So süchtig machen WhatsApp, Instagram und Co.

DAK-Studie untersucht Social-Media-Nutzung von Kindern und Jugendlichen

Eine neue Studie (pdf) der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, was viele ahnen: Rund 100.000 Kinder und Jugendliche sind abhängig von Social Media. Laut der Studie verbringen Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren durchschnittlich rund zweieinhalb Stunden täglich mit sozialen Medien. Spitzenreiter in der Nutzung ist WhatsApp, gefolgt von Instagram und Snapchat.

Mädchen sind danach länger in sozialen Medien unterwegs als Jungen – im Schnitt knapp über drei Stunden pro Tag, Jungs dagegen "nur" 2,5 Stunden. Je älter die Befragten werden, desto mehr Zeit verbringen sie in den sozialen Netzwerken. Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren sind fast 3,5 Stunden pro Tag mit WhatsApp und Co. beschäftigt, gleichaltrige Jungen 2,75 Stunden.

Zu viel Social Media schadet der Gesundheit

Je länger und häufiger Kinder und Jugendlichen online sind, desto höher ist das Suchtrisiko. „Viele Kinder und Jugendliche chatten, posten und liken von früh bis in die Nacht“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Einige rutschen in die Abhängigkeit. Darauf müssen wir reagieren, damit Betroffene und ihre Familien Hilfe bekommen. Das Liken darf nicht zum Leiden werden.“

Besonders alarmierend ist der Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht und Depressionen, denn wer von sozialen Medien abhängig ist, hat ein höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken als Nicht-Süchtige. Es kann auch sein, dass sich depressive Kinder und Jugendliche häufiger in die virtuelle Welt zurückziehen und deshalb ein Suchtverhalten entwickeln. In jedem Fall verstärken sich die beiden Faktoren, sodass eine ernste gesundheitliche Gefahr droht.

Schlafmangel, Ablenkung und Streit durch soziale Medien

Bei den befragten Kindern und Jugendlichen führt die häufige Beschäftigung mit Social Media auch zu negativen sozialen Auswirkungen. Jeder dritte Befragte nutzt soziale Medien, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen. Bei den Mädchen sind es sogar 40 Prozent. Knapp ein Viertel der Befragten bekommt wegen der Nutzung sozialer Medien zu wenig Schlaf. Und: Jeder Fünfte streitet mit den Eltern über den das Thema Social Media, bei den 12- bis 13-Jährigen sogar jeder Dritte. 13 Prozent sind unglücklich, wenn sie keine sozialen Medien nutzen können. Acht Prozent der Befragten sind mit allen Freunden ausschließlich über soziale Medien in Kontakt.

Kinder, Eltern und Erzieher brauchen Unterstützung

"Soziale Medien sind wichtige Kommunikationskanäle für Kinder und Jugendliche“, sagt Andreas Storm. „Da wir unsere Versicherten ein Leben lang begleiten, wollen wir die Risiken früh erkennen, benennen und Hilfe anbieten.“ Kinder müssen lernen, mit digitalen Medien umzugehen. Sie sollten Chancen und Risiken dieser Medien sehen. Aber auch Eltern, Lehrer und Erzieher brauchen Unterstützung, damit sie Kinder auf ihrem Weg zu medienkompetenten Anwendern begleiten.

Wohin können sich betroffene Eltern und Kinder wenden?

Die DAK-Gesundheit schaltet gemeinsam mit den Suchtexperten des UKE in Kürze eine kostenlose Hotline und einen Experten-Chat für Betroffene und Angehörige. Viele Erziehungsberatungsstellen kennen sich ebenfalls mit dem Thema gut aus. Mehr Informationen finden Sie bei uns unter Internetsucht oder unter www.computersuchthilfe.info

Alle Informationen und viele Fallbeispiele zur Internetsucht finden Sie auch in den Broschüren in unserer Mediathek im Themenbereich „Krankheit und Sucht“.

Hintergrund der Studie

Mit der Studie „WhatsApp, Instagram und Co. – so süchtig macht Social Media“ untersuchen wir das Thema Internetsucht nun bereits im dritten Jahr. Das Forsa-Institut hat dafür 1.001 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren befragt. Erstmals wurde mit dieser Analyse die Häufigkeit einer Social-Media-Abhängigkeit in einer für Deutschland repräsentativen Stichprobe untersucht. Grundlage sind wissenschaftliche Kriterien aus den Niederlanden (Social Media Disorder Scale). Werden mindestens fünf von neun Standardfragen mit „ja“ beantwortet, liegt laut Fragebogen eine Social-Media-Abhängigkeit vor.

Zuletzt aktualisiert:
Mon Mar 19 15:46:08 CET 2018

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