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Bewusster leben

Was ist eine Kältetherapie?

Wer sich nach einer Prellung im Sport bereits einmal einen Beutel mit Eiswürfeln auf die verletzte Stelle gelegt hat, ist sich vielleicht des Umstands nicht bewusst: Doch im Grunde war das bereits angewandte Kryotherapie. Denn hinter dem futuristischen Begriff verbirgt sich nichts anderes als die Heilung durch Kälte. Deshalb sagt man umgangssprachlich auch Kältetherapie dazu.

Ein bisschen moderner als das Eisbeutel-Prinzip sind die Anwendungen dann aber doch geworden. Eine lokale Behandlung von Sportverletzungen lässt die heilende Wirkung mithilfe von Kältesprays oder speziellen Sonden bei Temperaturen von -60°C bis -195°C auf die Hautoberflächen transportieren. Noch interessanter sind Kammern, in denen Anwender bei bis zu -120°C etwa zwei oder drei Minuten in Badekleidung verbringen können. Bei Kammern auf Stickstoffbasis bleibt der Kopf außerhalb der Kammer, während man bei elektrisch betriebenen Kältekammern tatsächlich den ganzen Körper samt Kopf kühlen kann. Solche Kammern stehen heute überall in Deutschland in speziellen Therapiezentren, Profisportanlagen oder bei Wellnessanbietern.

Wie funktioniert die Kältetherapie?

Doch was passiert genau beim Einfluss von Kälte auf den Körper? Bei der schnellen Absenkung der Hauttemperatur von einem Grad Celsius pro Sekunde kommt es zu einer sogenannten thermalen Schockreaktion. Dabei ergreift unser Körper reflexartig Schutzmaßnahmen, die den Schmerz reduzieren sollen. Die Blutgefäße verengen sich, sodass sich der Stoffwechsel in den Körperkern verlagert. Zusätzlich können Kälteschutz-Hormone ausgeschüttet und der Sympathikus aktiviert werden. Der Sympathikus ist Teil unseres Nervensystems und sorgt unter anderem dafür, dass unsere Herzfrequenz steigt, Blutgefäße sich verengen und sich die Lunge entspannt. Zudem verändert der Kältereiz die Sensibilität unserer Nervenzellen, was Schmerzen lindert, Entzündungen hemmt und die Muskeln entspannt.

Erst Kaltstart, dann aufwärmen?

Ist doch komisch: Normalerweise sagt man vor dem Sport immer: „Erstmal Muskeln aufwärmen.“ Wie kann nun das genaue Gegenteil plötzlich richtig sein? Dr. med. Mark Dankhoff (Foto) von der DAK-Gesundheit lacht: „Jaja, das ist schon richtig. Sich vor dem Sport zu dehnen und warmzulaufen, ist noch immer sinnvoll. Doch für die Gefäße in unserem Körper ist es gut, sie vor dem Sport herunter zu kühlen.“ Bei einer Behandlung mit großer Kälte ziehen diese sich nämlich kurz zusammen und dehnen sich dann wieder aus. Ein „wunderbares Gefäßtraining“ nennt Dr. Dankhoff diesen Vorgang, der die Durchblutung anregt. Doch auch nach dem Sport kann eine Kältetherapie sinnvoll sein – zum Beispiel bei einer langfristigen Behandlung von Entzündungen, zur Linderung von Schmerzen oder einfach zur Regeneration.

Bibbern, bis der Arzt kommt

Für Sportler ist die Anwendung in der Kältekammer vor dem Sport theoretisch jeden Tag möglich. Mark Dankhoff empfiehlt sie einmal pro Woche. Im Sinne einer Therapie nach Sportverletzungen, Prellungen und bei Verspannungen kann die Therapie nach Absprache mit dem Arzt auch häufiger durchgeführt werden. Apropos Arzt: Aber auch in der Medizin häuft sich der Einsatz der Kryotherapie. Denn eine ganze Reihe von Beschwerden wie Rheuma, spastischen Muskelverspannungen sowie Neurodermitis kann mit der Ganzkörper-Kältetherapie ebenfalls behandelt werden. Bei der lokalen Behandlung sind außerdem bei Warzen, Hautkrebs im Vorstadium, Tumoren und bestimmten Herzrhythmusstörungen positive Wirkungen nachgewiesen worden.

Risiken ausschließen: Vor der ersten Behandlung zum Arzt gehen

Vor der ersten Anwendung sollten Interessierte sich selbst jedoch auf eine körperliche Eignung durchchecken lassen. Menschen mit bestimmten Krankheiten wie einem Raucherbein oder Diabetiker sollten die Therapie meiden. Doch das muss in jedem Einzelfall anhand der Blut- und Kreislaufwerte sowie bekannter Vorerkrankungen geprüft werden. Zusätzlich ist im professionellen Betrieb immer eine geschulte Person mit vor Ort, die den Vorgang überwacht.

Welche Leiden kann die Kältetherapie lindern?

Dass keine unnötige Angst vor der anerkannten Behandlungsmethode bestehen sollte, da ist Dr. Dankhoff sich jedenfalls sicher. Gerade mit der Wellness kommt ein weiterer Anwendungsbereich hinzu, der nicht nur mehr Rheumatherapie-Patienten oder Profisportler anspricht. Denn wer Stress im Alltag hat, schüttet das Hormon Cortisol aus. Das führt dazu, dass zum Beispiel unsere Denk- und Gedächtnisleistung sinkt.

Die Kältetherapie verringert die Produktion dieses Stresshormons und verbessert zugleich den Stoffwechsel. Viele Menschen fühlen sich dadurch dann frischer, vitaler und ausgeglichener. Zudem kann die Ganzkörper-Kältetherapie Leiden wie Migräne, leichte Depressionen und Schlafstörungen positiv beeinflussen.

Die heilende Kraft der Kälte ist seit Jahrtausenden bekannt und geschätzt. Gewusst haben das bereits die alten Griechen. Denn in der griechischen Antike schrieben Ärzte wie Hippokrates und Plinius über die positiven Auswirkungen von Kälte auf den Körper. Schon damals wurden Blessuren und Schwellungen bei Sportlern oder Soldaten mit Kälteumschlägen oder Eisbädern behandelt.

Heute muss man allerdings weder Profisportler oder Soldat sein noch eine Kältekammer besitzen. Denn wer die Kältetherapie erst einmal besonders günstig ausprobieren möchte, kann sich mit zwei Eimern voller kaltem Wasser überschütten. Wer sich danach nicht frisch fühlt und im Kreis springt, ist von der ganz harten Sorte.