Multitasking: Leistungsbooster oder Stressfaktor?

Vielleicht kennst du das: Du bist in einem Online-Meeting und bearbeitest nebenbei noch andere Aufgaben. Viele Menschen erledigen heutzutage ganz selbstverständlich mehrere Dinge gleichzeitig. Doch das funktioniert oft weniger gut, als gedacht. Hier erfährst du, was beim Multitasking im Gehirn passiert, welche Folgen häufige Aufgabenwechsel haben können und wie du konzentrierter und entspannter arbeitest.
Was ist Multitasking?
Multitasking bedeutet, dass du mehrere Aufgaben gleichzeitig oder in sehr kurzen Wechseln bearbeitest. In unserer Gesellschaft ist es derzeit noch eher positiv besetzt, weil die Person besonders effizient oder leistungsfähig erscheint. Doch kann das Gehirn wirklich mehrere Dinge gleichzeitig erledigen? Die Wissenschaft blickt differenzierter auf Multitasking:
Die Aussage „Multitasking gibt es nicht“ greift zu kurz. Einfache oder stark automatisierte Tätigkeiten können teilweise parallel funktionieren - zum Beispiel, wenn du spazieren gehst und dich dabei unterhältst.
Bei zwei neuen oder anspruchsvollen Aufgaben stößt dein Gehirn dagegen schnell an seine Grenzen, denn es kann die Informationen nicht wirklich parallel verarbeiten. Stattdessen springt die Aufmerksamkeit schnell von einer Aufgabe zur nächsten. Fachleute sprechen dabei von Task Switching, also dem Wechseln zwischen Aufgaben.
Beim Wechsel zwischen Aufgaben spielen vor allem zwei Prozesse eine Rolle:
- Arbeitsgedächtnis: Es hält Informationen kurzfristig bereit, die du gerade für eine Aufgabe brauchst.
- Exekutive Funktionen: Sie helfen dir, Ziele im Blick zu behalten, zwischen Aufgaben zu wechseln und störende Reize auszublenden.
Deine Aufmerksamkeit hat allerdings Grenzen. Bei jedem Aufgabenwechsel muss sich dein Gehirn kurz neu orientieren und relevante Informationen wieder aktivieren. Es ist also jedes Mal eine gewisse Anstrengung, die der Aufgabenwechsel mit sich bringt.
Welche Folgen hat häufiges Multitasking?
Deinem Gehirn kostet es jedes Mal ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit zwischen Aufgaben zu wechseln.Gerade bei anspruchsvollen Tätigkeiten kannst du dadurch langsamer werden oder leichter Fehler machen. Denn nach einem Wechsel muss sich dein Kopf erst wieder auf das neue Ziel, die passenden Informationen und den nächsten Arbeitsschritt einstellen.
Mögliche Folgen sind:
- Weniger Konzentration: Häufige Aufgabenwechsel können es erschweren, über längere Zeit bei einer Sache zu bleiben.
- Mehr Zeitaufwand: Mehrere Dinge gleichzeitig zu beginnen, fühlt sich vielleicht produktiv an. Häufig dauert die Bearbeitung insgesamt jedoch länger.
- Mehr Fehler: Vor allem bei anspruchsvollen Aufgaben können wichtige Informationen leichter übersehen werden.
- Schlechteres Lernen und Erinnern: Verarbeitest du neue Informationen nur nebenbei, setzt du dich weniger intensiv mit ihnen auseinander. Das kann dazu führen, dass du dich später schlechter daran erinnerst.
- Mehr Stress: Parallele Anforderungen und häufiges Aufgabenwechseln können sich belastender anfühlen und körperliche Stressreaktionen auslösen.
In Situationen, die deine volle Aufmerksamkeit verlangen, kann Ablenkung außerdem gefährlich für dich und deine Mitmenschen werden. Beim Autofahren, beim Bedienen von Maschinen oder in anderen Gefahrensituationen solltest du dich voll auf die Hauptaufgabe konzentrieren.
Wann ist Multitasking überhaupt möglich?
Manche Dinge lassen sich tatsächlich ganz gut miteinander verbinden. Beim Spazierengehen und einem lockeren Gespräch musst du zum Beispiel nicht über jeden einzelnen Schritt nachdenken. Je vertrauter eine Tätigkeit ist, desto weniger Aufmerksamkeit braucht sie meist.
Übung kann bei einer bestimmten Aufgabenkombination helfen, weil einzelne Abläufe mit der Zeit routinierter werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich Multitasking allgemein trainieren lässt. Was bei einer Kombination gut klappt, lässt sich nur begrenzt auf andere Aufgaben übertragen.
Hinzu kommt: Ob Multitasking wirklich gut klappt, lässt sich im Alltag oft schwer einschätzen. Das eigene Gefühl dafür stimmt nicht immer damit überein, wie schnell oder fehlerfrei mehrere Aufgaben tatsächlich gelingen.
Du musst also nicht versuchen, möglichst gut im Multitasking zu werden. Echtes Multitasking ist nur begrenzt möglich und häufig wenig sinnvoll.
Wo kommt Multitasking im Alltag vor?
Gerade im Job, beim Lernen oder beim Medienkonsum wechseln wir oft unbemerkt zwischen mehreren Aufgaben. Manchmal fühlt sich das schon so normal an, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen. Um dich dafür zu sensibilisieren, beschreiben wir die gängigsten Multitasking-Fälle hier.
Multitasking im Arbeitsalltag
E-Mails beantworten, während Nachrichten im Team-Chat aufpoppen, zwischendurch Anrufe annehmen und gleichzeitig an einer Aufgabe weiterarbeiten: Vor allem in Bürojobs entstehen besonders viele Situationen, in denen deine Aufmerksamkeit ständig wechseln muss. Insbesondere Aufgaben, die Konzentration und zusammenhängendes Denken erfordern, können darunter leiden.
Benachrichtigungen auf dem Handy verstärken diesen Effekt zusätzlich. Schon eine eingehende Nachricht kann dazu verleiten, die aktuelle Aufgabe zu unterbrechen – selbst wenn du das Smartphone gar nicht in die Hand nimmst.
Multitasking beim Lernen
Beim Lernen kommt es darauf an, welche Tätigkeiten du miteinander kombinierst. Instrumentale Hintergrundmusik stört manche Menschen kaum. Nachrichten, Videos oder Gespräche konkurrieren dagegen stärker mit Lesen, Schreiben und Lernen um deine Aufmerksamkeit. Gerade für das Lernen ist es wichtig, dass du dich auf die Hauptaufgabe fokussierst, damit die Informationen im Gehirn die volle Aufmerksamkeit bekommen.
Multitasking bei Medien
Beim Medien-Multitasking nutzt du mehrere Medien gleichzeitig. Ein typisches Beispiel ist der sogenannte Second Screen: Du schaust eine Serie oder einen Stream und nutzt gleichzeitig dein Smartphone oder Tablet. Deine Aufmerksamkeit wechselt dabei immer wieder zwischen den verschiedenen Inhalten.
Das Gleiche kann auch bei einem Gerät erfolgen, wenn du auf einem Split-Screen mehrere Inhalte gleichzeitig siehst.
Wie vermeide ich ständiges Multitasking?
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Dabei können diese Tipps unterstützen:
- Prioritäten setzen: Lege ganz bewusst fest, welche Aufgabe gerade Vorrang hat, und arbeite möglichst bis zu einem sinnvollen Zwischenziel daran.
- E-Mails und Nachrichten bündeln: Bearbeite sie zu bestimmten Zeiten, statt deine aktuelle Tätigkeit bei jeder neuen Benachrichtigung zu unterbrechen.
- Fokuszeiten einplanen: Konzentriere dich für einen bestimmten Zeitraum auf eine Aufgabe und mache anschließend eine kurze Pause. Wie lang ein solcher Zeitblock sein sollte, hängt von der Aufgabe und deiner persönlichen Konzentrationsspanne ab.
- Ablenkungen reduzieren: Schalte Benachrichtigungen aus, lege das Smartphone außer Sichtweite und schließe Programme oder Tabs, die du gerade nicht brauchst.
- Nach Unterbrechungen leichter zurückfinden: Notiere kurz, wo du aufgehört hast und welcher Schritt als Nächstes ansteht. Dadurch kannst du die Aufgabe später leichter wieder aufnehmen.
Häufige Fragen zu Multitasking
Du hast noch mehr Fragen zum Multitasking? Hier findest du weitere Antworten.
Sind Frauen multitaskingfähiger als Männer?
Ist Multitasking ein Symptom von ADHS?
Kann Musik beim Lernen oder Arbeiten die Konzentration fördern?
Ist Multitasking schädlich für das Gehirn?
Fachbereich der DAK-Gesundheit
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