Hodentorsion: Symptome, Ursachen und was jetzt zu tun ist

Hodentorsion: Ein Mann sitzt auf einem Sofa und hält sich seinen Bauch vor Schmerzen

Heftige Schmerzen, Schwellung oder Rötung des Hodensacks – wenn sich ein Hoden verdreht, zählt jede Minute. Denn hinter diesen Symptomen kann eine Hodentorsion stecken, ein akuter medizinischer Notfall. Wird sie nicht schnell behandelt, drohen bleibende Schäden bis hin zum Verlust des Hodens.

In diesem Artikel erfährst du, wie du eine Hodentorsion erkennst, welche Symptome typisch sind und was du im Ernstfall sofort tun solltest, um schnell richtig zu handeln.

Was ist eine Hodentorsion?

Bei einer Hodentorsion kommt es zu einer akuten Verdrehung eines der beiden Hoden um seine Längsachse. Weil sich dabei auch der Samenstrang mit den Blutgefäßen zum Hoden verdreht, wird die Blutzufuhr zum Hoden gedrosselt oder unterbrochen.

Medizinischer Notfall: Eine Hodentorsion ist ein urologischer Notfall. Ohne sofortige Behandlung im Zeitraum von maximal sechs Stunden kann das Hodengewebe innerhalb kürzester Zeit dauerhaft geschädigt werden und absterben.

Hodentorsion: Ursachen & Symptome 

Normalerweise sind die Hoden im Hodensack über Hodenhülle und Aufhängeband fest verankert, um die Hodenbeweglichkeit einzuschränken. Bei einer anatomischen Besonderheit wie einer Fehlanlage der Hodenhüllen, einem fehlenden oder ungenügend ausgebildeten Aufhängeband, einer angeborenen Fehlbildung des „Mesorchiums“ (Aufhängefalte des Bauchfells) oder ein Maldescensus (Hodenhochstand), ist der Hoden zu beweglich im Skrotum. 

Dadurch erhöht sich das Risiko einer Hodentorsion. Ob es jedoch dazu kommt, lässt sich nicht vorhersagen. Auslöser einer Hodentorsion können sein:

  • Kontraktion des Kremastermuskels durch Kälte, plötzliche Bewegungen, im Schlaf oder durch andere Faktoren
  • Körperliche Aktivitäten wie Radfahren, Ballsport oder andere Sportarten mit schnellen, heftigen Bewegungen
  • Trauma oder Verletzung wie bei einem Sturz, Unfall oder Schlag auf den Hodensack

Wichtig: Nicht selten lässt sich der Auslöser nicht ermitteln – die Hodentorsion kann auch spontan und ohne erkennbaren Grund auftreten. Das betrifft insbesondere Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder.

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Hodentorsion: Symptome erkennen

Gut zu wissen – eine Hodentorsion bleibt nicht unbemerkt: Plötzlich einsetzende, sehr heftige Schmerzen in einer Hälfte des Hodensacks können bis in die Leiste oder den Unterbauch ausstrahlen. 

Der Hodensack ist geschwollen und gerötet. Der betroffene Bereich reagiert stark auf Druck – sogar leichte Berührungen werden als schmerzhaft empfunden. Der betroffene Hoden steht höher als normal, ist weniger beweglich und kann sich hart anfühlen. 

Dazu kommen sehr oft Hodentorsionssymptome wie:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Schweißausbrüche und ausgeprägte Blässe
  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Leichtes Fieber und häufiger Harndrang

Bei einer partiellen (unvollständigen) Hodentorsion sind die Beschwerden meist deutlich geringer. 

Wissenswert: Das sogenannte Prehn-Zeichen hilft bei der Abgrenzung von einer anderen möglichen Erkrankung hinter den Symptomen. Im Gegensatz zu einer Nebenhodenentzündung bessert sich bei der Hodentorsion der Schmerz nicht, wenn man den Hoden anhebt.

Hodentorsion bei Säuglingen und Kleinkindern

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Hodentorsion oft schwer zu erkennen, denn die Kleinen können dir ja leider nicht sagen, wo es weh tut. Umso wichtiger ist es, dass du mögliche Symptome bei deinem Kind richtig zuordnest.

Typisch ist, dass dein Baby auffällig unruhig ist, viel schreit und zappelt. Die Anzeichen erinnern häufig Bauchschmerzen oder Koliken, was dadurch verstärkt wird, dass dein Baby nichts essen mag oder sich gar erbricht. 

Doch wie kannst du diese Symptome mit einer Hodentorsion in Verbindung bringen? Achte beim Wickeln auf mögliche Schwellungen, Rötungen oder bläuliche Verfärbungen am Hodensack. Dieser kann auch hart oder vergrößert wirken. 

Bei Veränderungen am Hodensack und gleichzeitigen Krankheitsanzeichen heißt es: Sofort handeln – ab in die Kinderklinik!

Formen der Hodentorsion

Es gibt verschiedene Formen der Hodentorsion, welche sich in den folgenden Aspekten unterscheiden:

  • Lokalisation
    Man unterscheidet zwei Formen der Hodentorsion: die extravaginale Hodentorsion, bei der sich der Hoden außerhalb seiner schützenden Hülle verdreht. Diese Form tritt vor allem bei Neugeborenen und Säuglingen auf. Davon abzugrenzen ist die intravaginale Hodentorsion, bei der sich der Hoden innerhalb dieser Hülle dreht. Sie ist die häufigste Form bei Jungen über zehn Jahren und Jugendlichen.
  • Ausmaß der Verdrehung
    Im Gegensatz zur kompletten Hodentorsion, bei der die arterielle Blutzufuhr vollständig unterbrochen ist, kommt es bei der inkompletten Hodentorsion zunächst zu einer Behinderung des venösen Abflusses. Der arterielle Blutzufluss besteht dabei noch, ist jedoch eingeschränkt.
  • Verlauf
    Neben der akuten Hodentorsion mit plötzlichen anhaltenden Beschwerden gibt es die intermittierende Torsion, auch Torsion-Detorsion-Syndrom genannt. Dabei handelt es sich um ein wiederholtes spontanes Drehen und Zurückdrehen mit anfallsweisen Schmerzen.

Bei welchen Altersgruppen treten die verschiedenen Formen typischerweise auf?

Am häufigsten treten Hodentorsionen im ersten Lebensjahr und in der Pubertät auf, sind aber in jedem Alter möglich. Die extravaginale Hodentorsion betrifft vor allem ungeborgene Jungen, Neugeborene und Säuglinge bis zum Kleinkindalter. Die typische Altersspanne für intravaginale Hodentorsion liegt bei 12 bis 20 Jahren. 

J2: VORSORGEUNTERSUCHUNG
Bei der J2 (zwischen 16 und 17 Jahren) handelt es sich um eine einmalige Vorsorgeuntersuchung. Es geht um Früherkennung körperlicher Probleme sowie Sexualitätsstörungen. Die J2 ist eine freiwillige Mehrleistung der DAK-Gesundheit.

PS: Ab 20 Jahren können junge Frauen einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung, auch wegen Früherkennung möglicher Krebserkrankungen.

Hoden verdreht – was tun im Notfall?

Wenn du den Verdacht hast, dass ein Hoden verdreht ist, gilt: Nicht abwarten, nicht selbst ausprobieren – sofort handeln! Eine Hodentorsion ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Stunde zählt. Je früher die Behandlung erfolgt, desto höher ist die Chance, den Hoden zu retten.
Suche umgehend eine Notaufnahme oder urologische Klinik auf oder rufe den Rettungsdienst. Verzichte auf Schmerzmittel, Wärmeanwendungen oder eigene Manipulationsversuche am Hoden, da diese wertvolle Zeit kosten und die Situation verschlechtern können.

Hodentorsion erkennen: Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Du bist dir nicht sicher, ob es sich bei deinen Beschwerden um eine Hodentorsion handelt? Dann ist es wichtig, die Symptome ärztlich abklären zu lassen. Bereits das typische Beschwerdebild mit starken Schmerzen und Schwellungen kann in der Praxis oder Notaufnahme meist richtig eingeordnet werden.

Tipp: Nutze deine Vorsorgeuntersuchungen, um medizinische Fragen zu stellen, wenn du dir bei Gesundheitsthemen unsicher bist. 

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Wie läuft die Untersuchung einer Hodentorsion ab?

Die Diagnostik einer Hodentorsion umfasst die folgenden Punkte:

  • Umfassende Anamnese einschließlich der Vorereignisse, des Beginns der Beschwerden und des Symptomverlaufs
  • Körperliche Untersuchung des Hodensacks einschließlich der Prüfung auf einen Hodenhochstand, das Prehn-Zeichen und den Kremasterreflex (ein Reflex, durch den der Hoden hochgezogen wird)
  • Ultraschall mit Durchblutungsmessung (Doppler-Sonographie) zum Nachweis einer Durchblutungsstörung im Hoden

Selbst bei einem unklaren Befund wird im Normalfall operiert, um das Geschehen am geöffneten Hodensack zu bewerten. 

Hodentorsion: Behandlung und Nachsorge

Etwa ab einem Zeitraum von vier bis sechs Stunden können bereits irreparable Schäden an den Hoden auftreten. Im schlimmsten Fall ist es nötig, den Hoden komplett zu entfernen, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird.

Kann man eine Hodentorsion selbst beheben?

Nein – eine Hodentorsion lässt sich nicht sicher selbst beheben. Auch wenn es im Internet Berichte über eine manuelle Entdrehung gibt, darf diese ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal erfolgen. Eigenständige Versuche sind riskant und können die Durchblutung weiter verschlechtern.
In seltenen Fällen kann ein Arzt oder eine Ärztin den Hoden vorübergehend manuell entdrehen, um Zeit zu gewinnen. Eine Operation ist jedoch immer notwendig, um den Hoden dauerhaft zu fixieren und eine erneute Verdrehung zu verhindern.

Wie läuft eine Hodentorsion-OP ab?

Im Rahmen der Notoperation wird der Hodensack geöffnet und der Hoden freigelegt. Dann kann der Hoden zurückgedreht (Detorsion) und die Durchblutung geprüft werden. Ist diese normal, so näht die oder der Operierende den Hoden im Hodensack fest (Orchidopexie), um eine erneute Verdrehung zu verhindern. In Normalfall wird auch der Gegenhoden direkt mit fixiert. War die Durchblutung zu lange unzureichend und ist das Gewebe bereits abgestorben, so wird der Hoden entfernt (Orchiektomie). Wird die Hodentorsion rechtzeitig erkannt und behandelt, so kann der Hoden in 90 Prozent der Fälle gerettet werden. 

Die kleine Hodentorsion-OP-Wunde heilt normalerweise problemlos ab und ist später kaum noch zu sehen. Hier kannst du dich über die Pflege von Narben informieren und erfahren wie sie entstehen.  

Häufige Fragen zur Hodentorsion

Wer ist besonders häufig betroffen?

Mehr als 60 Prozent der Betroffenen einer Hodentorsion sind unter einem Jahr oder zwischen 12 und 20 Jahren alt. Die restlichen knapp 40 Prozent verteilen sich auf alle Altersstufen. 

Kann man einer Hodentorsion vorbeugen?

In den meisten Fällen wird die anatomische Besonderheit, welche das Risiko einer Hodendrehung erhöht, erst erkannt, wenn die Erkrankung auftritt. Während der OP wird der zweite Hoden vorbeugend mitfixiert. Für alle Männer ist es ratsam, bei gefährlichen Sportarten einen Tiefschutz zu tragen. 

Kann eine Hodentorsion auch ohne Schmerzen auftreten?

Ja, in seltenen Fällen kann eine Hodentorsion auch ohne starke Schmerzen verlaufen. Das betrifft vor allem partielle oder intermittierende Hodentorsionen, bei denen sich der Hoden nur zeitweise oder unvollständig verdreht. Besonders bei Säuglingen, Kleinkindern oder Jugendlichen können die Symptome unspezifisch sein. Deshalb gilt: Veränderungen am Hodensack, auch ohne starke Schmerzen, sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Was passiert nach der Hodentorsion-OP?

Nach einer Hodentorsion-OP wird der Hoden im Hodensack fixiert, um eine erneute Verdrehung zu verhindern. In der Regel bleibt man ein bis zwei Tage im Krankenhaus, um die Durchblutung zu überwachen. In den ersten Wochen nach der Operation sollten körperliche Anstrengung, Sport und Geschlechtsverkehr vermieden werden. Bei komplikationslosem Verlauf ist der Hoden nach zwei bis vier Wochen vollständig verheilt.

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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