Durch eine kleine Öffnung (Bruchpforte) schiebt sich das Bauchfell mit Gewebeanteilen entlang des Samenstrangs in den Hodensack. Der Hoden selbst ist dabei nicht „gebrochen“ – betroffen ist die Bauchwand. Ein Hodenbruch heilt nicht von allein und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Wie entsteht ein Hodenbruch?

Wie bei allen anderen Arten des Leistenbruchs ist auch bei einem Hodenbruch eine Schwäche, eine Verletzung oder eine Fehlentwicklung des Bindegewebes in der Bauchwand der Grund für die Erkrankung. Durch Lücken in der Bauchwand kann Gewebe aus dem Bauchraum in den Bruchsack drücken. Verstärkt wird das Problem bei einem hohen Druck innerhalb der Bauchhöhle, da dieser Lücken im Bindegewebe zum Leistenkanal verursachen kann. 

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Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)

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Wichtig: Bei Säuglingen kann eine offene Verbindung zwischen Bauchhöhle und Hodensack während der Embryonalentwicklung entstehen und ist damit angeboren

Risikofaktoren für die Skrotalhernie

Kleine Hernien (Leistenbrüche) bleiben oft lange unentdeckt, weil sie symptomlos verlaufen können. Erst wenn bestimmte Risikofaktoren zum Tragen kommen, meldet sich der Hodenbruch mit Beschwerden. Er kann allerdings auch mit akuten Symptomen auftreten.

Unter den folgenden Umständen ist das Risiko für einen Hodenbruch höher als im Durchschnitt:

  • Erhöhter Druck im Bauch: Häufiges, starkes Pressen wegen Verstopfung, chronischer Husten durch Lungenerkrankungen oder Rauchen können ebenso wie das regelmäßige Heben schwerer Lasten zu einem erhöhten Bauchdruck führen. Kraftbetontes Arbeiten und Sportarten intensives Gewichtheben haben eine ähnliche Wirkung. Mehr Informationen über den Zusammenhang zwischen Leistenbruch und Sport.
  • Starkes Übergewicht: Bei Adipositas entsteht ein hoher Druck auf die Bauchwand, was dazu führen kann, dass sich Leistenbrüche bilden.
  • Operationen: Wurdest du bereits am Unterbauch operiert? Im Bereich von Narben kann das Gewebe geschwächt sein, was Leistenbrüche begünstigen kann.
  • Angeborene Bindegewebslücken: Frühgeborene Jungen haben ein vier- bis fünfmal höheres Risiko für einen Leisten- oder Hodenbruch im Vergleich zu termingerecht geborenen Buben. 

Zigaretten und Alkohol adé!

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Andere Risikofaktoren sind hormonelle Störungen, bestimmte Formen von rheumatischen Erkrankungen (Kollagenose) sowie sehr selten eine Krebserkrankung. 

Wichtig: Rauchen erhöht das Risiko für einen Hodenbruch nicht nur wegen des erhöhten Bauchdrucks durch häufiges Husten – es beeinträchtigt außerdem die Durchblutung des Gewebes und fördert die Bindegewebsschwäche. 

Welche Symptome treten bei einem Hodenbruch auf?

Bei Erwachsenen entwickelt sich der Hodenbruch sehr häufig aus einem Leistenbruch. Die Symptome sind ähnlich und gehen teilweise ineinander über. Generell gilt: Bei einem Leisten- oder Hodenbruch verstärken sich die Beschwerden bei Belastungen wie Husten, Pressen oder Heben

Drückt Gewebe aus dem Bauchraum über eine Öffnung in den Hodensack, so macht sich das vor allem durch die folgenden Anzeichen und Beschwerden bemerkbar:

  • Schwellung des Hodensacks
    Eine starke, oft einseitige und im Liegen rückbildbare Auswölbung macht sich bemerkbar. Manchmal sind Darmteile oder Flüssigkeit tastbar.
  • Hodenschmerzen 
    Ziehende Schmerzen sind spürbar. Diese können in die Leiste oder den anderen Hoden ausstrahlen, oft verbunden mit einem Druck- oder Spannungsgefühl.
  • Verdauungsprobleme
    Übelkeit oder Verstopfung sind möglich.

Welche Erkrankungen können ähnlich aussehen?

Nicht jede Schwellung im Hodensack ist ein Hodenbruch. Ähnliche Beschwerden können unter anderem auftreten bei:

Vor allem bei plötzlich starken Schmerzen muss eine Hodentorsion rasch ausgeschlossen werden. Eine ärztliche Untersuchung schafft hier Sicherheit.

Ist ein Hodenbruch gefährlich?

Ein Hodenbruch ist behandlungsbedürftig, aber nicht automatisch lebensbedrohlich. Gefährlich wird er, wenn sich Darmanteile einklemmen. Ohne Einklemmung schreitet ein Hodenbruch meist langsam fort, heilt aber nicht von selbst.

Skrotalhernie mit Einklemmung – ein Notfall!

In seltenen Fällen kann der Hodenbruch zu einem medizinischen Notfall werden. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel eine Darmschlaufe in den Hodensack gedrückt und dann eingeklemmt wird. Die Blutzufuhr für diese Darmschlaufe wird dann unterbrochen, weshalb es zu dauerhaften Schäden im Gewebe kommen kann. Erkennen kannst du diesen Ernstfall an starken, akuten Schmerzen, einer nicht wieder zurückdrückbaren Verhärtung im Hodensack. Weitere Warnsignale sind Übelkeit, Erbrechen und im Extremfall blutige Stühle – hier sofort ärztliche Hilfe aufsuchen

Was passiert, wenn ein Hodenbruch unbehandelt bleibt?

Ein unbehandelter Hodenbruch verschwindet nicht von allein. Die Bruchlücke bleibt bestehen und kann sich vergrößern. Mit der Zeit nehmen Schwellung und Beschwerden häufig zu. Außerdem steigt das Risiko einer Einklemmung von Darmanteilen. Deshalb empfehlen Ärztinnen und Ärzte in der Regel eine geplante Operation, bevor Komplikationen auftreten.

Wie wird ein Hodenbruch diagnostiziert?

Es ist wichtig die Skrotalhernie von anderen ähnlichen Erkrankungen abzugrenzen und die weiteren Schritte innerhalb der Behandlung mit einer medizinischen Fachperson zu planen. Um das zu erreichen, wird meist eine mehrstufige Diagnostik durchgeführt:

KOSTENLOSE VORSORGE FÜR MÄNNER UND FRAUEN

Manche Krankheiten zeigen lange keine Symptome. Um sie trotzdem früh zu erkennen und behandeln zu können, sind Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig. 

  • Anamnese und Sichtbefund
    Du beschreibst deine Beschwerden und Beobachtungen wie Schmerzen oder Schwellungen und zeigst dem Arzt oder der Ärztin die Vorwölbung am Hodensack.
  • Tastuntersuchung
    Nun wird getestet, ob sich die Vorwölbung „reponieren“, sprich zurückdrücken lässt. Über gezieltes Husten oder Pressen im Stehen lässt sich das erneute Vorwölben des Bruchsacks provozieren. Eine Tastuntersuchung der Skrotumfalte und, wenn nötig, über den Enddarm runden diesen Untersuchungsschritt ab.
  • „Auskultation“
    Darunter versteht man das Abhören der Vorwölbung mit einem Stethoskop. Handelt es sich im Bruchsack um eine Darmschlaufe, so sind Darmgeräusche zu hören.
  • Ultraschall
    Diese Standard-Bildgebung kommt zum Einsatz, um andere Ursachen auszuschließen. Zugleich erlaubt das Verfahren eine Beurteilung des Bruchsacks im Hinblick auf Größe und Füllung sowie Verhalten beim Pressen oder im Liegen.
  • Erweiterte Bildgebung
    In seltenen Fällen wird zusätzlich ein MRT oder CT gemacht, um Komplikationen wie inneren Leistenbrüche auszuschließen. Wenn nötig erlaubt eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) den direkten Blick auf die Bruchstelle und andere Veränderungen im Bauchraum. In diesem Rahmen kann teilweise direkt behandelt werden. 

Wie wird ein Hodenbruch behandelt?

Aufgrund des hohen Risikos einer Einklemmung von Darmgewebe in der Hodenbruchstelle ist eine operative Behandlung nahezu immer notwendig. Eine konservative Therapie mit Bruchbändern ist nicht empfehlenswert.

In vielen Fällen kann ein Hodenbruch minimalinvasiv operiert werden. Nur bei einer ungünstigen Lage und einer ausgeprägten Größe der Hernie sowie bei einer Verwachsung des Bruchs im Hodensack ist eine offene Operation notwendig. 

Offene Operation der Skrotalhernie

Diese OP-Form ist für große und im Hodensack fixierte Hernien die beste Wahl, weil bei ausgeprägten Verwachsungen im Hodensack eine minimalinvasive Abtragung kaum möglich ist. 

Über einen Schnitt in der Leiste gelingt der Zugang zum Bruchsack, um diesen zu reponieren. Die Bruchpforte kann dann mit Nähten oder einem Kunststoffnetz verschlossen werden. Die Operation erfolgt oft unter lokaler Betäubung und deshalb ambulant. Aufgrund der längeren Naht treten nach dem Eingriff meist längere und stärkere Schmerzen auf als beim minimalinvasiven Eingriff. Die Komplikationsrate bei der offenen OP-Form ist sehr gering. 

Minimalinvasive Laparoskopie der Skrotalhernie

Diese schonende Methode ist für kleine bis mittlere Hodenbrüche und Leistenhernien bestens geeignet. Über drei kleine Schnitte können der Hodenbruch reponiert und die Bruchpforte mit einem Netz verschlossen werden – je nach Befund und Klinik ambulant oder mit kurzem Krankenhausaufenthalt möglich. Das Verfahren ist ideal bei beidseitigen oder wiederkehrenden Hernien, hat selbst aber ein geringes Rezidivrisiko. 

Was bedeutet ein Hodenbruch im Alltag?

Darf ich mit einem Hodenbruch Sport treiben?

Leichte Bewegung ist meist möglich, belastende Sportarten mit starkem Pressen oder Heben sollten jedoch vermieden werden. Aktivitäten wie intensives Krafttraining können den Druck im Bauchraum erhöhen und Beschwerden verstärken. Bis zur Operation sollte körperliche Belastung ärztlich abgestimmt werden.

Ist Sex bei einem Hodenbruch erlaubt?

Sex ist grundsätzlich nicht verboten. Treten dabei Schmerzen oder Druckgefühl auf, sollte die Belastung reduziert werden. Ein Hodenbruch verschlechtert sich durch Geschlechtsverkehr in der Regel nicht akut, kann jedoch Beschwerden verstärken.

Kann ein Hodenbruch unfruchtbar machen?

Ein unkomplizierter Hodenbruch beeinträchtigt die Fruchtbarkeit meist nicht. Komplikationen wie eine länger bestehende Einklemmung oder sehr große Hernien können jedoch die Durchblutung im Bereich des Samenstrangs beeinflussen. Deshalb ist eine rechtzeitige Behandlung wichtig.

Wie lange sollte ich mich nach der Operation schonen?

Nach einer minimalinvasiven Operation sind leichte Tätigkeiten oft nach ein bis zwei Wochen wieder möglich. Schweres Heben sollte für mehrere Wochen vermieden werden. Die genaue Dauer hängt vom Eingriff und der individuellen Heilung ab.

Häufige Fragen zum Hodenbruch

Worin unterscheidet sich ein Hodenbruch von einem Leistenbruch?

Wie lässt sich ein Hodenbruch vorbeugen?

Wie lange ist man nach der Hernien-Operation krankgeschrieben?

Wie äußert sich eine Skrotalhernie bei Kindern?

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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