Piriformis-Syndrom: Das hilft gegen den brennenden Schmerz im Gesäß

Das Piriformis-Syndrom entsteht, wenn ein tiefer Gesäßmuskel den Ischiasnerv einengt. Dieser Schmerz ist zwar äußerst unangenehm, aber in der Regel ungefährlich. Er entsteht, wenn der Piriformis-Muskel den Ischiasnerv im Bereich des Beckens einengt. Hier erfahren Sie, wie es dazu kommt, was Sie dagegen tun können, wie Sie vorbeugen können.

Symbolbild Piriformis-Syndrom: Frau bei Dehnübung

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Der Piriformis-
Graphik Piriformis-Syndrom
Muskel ist ein kleines, flaches Muskelband, das unter dem großen Gesäßmuskel liegt. Er verläuft vom Kreuzbein am unteren Ende der Wirbelsäule quer über den Po bis zur Außenseite des Oberschenkelknochens. Zieht sich der Piriformis-Muskel zusammen, führt das zu einer Außenrotation des Hüftgelenks. Er ist außerdem an vielen Bewegungen der Beine beteiligt. Zwischen dem Beckenknochen und dem Piriformis-Muskel verläuft der Ischiasnerv. Wird er durch eine Anspannung oder Verkrampfung des Piriformis gequetscht, löst das den stechenden Schmerz in der Pobacke aus, der manchmal bis zum unteren Rücken sowie in Oberschenkel und Knie ausstrahlt. Auch Kribbel- oder Taubheitsgefühle kommen vor. Manchmal sind beide Seiten betroffen, oft auch nur eine. 

Dieses sogenannte Piriformis-Syndrom ist zwar bekannt, aber keine eigenständige ICD-Diagnose. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und die Beschwerden treten oft zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.

Ursachen des Piriformis-Syndroms: Wie kommt es zu den Schmerzen im Gesäß?

Sehr selten ist das Piriformis-Syndrom angeboren. Dann liegen Piriformis-Muskel und Ischias-Nerv so nah beieinander, dass sie sich quasi immer wieder in die Quere kommen.

In den meisten Fällen sind die Ursachen für das Piriformis-Syndrom:

  • Überlastung durch langes Laufen, intensives Krafttraining oder ungewohnte Belastungen
  • Sportarten mit starker Hüftrotation, z. B. Rennradfahren oder Skifahren
  • Langes Sitzen, besonders auf harten oder ungünstigen Sitzflächen
  • Stürze oder Unfälle, die den Muskel reizen

In allen Fällen kommt es zu einer Reizung oder Verletzung des Piriformis, der sich dann verhärtet und den Ischiasnerv einengt.

Symptome: Welche Beschwerden sind typisch bei einem Piriformis-Syndrom?

Das Piriformis-Syndrom macht keine eindeutigen Beschwerden. Sie gleichen manchmal denen von Ischiasproblemen (Ischialgie), die oft durch einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule verursacht werden. Wie diese ist auch das Piriformis-Syndrom normalerweise ungefährlich und kein medizinischer Notfall. 

Typisch sind:

  • tiefer Gesäßschmerz, oft einseitig
  • Ausstrahlung in Oberschenkel oder Knie
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • Schmerzen beim Sitzen, besonders mit überkreuzten Beinen
  • Beschwerden beim Aufstehen oder längeren Gehen

Unbedingt zum Arzt oder in die Klinik gehen sollten Sie bei:

  • starken bis sehr starken Schmerzen
  • Schmerzen, die ohne Unterbrechung und in jeder Lage/Stellung da sind
  • Lähmungserscheinungen des Beins
  • Harn- oder Stuhlinkontinenz
  • Gesäß-/Beinschmerzen, die nach einem Sturz oder Unfall auftreten

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Wie sieht die Behandlung des Piriformis-Syndroms aus?

Diagnose: Wie erkennt der Arzt ein Piriformis-Syndrom?

Da die Beschwerden denen eines Ischias ähneln, stellt der Arzt eine Ausschlussdiagnose. Typische Hinweise auf ein Piriformis-Syndrom sind:

  • Schmerzen beim Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen (Innenrotation)

  • Schmerzen beim seitlichen Anheben eines Beins in Seitenlage

  • Schmerz beim Mirkin-Test: Der Arzt oder die Ärztin drückt auf die Stelle am Gesäß, an der sich Ischiasnerv und Piriformis-Muskel kreuzen, während die betroffene Person sich nach vorne beugt.

Im Gegensatz zum Ischias sind beim Piriformis keine Nervenschädigungen nachzuweisen, auch die vorherigen Rückenschmerzen fehlen.
Um andere Diagnosen, wie etwa einen Bandscheibenvorfall oder eine Verletzung, auszuschließen, können manchmal bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT), eine Computertomografie (CT) oder Röntgen sinnvoll sein. 

Welche Medikamente helfen beim Piriformis-Syndrom?

Bei akuten Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen, aber auch Medikamente, die den Muskel entspannen (Muskelrelaxantien). Ebenso sind Injektionen von Schmerzmitteln, Kortison oder dem muskelentspannend wirkenden Botulinumtoxin ins Gesäß möglich.

Hilft Physiotherapie und physikalische Therapie beim Piriformis-Syndrom?

Kombiniert werden können diese Maßnahmen mit Physiotherapie, Massagen und Eigenübungen. Das nimmt einerseits den Druck auf den Ischiasnerv, verhilft aber auch zu einer besseren Körperhaltung. Weitere Therapie-Optionen sind die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), auch Reizstromtherapie genannt. Dabei wird über Elektroden auf der Haut schwacher Strom in das Gewebe geleitet. Das soll einerseits die Schmerzweiterleitung bremsen und andererseits zur Ausschüttung von körpereigenen schmerzlindernden Botenstoffen wie Endorphinen führen.

Wie lange dauert die Behandlung eines Piriformis-Syndroms?

Generell ist bei der Behandlung ein wenig Geduld gefragt. In der Regel verschwinden die akuten Schmerzen nach spätestens sechs Wochen wieder. Falls nicht, kommen als letzte Option auch operative Verfahren in Frage - diese werden jedoch nur sehr selten durchgeführt. Bei der sogenannten Neurolyse wird der Nerv freigelegt, bei der Tenotomie die Sehne des Piriformis-Muskels durchtrennt. Beide Methoden sollten sehr sorgfältig abgewogen werden, da sie das Risiko von größeren Komplikationen bergen.

Was kann ich selbst gegen das Piriformis-Syndrom tun?

Wärme und Kälte: Wärme- oder Kälteanwendungen können helfen – was Ihnen persönlich guttut, müssen Sie einfach ausprobieren.

Schlafposition: Wenn das Piriformis-Syndrom beim Schlafen auf der Seite mit stark angewinkelten Beinen Schmerzen bereitet, hilft es, die Position zu wechseln oder zumindest die Körperseite öfter zu wechseln.

Sitzen und Arbeitsalltag: Langes Sitzen am Schreibtisch oder im Auto kann Beschwerden verstärken. Regelmäßiges Aufstehen, häufigere Fahrpausen mit einem kleinen Spaziergang, aber auch eine weichere, ergonomische Sitzauflage beugen Verspannungen vor. 

Präventionskurse

Wir helfen dabei, etwas für die Gesundheit zu tun - und bezuschussen Kurse zur Entspannung, Ernährung und Bewegung.

Sport und Bewegung: Auf Sport müssen und sollten Sie künftig nicht verzichten. Wichtig ist:

  • Ausreichend aufwärmen.

  • Trainingsintensität langsam steigern.

  • Im Fitnessstudio: Haltung und Übungsausführung vom Trainer zeigen lassen.

  • Beim Joggen: Steigungen und sehr unebene Böden meiden.

  • Bei Schmerzen das Training sofort abbrechen.

Dehnübungen gegen das Piriformis-Syndrom

Die DAK-Sportwissenschaftlerin empfiehlt zwei Übungen, die gut in den Alltag integriert werden können.

Dehnübungen im Liegen

  1. Legen Sie sich rücklings auf den Boden. Die Beine sind gestreckt, die Arme ruhen neben dem Körper.
  2. Winkeln Sie ein Bein an, greifen mit beiden Händen an das Knie des angewinkelten Beines und ziehen Ihr Knie langsam in Richtung Ihres Bauches, bis Sie eine leichte Dehnung spüren. Das andere Bein bleibt ausgestreckt auf dem Boden liegen, auch Ihre Lendenwirbelsäule bleibt am Boden.
  3. Halten Sie diese Position 20- 30 Sekunden und atmen dabei tief ein und aus. Dann lösen Sie die Übungen langsam wieder auf. Im Anschluss machen Sie die Übung mit der anderen Seite.

Variation: Beim zweiten Durchgang ziehen Sie das Knie nicht gerade in Richtung des Bauchs, sondern diagonal in Richtung der gegenüberliegenden Schulter zum Bauch. Hier muss die gegenüberliegende Hand etwas mehr ziehen als die auf der Seite des herangezogenen Beines. Alles andere bleibt gleich.

Dehnübungen im Sitzen 

  1. Setzen Sie sich aufrecht hin, beide Füße stehen sicher am Boden.
  2. Legen Sie Ihren Fuß mit dem Knöchel bzw. Fußgelenk auf das Knie des anderen Beins. Es entsteht eine Außenrotation des Beines. Beugen Sie sich nun mit gestrecktem Oberkörper langsam nach vorne bis Sie eine leichte Dehnung spüren. Halten Sie diese Position für 20-30 Sekunden und atmen dabei tief ein und aus. Danach lösen Sie die Position langsam wieder auf und machen die Übung mit dem anderen Bein.

Vorbeugung: Wie kann ich ein Piriformis-Syndrom verhindern?

  • Vermeiden Sie lange Sitzphasen oder unterbrechen Sie diese durch kurze Bewegungssequenzen.
  • Sogar im Sitzen kann man Bewegungs- und Dehnübungen einbauen.
  • Bei unvermeidbaren längeren Sitzphasen achten Sie auf Ihre Haltung und wechseln häufiger Ihre Sitzposition.
  • Bauen Sie neue oder ungewohnte Belastungen langsam auf.
  • Steigern Sie Ihr Training nicht abrupt, sondern langsam und sukzessiv.
  • Vergessen Sie nicht, sich vor dem Training aufzuwärmen und die beanspruchte Muskulatur danach zu dehnen.

Häufige Fragen zum Piriformis-Syndrom 

Autor(in)

Journalistin/Freie Autorin

Qualitätssicherung

Fachbereich der DAK-Gesundheit

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