Lust auf Sex!? Wie sie entsteht und was sie stören kann

Sexualität und sexuelles Verlangen gehören für viele Menschen zum Leben dazu. Hormone beeinflussen, wie wir Anziehung und Lust erleben. Ob durch einen vertrauten Duft, eine Stimme oder die Ausstrahlung eines anderen Menschen – sexuelle Lust, auch bekannt als Libido, kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Wie stark die Libido ausgeprägt ist, ist individuell: Während sie für manche eine wichtige Rolle spielt, ist sie für andere weniger bedeutsam. Beides ist völlig normal. Zudem kann sich die Libido im Laufe des Lebens verändern.

Ein junges Paar küsst sich intensiv.

Wie entsteht sexuelle Lust?

Viele Menschen glauben, dass die Lust in den Geschlechtsorganen entsteht. Das stimmt aber nicht. Dein eigentliches Lustzentrum ist dein Gehirn: Wirst du durch einen Reiz von außen, etwa eine Berührung, einen Kuss oder einen Blick, erregt, werden Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet. Verantwortlich dafür sind deine Sexualhormone. Dopamin steuert auch motorische, geistige und emotionale Reaktionen deines Körpers.

Sexualhormone

Testosteron und Östrogen zum Beispiel sind Sexualhormone. Östrogen wird bei der Frau in den Eierstöcken und in den Nebennieren gebildet, Testosteron in den männlichen Hoden. Das Blut transportiert die Hormone ins Gehirn. Dort angekommen, machen sie sich daran, unter anderem die Dopaminproduktion anzuregen.

Wichtig: Testosteron gibt es auch im weiblichen Körper. Ebenso produziert der männliche Körper Östrogen.

Dopamin – das Glückshormon und die menschliche Lust

Du kennst Dopamin vielleicht schon als sogenanntes Glückshormon. Flutet es deinen Körper, fühlst du dich so richtig gut. Außerdem steigert Dopamin unsere Lust. Bei einem Orgasmus erreicht dein Körper auch den Höhepunkt der Dopamin-Ausschüttung.

Dopamin sorgt auch dafür, dass sich im Gehirn die Wahrnehmung verändert (die bekannte „rosarote Brille“ bei Frischverliebten) und Erregung entsteht. Zu viel Dopamin würde uns aber ins absolute Lust-Chaos stürzen. Daher kommt es in der Regel immer Hand in Hand mit Serotonin. Das ist dafür verantwortlich, dass du nicht zu impulsiv handelst.

Das Problem mit dem Serotonin

Diese Impulskontrolle kann beim Sex aber auch zu Problemen führen. Zu viel Serotonin lässt dich auch in erregten Situationen ins Grübeln kommen – zum Beispiel über die Schule oder die Arbeit. Das kann verhindern, dass du dich fallen lässt. Es ist also wichtig, dass sich Dopamin und Serotonin im Körper in einem gesunden Gleichgewicht befinden.

Lust auf Sex – was ist normal?

Eine „normale“ Menge sexuelle Lust oder Sex gibt es nicht. Wie viel Lust auf Sex normal ist, ist von Person zu Person vollkommen unterschiedlich. In einer Beziehung kann es zum Beispiel sein, dass ein Partner oder eine Partnerin jeden Tag Lust auf Sex hat, während dem anderen einmal pro Woche reicht. Das Wichtigste ist, sich darüber auszutauschen. Sprich mit deinem Gegenüber darüber, wann und wie oft du Lust auf Sex hast. Entscheidend ist, dass du zu nichts überredet oder gezwungen wirst, das du nicht willst.

Die Lust unterscheidet sich übrigens nicht nur von Person zu Person. Sie ist sogar bei ein und demselben Menschen nicht immer gleich. Deine Libido verändert sich in den verschiedenen Phasen deines Lebens. 

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Von Sexsucht bis Asexualität

An den Rändern des Spektrums zwischen viel und wenig Lust befinden sich zwei eher seltene Zustände: Das ist zum einen die Sexsucht und zum anderen die Asexualität.

Sexsucht

Ständig Lust auf Sex. Was im ersten Augenblick toll klingt, hat in Wirklichkeit nichts mit sexueller Befriedigung, sondern eher mit einer Getriebenheit zu tun. Das macht die Sexsucht auch zu einer anerkannten Sucht. Wie bei anderen Süchten steht hier nach der Befriedigung nicht selten eine Art von Schuld- oder Schamgefühl.

Sexsucht wurde noch vor wenigen Jahren bei Männern als Don Juanismus und bei Frauen als Nymphomanie bezeichnet. Don Juan war ein bekannter Frauenheld. Gesellschaftlich hatten es betroffene Männer leichter als Frauen. Als Mann galt man schnell als sexuell erfolgreich, als Frau wurde man dagegen rasch als etwas sehr viel weniger Schmeichelhaftes abgestempelt.

Eine Sexsucht lässt sich an den folgenden Faktoren erkennen:

  • Sehr häufig wechselnde Sexualpartner und -partnerinnen
  • Exzessive Selbstbefriedigung
  • Häufiger Konsum von Pornografie
  • Häufiger Besuch bei Sexarbeiterinnen oder Sexarbeitern
  • Kein Aufbau einer Beziehung beim Sex

Wodurch wird Sexsucht ausgelöst? Laut Forschung kann eine Störung im Verhältnis zwischen Dopamin und Serotonin die Ursache sein. Weitere mögliche Gründe sind traumatische Erlebnisse, Bindungsprobleme, Internetpornos sowie Stress und Belastung.

Wer die oben aufgelisteten Symptome an sich selbst feststellt, kann sich an Psychiaterinnen, Psychiater, Sexualtherapeutinnen und Sexualtherapeuten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wenden.

Asexualität

Genau wie es Menschen gibt, die ständig Sex brauchen, gibt es auch solche, die überhaupt keinen brauchen. Expertinnen und Experten beschreiben diesen Zustand als Asexualität. Asexuell solltest du aber nicht mit gefühllos gleichsetzen. Asexuelle Menschen haben zwar an Sex kein Interesse, aber sie empfinden romantische Gefühle wie jeder andere Mensch auch.

Was sind die Ursachen für Asexualität? Die können vielfältig sein. Frauen erleben das Erlahmen der sexuellen Lust manchmal in der Menopause – also in der Zeit, in der die Menstruation endet. Bei Männern kann ein besonders niedriger Testosteronspiegel dazu führen. Auch verschiedene Medikamente können ein Abflachen der Lust hervorrufen.

Außerdem kann es passieren, dass Asexualität durch eine Situation hervorgerufen wird. Wenn zum Beispiel Eltern durch die Geburt und die ersten Monate mit dem Baby sehr erschöpft sind, kann es sein, dass die sexuelle Lust für eine Zeit lang einschläft.

Einige Forscherinnen und Forscher glauben, dass auch Missbrauch bei Kindern Asexualität auslösen kann.

Sexuelle Aufklärung mit Doktorsex

Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)

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Keine Lust auf Sex: Vielfältige Ursachen

Sex in all seinen Ausprägungen kann zu einem erfüllten Leben hinzugehören, muss er aber nicht. Es gibt durchaus Gründe, warum die Lust weniger ist oder wird:

  • Probleme in der Beziehung: Probleme in der Partnerschaft können dazu führen, dass die Libido nachlässt. Wenn du dich unwohl fühlst, dich etwas bedrückt oder unterschwellige Konflikte schwelen, kann das deiner Lust im Weg stehen. Hier kann ein offenes und ehrliches Gespräch helfen.
  • Psychische Probleme: Auch Depressionen oder Angstzustände können sich auf die Lust auf Sex auswirken. Falls du betroffen bist: Es ist wichtig, dass du dich deswegen nicht unter Druck setzt oder setzen lässt. Deine psychische Gesundheit steht an erster Stelle. Hab keine Angst, die Hilfsangebote von Hausärzten, Hausärztinnen und anderen Einrichtungen in Anspruch zu nehmen. Sprich auch hier mit deinem Gegenüber. Versucht, den Stress oder die Ängste gemeinsam abzubauen.
  • Medikamente: Es gibt Medikamente, die die Lust dämpfen können. Zu den bekanntesten zählen bestimmte Antidepressiva, die die Serotoninwiederaufnahme hemmen. Auch Blutdrucksenker können sich auf die Libido auswirken. Wenn man das Gefühl hat, dass das der Fall ist, sollte man mit dem Arzt oder der Ärztin seines Vertrauens darüber sprechen.
  • Zu viel Alkohol: Konsumiert man über längere Zeit große Mengen Alkohol, kann das dazu führen, dass es zu einem vorübergehenden Verlust der Libido kommt. Das liegt daran, dass Alkohol den Testosteronspiegel nach unten treibt. Hier erfährst du mehr dazu, wie sich Alkohol auf Sex auswirkt.
  • Medizinische Gründe: Viele Menschen werden im Laufe ihres Lebens mit Lustproblemen konfrontiert. Einige davon werden durch bestimmte Krankheiten ausgelöst. Dazu zählen zum Beispiel Diabetes, Herzkrankheiten und Nierenleiden. Auch hier raten wir Betroffenen, sich im Falle des Falls medizinische Hilfe zu suchen.

Keine Lust auf Sex: Gründe bei Frauen 

  • Wechseljahre oder Menopause: Kommt eine Frau in die Wechseljahre, bedeutet das, dass die Monatsblutungen enden und die Frau von nun an keine Kinder mehr bekommen kann. In dieser Zeit können Veränderungen im Testosteron- sowie im Östrogenhaushalt dazu führen, dass die Lust auf Sex weniger wird.
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille, der Vaginalring, die Hormonspirale oder auch die Dreimonatsspritze können die Libido verringern.
  • Müdigkeit und hormonelle Umstellung nach einer Schwangerschaft: Auch wenn viele Frauen nach der Geburt ihres Babys durchschnittlich nach sechs Monaten wieder Sex haben, berichten einige, dass sie erst nach 18 Monaten wieder Spaß daran empfunden haben. Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel. Das kann ein Absinken der Libido zur Folge haben. Gespräche mit dem Partner oder der Partnerin können hier helfen. Männer sollten der frischgebackenen Mutter ihre eigene Geschwindigkeit zugestehen.

Keine Lust auf Sex: Gründe beim Mann

Es ist ein Klischee, dass Männer immer Lust auf Sex haben. Erfahre mehr zu den Gründen für sexuelle Unlust bei Männern und was helfen kann. 

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Ich habe mehr Lust auf Sex als mein Partner oder meine Partnerin

Am wichtigsten ist, dass du mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber sprichst. Auch wenn der erste Satz dir schwer über die Lippen geht – ist er einmal ausgesprochen und das Gespräch in Gang gebracht, wird es schnell leichter.

Redet zum Beispiel über eure Gefühle, über eure Intimität und eure Vorlieben und versucht eine Lösung zu finden. Eine unterschiedlich ausgeprägte Libido wird meist dann zum Problem, wenn man über diese Unterschiede nicht spricht. Wichtig ist vor allem, dass du die Wünsche deines Partners oder deiner Partnerin in jeder Situation respektierst und ihn oder sie niemals zu etwas drängst.

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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