Biologisches Alter: Berechnen, senken und richtig einordnen

Biologisches Alter: Frau guckt lachend zur Seite und hält eine Tasse in der Hand

Wie fit und gesund ist unser Körper – unabhängig vom Geburtsdatum? Das biologische Alter soll Hinweise darauf geben, wie schnell unser Körper altert. Alternsforscher Prof. Björn Schumacher gibt Infos und Tipps. 

Wie lässt sich das biologische Alter berechnen? Was beeinflusst es und kann man sein biologisches Alter tatsächlich senken? Der Altersforscher Prof. Björn Schumacher, Leiter des Instituts für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung am CECAD Exzellenzcluster für Alternsforschung der Universität zu Köln, hat mit uns über diese Fragen gesprochen.

Was ist das biologische Alter?   

Das chronologische Alter kennen wir aus unserem Geburtsdatum. Das biologische Alter beschreibt dagegen, wie alt unser Körper gemessen an bestimmten biologischen, körperlichen und funktionellen Merkmalen erscheint.

Portrait: Prof. Björn Schumacher

Prof. Björn Schumacher, Leiter des Instituts für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung am CECAD Exzellenzcluster für Alternsforschung der Universität zu Köln.

Fotocredit: CECAD/ Universität zu Köln

Zwei Menschen können beispielsweise beide 50 Jahre alt sein und sich körperlich trotzdem deutlich unterscheiden. Einer ist fit, beweglich und leistungsfähig, während der andere gesundheitlich stärker eingeschränkt ist. Ihr biologisches Alter könnte entsprechend unterschiedlich ausfallen.

Alternsforscher Prof. Björn Schumacher erklärt:

Das chronologische Alter wissen wir, wenn wir in unseren Pass auf das Geburtsdatum gucken. Das biologische Alter zu kennen, ist vor allem deshalb wichtig, weil wir anhand dessen abschätzen können, wie hoch unser Risiko ist, an altersbedingten Krankheiten zu leiden.

Wichtig: Das biologische Alter ist kein feststehender Wert wie das Geburtsdatum. In der Forschung gibt es verschiedene Verfahren, die unterschiedliche Aspekte des Alterns erfassen. Einen einzigen, allgemein anerkannten Test für das biologische Alter gibt es bislang nicht.

Wie setzt sich das biologische Alter zusammen?

Das biologische Alter wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem:

  • Gene: Unsere genetische Ausstattung beeinflusst, wie unser Körper altert.
  • Umwelt: Schadstoffe, UV-Strahlung und andere äußere Einflüsse können Alterungsprozesse beeinflussen.
  • Lebensstil: Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress und Rauchen spielen eine wichtige Rolle.
  • Gesundheitszustand: Blutdruck, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-Fitness und andere körperliche Funktionen können Hinweise auf den Gesundheitszustand geben.
  • Biologische Veränderungen: In der Forschung werden unter anderem Veränderungen an DNA, Genaktivität und anderen Biomarkern untersucht.

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Viele dieser Faktoren finden sich auch in Verfahren wieder, mit denen Forschende oder kommerzielle Anbieter das biologische Alter bestimmen möchten. Je nach Test können beispielsweise Angaben zu Bewegung, Rauchstatus, Schlaf, Körpergewicht, Blutdruck oder Blutwerten in die Berechnung einfließen. Wissenschaftliche Methoden nutzen teilweise zusätzlich molekulare Biomarker, etwa Veränderungen an der DNA oder der Genaktivität.

Welche Faktoren berücksichtigt werden und wie stark sie gewichtet sind, hängt jedoch vom jeweiligen Verfahren ab. Deshalb können verschiedene Tests zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Dabei gilt: Kein einzelner Faktor entscheidet darüber, wie „jung“ oder „alt“ ein Mensch biologisch ist.

Biologisches Alter berechnen: Gibt es einen Test?

Viele Menschen möchten ihr biologisches Alter berechnen und finden dazu zahlreiche Online-Tests. Solche Tests können interessante Anhaltspunkte liefern, sind aber nicht mit einer wissenschaftlich etablierten Messung des gesamten biologischen Alters gleichzusetzen.

In der Altersforschung kommen verschiedene sogenannte Aging Clocks zum Einsatz. Sie nutzen beispielsweise molekulare oder genetische Daten, um bestimmte Aspekte des Alterungsprozesses abzuschätzen. Je nach Verfahren können dabei ganz unterschiedliche Ergebnisse herauskommen.

Deshalb gibt es derzeit keine einzelne Methode, mit der sich das biologische Alter zuverlässig und umfassend bestimmen lässt. Forschende weisen darauf hin, dass biologisches Altern komplex ist und nicht durch einen einzigen Biomarker erfasst werden kann.

Es hat sich unglaublich viel entwickelt in der Messung des biologischen Alterns. Dabei werden unter anderem Veränderungen an der DNA gemessen. Wir haben jetzt ein Verfahren entwickelt, bei dem wir uns anschauen, welche Gene aktiv sind und welche nicht, daran können wir auch das biologische Alter messen. Doch noch sind dieses und ähnliche Verfahren in der Entwicklung.

Wo kann ich mein biologisches Alter bestimmen lassen?

Eine allgemein anerkannte Untersuchung beim Hausarzt, mit der sich das biologische Alter als zuverlässige einzelne Zahl bestimmen lässt, gibt es derzeit nicht.

Es gibt allerdings medizinische Untersuchungen und wissenschaftliche Verfahren, die einzelne Aspekte des Alterns erfassen können. Dazu gehören beispielsweise Blutwerte, körperliche Leistungsfähigkeit oder molekulare Biomarker. Auch kommerzielle Anbieter bieten Tests zum biologischen Alter an. Die Ergebnisse sollten jedoch nicht mit einer umfassenden medizinischen Diagnose gleichgesetzt werden.

Biologisches Alter Tabelle: Welche Werte gelten als günstig?

Einige Gesundheits- und Lebensstilfaktoren können Hinweise auf den allgemeinen körperlichen Zustand geben. Sie bestimmen jedoch nicht allein das biologische Alter.

ParameterOptimalSuboptimal
Blutdruckunter 120/80 mmHgüber 140/90 mmHg
BMI (Body-Mass-Index)18,5–24,9unter 18,5 oder über 25
Ruhepuls60–100 Schläge/Min.über 100 Schläge/Min.
Bewegungmindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Wochedeutlich weniger Bewegung
RauchstatusNichtraucherin bzw. Nichtraucherregelmäßiger Tabakkonsum
Schlafdaueretwa 7 bis 9 Stunden pro Nachtdauerhaft deutlich weniger oder mehr Schlaf
Die Werte in dieser Tabelle zum biologischen Alter sind lediglich grobe Orientierungswerte. Alter, Geschlecht, Trainingszustand, Erkrankungen, Medikamente und individuelle Lebensumstände können die Werte beeinflussen. Deshalb lässt sich aus keinem einzelnen Wert direkt das biologische Alter ableiten. Auch ein niedriger Ruhepuls ist beispielsweise nicht automatisch ein Zeichen für ein „jüngeres“ biologisches Alter. Bei gut trainierten Menschen kann er deutlich niedriger liegen. 

Wie kann ich mein biologisches Alter senken?

Das biologische Alter lässt sich nicht einfach um einige Jahre zurückdrehen. Trotzdem können wir viele Faktoren beeinflussen, die mit gesundem Altern zusammenhängen.

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Besonders wichtig ist ein langfristig gesunder Lebensstil:

  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate körperliche Aktivität, pro Woche oder 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität. Zusätzlich sind muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Tagen pro Woche sinnvoll.
  • Essen Sie ausgewogen. Eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten unterstützt die Gesundheit.
  • Schlafen Sie ausreichend. Erholsamer Schlaf ist wichtig für körperliche und geistige Gesundheit.
  • Rauchen Sie nicht. Tabakkonsum schädigt zahlreiche Organe und beschleunigt gesundheitliche Alterungsprozesse.
  • Achten Sie auf Ihr Körpergewicht und Ihre Fitness. Bewegung hilft unter anderem dabei, Herz-Kreislauf-System, Muskeln und Stoffwechsel gesund zu halten.
  • Bleiben Sie langfristig dran. Entscheidend ist nicht eine kurze Phase mit besonders viel Sport oder einer strengen Diät, sondern ein gesunder Lebensstil über viele Jahre.

Prof. Schumacher ist sich sicher:

Junge Menschen denken häufig nicht daran, wie es ihnen wohl geht, wenn sie alt sind. Aber je früher man gesund lebt, desto besser.

Dabei muss niemand von heute auf morgen alles verändern. Schon mehr Bewegung im Alltag ist ein guter Anfang. Die WHO betont: Jede Bewegung zählt, und auch kleine Steigerungen können gesundheitliche Vorteile bringen.

Kann man das biologische Alter wirklich verjüngen?

„Verjüngen“ ist hier nicht wörtlich zu verstehen. Das biologische Alter lässt sich nicht einfach zurücksetzen. Ein gesunder Lebensstil kann aber dazu beitragen, körperliche Funktionen möglichst lange zu erhalten und das Risiko für verschiedene Erkrankungen zu senken.

Dabei ist es nie zu spät, etwas zu verändern. Auch im höheren Alter kann mehr Bewegung beispielsweise die körperliche Fitness, Mobilität und Gesundheit verbessern.

Was ist ein gutes biologisches Alter?

Ein „gutes“ biologisches Alter lässt sich nicht an einer festen Zahl ablesen. Grundsätzlich gilt: Je näher biologische Messwerte und körperliche Funktionen am erwartbaren Bereich für das jeweilige Alter liegen, desto günstiger kann das sein.

Aber Vorsicht: Ein Mensch mit einem biologischen Alter von beispielsweise 45 Jahren bei einem chronologischen Alter von 50 ist nicht automatisch gesünder als jemand mit einem anderen Testergebnis. Je nach Messverfahren können die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen.

Fazit: Gesund altern statt Jahre zählen

Das biologische Alter ist ein spannendes Konzept aus der Altersforschung. Es kann helfen, besser zu verstehen, wie unterschiedlich Menschen altern. Eine zuverlässige einzelne Zahl, die den gesamten Alterungsprozess eines Menschen abbildet, gibt es derzeit jedoch nicht.

Was wir wissen: Viele Faktoren, die gesundes Altern unterstützen, können wir selbst beeinflussen. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Tabak sind wichtige Bausteine. Und dafür ist es nie zu spät.

Wir als DAK-Gesundheit unterstützen Sie auf dem Weg zu einem gesünderen Selbst, etwa mit unseren Online-Coachings oder weiteren Präventions- und Vorsorgeangeboten.

Häufige Fragen zum biologischen Alter

Wir konnten noch nicht alle Fragen beantworten? Vielleicht ist jetzt die richtige Antwort dabei.

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