Pearl-Index: Pille, Kondom, Spirale und andere Verhütungsmittel im Vergleich

Aufnahme eines Paares im Bett aus der Vogelperspektive

Pille, Kondom oder Spirale? Was schützt sicher vor einer Schwangerschaft? Was der Pearl-Index darüber aussagt und welche Faktoren du noch berücksichtigen solltest, um sicher zu verhüten, erfährst du hier.

Was ist der Pearl-Index?

Der Pearl-Index gibt an, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. Benannt wurde er nach dem US-amerikanischen Wissenschaftler Raymond Pearl. Je kleiner der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die jeweilige Verhütungsmethode.

Urologe Volker Wittkamp erklärt, was der Pearl-Index ist und welche Verhütungsmethoden als sicher gelten.

So wird der Pearl-Index berechnet

Verwenden 100 Frauen oder Männer über ein Jahr das gleiche Verhütungsmittel und kommt es trotzdem zu beispielsweise 5 Schwangerschaften, liegt der Pearl-Index bei 5. Der Index gibt also an, wie viele Schwangerschaften trotz der Anwendung des Verhütungsmittels eingetreten sind.

Wenn du also liest, dass ein Verhütungsmittel einen Pearl-Index von 0,1 hat, bedeutet das, dass eine von 1.000 Frauen trotz der Verwendung dieses Verhütungsmittels schwanger geworden ist.

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Welcher Pearl-Index gilt als sicher?

Als Faustregel kannst du dir merken: Je niedriger die Zahl ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Schwangerschaft bei der Verwendung. Eines musst du aber wissen: Absolute Sicherheit bietet kein Verhütungsmittel. Hinzu kommt, dass der Pearl-Index keine Einnahmefehler berücksichtigt. Wer die Pille also gelegentlich vergisst, kann sich nicht auf den Wert verlassen. 

Außerdem sind neben dem Pearl-Index auch persönliche Vorlieben relevant – manche Menschen wollen nur bei Bedarf verhüten und greifen dann eher zum Kondom, andere wollen dagegen nicht bei jedem Sex über die Verhütung nachdenken und nutzen ein Verhütungsmittel, dass dauerhaft schützt. Auch die Frage, wie hormonelle Verhütungsmittel den Körper insgesamt beeinflussen, treibt viele Frauen um.

Pearl-Index beliebter Verhütungsmethoden 

Hier werfen wir einen Blick auf den Pearl-Index einiger der beliebtesten Verhütungsmittel. Daneben gibt es natürlich noch eine Vielzahl weiterer Methoden zur Verhütung.

  1. Hormonspirale: Die Hormonspirale hat einen Pearl-Index von 0,16. Das ist von allen Methoden der niedrigste Wert. Diese Spirale wird dir von deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin eingesetzt. Je nach Variante schützt sie dich als junge Frau zwischen 3 und 5 Jahren vor einer ungewollten Schwangerschaft. Bitte beachte, dass die Hormonspirale ähnlich wie die Pille und der Vaginalring Nebenwirkungen hat.
  2. Antibabypille: Die Pille ist ein Klassiker unter den Verhütungsmitteln und erreicht einen Pearl-Index zwischen 0,1 und 0,9. Das ist schon besonders sicher. Diesen Schutz gewährt das Hormonpräparat aber nur, wenn du es auch wirklich regelmäßig jeden Tag zur gleichen Uhrzeit einnimmst. Einmal vergessen, nimmt die Wirkung ab.
  3. Dreimonatsspritze: Die Verhütungs-, Dreimonats- oder Depotspritze gehört, wie die Pille und die Hormonspirale, zu den hormonellen Verhütungsmitteln für Frauen. Mit einem Pearl-Index zwischen 0,2 und 1,4 gilt die Depotspritze als sehr sichere Methode zur Empfängnisverhütung
  4. Verhütungspflaster: Der Pearl-Index beim Verhütungspflaster liegt je zwischen 0,72 und 0,9. Wie in manchen Pillen stecken im Verhütungspflaster die Hormone Gestagen und Östrogen, die der Körper dann über die Haut aufnimmt.
  5. Kupferspirale: Die Spirale kommt auf einen Wert zwischen 0,3 und 0,8. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt. Dort kann sie mehrere Jahre bleiben. Anders als beim Vaginalring, den du einfach hineinschiebst, wird die Kupferspirale bei einem kleinen Eingriff eingesetzt. Im Vorfeld untersucht die Frauenärztin oder der Frauenarzt die Lage, Größe und Form deiner Gebärmutter. So wird die passende Größe der Kupferspirale ausgewählt. Am besten lässt du dir die Kupferspirale während der letzten Tage deiner Menstruation einsetzen. Dann ist dein Muttermund weich und weit.
  6. Vaginalring: Der Kunststoffring zählt zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Er wird ähnlich wie ein Tampon in die Vagina eingeführt. Du musst nicht jeden Tag an ihn denken, denn er schützt dich 3 Wochen. Der Vaginalring hat einen Pearl-Index von 0,4 bis 0,65.
  7. Kondom: Der Pearl-Index eines Kondoms liegt zwischen 2 und 12. Das liegt aber nicht in erster Linie daran, dass Kondome schlecht schützen, sondern – wie so oft – am Faktor Mensch. Wer trotz Kondom schwanger wird, hat in vielen Fällen einen Fehler in der Anwendung gemacht. Wichtig: Kondome sind bei korrekter Anwendung nicht nur tolle Verhütungsmittel, sie schützen dich und deinen Partner oder deine Partnerin auch ausgezeichnet vor Geschlechtskrankheiten.

Wie sicher ist eine Sterilisation?

Eine Sterilisation kann beim Mann und bei der Frau erfolgen. Die Sterilisation des Mannes, auch bekannt als Vasektomie, hat einen Pearl-Index von 0,1. Die Sterilisation der Frau liegt mit 0,2 bis 0,3 sogar noch darüber. Beide Eingriffe verhindern zuverlässig eine Schwangerschaft, jedoch bleibt eine kleine Restwahrscheinlichkeit. Als Verhütungsmethode eigenen sich Sterilisationen nur bei abgeschlossener Familienplanung. 

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Julia Salinger und Volker Wittkamp (v.li.)

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Welche Verhütungsmittel schützen laut Pearl-Index am wenigsten?

Den höchsten Pearl-Index findest du dort, wo nicht verhütet wird: Geschlechtsverkehr komplett ohne Verhütung hat einen Wert von durchschnittlich 85. Auch der sogenannte Koitus interruptus, also das Rausziehen des Penis vor dem Samenerguss, ist alles andere als sicher – er hat einen Pearl-Index von 4 bis 18.

Das Kondom für die Frau, bekannt auch als Femidom, ist mit einem Pearl-Index von 5 bis 25 ähnlich unsicher.
Wenn du nach der Kalendermethode verhütest, liegt der Pearl-Index bei ca. 9. Dabei wird der Zyklus kontrolliert und protokolliert. So lassen sich die fruchtbaren Tage ermitteln. Diese Methode gilt nicht als besonders sicher.

Deswegen ist ein Kondom immer wichtig

Mit dem Pearl-Index findest du heraus, welches Verhütungsmittel dir den sichersten Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft bietet. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Chlamydien, Hepatitis B und HIV schützt aber nur das Kondom.
Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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