Hodenhochstand beim Kind:

Symptome, Ursachen und wann eine Behandlung nötig ist

Ein Säugling wird von einer Ärztin untersucht.

Der Hodenhochstand gehört zu den angeborenen Fehlbildungen bei Jungen. Er wird meist in der ersten Vorsorgeuntersuchung nach der Geburt entdeckt und sollte nicht unbehandelt bleiben. Wie es zu einem Hodenhochstand kommt, welche Jungen besonders gefährdet sind und wie die Fehlbildung behandelt wird, erfährst du hier.

Was ist ein Hodenhochstand?

Ein Hodenhochstand liegt vor, wenn ein oder beide Hoden nach der Geburt nicht im Hodensack liegen, sondern sich noch im Bauchraum oder in der Leiste befinden. Medizinisch wird diese angeborene Entwicklungsstörung als Kryptorchismus bezeichnet. Normalerweise wandern die Hoden beim männlichen Fötus während der Schwangerschaft aus dem Bauchraum durch den Leistenkanal in den Hodensack. Bleibt dieser natürliche Abstieg teilweise oder vollständig aus, spricht man von einem Hodenhochstand. Betroffen sein kann nur ein Hoden (einseitig) oder beide Hoden (beidseitig).

Ein Hodenhochstand betrifft etwa zwei bis fünf Prozent aller reifgeborenen Jungen. Bei Frühgeborenen liegt die Häufigkeit deutlich höher und kann bis zu 30 Prozent betragen. In vielen Fällen sinkt der Hoden innerhalb der ersten sechs Lebensmonate noch spontan in den Hodensack ab. Nach diesem Zeitraum ist ein natürlicher Abstieg deutlich unwahrscheinlicher.

Hodenhochstand: Symptome und Anzeichen

Ein Hodenhochstand verursacht bei Babys in der Regel keine Schmerzen. Das wichtigste Anzeichen ist, dass ein oder beide Hoden nicht im Hodensack tastbar sind. Der Hodensack wirkt dann leer, einseitig kleiner oder weniger gefüllt. Beschwerden entstehen meist erst später, etwa durch eine eingeschränkte Fruchtbarkeit oder ein erhöhtes Risiko für Hodenerkrankungen im Erwachsenenalter.

Eltern bemerken einen Hodenhochstand häufig nicht selbst. Meist fällt er bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen auf.

Wann sollte man mit einem Hodenhochstand zum Arzt?

Spätestens nach dem sechsten Lebensmonat sollte eine kinderärztliche oder kinderurologische Kontrolle erfolgen, wenn kein spontaner Abstieg stattgefunden hat. Auch bei Unsicherheiten oder tastbaren Veränderungen im Jugend- oder Erwachsenenalter ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Welche Formen des Hodenhochstands gibt es?

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Man unterscheidet verschiedene Formen des Hodenhochstands – abhängig von der Lage und Beweglichkeit der Hoden sowie dem daraus resultierenden Behandlungsbedarf:

  • Leistenhoden
    Der Hoden liegt statt im Hodensack von außen tastbar im Leistenkanal. Diese Form tritt am häufigsten auf.
  • Bauchhoden
    Befindet sich der Hoden noch im Bauchraum, so ist er von außen nicht ertastbar.
  • Gleithoden
    In diesem Fall kann man den Hoden in den Hodensack schieben, wo er allerdings nicht bleibt, sondern wieder herausrutscht.

Ein Spezialfall ist der ektope Hoden: Er befindet sich außerhalb des normalen Bereichs für den Hodenabstieg, wie zum Beispiel am Oberschenkel oder im Dammbereich.

Hodenhochstand: Ursachen & Risikofaktoren

Während der Embryonalreifung findet die Entwicklung des Hodens im Bauchraum statt. Gegen Ende der Schwangerschaft wandern die Hoden dann in den Hodensack ab. Dieser Vorgang findet entweder aus mechanischen, hormonellen oder genetischen Gründen nicht bei jedem Jungen statt. Am häufigsten stecken diese Ursachen dahinter:

  • ein zu enger Leistenkanal
  • ein zu kurzes Leitband
  • ein hormonelles Ungleichgewicht in der Schwangerschaft

Risikofaktoren für einen Hodenhochstand

Doch welche Kinder sind betroffen und was erhöht das Risiko für einen Hodenhochstand? Zum einen gibt es einen genetischen Faktor, denn diese Fehlbildung tritt familiär gehäuft auf. Zum anderen sind frühgeborene Jungen häufiger betroffen, weil ihrem Körper aufgrund der vorzeitigen Geburt die Zeit für die vollständige Hodenentwicklung und das Absenken der Hoden fehlte. 

Wie wird ein Hodenhochstand behandelt?

Entdeckt wird die Fehlbildung primär bei der ersten Vorsorgeuntersuchung nach der Entbindung. Über einen Ultraschall der Genitalien nach der Geburt lässt sich die Lage des oder der nicht tastbaren Hoden erkennen. In seltenen Fällen ist eine Laparoskopie – eine Schlüssellochdiagnostik – nötig, um den Hoden im Bauchraum zu lokalisieren und nach unten zu verlagern.
Die gute Nachricht: In vielen Fällen sinkt der Hoden in den ersten Lebensmonaten noch von selbst in den Hodensack ab. Es ist also ratsam, erst mal ein wenig abzuwarten. Das gilt vor allem für frühgeborene Jungen. Ein spontaner Hodenabstieg findet meist innerhalb der ersten sechs Lebensmonate statt. Danach ist – auch bei Frühgeborenen unter Berücksichtigung des korrigierten Alters – nur noch selten mit einem natürlichen Abstieg zu rechnen. 

Bleibt der Hoden auch nach dieser Wartezeit zu weit oben oder ist er verlagert, so ist eine Behandlung unverzichtbar. In ausgewählten Fällen kann versucht werden, mittels Hormontherapie den natürlichen Abstieg anzuregen. Die Erfolgsquote ist jedoch begrenzt und liegt je nach Ausgangslage bei etwa 15 bis 20 Prozent, daher wird Hormontherapie heute nicht routinemäßig empfohlen. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Erfolgsrate und möglicher Nebenwirkungen wird heute häufig frühzeitig die operative Behandlung bevorzugt. Die Entscheidung erfolgt individuell nach kinderurologischer Bewertung.

In vielen Fällen ist deshalb ein operativer Eingriff nötig, um den Hoden in den Hodensack zu verlagern und dort zu fixieren. Diese sogenannte Orchidopexie stellt sicher, dass der Hoden sich im Hodensack normal entwickeln kann. So werden spätere Komplikationen vermieden. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt und kann in vielen Fällen ambulant erfolgen. 

Unbehandelter Hodenhochstand – Spätfolgen

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Die Hoden liegen nicht ohne Grund außerhalb des Körpers: Für eine gesunde Entwicklung und eine normale Funktion muss das Hodengewebe kühler sein als die normale Körpertemperatur. Über ein Zusammenziehen oder Lockerlassen reguliert der Hodensack die Temperatur im Hoden. 

Bei einem unbehandelten Hodenhochstand ist der im Bauchraum oder der Leiste sitzende Hoden langfristig zu hohen Temperaturen ausgesetzt. Das stört nicht nur die Spermienbildung und kann eine Unfruchtbarkeit beim Mann verursachen, sondern erhöht das Risiko für die Bildung von Hodenkrebs im Erwachsenenalter. Dazu kommt eine Häufung von Erkrankungen wie Hodendrehungen (Hodentorsion) oder Leistenbrüchen im Zusammenhang mit einem Hodenhochstand. Mehr über Einfluss verschiedener Faktoren auf die Erektionsfähigkeit und Fruchtbarkeit erfährst du im Artikel „Hodenmythen“.

Wichtig: Umso früher der Hodenhochstand entdeckt und im Detail bewertet wird, desto besser lässt sich die nötige Behandlung planen und umsetzen. Im besten Fall wandert der Hoden von selbst noch in den Hodensack ab. Wenn das nicht passiert, ist eine Operation aber unverzichtbar. 

Hodenhochstand im Erwachsenenalter

Ein Hodenhochstand im Erwachsenenalter liegt meist vor, wenn die Fehlbildung im Kindesalter nicht oder verspätet behandelt wurde. Auch wenn keine Beschwerden bestehen, bleibt das Risiko für Unfruchtbarkeit und Hodenkrebs erhöht. Eine operative Verlagerung kann auch im Erwachsenenalter sinnvoll sein, insbesondere zur besseren Tastbarkeit und Tumorfrüherkennung. Ob zusätzlich eine Entfernung des Hodens empfohlen wird, hängt von Lage, Funktion und individuellem Risiko ab. Eine urologische Untersuchung schafft Klarheit.

Häufige Fragen zum Hodenhochstand

Ist ein Hodenhochstand gefährlich?

Wann muss ein Hodenhochstand operiert werden?

Kann man mit einem Hodenhochstand Kinder bekommen?

Wie lange sollte Bettruhe nach einer Hodenhochstand-OP gewahrt werden?

Ist eine Hodenhochstand-OP gefährlich?

Autor(in)

Qualitätssicherung

Fachbereich der DAK-Gesundheit

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