Medienkonsum bei Kindern: Symptome, Auswirkungen und der richtige Umgang

Medienkonsum bei Kindern: Mädchen sitzen mit Smartphones im Schlafzimmer

Wann ist der Medienkonsum bei Kindern zu hoch und was sind die Auswirkungen? Fest steht: Kinder wachsen mit den neuen Medien auf und verbringen häufig mehr Zeit vor dem Bildschirm als in Sportvereinen oder in der Natur. Gerade im frühen Kindesalter kann das Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit haben. Hier erklären wir, inwiefern ein zu hoher Medienkonsum für Kinder schädlich sein kann und wie du deinem Nachwuchs einen bewussten Umgang mit Medien vermitteln kannst.

Anzeichen von ungesundem Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen

1. Zu viel, zu lange, zu intensiv

Zieht sich dein Kind mehr und mehr mit dem Smartphone zurück, hält es sich immer wieder über den Tag verteilt im „virtuellen Raum“ auf? Plötzlich wurde stundenlang gezockt oder sehr viel Zeit in Sozialen Medien verbracht – das Gefühl für Zeit kann so schnell verloren gehen. Du solltest sowohl die Nutzungsfrequenz – also wie oft sich dein Kind dem Spielen oder den Sozialen Medien widmet – als auch die Nutzungsdauer im Blick haben.

2. Verminderte Leistungsfähigkeit

Ist dein Kind oft müde und wirkt abwesend? Dies kann auch ein Zeichen für zu intensiven Medienkonsum sein. Negative Auswirkungen auf die Schule bleiben meist nicht aus. Sinken die Leistungen und Noten ab? Hat dein Kind kaum noch Motivation zur Schule zu gehen? Wenn sich der Fokus vermehrt auf virtuelle Räume legt, können reale Verpflichtungen (z.B. Schule) darunter leiden.

3. Familienleben und Freundschaften können beeinträchtigt werden

Ein weiteres Anzeichen für einen ungesunden Umgang mit Games und Social Media, ist die Vernachlässigung von Kontakten in der realen Welt. Verabredungen außerhalb der digitalen Welt werden dann zum Beispiel seltener. Dies kann schlimmstenfalls zu einer sozialen Isolation führen.

Sinkt das Interesse an gemeinsamer Familienzeit? Ist dein Kind beim gemeinsamen Mittagessen unruhig und würde am liebsten direkt wieder zocken oder chatten? Gibt es häufiger Streit? Eine übermäßige Nutzung digitaler Medien kann sich auch negativ auf Routinen in Bereichen wie Familie und Freundschaft auswirken.

4. Andere Hobbys werden vernachlässigt

Natürlich kann es etliche Ursachen haben, wenn dein Kind das Interesse an einem Hobby verliert. Wird das Hobby aber durch vermehrte Mediennutzung ersetzt, solltest du hellhörig werden. Kinder und Jugendliche mit einem problematischen Medienkonsum haben oft ein starkes Bedürfnis, mehr und mehr Zeit im Internet oder mit Gaming zu verbringen. Die Gedanken drehen sich zunehmend um Online-Aktivitäten. Das Bedürfnis, das Lieblingsmedium immer griffbereit zu haben, steigt an.

5. Psychische Auffälligkeiten

Wird dein Kind schnell nervös, wenn das Internet oder die Spielekonsole länger nicht kann oder darf? Auch erhöhte Reizbarkeit oder Aggressionen sind bei einem problematischen Umgang mit digitalen Medien möglich.

Auswirkungen: Wie schädlich ist zu hoher Medienkonsum für Kinder?

Die Ergebnisse einer Studie der DAK-Gesundheit zeigen, dass sich der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise im Schnitt drastisch erhöht hat. Fakt ist: ein exzessiver Medienkonsum ist nicht gesund – das stellen wir im Alltag immer wieder fest, wenn uns vom vielen Scrollen der Kopf schmerzt oder nach einem Tag am PC die digitalen Buchstaben nur noch schwer zu erkennen sind. 
Dass zu viel Zeit am Bildschirm beziehungsweise zu viel Medienkonsum insbesondere Kindern nicht guttut, lässt sich auch mit Fakten belegen. So zeigt die BLIKK-Studie der Bundesregierung und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen, dass bei Kindern mit einer hohen Bildschirmzeit vermehrt Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen auftreten. Sie haben schlicht und einfach weniger Anlass, im „echten Leben“ aktiv zu kommunizieren und so ein Gefühl für Sprache zu entwickeln. Neben Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen birgt ein zu hoher Medienkonsum aber noch weitere Gefahren:
  • Augenbeschwerden: Bei zu viel Screentime ermüden die Augen – die Augenlinsen verlieren an Elastizität und es erfordert mehr Anstrengung, Dinge in der Nähe scharf zu sehen. Symptome wie Augenrötung, trockene Augen und unscharfes Sehen sind die Folge.
  • Hyperaktivität: Kinder sind noch nicht in der Lage, eine große Menge an Reizen zu verarbeiten. Das gilt gerade für visuelle Reize. Studien zeigen: Je mehr Medien Kinder konsumieren, desto mehr ADHS-Symptome weisen sie später auf.
  • Bewegungsmangel: Wer viel vor dem Bildschirm sitzt, bewegt sich wenig. Daraus können  körperliche Fitness-Einschränkungen und Gewichtsprobleme entstehen, die später sogar Erkrankungen wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen nach sich ziehen können.
  • Schlafstörungen: Wer bis in die Nacht hinein zockt oder fernsieht, büßt mitunter die für die Erholung wichtigen Traumphasen ein oder kann allgemein Probleme mit dem Einschlafen  bekommen.
  • Defizitäre Hirnentwicklung: Kinder benötigen für eine optimale Hirnentwicklung die direkte Interaktion mit Objekten. Es genügt nicht, in einem Video zu sehen, wie ein Gegenstand herunterfällt – erst die Erfahrung aus erster Hand führt zu echten, sich im Hirn verankernden Erkenntnissen.
  • Onlinesucht: Wer den kritischen und bewussten Umgang mit digitalen Medien nicht erlernt, kann später eine Internet- oder Onlinesucht entwickeln.

Tipps für einen ausgewogenen Medienkonsum von Kindern

Doch bis zur Mediensucht lassen wir es nicht kommen! Und mit „wir“ sind die Eltern gemeint. Für einen maßvollen und sicheren Umgang mit Medien ist es vor allem wichtig, als Vorbild voranzuschreiten, ein wachsames Auge auf den Medienkonsum deines Schützlings zu haben und – gemessen am Kindesalter – mehr oder weniger regulierend einzugreifen. Regeln für eine gesunde Mediennutzung sind wichtig, aber längst nicht alles:
  1. Das Internet erklären: Was heißt es, „online“ zu sein? Wie nutze ich Suchmaschinen? Was sind Chats und Foren? Je mehr Infos dein Kind mit auf den Weg bekommt, desto sicherer gelingt der Start ins World Wide Web.
  2. Screentime begrenzen: Achte darauf, dass dein Kind nicht medial überlastet. Zocken und wahlloses Herumsurfen können anhand von festgelegten Bildschirm-Zeiten gezielt eingedämmt werden. Mehr dazu findest du im Unterpunkt „Die Bildschirmzeit gemessen am Alter“.
  3. Vorbild sein: Lege selbst ein maßvolles Nutzungsverhalten an den Tag, um deinem Kind mit gutem Beispiel voranzugehen.
  4. Kindersicherungen: Jugendschutzfilter, Schutzsoftware, Sicherheits-Apps – kümmere dich um entsprechende Anwendungen, um dein Kind vor Gefahren und dich selbst vor ungewollten In-App-Käufen zu schützen.
  5. Gefahren erläutern: Kläre über Gefahren wie illegale Inhalte, Geldfallen oder dubiose Spamnachrichten auf. Stehe deinem Kind dabei jederzeit als vertrauensvolle Ansprechperson zur Seite, ohne es heimlich zu kontrollieren.
  6. Kommunikation: Sprich mit deinem Kind über Apps oder Seiten, die ihm gefallen und beurteile individuell, ob sie geeignet sind oder nicht. Dadurch, dass du ihm erklärst, warum manche Inhalte okay sind und andere nicht, lernt es mehr als durch rigorose Verbote. Zudem wird euer Vertrauensverhältnis gestärkt.
  7. Selbstvertrauen schenken: Ab einem gewissen Alter kannst Du die Internetzeit deines Kindes unmöglich vollständig im Blick haben. Schenke ihm daher dein Vertrauen, stärke somit sein Selbstbewusstsein und begleite es dabei, kritisch mit Inhalten und seiner Screentime umzugehen.

Der richtige Zeitpunkt für Handy und Co.

Apropos Vertrauen: Wann ist eigentlich die Zeit reif für das eigene Handy oder Tablet? Hier bietet sich das Befolgen der sogenannten 3-6-9-12-Regel an, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt. Das bedeutet: 

  • Keine Bildschirmmedien vor 3 Jahren,
  • keine Spielekonsole vor 6 Jahren,
  • kein Smartphone vor 9 Jahren
  • und keine unbeaufsichtigte Computer- und Internetnutzung vor 12 Jahren. 

Doch sobald dein Kind Spielekonsole, Smartphone oder Tablet sein Eigen nennt, gilt es ein Auge auf die konsumierten Inhalte sowie die tatsächliche Screentime zu werfen. Im Folgenden geben wir Aufschluss darüber, wie viel Zeit vor dem Bildschirm für Kinder je nach Alter gesundheitlich unbedenklich ist.

Medienzeiten von Kindern in der Tabelle – eine Empfehlung

AlterMedienzeit
Unter 3 JahreKleinkinder gehören nicht vor den Fernseher, denn sie sind von den vielen Reizen und schnellen Schnitten schnell überfordert. Ausnahmen bilden altersgerechte DVDs und Sendungen.
3 bis 5 JahreIn Begleitung von Erwachsenen können Kinder in diesem Alter bis zu 30 Minuten vor dem Bildschirm verbringen. Die Inhalte sollten aber altersgerecht sein.
6 bis 9 JahreFünf Stunden Bildschirmzeit pro Woche lautet die Devise.
10 bis 12 JahreBis zu 10 Stunden pro Woche. Die Alarmglocken sollten allerdings spätestens ab ca. 20 Stunden pro Woche läuten.

Social-Media-Konsum von Kindern und Jugendlichen

YouTube, Snapchat, TikTok oder Instagram:  In der Regel wird vom jeweiligen Anbieter ein Mindestalter von 13 Jahren empfohlen, Kinder kommen jedoch häufig schon viel früher in Berührung mit Social Media. Dabei tauchen sie in die zum Teil aufgehübschten Lebensrealitäten anderer ein und gewähren selbst den einen oder anderen Einblick. Neben verzerrten Idealbildern und Weltanschauungen lauert auf solchen Plattformen reichlich Beleidigungs- und Mobbing-Potenzial. Das sollte man als Elternteil auf dem Schirm haben und sich mit den einzelnen Plattformen auseinandersetzen. 

Richte die Accounts am besten gemeinsam mit deinem Kind ein, setze dich mit den Sicherheitseinstellungen auseinander und sorge beispielsweise dafür, dass nur Freunde Einsicht in Posts und Profile haben. Vermeide dabei, dein Kind zu überwachen – zumal Verbote eher noch zu unerwünschtem Verhalten anspornen. Stell dich einfach als Ansprechpartner zur Verfügung, erläutere die Risiken, erkläre ihm, welche Inhalte es teilen kann und welche nicht, und zeige Wege auf, wie man mit missgünstigen oder beleidigenden Verbalattacken umgehen kann. Wichtig ist, dass dein Kind weiß, dass es bei Problemen immer zu dir kommen kann.

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Fazit

Smartphone, Internet und Social Media sind untrennbar mit unserem täglichen Leben verwoben. Mit ein wenig Weitsicht und Durchhaltevermögen kannst du dafür sorgen, dass dein Kind keinen zu hohen Medienkonsum beziehungsweise einen Screentime-Overload erlebt und sich vor allem an den positiven Seiten der digitalen Medien erfreuen kann. Und die gibt es allemal!

Video: Tipps zur richtigen Mediennutzung für Kids

Informationen zum Medienkonsum bei Kindern

Autor(in)

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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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