Varikozele: Ursachen, Symptome & Behandlung der Krampfader am Hoden

Ein junger Mann sitzt mit hochgezogenen Beinen auf einem Sofa und sieht nachdenklich aus.

Krampfadern kennst du wahrscheinlich vor allem von den Beinen. Tatsächlich können sie auch im Hoden auftreten: die sogenannten Varikozelen. Wenn du so etwas bemerkst, kann dich das erst einmal verunsichern. Das ist völlig verständlich. Die gute Nachricht: In vielen Fällen ist eine Varikozele harmlos und verursacht keine Beschwerden. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen – vor allem, wenn du Schmerzen hast oder dir unsicher bist. Hier erfährst du, woher sie kommt, wie du sie bemerkst und wann Handlungsbedarf besteht.

Was sind Varikozelen und wie entstehen sie?

Sexuelle Aufklärung mit Doktorsex

Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)

doktorsex_klein_Abb

Folge Doktorsex auf

Die Anatomie des Mannes umfasst innere und äußere Geschlechtsorgane, die unter anderem für die Hormonproduktion und die Fortpflanzung zuständig sind. Damit die Hoden optimal arbeiten, benötigen sie eine gute Durchblutung und eine konstante Temperatur. Ein feines Gefäßnetz rund um den Hodensack sorgt dafür.

Wenn sich in diesem Venengeflecht eine Vene erweitert, spricht man von einer Varikozele, einer Krampfader am Hoden. Ursache ist meist ein gestörter Blutfluss: Das Blut kann nicht richtig zum Herzen zurückfließen und staut sich. Häufig liegt das daran, dass die Venenklappen – kleine „Ventile“ in den Gefäßen – nicht richtig funktionieren. Dadurch weiten sich die Venen, ähnlich wie bei Krampfadern in den Beinen.

Medizinisch werden Varikozelen nach Schweregrad eingeteilt:

  • Grad I: unter einem Zentimeter dick und nur beim Pressen (Valsalva-Manöver) tastbar
  • Grad II: ein bis zwei Zentimeter dick und ohne Druck tastbar
  • Grad III: über zwei Zentimeter dick und sowohl sicht- als auch tastbar

Wie häufig kommen Varikozelen vor?

Varikozelen sind gar nicht so selten. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen fünf und 20 Prozent aller männlichen Jugendlichen und Erwachsenen betroffen sind. Besonders häufig treten sie zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr auf, weil zu dieser Zeit Wachstum und Durchblutung besonders intensiv sind. Eine einmal gebildete Varikozele bleibt oft ein Leben lang bestehen, kann sich aber auch verändern. 

Varikozele: Ursachen & Risikofaktoren

Grundsätzlich unterscheidet man bei Varikozelen zwischen primären und sekundären Ursachen.

Zu den primären, auch idiopathisch genannten Ursachen gehören zum Beispiel:

  • Angeborene Veränderungen der Hodenvene
  • Schwache oder fehlende Venenklappen
  • Besonderheiten im Gefäßverlauf, vor allem auf der linken Seite

Zu den sekundären, auch als symptomatisch bezeichneten Ursachen gehören zum Beispiel:

  • Tumore, die Gefäße verdrängen
  • Nussknacker-Phänomen (Gefäßkompression)
  • Thrombosen oder Gefäßverletzungen

Die sekundären Ursachen kommen verglichen mit den primären Auslösern nur sehr selten vor.

Risikofaktoren für Varikozelen

Das Wichtigste vorweg: Bei den meisten Betroffenen ist die Entwicklung einer Varikozele aufgrund der anatomischen Voraussetzungen vorherzusehen und damit angeboren. Diese meist linksseitig auftretende Varikozele ist nicht selbst verschuldet und entsteht in den meisten Fällen während der Pubertät. 

Faktoren, die eine Varikozele begünstigen können, sind zum Beispiel:

  • Genetische Veranlagung
  • Langes Stehen oder schweres Heben
  • Erhöhter Druck im Bauchraum (zum Beispiel durch Husten oder intensiven Sport)
  • Niedriges Körpergewicht (kann den Blutfluss beeinflussen)
  • Sitzende Tätigkeiten
  • Hitzeeinwirkung oder Anabolika 

Varikozele: Symptome & Beschwerden 

Die meisten Betroffenen merken lange nichts von ihrer Varikozele. Oft wird sie zufällig entdeckt – zum Beispiel bei einer Untersuchung. Erst bei stärker ausgeprägten Varikozelen können Beschwerden auftreten:

  • Schwellungen am Hodensack
  • Ziehen, Druck- oder Schweregefühl im Hodensack, das im Stehen oder bei Belastung zunimmt
  • Sichtbare oder tastbare Venenwucherungen
  • Leicht ziehende Hodenschmerzen, die kommen und gehen
Selten kann es auch zu einer Verkleinerung des Hodens oder Problemen mit der Fruchtbarkeit kommen. Übrigens: Erektionsstörungen stehen nicht im Zusammenhang mit Varikozelen.

Untersuchung und Diagnostik der Varikozele

KOSTENLOSE VORSORGE FÜR MÄNNER UND FRAUEN

Manche Krankheiten zeigen lange keine Symptome. Um sie trotzdem früh zu erkennen und behandeln zu können, sind Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig. 

Deine Ärztin oder dein Arzt untersucht den Hoden in mehreren Schritten. Zu Beginn wird der Hoden einer Sichtprüfung unterzogen und abgetastet (Palpation). Diese Untersuchungen erfolgen im Stehen und im Liegen. Im Stehen verstärkt der Effekt der Schwerkraft primäre Varikozelen, während sie sich beim Liegen entleeren und deshalb ein Rückgang zu fühlen ist. 

Im nächsten Schritt kann die ertastete Varikozele mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung (Sonografie mit Doppler) näher untersucht werden. Dies erlaubt zum einen die Bestimmung von Venendurchmesser, Menge des Blutrückflusses und Hodengröße, zum anderen aber auch den Ausschluss eines Tumors im Bereich der Hoden- oder Nierenvene. 

Wenn nötig, können zusätzliche Tests durchgeführt werden. Dazu zählen beispielsweise ein Spermiogramm bei Verdacht auf eingeschränkte Fruchtbarkeit, eine Phlebografie der Venen, um Missbildungen auszuschließen, oder eine Thermographie des Skrotums.

So wird eine Varikozele behandelt

In den allermeisten Fällen können Varikozelen unbehandelt bleiben, solange sie keine Beschwerden verursachen oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Eine Behandlung kommt infrage, wenn:

  • Schmerzen auftreten
  • Sich dein Hoden verändert
  • Ein Kinderwunsch besteht

Ziel ist es dann, die erweiterten Venen zu verschließen. Das kann auf zwei Arten passieren:

  • Operation (Varikozele-OP)
  • Verödung der Vene

Die Erfolgsquote liegt bei etwa 85 bis 95 Prozent.

Häufige Fragen zur Varikozele

Kann man eine Varikozele selbst behandeln?

Können Varikozelen zur Unfruchtbarkeit führen?

Wie lange bin ich nach einer Varikozelen-Behandlung arbeitsunfähig?

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
Autor(in)

Qualitätssicherung

Fachbereich der DAK-Gesundheit

Quellenangaben
Aktualisiert am:
Telefonkontakt
040 325 325 555

Rund um die Uhr und zum Ortstarif