Vasektomie: Ablauf sowie Vor- und Nachteile der Sterilisation beim Mann
Für Männer gibt es aktuell zwei Verhütungsmethoden – das Kondom und die Vasektomie. Das Kondom ist eine temporäre, die Vasektomie hingegen eine dauerhafte Verhütungsmöglichkeit. Dabei werden deine Samenleiter durchtrennt. Das Ergebnis: Es gelangen keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit und du kannst keine Kinder mehr zeugen. Hier erfährst du alles, was du über die Sterilisation des Mannes wissen solltest.

Was ist eine Vasektomie?
Bei einer Vasektomie handelt es sich um einen kleinen chirurgischen Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden. Ein anderer Begriff dafür ist Sterilisation. Die Operation wird ambulant durchgeführt. Das bedeutet, dass sie in einer Klinik, einem Krankenhaus oder auch einer Arztpraxis stattfindet und du anschließend noch am selben Tag nach Hause entlassen wirst.
Eine Vasektomie macht unfruchtbar. Sie kommt daher nur für Männer infrage, die sicher sind, dass sie keine Kinder (mehr) haben wollen. Nach einer kurzen Übergangsphase nach dem Eingriff müssen sich Paare, die in einer monogamen Beziehung leben, keine Gedanken mehr über Kondome, die Pille oder andere Verhütungsmittel wie die Spirale machen.
Was kostet eine Vasektomie?
Die Kosten für eine Vasektomie werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Du musst die Kosten also selbst tragen. Sie liegen laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zwischen 500 und 700 Euro. Ausnahmen gibt es, wenn eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.
Urologe Volker Wittkamp erklärt, wie eine Vasektomie funktioniert und ob sie dein Sexleben beeinflusst.
Wie läuft die Vasektomie ab?
Der erste Schritt ist der Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Hier bekommst du alle notwendigen Informationen über die Vorbereitung, den Ablauf und vor allem die Folgen einer Sterilisation.
Beim Vorgespräch werden auch potenzielle Vorerkrankungen und andere Beschwerden abgeklärt, die für den Eingriff relevant sind. Wenn alles klar ist, kann die Operation ambulant durchgeführt werden. Das passiert beispielsweise in einem Krankenhaus, einem urologischen Zentrum oder auch einer urologischen Praxis. Wenn es so weit ist, bekommst du eine Betäubung. Sie wirkt lokal, das heißt, du spürst nur im Intimbereich nichts. Teile dem Arzt oder der Ärztin mit, wenn dir eine Vollnarkose lieber ist.
Eine Vasektomie gilt als unkomplizierter und schneller Eingriff. In der Regel dauert eine ambulante Sterilisation zwischen 15 und 30 Minuten.
Der Arzt oder die Ärztin kann aus zwei Verfahren wählen, um an die beiden Samenleiter in deinem Hodensack heranzukommen. Das ist zum einen die klassische Vasektomie und zum anderen die Non-Scalpel-Vasektomie. Bei der klassischen Variante werden die Samenleiter mit einem Skalpell und zwei kleinen Schnitten in den Hodensack freigelegt. Wählt dein Arzt oder deine Ärztin die Non-Scalpel-Variante, wird deine Hodensackhaut lediglich etwas durchpiekst und leicht und sanft gespreizt.
Egal, wie die Ärzte und Ärztinnen an die Samenleiter herankommen: Wenn sie freiliegen, werden sie durchtrennt. Dann werden sie abgebunden, verödet oder mittels eines Clips aus Titan verschlossen. Die Chirurgen und Chirurginnen verlegen die Enden in deinem Hodensack in unterschiedliche Gewebeschichten. Das verhindert, dass sie wieder zusammenwachsen und du wieder zeugungsfähig wirst. Das würde aber ohnehin nur sehr, sehr selten passieren.
Am Ende der Prozedur wird die Haut deines Hodensacks wieder verschlossen. Dazu nähen die Ärzte und Ärztinnen die offene Stelle mit einem selbstauflösenden Faden wieder zu. Oft sind die Wunden so klein, dass sogar ein Pflaster ausreicht.
Eine Vasektomie ist keine Kastration
Die Kastration hat dagegen einen erheblichen Einfluss auf den männlichen Hormonhaushalt und wirkt sich in der Regel auf das ganze Wesen des Betroffenen aus. Mögliche Symptome sind Antriebslosigkeit, Verlust der Libido, Veränderung der Behaarung sowie Fettleibigkeit. In Deutschland wird eine Kastration nur dann durchgeführt, wenn es medizinisch notwendig ist, etwa bei einer Krebserkrankung.
Wie schmerzhaft ist eine Vasektomie?
Eine Vasektomie gilt als komplikationsarmer Eingriff. Bei rund zwei Prozent der Männer treten nach dem Eingriff leichte Blutergüsse oder ein Druckgefühl auf. Meist verschwinden diese Beschwerden aber problemlos oder lassen sich leicht behandeln.
Viele Männer scheuen sich vor einer Vasektomie, weil sie gehört haben, dass nach dem Eingriff eine sichtbare Narbe zurückbleibt. Hier können wir eine kleine Entwarnung geben: Die Narbe, die bei dem Eingriff entsteht, ist meist minimal bis fast nicht zu erkennen.
Was sind die Vor- und Nachteile einer Sterilisation beim Mann?
Eine Vasektomie hat verschiedene Vorteile:
- Sie ist komplikationsarm
- Sie hat keinen Einfluss auf deinen Hormonhaushalt
- Sie beeinflusst deine Potenzfähigkeit nicht
- Sie kann (unter Umständen) rückgängig gemacht werden
Aber eine Vasektomie kann auch Nachteile haben:
- Potenzielle psychische Belastungen: Der Aberglaube, kastriert oder kein „ganzer“ Mann mehr zu sein. Beides ist falsch.
- Chronische Hodenschmerzen sind nicht ausgeschlossen: Das Deutsche Ärzteblatt zitiert eine Studie der British Association of Urological Surgeons (BAUS), laut derer das aber nur 0,2 Prozent aller Patienten bertifft
- Eine Vasektomie bietet keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten
Ist eine Vasektomie zu 100 Prozent sicher?
Die Vasektomie gilt als die sicherste Verhütungsmethode für den Mann. Allerdings kann es nach dem Eingriff mehrere Monate dauern, bis sich keine Spermien mehr im Ejakulat befinden. Außerdem kann es vorkommen, dass bei einigen Männern die Samenleiter kurz nach dem Eingriff wieder zusammen wachsen. Das ist allerdings bei weniger als 1 von 100 Männern der Fall.
Wie sieht mein Ejakulat nach der Vasektomie aus?
Dein Ejakulat als sterilisierter Mann enthält lediglich keine Spermien mehr. Diese bilden ohnehin nur ein bis maximal zwei Prozent des Volumens eines Samenergusses. Der Rest stammt aus der Prostata. Nach dem Eingriff bleibt dein Ejakulat also in Sachen Aussehen, Geruch oder auch Menge unverändert.
Wie oft muss man nach einer Sterilisation ejakulieren, um unfruchtbar zu sein?
Es gibt Nachkontrollen, bei denen das Ejakulat untersucht wird. Die erste ist in der Regel nach zwei bis drei Monaten oder 20 Samenergüssen. Wenn sich keine Spermien mehr im Ejakulat finden, können du und deine Partnerin auf zusätzliche Verhütungsmittel verzichten.
Sexuelle Aufklärung mit Doktorsex
Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)
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Kann man eine Vasektomie rückgängig machen?
Es ist meist möglich, die durchtrennten Samenleiter wieder miteinander zu verbinden. Diese sehr aufwendige Operation wird Vasovasostomie oder auch Refertilisierung genannt. Aber: Es ist nicht gesichert, dass danach tatsächlich wieder fruchtbar bist.
Du solltest dir eine Vasektomie also gut überlegen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie rät Männern unter 30 Jahren, die in keiner festen Partnerschaft leben und noch keine Kinder haben, sogar von einer Vasektomie ab.
Fazit:
Eine Vasektomie gilt als die sicherste Methode der Empfängnisverhütung für den Mann. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und ist mit wenig Aufwand und wenig Risiken verbunden. Aber denk dran: Eine Vasektomie schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Hier sind Kondome nach wie vor die beste Option.
Überleg dir gut, ob deine Familienplanung abgeschlossen ist, bevor du dich für eine Vasektomie entscheidest. Bei jungen Männern raten Ärzte ohnehin davon ab. Es gibt zwar die Möglichkeit einer Refertilisierung, aber die ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Expertinnen und Experten raten dir, vor der OP die Vor- und Nachteile mit deiner medizinischen Vertrauensperson zu besprechen. Eine weitere Person, die du einbeziehen solltest, ist deine Partnerin. Diskutiert gemeinsam, welche Verhütungsmethode für euch die beste ist.
Fachbereich der DAK-Gesundheit




