Sind Zitronen gesund? Wirkung, Vorteile und Risiken

Ein Spritzer im Wasser, ein paar Tropfen im Tee oder etwas Saft über Salat und Gemüse: Viele Menschen verwenden Zitronen regelmäßig in ihrem Alltag. Die Zitrusfrucht schmeckt frisch und riecht angenehm. Doch kann die Zitrone wirklich so viel, wie ihr häufig zugeschrieben wird? Hier erfährst du, welche Inhaltsstoffe Zitronen liefern, was Zitronenwasser bringen kann und wann die Säure Beschwerden verursacht.
Warum gelten Zitronen als gesund?
Zitronen liefern unter anderem Vitamin C, Zitronensäure und sekundäre Pflanzenstoffe. Damit können sie eine abwechslungsreiche Ernährung ergänzen – ein einzelnes Lebensmittel macht die Ernährung jedoch nicht automatisch gesund.
- Dein Körper braucht Vitamin C, um Kollagen zu bilden. Dieses Eiweiß ist ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Das gibt unter anderem Haut, Blutgefäßen, Knochen und Knorpel Stabilität. Außerdem wirkt Vitamin C antioxidativ. Das bedeutet: Vitamin C trägt dazu bei, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Dieser entsteht, wenn sich im Körper mehr reaktive Sauerstoffverbindungen bilden, als die körpereigenen Schutzsysteme abfangen können.
- Sekundäre Pflanzenstoffe sind natürliche Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel. Zu ihnen gehören auch die Flavonoide der Zitrone. Welche Bedeutung einzelne dieser Stoffe für die Gesundheit haben, wird weiterhin erforscht. Flavonoide kommen bei der Zitrone vor allem in der Schale und in der weißen Schicht darunter vor. Im Labor zeigen einige von ihnen antioxidative Eigenschaften.
Übrigens: Obwohl du eine Zitrone wahrscheinlich mit viel Vitamin C verbindest, ist die Frucht kein Vitamin-C-Spitzenreiter. Andere Lebensmittel liefern deutlich mehr davon, zum Beispiel Hagebutten, Sanddorn, schwarze Johannisbeeren oder Petersilie. Außerdem ist für eine ausgewogene Ernährung nicht allein das Vitamin C wichtig, sondern das Zusammenspiel aus verschiedenen Nährstoffen.
Gesundheitsmythen im Check: Was kann die Zitrone wirklich?
Zahlreiche Versprechen und Mythen ranken sich darum, wie gesund Zitronen sind und was sie genau für das Immunsystem, die Verdauung und überhaupt das Wohlbefinden tun können. Die folgende Einordnung zeigt, was gut belegt ist und wo die Forschung keine eindeutigen Antworten liefert:
- Zitronen für das Immunsystem: Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das heißt: Dein Körper braucht Vitamin C für bestimmte Abläufe der Abwehr. Aber eine Zitrone heilt keinen Infekt und schützt dich nicht sicher vor einer Erkältung. Hol dir weitere Infos, wie dich Ernährung fürs Immunsystem unterstützen kann.
- Heiße Zitrone bei Erkältung: Ein warmes Getränk mit Zitrone kann angenehm sein, den Hals befeuchten und dabei unterstützen, ausreichend zu trinken. Eine Erkältung lässt sich damit jedoch nicht heilen. Hohe Temperaturen mindern übrigens auch die Wirkung des Vitamin C, da dieses hitzeempfindlich ist. Tipp: Gib den Zitronensaft in lauwarmes Wasser.
- Zitronen können die Verdauung unterstützen: Der saure Geschmack kann Speisen frischer schmecken und sie für manche Menschen bekömmlicher wirken lassen. Auch kann durch die Zitronensäure der Speichelfluss angeregt werden. Wenn du saure Lebensmittel zu stärkehaltigen Mahlzeiten kombinierst, kann das den Blutzuckeranstieg nach dem Essen verringern. Eine gezielte verdauungsfördernde Wirkung von Zitronensaft ist wissenschaftlich allerdings nicht ausreichend belegt.
- Bessere Eisenaufnahme durch Vitamin C: Vitamin C bringt pflanzliches Eisen in eine Form, die der Körper leichter aufnehmen kann. Tipp: Gib etwas Zitronensaft über deinen Spinat oder in deinen Salat, um die Aufnahme zu unterstützen.
Wie gesund ist Wasser mit Zitrone?
Eine angeblich „entgiftende“ Wirkung von Zitronenwasser lässt sich laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht wissenschaftlich belegen. Diese Aufgabe übernimmt der Körper fortlaufend selbst über Leber, Nieren, Haut sowie Darm und Lunge. Es lässt sich auch nicht belegen, dass Zitronensaft oder andere Getränke diesen „Detox“ beschleunigen.
Zitronenwasser: Einfache Zubereitung Schritt für Schritt
Zitronenwasser ist schnell gemacht und bringt frischen Geschmack ins Glas. Lege gleich los:
- Wasche eine Bio-Zitrone gründlich mit warmem Wasser ab und trockne sie.
- Schneide einige dünne Zitronenscheiben ab und halbiere sie.
- Gib die Scheiben in eine Karaffe.
- Fülle einen Liter kaltes oder lauwarmes Wasser dazu.
- Wenn du magst, gib ein paar Eiswürfel hinzu.
Welche Nebenwirkungen kann Zitronensaft haben?
Zitronensaft ist für viele Menschen gut verträglich, die enthaltene Säure kann jedoch den Zahnschmelz angreifen. Besonders ungünstig ist es, über viele Stunden immer wieder an Zitronenwasser zu nippen. Denn dadurch kommen die Zähne immer wieder mit der Säure in Kontakt. Schone den Zahnschmelz, indem du Zitronensaft am besten verdünnt statt pur trinkst. Spüle deinen Mund anschließend mit klarem Wasser aus und warte etwas, bevor du deine Zähne putzt.
Hat Zitronensaft Auswirkungen auf Medikamente?
Zitrone in normalen Mengen beim Essen und Trinken ist eine frische Ergänzung im Alltag. Nimmst du Medikamente ein, solltest du jedoch vorsichtig sein. Nimm Medikamente am besten mit Leitungswasser ein, sofern die Packungsbeilage nichts anderes empfiehlt.
Bestimmte Getränke können die Wirkung einzelner Arzneimittel verändern. Grapefruit beeinflusst zum Beispiel den Abbau einiger Wirkstoffe, während Milch die Aufnahme bestimmter Medikamente vermindern kann. Entscheidend sind die Hinweise in der Packungsbeilage. Für Zitronensaft lässt sich keine allgemeine Aussage treffen, die für alle Wirkstoffe gilt.
Extreme Anwendungen solltest du zudem immer kritisch hinterfragen. Für gesunde Menschen, die abwechslungsreich essen, sind hoch dosierte Vitamin-C-Präparate in der Regel nicht nötig. Nimm sie bei Unsicherheit nur nach ärztlicher Beratung ein.
Worauf sollte ich beim Kauf von Zitronen achten?
Verwendest du nur den Saft, musst du nicht zwingend eine Zitrone mit essbarer Schale wählen. Wasche die Frucht vor dem Schneiden oder Auspressen trotzdem gründlich ab und reibe sie anschließend trocken. Für Abrieb und fürs Kochen solltest du gezielter auswählen: Achte darauf, dass die Zitronenschale ausdrücklich für den Verzehr geeignet ist.
Bio-Zitronen sind häufig eine gute Wahl, trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Kennzeichnung. Zitrusfrüchte können während des Anbaus mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Nach der Ernte kommen je nach Frucht außerdem Konservierungsmittel oder Wachse zum Einsatz. Der Hinweis „unbehandelt“ bezieht sich meist auf die Zeit nach der Ernte. Er bedeutet nicht automatisch, dass beim Anbau keine Pflanzenschutzmittel verwendet wurden.
Möchtest du ganze Zitronen innerhalb weniger Tage verbrauchen, können sie bei Zimmertemperatur lagern. Eine angeschnittene Zitrone gehört jedoch abgedeckt in den Kühlschrank und sollte zeitnah aufgebraucht werden.
Häufige Fragen zur Zitrone
Ist Zitrone gesund für die Leber?
Hat Zitrone eine Wirkung auf die Psyche?
Kann man Zitrone jeden Tag essen oder trinken?
Welche Bedeutung hat die Zitrone in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)?
Silke Willms
Diplom-Ökotrophologin, Ernährungs-Expertin bei der DAK-Gesundheit
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