Heilfasten: Anleitung, Wirkung und worauf du achten solltest

Du möchtest deinem Körper und Geist etwas Gutes tun? Heilfasten ist eine bewusste Auszeit vom Essen – für viele ein Weg, den Körper zu regenerieren und den Weg in eine langfristige Ernährungsumstellung zu ebnen. Wir erklären, was Heilfasten genau ist, wie es funktioniert und worauf du achten solltest.

Junge Frau trinkt Obstsaft während des Heilfastens.

Was ist Heilfasten?

Heilfasten ist ein freiwilliger, zeitlich begrenzter Verzicht auf feste Nahrung zur körperlichen und mentalen Regeneration. Der Fokus liegt nicht auf dem Abnehmen, sondern auf einer bewussten Pause für den Organismus. Diese Pause kann dein Körper nutzen, um schädliche Prozesse  zu hemmen und sich zu erholen.

Warum wird es auch Heilfasten nach Buchinger genannt?

Bekannt wurde das Heilfasten durch den Arzt Otto Buchinger, der in den 1920er-Jahren nach persönlichen, positiven Erfahrungen medizinisch begleitete Fastenkuren entwickelte. Das Grundprinzip des Buchinger-Fastens sieht vor, keine festen Lebensmittel, sondern stattdessen Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Gemüsebrühe aufzunehmen – immer im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts, etwa in einer Fastenklinik oder unter ärztlicher Betreuung. Heute führen viele Menschen die Kur aber auch zu Hause durch.

Zum Konzept gehören jedoch nicht nur die Ernährung beziehungsweise der Nahrungsverzicht. Auch leichte Bewegung, etwa Spaziergänge oder Gymnastik, bewusste Ruhephasen sowie Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation spielen eine wichtige Rolle. Ziel ist es, Körper und Geist gleichermaßen zu entlasten und die Selbstwahrnehmung zu stärken.

Was ist der Unterschied zwischen Heilfasten und Intervallfasten?

Heilfasten ist nicht dasselbe wie Intervallfasten. Beim Intervallfasten wechseln sich Ess- und Fastenphasen täglich ab, ohne dass feste Nahrung komplett wegfällt. Bei der bekannten 16:8-Methode fastest du zum Beispiel 16 Stunden am Stück – etwa von abends 20 Uhr bis mittags 12 Uhr – und isst innerhalb der verbleibenden acht Stunden normal. Heilfasten hingegen ist eine mehrere Tage dauernde Kur mit strukturiertem Ablauf, Vor- und Aufbautagen.

Heilfasten und Abnehmen

Heilfasten ist nicht zum Abnehmen gedacht. Zwar purzeln meist zu Beginn der Fastenkur die Pfunde, aber nur weil die Kalorienmenge am Tag stark reduziert wird. Die zeitlich begrenzte Fastenkur kann jedoch als Einstieg in eine langfristige Ernährungsumstellung genutzt werden, um dem JoJo-Effekt entgegenzuwirken. Lass dich hierzu von deiner Ärztin oder deinem Arzt beraten. 

Ablauf und Anleitung: Wie funktioniert Heilfasten?

Wer glaubt, beim Heilfasten geht es darum, einfach keine feste Nahrung mehr zu essen, irrt sich. Das Heilfasten folgt einem strukturierten Ablauf, der Körper und Geist gezielt entlasten soll. Wir stellen dir die verschiedenen Phasen der Fastentage vor und geben dir eine übersichtliche Anleitung für gesundes Heilfasten.

Kompakter Heilfasten-Plan

PhaseDauerDas passiertErlaubt
Entlastungstag1 TagVorbereitung auf das Fastenleichte Kost, viel Trinken
Fastentagemeist 6-8 TageVerzicht auf feste NahrungWasser, Tee, Gemüsebrühe, verdünnte Säfte
Fastenbrechen1 Taglangsame Rückkehr zur festen Nahrungz. B. Apfel oder leichte Suppe
Aufbautage3-4 Tageschrittweise Kaloriensteigerungleichte, ballaststoffreiche Kost

1. Der Entlastungstag 

Einen Tag vor dem eigentlichen Fastenstart wird dein Körper sanft auf den Verzicht eingestimmt.

  • Das Ziel: Die Energiezufuhr auf etwa 1.000 Kalorien herunterschrauben.
  • Ab heute meiden: Koffein, Alkohol und Nikotin
  • Das kommt auf den Teller: Leicht verdauliche Kost wie Reis, frisches Obst oder gedünstetes Gemüse.

2. Die Fastentage 

Das eigentliche Heilfasten startet – ab jetzt nimmst du keine feste Nahrung mehr zu dir.

Hinweis: Besonders die ersten zwei bis drei Fastentage empfinden viele Menschen als anstrengend. In dieser Phase können Hunger, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme auftreten, bevor sich der Körper an die reduzierte Energiezufuhr anpasst.

  • Die Darmentleerung am ersten Tag:

    Du trinkst innerhalb von 20 Minuten einen Liter Wasser, gemischt mit 30 bis 40 Gramm Glaubersalz. Nach einer halben Stunde Wartezeit trinkst du noch einmal einen halben bis einen Liter klares Wasser oder Tee hinterher. Glaubersalz ist rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich.

  • Umstieg auf täglich erlaubte flüssige Nahrung:
    • Gemüsebrühe: 250 Milliliter
    • Obst- und Gemüsesaft: 250 Milliliter
    • Honig: 30 Gramm
    • sowie mindestens zweieinhalb Liter Kräutertee oder Wasser
  • Kalorienlimit: Achte darauf, dass die Energiezufuhr bei 250 bis 500 Kilokalorien am Tag liegt – so hältst du das Hungergefühl im Zaum.

Wichtig: Während des Fastens verliert der Körper vermehrt Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Magnesium. Eine ausreichende Zufuhr – etwa über die Brühe oder ergänzende Mineralstoffe – ist wichtig, um Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen zu vermeiden.

3. Das Fastenbrechen 

Das Heilfasten ist vorbei und du stellst die Verdauung vorsichtig wieder um.

  • Das Ziel: Der erste bewusste Übergang zu fester Nahrung. Der Magen ist nun sehr empfindlich – gehe es also langsam an.
  • Das kommt auf den Teller: Beginne mit einem rohen oder gekochten, reifen Apfel. Später zum Abendbrot eine leichte, gut bekömmliche Kartoffelsuppe.

4. Die Aufbautage 

Du führst deinem Körper wieder mehr Energie zu – aber streng schrittweise, um den Organismus nicht zu überfordern.

  • Der Kalorien-Stufenplan:
    • 1. Tag: Maximal 800 Kalorien
    • 2. Tag: Rund 1.000 Kalorien
    • 3. Tag: Rund 1.200 Kalorien
    • 4. Tag: Circa 1.600 Kalorien
  • Das kommt auf den Teller: Frisches Bio-Gemüse, Eier und Milchprodukte. Achte darauf, dass du viele Ballaststoffe zu dir nimmst und trinke weiterhin sehr viel Flüssigkeit.
Das gehört auch zum Konzept: Ein essenzieller Bestandteil aller Phasen ist die regelmäßige, leichte Bewegung, zum Beispiel Spaziergänge oder leichte Gymnastik, sowie bewusste Ruhephasen und Entspannungseinheiten wie Yoga oder Meditation. Um eine sichere Durchführung zu gewährleisten, sollte die Kur idealerweise unter ärztlicher oder therapeutischer Begleitung stattfinden.

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Wie lange dauert das Heilfasten?

Die Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e. V. empfiehlt als Mindestdauer sechs bis acht Tage Fastenzeit. Dazu kommen ein Entlastungstag vorher und drei bis vier Aufbautage im Anschluss an die Fastenkur. Dieser Zeitrahmen ist besonders für gesunde Fastenwillige ideal. Die genaue Dauer sollte aber individuell angepasst und idealerweise unter fachlicher Anleitung festgelegt werden. Buchinger selbst sah zwei bis vier Wochen Fastenzeit vor.  

Wann sollte ich das Heilfasten abbrechen?

Das Fasten sollte abgebrochen werden, wenn starke Schwindelgefühle, Herzrasen, anhaltende Übelkeit, Ohnmachtsgefühle oder extreme Schwäche auftreten.

Vorteile und Nachteile des Heilfastens

VorteileNachteile & Risiken
Kann den bewussten Umgang mit Ernährung fördernNicht für alle Menschen geeignet
Kann als Einstieg in eine langfristige Ernährungsumstellung dienenKreislaufprobleme und Müdigkeit möglich
Verdauung und Stoffwechsel werden zeitweise entlastetRisiko für Elektrolytverlust
Viele Menschen berichten von gesteigertem WohlbefindenMuskelabbau bei längerer Fastendauer möglich
Ruhephasen und bewusster Verzicht können mental entlastend wirkenKopfschmerzen, Frieren oder Konzentrationsprobleme möglich
Kann entzündungshemmende Prozesse unterstützenFasten sollte idealerweise medizinisch begleitet werden

Welche Wirkung hat Heilfasten auf den Körper?

Heilfasten kann auf mehreren Ebenen wirken. 

Heilfasten und Entzündungen

Heilfasten setzt gezielt Prozesse im Körper in Gang, die zur Regeneration und Entlastung beitragen können. Entzündungsfördernde Prozesse im Körper können beispielsweise vorübergehend reduziert werden. Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis kann eine Fastenkur unterstützend wirken. Der zeitweise Verzicht auf feste Nahrung unterbricht die Zufuhr bestimmter entzündungsfördernder Stoffe und gibt dem Körper Zeit, sich zu erholen und gegen die Entzündung vorzugehen. 

Autophagie: Der zelluläre Reinigungsprozess

Ein zentraler Prozess, der beim Fasten aktiviert wird, ist die sogenannte Autophagie. Dabei recycelt der Körper beschädigte oder überflüssige Zellbestandteile und nutzt sie als Energiequelle. Dieser zelluläre Reinigungsprozess wird häufig als einer der wichtigsten gesundheitlichen Effekte des Fastens beschrieben – die genauen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind aber noch Gegenstand der Forschung.

Ernährungsumstellung durch Heilfasten

Menschen mit starkem Übergewicht können zudem vom Heilfasten profitieren, da die Fastenkur den Weg zu einem bewussteren Umgang mit Ernährung ebnen kann. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Hungergefühl, Sättigung und Lebensmitteln wirkt oft wie ein Reset – der perfekte Einstieg in eine nachhaltige, gesunde Ernährungsumstellung.

Heilfasten und Darmgesundheit

Auch Verdauung und Darm profitieren: Die Verdauung wird entlastet und die Darmflora kann sich erholen – was sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken kann.

Für wen ist Heilfasten geeignet?

Heilfasten kann für gesunde Erwachsene eine wohltuende Auszeit für Körper und Geist sein – vorausgesetzt, der Prozess wird gut vorbereitet und idealerweise unter ärztlicher Begleitung durchgeführt. Besonders geeignet ist es für Menschen, die ihre Gesundheit bewusst stärken, ihr Wohlbefinden verbessern oder neue Impulse für einen gesunden Lebensstil setzen möchten. 

Nicht geeignet ist Heilfasten für bestimmte Personengruppen. Dazu gehören:

  • Kinder und Jugendliche im Wachstum, denn in dieser Phase benötigt der Körper ausreichend Energie.
  • Schwangere und Stillende, denn Kind und Mutter brauchen eine konstante und ausgewogene Zufuhr an Nährstoffen.
  • Menschen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie.
  • Personen mit Vorerkrankungen sollten nur nach Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt mit dem Fasten beginnen.
  • Auch Menschen mit Diabetes Typ 1, schweren Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Nieren‑ oder Lebererkrankungen sowie Personen mit niedrigem Blutdruck sollten nur unter strenger ärztlicher Aufsicht fasten.

In allen Fällen gilt: Auch wer gesund ist, sollte sich vor einer Fastenkur beraten lassen. Tauchen Probleme auf, oder fühlst du dich schlecht, dann suche umgehend deine Ärztin oder deinen Arzt auf. Wenn du dir unsicher bist, dann kann die Durchführung in spezialisierten Kliniken oder unter fachkundiger Anleitung Sicherheit bieten und dafür sorgen, dass das Heilfasten tatsächlich zur Erholung und nicht zur Belastung wird.

Welche Nebenwirkungen und Risiken hat Heilfasten?

Auch wenn Heilfasten viele positive Effekte haben kann, ist es wichtig, sich der möglichen Risiken und Nebenwirkungen bewusst zu sein. Besonders in den ersten Fastentagen kann der Körper mit Reaktionen auf die Umstellung reagieren.

Typisch sind:

  • Kopfschmerzen
  • Kreislaufprobleme
  • Müdigkeit
  • Gereiztheit
  • Muskelabbau

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Frieren, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder ein erhöhtes Gallenstein‑Risiko bei schnellem Gewichtsverlust.

Ein weiteres Risiko besteht im falschen Umgang mit dem Fasten: Wird es als schnelle Diät missverstanden, kann dies ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Heilfasten sollte immer Teil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts sein und professionell begleitet werden.

Häufige Fragen zum Heilfasten 

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Qualitätssicherung

Fachbereich der DAK-Gesundheit

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