Kältetherapie: Was die Anwendung von Kältekammern bewirkt

Die Kryotherapie, besser bekannt als Kältetherapie, wird immer populärer. Besonders die Anwendung in Kältekammern nimmt im Profisport, aber auch im Wellnessbereich zu. Denn die Kälte verspricht positive Wirkungen auf Muskeln, Nerven und die langfristige Gesundheit. Wir erklären alles Wissenswerte zur Wirkung von Kältetherapie und Kältekammern – und für wen das Ganze nicht geeignet ist.
Was ist die Kryotherapie?
Die Kryotherapie, auch Kältetherapie genannt, ist eine Behandlungsmethode, bei der gezielt Kälte eingesetzt wird. Je nach Verfahrung und Erkrankung kann die Kälte vorübergehend Schmerzen lindern und Schwellungen beeinflussen. Die Kälte kann lokal, also nur an einer bestimmten Stelle angewendet werden oder als Ganzkörper-Kältetherapie. Die wissenschaftlichen Belege für die unterschiedlichen Anwendungen unterscheidet sich dabei deutlich. Das betrifft auch die Versprechen, Entzündungen zu hemmen und die Regeneration des Körpers zu unterstützen.
Zu den lokale Anwendung der Kältetherapie zählen zum Beispiel das Kühlen einer Sportverletzung mit einem Eisbeutel oder Kältesprays. In dem Sinne hast du also sicherlich selbst schon den Effekt der Kältetherapie angewendet.
Kälte – ein bewährtes Mittel
Die heilende Kraft der Kälte ist seit Jahrtausenden bekannt und geschätzt. Gewusst haben das bereits die Griechen und Römer in der Antike. Zu der Zeit schrieben bereits Ärzte wie Hippokrates und Plinius über die positiven Auswirkungen von Kälte auf den Körper. Schon damals wurden Blessuren und Schwellungen bei Sportlern oder Soldaten mit Kälteumschlägen oder Eisbädern behandelt. So erklärt sich auch der Begriff „Kryo“ in Kryotherapie. Das ist Altgriechisch und bedeutet Eis oder Frost.
Kältetherapie im Video erklärt
Wie funktioniert die Kryotherapie?
Die Kältetherapie arbeitet mit starker Kälteeinwirkung. Dabei sinkt die Hauttemperatur schnell ab. Das führt zu einer akuten Kältereaktion des Körpers. Der Körper ergreift dabei Schutzmaßnahmen. Die Blutgefäße verengen sich und der Körper verlagert den Stoffwechsel stärker in den Körperkern.
Der Kältereiz aktiviert unter anderem das autonome Nervensystem und kann die Ausschüttung von Botenstoffen (Katecholamine) wie Noradrenalin verändern. Die Kälte beeinflusst die Herzfrequenz, den Gefäßtonus und den Blutdruck. Außerdem führt sie zur Erweiterung der Atemwege. Der Kältereiz kann zudem die Sensibilität unserer Nervenzellen verändern, was Schmerzen lindern kann. Außerdem können Entzündungen und der Muskeltonus beeinflussen werden. Gerade bei Anwendungen wie der Kältekammer ist die autonome Reaktion des Körpers jedoch komplex und bisher nicht alles gut belegt.
Welche Wirkung hat die Kältetherapie?
Die Anwendung von Kälte gerade in Kältekammern hat eine Reihe von Effekten auf den Körper. Nicht alle sind wissenschaftlich eindeutig belegt.
Mögliche und je nach Anwendungsform unterschiedlich gut belegte Wirkungen von Kälte
- Schmerzlindernd: Durch die Kälte werden Schmerzsignale langsamer in den Nerven weitergeleitet. Schmerzen werden dadurch oft als weniger intensiv wahrgenommen.
- Entzündungshemmend: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, wodurch Entzündungsprozesse und Schwellungen reduziert werden können.
- Abschwellend: Durch die geringere Durchblutung im gekühlten Bereich wird die Bildung von Ödemen und Schwellungen begrenzt.
Was bringt die Kältekammer wirklich?
Studien zeigen, dass der Besuch von Kältekammern verschiedene Entzündungsmarker beeinflussen kann. Hinweise gibt es außerdem auf kurzfristige Veränderungen von Muskelkater, die subjektiver Erholung oder Schmerzen. Ob daraus ein klinisch relevanter Nutzen entsteht, ist je nach Anwendung nicht sicher belegt.
Vor allem im Zusammenhang mit Longevity werden oft weitere Effekte in Bezug auf Kältekammern beworben. Diese Effekte sind bisher noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt:
- Muskelentspannend: Kältereize können die Muskelspannung beeinflussen und zur Entspannung der Muskulatur beitragen. Wie groß dieser Effekt ist, ist weiter Gegenstand der Forschung.
- Regenerationsfördernd: Besonders im Sport wird Kältetherapie eingesetzt, um die Erholung nach starker Belastung zu unterstützen. Die Studienlage hierzu ist jedoch noch nicht ausreichend. Einige Studien zeigen Vorteile bei einzelnen Erholungsparametern. Die Ergebnisse und die optimale Anwendung sind jedoch uneinheitlich.
- Stimmungsaufhellung, Stressabbau und „Glücksgefühle“: Einige kleine Studien berichten, dass sich das Wohlbefinden oder die Stimmung verbessern. Eine therapeutische Wirkung auf psychische Erkrankungen ist bislang jedoch nicht ausreichend belegt.
Wie könnte die Kältekammer Entzündungsprozesse beeinflussen?
Kälte verändert vorübergehend die Hautdurchblutung und kann verschiedene Entzündungsmediatoren beeinflussen. Das sind Botenstoffe, die Entzündungsprozesse im Körper steuern. Welche Mechanismen für mögliche klinische Effekte entscheidend sind, ist nicht abschließend geklärt. Nachfolgend beschreiben wir klassische Mechanismen der lokalen Kältetherapie wie zum Beispiel das Kühlen durch einen Eisbeutel. Es ist jedoch nicht klar, ob sich diese Effekte in gleicher Weise bei der Anwendung in Kältekammern zeigen.
- Die Blutgefäße verengen sich. Dadurch wird die Durchblutung vorübergehend reduziert, sodass weniger entzündungsfördernde Botenstoffe und Immunzellen in das betroffene Gewebe gelangen. Das kann Schwellungen und Entzündungsreaktionen abschwächen.
- Schwellungen gehen zurück. Weniger Durchblutung bedeutet auch weniger Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen ins Gewebe. Dadurch können sich Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) und Schwellungen reduzieren, die häufig Teil einer Entzündungsreaktion sind.
- Die Kälte drosselt den Stoffwechsel im Gewebe. Bei niedrigen Temperaturen laufen Stoffwechselprozesse langsamer ab. Dadurch sinkt auch die Aktivität entzündlicher Prozesse im Gewebe.
- Entzündliche Botenstoffe werden beeinflusst. Studien deuten darauf hin, dass die Ganzkörper-Kältetherapie in Kältekammern die Konzentration bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine) senken und entzündungshemmende Signalwege aktivieren kann.In einigen Studien wurden Veränderungen einzelner systemischer Entzündungsmarker beobachtet.
Wichtig: Kältekammern bekämpfen nicht die Ursache einer Erkrankung, sondern können Einfluss auf die Entzündungsreaktionen des Körpers haben. In spezialisierten medizinischen Einrichtungen kann die Kältekammer bei ausgewählten muskuloskelettalen oder rheumatologischen Beschwerden ergänzend eingesetzt werden. Sie ersetzt jedoch keine etablierte Behandlung.
Was passiert im Körper nach der Kältekammer?
Beim Besuch einer Kältekammer wird der Körper für wenige Minuten starken Minustemperaturen ausgesetzt. Darauf reagiert er mit verschiedenen Schutzmechanismen, die teilweise auch nach dem Ende der Anwendung nachwirken.
- Die Blutgefäße weiten sich wieder. Nach Ende des Kältereizes normalisiert sich die Gefäßweite wieder. Je nach Gewebe und Zeitpunkt kann die Hautdurchblutung vorübergehend zunehmen.
- Schmerzen können nachlassen. Der Kältereiz verändert die Reizweiterleitung in den Nerven und kann die Schmerzempfindlichkeit reduzieren. Dieser Effekt kann auch nach der Kältekammer noch anhalten.
- Stress- und Botenstoffe werden ausgeschüttet. Der Kältereiz aktiviert das sympathische Nervensystem und kann zum Beispiel die Ausschüttung von Katecholaminen wie Noradrenalin beeinflussen.
- Viele Menschen fühlen sich energiegeladener. Einige Anwender berichten über ein gesteigertes Wohlbefinden und mehr Energie nach der Anwendung. Die wissenschaftliche Evidenz für diese Effekte ist jedoch weniger eindeutig als für die Schmerz- und Entzündungshemmung.
Wie oft kann ich eine Kältekammer nutzen?
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Eine allgemein wissenschaftlich belegte optimale Häufigkeit gibt es nicht. Studien verwenden sehr unterschiedliche Protokolle dazu. Bei medizinischer Anwendung sollten Häufigkeit und Dauer individuell auf Grundlage des Zustands und Therapieziels festgelegt werden.
Für einzelne Erkrankungen wurden mögliche positive Effekte untersucht, darunter bestimmte rheumatologische Beschwerden.
Welche Nebenwirkungen gibt es bei der Kältekammer?
Die Ganzkörper-Kältetherapie gilt bei fachgerechter Anwendung als gut verträglich. Bei sorgfältigem Screening und fachgerechter Durchführung scheinen schwerwiegende Nebenwirkungen selten zu sein. Die Datenbasis zur Sicherheit ist jedoch begrenzt und Nebenwirkungen werden wahrscheinlich nicht vollständig erfasst.
Vorübergehend können während oder nach der Kältekammer folgende Nebenwirkungen auftreten:
- Kältegefühl, Frösteln und Zittern
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder vorübergehende Hautreizungen
- Kreislaufbeschwerden oder Schwindel, vor allem bei empfindlichen Personen
- Der Blutdruck kann vorübergehend ansteigen; auch Herzfrequenz und autonomes Nervensystem verändern sich.
In seltenen Fällen kann es bei unsachgemäßer Anwendung zu Kälteverbrennungen oder Erfrierungen kommen.
Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann die starke Kälte problematisch sein.
Für wen ist die Kältekammer nicht geeignet?
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Die Ganzkörper-Kältetherapie gilt für gesunde Menschen als gut verträglich. Vor der ersten Anwendung ist es aber ratsam, sich das Ok vom Hausarzt oder von der Hausärztin einzuholen.
Personen, die Vorerkrankungen wie etwa Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen haben sollten die Kältekammer nicht nutzen. Auch wer einen der folgenden Risikofaktoren hat, sollte keine Kältekammer nutzen oder zwingend vorher einen Arzt oder eine Ärztin fragen.
In diesen Fällen ist die Kältekammer nicht geeignet:
- Für Personen über 80 Jahren
- Während einer Schwangerschaft
- Bei relevanten Nervenerkrankungen (Neuropathien) und Sensibilitätsstörungen
- Bei ausgeprägter Blutarmut (schwere Anämie)
- Unbehandeltem oder schlecht eingestelltem Bluthochdruck, da die Kälte den Blutdruck vorübergehend ansteigen lassen kann.
- Schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa nach einem Herzinfarkt oder bei bestimmten Herzrhythmusstörungen.
- Durchblutungsstörungen, zum Beispiel bei fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), auch als „Raucherbein“ bekannt.
- Kälteassoziierte immunologische Erkrankungen, Kälteallergie oder Kälteurtikaria, bei der Kälte Hautreaktionen oder stärkere Beschwerden auslösen kann.
- Raynaud-Syndrom, da sich die Blutgefäße durch die Kälte zusätzlich verengen.
- Akuten Infekten oder Fieber
- Schweren Atemwegserkrankungen, insbesondere wenn sie nicht gut kontrolliert sind.
Häufige Fragen zur Kältetherapie
Du hast noch mehr Fragen zur Kryotherapie und zur Kältekammer? Hier findest du weitere Antworten.
Hilft die Kältekammer beim Abnehmen?
Wird die Kältekammer von der Krankenkasse bezahlt?
Ist die Kältekammer gut für die Haut?
Fachbereich der DAK-Gesundheit
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