Carnivore Diät: Ernährung mit fast nur Fleisch

Hände schneiden Steak, das auf einem Holzbrett liegt

Überdenkst du gerade deine Ernährungsweise und spielst mit dem Gedanken, neue Wege zu gehen? Vielleicht bist du schon über die Carnivore Diät gestolpert – eine Ernährung, die ausschließlich auf tierische Lebensmittel setzt: Fleisch, Fisch, Eier und tierische Fette stehen im Mittelpunkt, während Gemüse, Obst, Nüsse und Getreide komplett vom Speiseplan verschwinden. Das klingt extrem? Ist es auch, denn diese Diät mit Fleisch bringt auch Risiken mit sich. Wir geben dir einen Überblick zur Carnivoren Diät: Wie sie funktioniert, was sie bewirken kann und worauf du unbedingt achten solltest, wenn du sie ausprobieren willst.

Was ist die Carnivore Diät? 

Die Carnivore Diät, oder auch „Fleischfresser-Diät“, ist eine sehr strikte Form der Ernährung, bei der ausschließlich tierische Lebensmittel verzehrt werden – vorrangig Fleisch. Karnivore bedeutet fleischfressendes Tier oder Raubtier – was die Diät sich ernährungstechnisch zum Vorbild nimmt. Denn pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst oder Hülsenfrüchte fallen innerhalb dieser Ernährungsform komplett weg. Sie gilt als extreme Variante der Low-Carb-Ernährung, da nicht nur Kohlenhydrate stark reduziert, sondern pflanzliche Nährstoffquellen vollständig ausgeschlossen werden. 
Menschen, die dieser Ernährungsform folgen, erhoffen sich davon oft eine schnelle Gewichtsabnahme. Doch warum sollte man auf Fleisch zum Abnehmen setzen? Durch den Fokus auf tierische Lebensmittel wird auf Kohlenhydrate verzichtet. Da der Körper normalerweise die Kohlenhydrate vorrangig als Energiequelle nutzt, steigt er auf Fett als Energiequelle um, wenn die Kohlenhydrate zur Energiegewinnung fehlen. Der hohe Gehalt an Proteinen und Fetten soll zudem zu einem guten Sättigungsgefühl beitragen.
Fakt ist: Eine Diät, die auf das Ausklammern von bestimmtem Lebensmittel setzt, ist schwer durchzuhalten und kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Wer den Jojo-Effekt vermeiden möchte, sollte sich ausgewogen ernähren.

Die Konzentration auf bestimmte Lebensmittel kann zu einem Nähstoffmangel führen. Auch wer langfristig abnehmen möchte, ist mit einer ausgewogenen Ernährung besser beraten als mit einem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel. Ausgewogen zu essen und zu trinken bedeutet, dass verschiedene Menschen viele verschiedene Lebensmittel und Getränke in individuell passenden Mengen und Kombinationen essen und trinken. Essen und Trinken soll satt und zufrieden stimmen und den persönlichen Bedarf an Nährstoffen und Energie decken. Gleichzeitig wird damit das Risiko ernährungsabhängiger Krankheiten minimiert.

- Ökotrophologin Silke Wilms

Abgrenzung zu anderen Diät-Formen

Du hast sicher schon bemerkt, dass es viele verschiedene Diät- und Ernährungsformen gibt, die gezielt bestimmte Lebensmittelgruppen ausschließen – zum Beispiel die Keto- oder Paleo-Diät. Wir geben einen kurzen Überblick:
  • Paleo-Diät:
    • Orientierung an der Ernährung unserer Vorfahren aus der Steinzeit
    • Erlaubt: Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Nüsse
    • Verzicht auf: verarbeitete Lebensmittel, Zucker, Getreide, Milchprodukte
  • Keto-Diät (ketogene Diät):
    • Sehr kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung
    • Ziel: Körper in den Zustand der „Ketose“ bringen (Fett statt Zucker als Energiequelle)
    • Erlaubt: Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse (besonders kohlenhydratarm), gesunde Fette
    • Verzicht auf: Zucker, Brot, Nudeln, viele Obstsorten
Solche Ernährungsweisen stehen jedoch oft im Gegensatz zu allgemeinen Ernährungsempfehlungen, die auf Ausgewogenheit und Vielfalt setzen. Die Carnivore Diät streicht selbst das Gemüse und Obst – also auch viele Lebensmittel, die in der Paleo- und Keto-Diät erlaubt sind. Du möchtest abnehmen und weißt nicht genau, welche Diät am besten zu dir passt? Wir informieren dich über die richtige Ernährung zum Abnehmen.

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Was darf ich bei der Carnivoren Diät essen?

Doch was darf nun bei der Diät, die auf Fleisch setzt, alles auf den Teller? Wir geben dir einen kurzen Überblick:

Lebensmittel die zur Carnivoren Diät gehören:

  • Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Wild, Geflügel)
  • Innereien (Leber, Herz, Niere)
  • Fisch und Meeresfrüchte (Lachs, Makrele, Garnelen)
  • Eier
  • Tierische Fette (Butter, Schmalz, Talg)
  • Knochenbrühe
  • Gelatine und Kollagenpräparate
  • Milchprodukte (optional – je nach Variante der Diät, beispielsweise Käse oder Sahne, bevorzugt vollfett und unverarbeitet)

Lebensmittel, die bei der Carnivore-Diät nicht verzehrt werden:

  • Gemüse (Brokkoli, Karotten, Spinat)
  • Obst (Bananen, Beeren, Zitrusfrüchte)
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Erbsen, Soja)
  • Lebensmittel aus Getreide (Brot, Nudeln, Reis, Haferflocken)
  • Zucker und Süßigkeiten (Schokolade, Gebäck, Softdrinks)
  • Nüsse und Samen (Mandeln, Walnüsse, Chiasamen)
  • Alkoholische Getränke (Bier, Wein, Cocktails)

Kritische Betrachtungsweise – Ausgewogen vs. einseitig

Wer gesund essen möchte und auf die Expertinnen und Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hört, setzt auf einen Teller Buntes. Kurz gesagt empfiehlt die DGE viel Obst und Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte in die eigene Ernährung zu integrieren. Denn diese liefern reichlich Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und Fettsäuren. Wer ausreichend Obst und Gemüse zu sich nimmt, senkt laut der DGE das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Bluthochdruck und das Risiko für einen Schlaganfall. 

Bei Fleisch und Wurst sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher an die Devise „weniger ist mehr“ halten. Zwar ist Fleisch eine Quelle für Eiweiß, Selen, Zink und Vitamin B12, aber auch weniger gesunde Bestandteile sind in Fleisch und Wurst enthalten: Gesättigte Fettsäuren und auch Cholesterin können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. 

Positive Erfahrungen mit der Carnivore Diät

Trotz der Kritik durch Fachgesellschaften berichten Menschen, die eine Carnivore Diät ausprobieren, zum Teil von gesundheitlichen Verbesserungen. Diese reichen von einer Gewichtsreduktion über die individuelle Erfahrung eines gesteigerten Energielevels im Alltag hin zu einem allgemein besseren Wohlbefinden. 

Carnivore Diät und das Klima

Die Carnivore Diät steht nicht nur gesundheitlich, sondern auch ökologisch in der Kritik. Da sie ausschließlich auf tierische Lebensmittel setzt – vor allem auf Fleisch – geht sie mit einem deutlich höheren CO₂-Fußabdruck einher als eine pflanzenbetonte Ernährungsweise.

Die Tierhaltung, insbesondere die von Rindern, verursacht erhebliche Mengen an Treibhausgasen wie Methan und trägt damit zur globalen Erderwärmung bei. Hinzu kommen der hohe Flächen- und Wasserverbrauch für Futtermittelanbau sowie die Belastung von Böden und Gewässern durch Gülle und Dünger. Eine Ernährung, die ausschließlich auf tierischen Quellen basiert, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

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Wie wirkt sich die Carnivore Diät auf den Körper aus? 

Die Carnivore Diät hat nicht nur Auswirkungen auf die Nährstoffzufuhr, sondern kann auch verschiedene gesundheitliche Risiken mit sich bringen – vor allem, wenn die Ernährung über einen längeren Zeitraum einseitig bleibt.

Mögliche gesundheitliche Probleme sind etwa:

  • Verdauungsprobleme und Verstopfung: Ballaststoffe aus Gemüse, Obst oder Vollkornlebensmitteln haben besonders Auswirkung auf die Verdauung. Sie können die Häufigkeit des Stuhlgangs sowie die Nährstoffabsorption beeinflussen.
  • Erhöhter Anteil gesättigter Fette: Durch den hohen Konsum von Fleisch und tierischen Fetten kann der Anteil gesättigter Fettsäuren steigen – ein möglicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Veränderung der Darmflora: Eine ballaststoffarme Ernährung kann das Gleichgewicht der Darmbakterien stören. Die Vielfalt der Darmflora nimmt ab, was sich negativ auf die Verdauung, das Immunsystem und das allgemeine Wohlbefinden auswirken kann.

Für wen ist die Carnivore Diät (nicht) geeignet?

Eine Diät, die komplett auf Fleisch setzt, ist eine extreme Form der Ernährung und daher nicht für alle geeignet. Besonders Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollten strikt Abstand davon nehmen.

Nicht geeignet ist die Carnivore Diät für:

  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren kann den Cholesterinspiegel erhöhen und das Risiko für Herzprobleme weiter verstärken.
  • Schwangere, Stillende und Kinder: In diesen Lebensphasen ist eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung besonders wichtig – eine rein tierische Kost kann hier zu gravierenden Mangelerscheinungen führen. Besonders beim Abnehmen in der Stillzeit ist Vorsicht geboten.

Wichtig: Die Diät sollte nicht dauerhaft praktiziert und immer medizinisch begleitet werden, um Mangelerscheinungen und gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Fazit: Was solltest du über die Carnivore Diät wissen?

Die Carnivore Diät ist eine radikale Ernährungsform, die ausschließlich tierische Lebensmittel erlaubt und pflanzliche vollständig ausschließt. Während einige Menschen von kurzfristigen gesundheitlichen Verbesserungen wie Gewichtsverlust berichten, sehen Fachgesellschaften wie die DGE die Diät kritisch – vor allem wegen möglicher Nährstoffmängel, dem hohen Anteil gesättigter Fette und den Auswirkungen auf die Darmgesundheit.

Langzeitstudien zur Sicherheit und Wirksamkeit fehlen bislang, doch auch ökologische Aspekte sprechen gegen eine dauerhaft fleischbasierte Ernährung. Wer sich dennoch für die Carnivore Diät interessiert, sollte sie nur zeitlich begrenzt, gut informiert und idealerweise unter ärztlicher Begleitung ausprobieren. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung bleibt weiterhin der nachhaltigste Weg zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden.

Häufige Fragen zur Carnivoren Diät

Ist eine carnivore Ernährung gesund?

Langfristig ist die Carnivore Diät umstritten. Es fehlen belastbare Studien, und es besteht das Risiko für Nährstoffmängel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kurzfristig berichten wenige Menschen von positiven Effekten – idealerweise sollte sie ärztlich begleitet werden.

Ist eine Keto-Diät oder eine Carnivore Diät besser?

Es ist schwierig, pauschal von „besser“ zu sprechen, denn beide Diäten verfolgen unterschiedliche Ansätze und haben jeweils Vor- und Nachteile. Die Keto-Diät ist vielseitiger und lässt auch pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse oder Nüsse zu, was sie nährstoffreicher und ausgewogener macht. Die Carnivore Diät ist deutlich restriktiver und birgt ein höheres Risiko für Nährstoffmängel und gesundheitliche Langzeitfolgen. Welche Ernährungsform im Einzelfall sinnvoll ist, hängt stark vom Gesundheitszustand, den Zielen und der ärztlichen Begleitung ab. Generell gilt: Eine ausgewogene, vielfältige Ernährung wird von Fachgesellschaften weiterhin als die nachhaltigste Lösung empfohlen.

Ist Käse bei der Carnivore-Diät erlaubt?

Ja, Käse ist in vielen Varianten der Carnivore-Diät erlaubt – bevorzugt vollfett und möglichst unverarbeitet. Manche strengeren Formen schließen Milchprodukte jedoch aus.

Autor(in)

Qualitätssicherung

Silke Willms

Diplom-Ökotrophologin, Ernährungs-Expertin bei der DAK-Gesundheit

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