Frühchen – Wissenswertes zur Frühgeburt

Frühchen: Ein junges Paar hält ihr kleines Neugeborenes im Arm

Manchmal kommt ein Baby früher als geplant und braucht extra Schutz und Unterstützung, um außerhalb der Gebärmutter nachzureifen. Zum Glück ist unsere medizinische Versorgung inzwischen so entwickelt, dass viele Frühgeborene gute Überlebenschancen und ganz normales Leben haben. Liebe, Geduld und die Unterstützung durch Familie und Freunde helfen betroffenen Eltern am besten, gut durch diese besondere Zeit zu kommen. In diesem Text erfährst du, wie es zu einer Frühgeburt kommt, wie es dem Frühchen geht und was es braucht, um sich gesund zu entwickeln.

Ab wann ist das Baby kein Frühchen mehr?

Entscheidend für die Frage, ob ein Baby ein Frühgeborenes oder „Frühchen“ ist, ist vor allem sein Geburtstermin – aber auch das Körpergewicht (weniger als 2500 Gramm) und der Reifegrad der Organe des Kindes spielen eine wichtige Rolle. 

Grundsätzlich gilt: Neugeborene die vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt kommen, sind Frühgeborene, also „Frühchen“.  

Kinder, die nach der 37. Woche zur Welt kommen, gelten als reif geborene Babys. Das gilt auch, wenn sie klein sind – zum Beispiel für Zwillinge oder Mehrlinge, die weniger Platz im Mutterleib haben. Insgesamt spricht die Medizin hier von untergewichtigen Termingeborenen. Allerdings können diese Kinder ähnliche Probleme wie Frühchen haben, zum Beispiel wenn sie sich wegen einer Unterversorgung im Mutterleib nicht mehr richtig entwickeln konnten und deswegen ein zu niedriges Geburtsgewicht aufweisen. 

Neben diesem besonderen Fall ist aber grundsätzlich der Mutterleib bis zum Geburtstermin der sicherste Ort für die Entwicklung des Babys. Und das bedeutet: Jeder Tag, den das Baby in der Gebärmutter bleiben kann, verbessert die Überlebenschancen des Neugeborenen. 

Video: Frühgeburt – Was passiert mit Mutter und Baby?

 

Denn je früher ein Baby geboren wird, desto unreifer sind seine Organe – und desto mehr medizinische Unterstützung braucht es in den ersten Wochen und Monaten. 

Es macht also einen großen Unterschied, ob ein Frühchen in der 35. oder der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Frühgeborene, die vor der 29. Woche zur Welt kommen, haben oft ein sehr niedriges Geburtsgewicht (weniger als 1.000 g) und brauchen in der Regel eine intensive medizinische Versorgung, damit ihre Lunge und andere Organe nachreifen können. 

Gut zu wissen: Auch für extrem früh geborene Kinder (ab der 24. Schwangerschaftswoche) haben sich die Überlebenschancen in den letzten Jahren stark verbessert. Das Risiko von langfristigen gesundheitlichen Einschränkungen ist in dieser Gruppe aber nach wie vor ziemlich hoch. 

Entscheidend ist immer die Gesamtsituation des Kindes: Die Ärzte betrachten viele Faktoren wie das Körpergewicht, die Funktionsfähigkeit der Lunge und anderer Organe sowie Vitalparameter wie Temperatur oder Blutzucker, um die Situation möglichst richtig einzuschätzen. 

Jeder Fall ist individuell. Eine allgemeine Orientierung geben zusätzlich die statistischen Wahrscheinlichkeiten, die die Überlebenschance für Frühgeborene je nach Schwangerschaftswoche ermitteln. Dabei sieht man, dass die Vollendung der 24. Schwangerschaftswoche ein wichtiger Meilenstein ist. Und ab der 34. Schwangerschaftswoche unterscheiden sich die Überlebenschancen der Frühgeborenen nicht mehr von den Kindern, die zum Termin geboren werden. Der Grund: ab dieser Schwangerschaftswoche arbeiten die Lungen des Kindes selbstständig.

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Tabelle: Wie hoch ist die Überlebenschance bei Frühchen?

ZeitraumStatistische ÜberlebenschancenKategorisierung
Vor SSW 24Weniger als 30 Prozent / intensivmedizinische Unterstützung nur nach Abwägung 
Ab 24+0Mehr als 50 ProzentExtrem Frühgeborene
Ab 25+073 Prozent 
Ende der SSW 25Mehr als 80 Prozent 
SSW 28 – 32Bis zu 96 ProzentSehr Frühgeborene
Ab SSW 3498-100 ProzentSpät Frühgeborene

Warum kommt ein Baby „zu früh“?

Warum ein Baby zu früh geboren wird, lässt sich oft gar nicht herausfinden. Für die Hälfte aller Frühgeburten bleibt die Ursache unbekannt
Allerdings gibt es Risikofaktoren, die eine Frühgeburt wahrscheinlicher machen. Dazu gehören:

  • gesundheitliche Faktoren der Mutter wie Vorerkrankungen (beispielsweise Diabetes)
  • Infektionen während der Schwangerschaft
  • schwierige Lebenslagen
  • Unter- und Übergewicht der Mutter
  • Stress
  • Alkohol- und Drogenkonsum 
Auch das Alter spielt eine Rolle. Schwangere über 35 und unter 18 Jahren haben ein höheres Risiko für eine Frühgeburt.

Wie schützen sich Schwangere vor einer Frühgeburt?

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Für Schwangere empfehlen wir, sich von Anfang an guten fachlichen Rat an die Seite zu holen, mit der Begleitung durch eine Hebamme und regelmäßigen ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen für SchwangereErzähl deiner Hebamme am besten von allem, was dir gesundheitlich auffällt oder auf der Seele liegt. Die Profis um dich herum können Warnsignale am besten erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. 

Zur Selbstfürsorge während der Schwangerschaft gehört aber zum Beispiel auch, dass du jederzeit Hilfe erfragen solltest, wenn du sie brauchst. Andersherum gilt als Freundin, Freund, Eltern oder Lebenspartner einer Schwangeren: Biete gerne deine Unterstützung an.  

Wie entwickelt sich das Frühchen? 

Je früher ein Baby geboren wird, desto mehr medizinische Hilfe braucht es. Direkt nach der Geburt kümmern sich spezialisierte Ärzte und Pflegekräfte darum, dass das Frühchen stabilisiert wird. Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Atemhilfe: Viele Frühchen können noch nicht selbstständig atmen und bekommen zusätzlichen Sauerstoff oder werden über eine sanfte Beatmung unterstützt. Für die Entwicklung der Lunge ist die 34. Schwangerschaftswoche ein wichtiger Meilenstein.
  • Wärme: Weil Frühchen ihre Körpertemperatur noch nicht gut halten können, kommen sie oft in einen Brutkasten (Inkubator). Hier herrschen immer die gleichen Temperaturen, fast so wie vorher in der Gebärmutter.
  • Ernährung: Da auch das Saugen und Schlucken erst funktioniert, wenn das Kind genügend Kraft hat, werden sehr kleine Frühchen anfangs über eine Magensonde oder in manchen Fällen über eine Infusion mit Nährstoffen versorgt.
  • Körperliche Überwachung: Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Temperatur werden rund um die Uhr überwacht, um sofort eingreifen zu können, falls das Baby Hilfe braucht.
  • Körperkontakt und Bindung: Einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung eines Frühchens ist der direkte Hautkontakt mit den Eltern. Das „Känguruhing“ wir heute in sehr vielen Geburtskliniken eingesetzt, sobald es der Gesundheitszustand des Frühchens erlaubt. Denn wenn das Baby möglichst oft auf die nackte Brust von Mama oder Papa gelegt wird, hilft ihm das nicht nur, seine eigenen Körperfunktionen besser zu steuern, ruhiger zu atmen und weniger Stresshormone auszuschütten. Eltern und Kind können sich auch endlich einfach nah sein, und ihr Grundbedürfnis nach Bindungsaufbau füttern. 

In den ersten Wochen und Monaten holt ein Frühchen die Entwicklung nach, die es normalerweise im Bauch der Mutter gemacht hätte. Frühchen nehmen oft langsamer zu als reife Babys, aber jedes Gramm ist ein Schritt in Richtung Stabilität. Sobald der Winzling selbstständig trinken kann, geht das Wachstum schneller voran und die Entwicklungsdefizite zu gleichaltrigen Kindern schwinden Stück für Stück. Doch bis ein frühgeborenes Kind tatsächlich alle Entwicklungsdefizite zu gleichaltrigen Kindern aufgeholt hat, kann es einige Jahre dauern. Viele benötigen zusätzliche Unterstützung – zum Beispiel durch Physiotherapie oder Logopädie.  

Mutterschutz bei Frühgeburt 

Weil der Start mit einem Frühchen besonders fordernd ist, haben Mütter von Frühgeborenen Recht auf längeren Mutterschutz, nämlich insgesamt 18 statt 14 Wochen, davon 12 Wochen nach der Geburt. Mehr Infos dazu findest du auf dem Familienportal der Bundesregierung 

Was bedeutet ein Frühchen für die Eltern? 

Frühgeburten sind für alle Beteiligten herausfordernd. Während andere frischgebackene Mamas und Papas ihr Neugeborenes direkt mit nach Hause nehmen und dort mit ihm kuscheln können, bedeutet das Frühchen-Eltern-Sein oft erst mal lange Tage auf der Intensivstation, Unsicherheit und Sorgen. 

Ängste wie: Wird mein Kind überleben oder welche Folgen wird die Frühgeburt haben, können einem schier den Boden unter den Füßen wegziehen. Da liegt dieser kleine Mensch in einem Brutkasten mit Schläuchen verkabelt, und man kann ihn noch nicht einmal jederzeit in den Arm nehmen! Dazu kommt: Auf kleine medizinische Fortschritte folgen in der Entwicklung von Frühgeborenen oft auch wieder Rückschritte und das bedeutet für die Eltern oft eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle.

Was Frühchen-Eltern hilft, ist Geduld und Verständnis. Geduld mit der Situation und mit sich selbst: Denn die Zeit hilft, in die neue Realität hineinzuwachsen. Gespräche mit Ärzten, Hebammen, Therapeutinnen, Freunden und Familie sind in so einer Zeit eine wichtige Stütze. Entscheidend ist, nicht in die Isolation zu geraten, sondern Hilfe und Austausch mit anderen Betroffenen zu suchen, gut für sich zu sorgen (Sport, Schlaf, Essen). Und die Hoffnung nicht aufzugeben: Denn eines Tages kommt er tatsächlich, der wunderschöne Moment, in dem ihr endlich mit eurem Baby nach Hause gehen dürft! 

Hilfe für Eltern von Frühchen 

Eltern von Frühchen brauchen Menschen, die sie durch die schwierige Zeit tragen – und ganz viel fundierte Informationen. Beides gibt es beim Bundesverbund „Das frühgeborene Kind“ e.V. Zum Beispiel mit kostenlosen Eltern-Webinaren und der Hotline-Nummer gegen Frühchen-Kummer Tel: 0800 - 875 877 0

Welche Spätfolgen haben Frühchen?

Das Risiko einer dauerhaften Beeinträchtigung ist bei extrem Frühgeborenen hoch, sinkt jedoch bereits ab der 25. Schwangerschaftswoche stark mit jeder weiteren Woche. Dank moderner Medizin überleben heute auch Babys, die mit weniger als 1.000 Gramm geboren werden – und viele von ihnen entwickeln sich trotz schwieriger Startbedingungen gut. Frühgeborene brauchen oft etwas mehr Zeit, um gegenüber ihren gleichaltrigen, reif geborenen Freunden aufzuholen. 

Beispiele für Auffälligkeiten, die in der frühen Kindheit auftreten können:

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
  • Soziale Anpassungsprobleme
  • Entwicklungsverzögerungen bei der Feinmotorik

Mit der richtigen Förderung und Therapie sind diese Besonderheiten oft bereits in den ersten Grundschuljahren überwunden. Und im Erwachsenenalter sind tatsächlich viele ehemalige Frühchen nicht mehr von ihren Altersgenossen zu unterscheiden. 

Spätfolgen, die bei einigen ehemaligen Frühgeborenen auftreten:

  • ein leicht erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen/Asthma
  • eine etwas geringere Knochendichte
  • ein etwas erhöhtes Risiko für Bluthochdruck
Autor(in)

Journalistin für Medizin und Gesundheitsthemen

Qualitätssicherung

Fachbereich der DAK-Gesundheit

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