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Wenn Kinder Angst vorm Zahnarzt haben, liegt das oft auch an den Eltern

Viele Kinder haben Angst vorm Zahnarzt. Oft liegt das gar nicht an eigentümlichen Gerätschaften wie Bohrer oder Sonde, sondern an den Erwachsenen. Denn wenn Mama oder Papa vor dem Zahnarztbesuch anfangen zu schlottern, überträgt sich diese Angst auf das Kind. Und das, bevor es seine erste Zahnarztpraxis von innen gesehen hat. Frau Dr. Roschan Farhumand erklärt, warum das so ist und wie du deinem Kind die Angst vorm Zahnarzt nehmen und mit gutem Beispiel vorangehen kannst.

Ab wann sollte ich mit meinem Kind zum Zahnarzt gehen?

Dr. Farhumand: "Der erste Termin sollte mit etwa sechs Monaten beim Durchbruch der ersten Milchzähne erfolgen. Bei der Gelegenheit werden den Eltern wichtige Infos über eine zahngesunde Ernährung und die Reinigung der Zähne an die Hand gegeben, damit die Zähne gesund bleiben. Zudem kann das Kind dabei auch vertrauensvolle und angstfreie Erfahrungen mit der neuen Situation in einer Zahnarztpraxis machen."

Kann man der Angst vor dem Zahnarzt bereits in der Kindheit vorbeugen?

Dr. Farhumand: "Ja, durchaus. Regelmäßige Besuche in der frühen Kindheit gewöhnen das Kind an die Abläufe bei der Untersuchung, die dann als unproblematisch wahrgenommen und so im Gehirn verankert werden. Idealerweise setzen die Eltern die Hinweise, die sie in der Praxis bekommen so um, dass die Zähne von Anfang an gesund bleiben und es daher gar nicht erst zu unangenehmen Erfahrungen beim Zahnarzt kommen muss."

Einige Eltern denken, man brauche sich um die Zähne von Kleinkindern nicht groß zu kümmern, weil die ja ohnehin ausfallen und ersetzt werden.

Dr. Farhumand: "Das ist ein fataler Irrglaube. Die Bedeutung gesunder Milchzähne als wichtige Voraussetzung für das Kieferwachstum, die Entwicklung des bleibenden Gebisses, die Sprachentwicklung, die Nahrungsaufnahme und das psychosoziale Wohlbefinden ist in der Bevölkerung noch nicht ausreichend bekannt. Vorzeitiger Milchzahnverlust infolge falscher Ernährung in Kombination mit mangelnder Zahnhygiene ist folgenschwer und kostspielig, denn er hat lebenslange Konsequenzen – auch für das bleibende Gebiss und die allgemeine Gesundheit."

Was sollten Eltern bei diesem Thema außerdem verinnerlichen?

Dr. Farhumand: "Die Verantwortung für die Zahnpflege ab dem ersten Zahn bis ungefähr zum Ende des Grundschulalters liegt ausschließlich bei den Eltern. Bis die Feinmotorik, Konzentrationsfähigkeit und das Verantwortungsbewusstsein eines heranwachsenden Kindes hinreichend ausgebildet sind, ist ein tägliches Nachputzen seitens der Eltern erforderlich. Nur auf diese Weise können die Bakterien auch wirklich effektiv entfernt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Eltern das Thema Mundhygiene selbst gewissenhaft verfolgen und die für die effektive Belagsentfernung notwendigen Putztechniken beherrschen. Nur dann können sie diese auch im Kindermund korrekt ausführen – was mehrheitlich nicht der Fall ist."

Was genau müssen Eltern bei der Zahnpflege beachten?

Dr. Farhumand: "Zunächst einmal muss man wissen, dass Zähne nicht einfach so kaputtgehen. Zahnerkrankungen gehen meist auf einen ungesunden Lebensstil zurück und können demnach auch als Ernährungskrankheiten bezeichnet werden. Wenn wir zum Beispiel zu viel Zucker oder raffinierte Kohlenhydrate aufnehmen, bringen wir das biologische Gleichgewicht durcheinander – und das schlägt sich dann in entsprechenden Störungsbildern nieder. Um dem entgegenzuwirken, ist eine gründliche Mundhygiene notwendig."

Welches Hintergrundwissen und welche Techniken sollten Eltern selbst anwenden und entsprechend weitergeben?

Dr. Farhumand: "Bei der richtigen Zahnhygiene ist es mit einem zügigen „Drüberputzen“ nicht getan. Man muss mit viel Feingefühl und Augenmaß an die Sache herangehen. Um die richtige Putztechnik zu veranschaulichen, benutze ich gerne das Bild des Schuheputzens: Wenn Sie alle ihre Schuhe nebeneinanderstellen und mit einem großen Besen drüberfahren, werden sie niemals sauber. Erst recht nicht am Übergang zur Sohle oder zwischen den Schuhen, denn dort gelangt der Besen gar nicht erst hin. Analog dazu hilft bei den Zähnen alles Putzen nichts, wenn die Bakterien – auch die in den typischen Schmutznischen am Zahnfleischrand und zwischen den Zähnen – nicht gezielt entfernt werden. Damit das gelingt, ist beispielsweise Zahnseide unerlässlich. Aber auch Interdentalbürsten oder Einbüschelzahnbürsten erfüllen ihren Zweck. Wie sie diese korrekt anwenden und was genau beim richtigen Putzen zu beachten ist, erfahren Sie auf der folgenden Seite im DAK Zahn-Coaching per Video: https://www.dak.de/dak/gesundheit/richtige-zahnpflege-so-geht-s-2072786.html#/."

Was kann man als Elternteil tun, um seinem Kind die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen?

Dr. Farhumand: "Die frühen Zahnarztbesuche dienen genau diesem Zweck: angstfreie Erfahrungen machen. Wenn Kinder die Besuche beim Zahnarzt als normale Routine wahrnehmen und die Zähne dabei heil bleiben, gibt es ohnehin keinen Grund zur Sorge. Auch zu Hause sollten Sie dem Thema angstfrei begegnen. Man sollte also nicht abfällig oder angstbesetzt über Zahnarztbesuche sprechen. Auch nicht mit anderen Erwachsenen, wenn Sie meinen, dass das Kind im Nebenzimmer vermeintlich nicht mithört. Meist hören Kinder ja dann doch sehr genau hin – besonders bei Themen, die sie nicht mitbekommen sollen!"

Welche Tricks haben Zahnärztinnen und Zahnärzte, um Kindern die Angst zu nehmen?

Dr. Farhumand: "Zunächst einmal ist es wichtig, den jungen Menschen ernst zu nehmen. Kinder spüren das sehr genau. Zudem sollte immer alles genau erklärt und nicht gelogen werden. Wenn das Vertrauen da ist, funktioniert es meist sehr gut. Situationsbezogen gibt es noch ein paar Tricks – man kann zum Beispiel spielerisch den Stuhl hoch- und runterfahren, die Instrumente erklären, mögliche Störgeräusche besprechen oder anhand von Kuscheltieren „üben“. Von radikalen Methoden wie Lachgas, Vollnarkose oder Dämmerschlaf rate ich hingegen ab. Darüber sollte wirklich nur im äußersten Notfall nachgedacht werden."

Ist es sinnvoll, mit Belohnungen zu arbeiten? Können zum Beispiel Süßigkeiten motivierend wirken und dabei helfen, die Angst nehmen?

Dr. Farhumand: "Die Frage sollte man vermutlich eher einer Psychologin oder einem Psychologen stellen, da gehen die Meinungen weit auseinander. Aus dem Bauch heraus würde ich eher von Belohnungen abraten, da nach meiner Auffassung ein Mensch von Anfang an die Eigenverantwortung lernen sollte."

Was ist an Belohnungen auszusetzen?

Dr. Farhumand: "Bei Belohnungen wird man möglicherweise nur auf die Belohnung dressiert, was für mich eine Form der „schwarzen Pädagogik“ darstellt. Besonders schädlich für Körper und Psyche wäre in diesem Zusammenhang auch die Verknüpfung von Süßem und Fettigem mit einer Belohnung, da hier die psychische Not mit der Sucht nach solchen Produkten verschärft wird. Solche erlernten Muster führen langfristig dazu, dass Menschen in eben diesen Süchten Trost finden, wenn es im Leben mal schwierig wird. Mögliche Folgen sind das, was wir als ernährungsbedingte chronische Zivilisationskrankheiten bezeichnen. Derartige Krankheiten können lebensverkürzend sein; Betroffene haben oft einen langen Leidensweg. Die meisten Menschen befinden sich in eben genau dieser Falle und übertragen ihr erlerntes Muster immer wieder auf die nächste Generation, da sie es selbst nicht durchschauen. Eine positive, aber angemessene Rückmeldung ist natürlich etwas anderes. Das stärkt das Selbstvertrauen und die Kompetenz für die eigenen Belange."

Was bleibt unterm Strich?

Dr. Farhumand: "Wenn wir für unsere Zähne und die unserer Kinder mit Hilfe einer guten Ernährung und einer gründlichen Mundhygiene von Anfang an die besten Bedingungen schaffen, tritt die Angst vor dem Zahnarzt ganz automatisch in den Hintergrund."