Varikozele: Ursachen, Symptome & Behandlung der Krampfader am Hoden

Die meisten denken bei Krampfadern zuerst an die Beine. Tatsächlich können aber auch am Hoden Krampfadern auftreten. Diese sogenannten Varikozelen merkst du oft erst, wenn es im Hodensack zieht, er sich schwer anfühlt oder du zufällig beim Tasten eine Veränderung spürst. Wenn du erst mal verunsichert bist, dann ist das völlig verständlich. Die gute Nachricht: In vielen Fällen sind diese Krampfadern harmlos. Hier erfährst du, wie eine Varikozele entsteht, wie du sie bemerkst und wann Handlungsbedarf besteht.

Ein junger Mann sitzt mit hochgezogenen Beinen auf einem Sofa und sieht nachdenklich aus.

Was sind Varikozelen und wie entstehen sie?

Varikozelen sind Krampfadern am Hoden. Genauer gesagt handelt es sich um erweiterte Venen im Hodensack, meist oberhalb des Hodens. Sie entstehen, wenn das Blut aus den Venen nicht mehr richtig zum Herzen zurückfließt und sich dadurch staut. Häufig liegt das daran, dass die Venenklappen – kleine „Ventile“ in den Gefäßen – nicht richtig funktionieren. Dadurch weiten sich die Venen am Hoden ähnlich wie bei Krampfadern in den Beinen. Häufig entsteht eine Varikozele auf der linken Seite. Die linke Hodenvene ist nämlich länger und hat einen ungünstigeren Winkel als die rechte. Das Blut fließt dort schwerer wieder ab und kann sich leichter stauen. 

Wie häufig kommen Varikozelen vor?

Das Portal Gesundheitsinformation.de gibt an, dass zwischen fünf und 15 Prozent aller männlichen Jugendlichen und Erwachsenen betroffen sind. Besonders häufig treten sie zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr auf, weil zu dieser Zeit das Wachstum und die Durchblutung besonders intensiv sind. Eine einmal gebildete Varikozele bleibt oft ein Leben lang bestehen, kann sich aber auch verändern. 

Varikozele: Ursachen & Risikofaktoren

Varikozelen entstehen vor allem durch einen gestörten Blutfluss, wobei die Ursachen dafür meist angeboren sind. Dazu gehören: 

  • Schwache oder fehlende Venenklappen: Diese Klappen sollen verhindern, dass das Blut zurückfließt. Arbeiten sie im Intimbereich nicht richtig, können sich die Venen erweitern.
  • Empfindliche oder schwache Gefäßwände: Bei manchen Menschen geben die Venenwände leichter nach. Auch das kann eine Varikozele begünstigen.
  • Familiäre Veranlagung: Das Risiko für eine Varikozele kann höher sein, wenn Venenschwächen in deiner Familie häufiger vorkommen.

Daneben gibt es weitere Faktoren, die eine Varikozele begünstigen können:

  • Langes Stehen oder schweres Heben: Beides kann den Druck in den Venen erhöhen und den Blutabfluss erschweren.
  • Erhöhter Druck im Bauchraum: Dieser kann etwa durch chronischen Husten, intensiven Sport oder starkes Pressen entstehen.
  • Überwiegend sitzender Alltag: Wenig Bewegung kann den venösen Rückfluss ungünstig beeinflussen.
  • Niedriger BMI: Vor allem sehr schlanke Jungen und Männer sind von Varikozelen betroffen.
  • Starke körperliche Belastung: Regelmäßiges schweres Tragen und Heben im Alltag kann den Druck auf die Gefäße erhöhen.
  • Andere Ursachen: In seltenen Fällen können auch Thrombosen oder Tumore den Blutabfluss stören und so eine Varikozele auslösen.

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Varikozele: Symptome & Beschwerden 

Die meisten Betroffenen merken lange nichts von ihrer Varikozele. Oft wird sie zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Untersuchung. Erst bei stärker ausgeprägten Varikozelen können Beschwerden auftreten wie: 

  • Schwellungen am Hodensack
  • Sichtbare oder tastbare Vergrößerungen der Venen
  • Leicht ziehende Hodenschmerzen, die kommen und gehen
  • Ziehen, Druck- oder Schweregefühl im Hodensack, das im Stehen oder bei Belastung zunimmt 

Wirkt sich eine Varikozele auf die Fruchtbarkeit aus?

Eine Varikozele kann sich auf die Fruchtbarkeit auswirken, muss es aber nicht. Es wird vermutet, dass der Hoden durch die Krampfader schlechter durchblutet wird und sich Wärme staut. Beides kann die Spermienqualität und Fruchtbarkeit verschlechtern. Das betrifft aber nicht jeden. Vaterwerden ist also trotz Varikozele für viele Männer möglich. 

Üblicherweise beeinflusst eine Varikozele nicht die Erektionsfähigkeit. Indirekt kann sie sich allerdings auf die Sexualität auswirken. Bei manchen Männern sinkt nämlich durch den „Stress“ im Hoden der Testosteronspiegel, was wiederum die Libido verringert. Fehlt die Lust, spielt der Körper oft nicht mit. Das wirkt dann für Betroffene wie eine Erektionsstörung, hat aber eigentlich hormonelle Ursachen.

Wann du eine Varikozele ärztlich abklären lassen solltest 

Bei einer Varikozele solltest du vor allem dann zum Arzt oder zur Ärztin gehen, wenn du Beschwerden hast oder dir eine Verkleinerung am Hoden auffällt. Das könnte ein Hinweis auf den anhaltenden Blut- und Wärmestau sein, der den Hoden mit der Zeit schrumpfen lässt. Wird eine Varikozele früh erkannt und behandelt, kann sich das Gewebe aber meist vollständig erholen. Erste Anlaufstelle ist hier deine Hausärztin oder dein Urologe. Auch wenn du einen unerfüllten Kinderwunsch hast, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Spürst du Symptome wie eine ungewöhnliche Antriebslosigkeit, Libidoverlust oder ständige Müdigkeit, solltest du dich zudem ärztlich durchchecken lassen. 

Kostenlose Vorsorge für Männer und Frauen

Manche Krankheiten zeigen lange keine Symptome. Um sie trotzdem früh zu erkennen und behandeln zu können, sind Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig. 

Untersuchung und Diagnostik der Varikozele

Bist du von einer Varikozele betroffen, untersucht deine Ärztin oder dein Arzt den Hoden in mehreren Schritten. Zu Beginn wird er einer Sichtprüfung unterzogen und abgetastet (Palpation). Diese Untersuchungen erfolgen im Stehen und im Liegen.

Im nächsten Schritt kann die ertastete Varikozele mithilfe eines Ultraschallgeräts (Sonografie mit Doppler) näher untersucht werden. Dies erlaubt zum einen die Bestimmung von Venendurchmesser, Menge des Blutrückflusses und Hodengröße, zum anderen aber auch den Ausschluss eines Tumors im Bereich der Hoden- oder Nierenvene.  

Wenn nötig, können zusätzliche Tests durchgeführt werden. Dazu zählt beispielsweise ein Spermiogramm bei Verdacht auf eingeschränkte Fruchtbarkeit. Bei unklarem Befund oder Verdacht auf andere Ursachen kann der Arzt oder die Ärztin weiterführende Untersuchungen anordnen. 

Die Schweregrade beschreiben, wie gut eine Varikozele bei der Untersuchung zu erkennen oder zu tasten ist. Sie sagen also vor allem etwas darüber aus, wie ausgeprägt die erweiterten Venen sind. Üblich ist die Einteilung in Grad I bis III

  • Grad I: Die Varikozele ist nicht sichtbar und nur tastbar, wenn du presst.
  • Grad II: Die Varikozele ist nicht sichtbar, aber auch ohne Pressen tastbar.
  • Grad III: Die Varikozele ist deutlich sichtbar und meist auch gut tastbar. Typisch ist das Gefühl von „geschlängelten Venen“ im Hodensack. 

So wird eine Varikozele behandelt

In den allermeisten Fällen müssen die Krampfadern nicht behandelt werden, solange sie keine Beschwerden verursachen. Hast du jedoch Schmerzen, hat sich dein Hoden verändert oder beeinflusst die Varikozele deine Fruchtbarkeit, wird versucht, die erweiterte Vene zu verschließen. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: eine Operation oder eine Verödung der Vene. Beide Verfahren zeigen gute Ergebnisse beim Verschluss der erweiterten Vene. Hodenschmerzen sprechen in den meisten Fällen auf die Behandlung an. Ob und wie stark sich die Fruchtbarkeit verbessert, hängt vom Einzelfall ab – bei einem Teil der Männer verbessern sich die Spermienwerte, bei anderen bleibt der Effekt geringer. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann das individuell einschätzen

Häufige Fragen zur Varikozele

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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