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Hodenkunde mit Volker Wittkamp: Größe, Formen, Samenstau

Symbolbild für Männlicher Zyklus

Die Hoden gelten als eine der empfindlichsten Stellen des männlichen Körpers. Und das hat auch seine Richtigkeit: Immerhin sind sie am Fortbestand der Menschheit wesentlich beteiligt. Wie so ein Hoden funktioniert und woran du erkennst, ob bei deinen Exemplaren alles in Ordnung ist, erfährst du hier.

Was sind Hoden?

Hoden, Eier, Kronjuwelen, Testikel: Für die zwei pflaumengroßen inneren männlichen Geschlechtsorgane kursieren viele mehr oder weniger ästhetische Begriffe. Wenn man ehrlich ist, sehen die Hoden allerdings wirklich etwas schrumpelig aus. Oder zumindest der Hodensack, in dem sich die Hoden befinden. Das liegt daran, dass er temperaturempfindlich reagiert: Bei Kälte zieht sich der Sack zusammen und liegt enger am warmen Körper an, bei Hitze wiederum dehnt er sich aus und hängt weiter vom Körper weg. Wozu diese Temperaturregulation gut ist? Nun ja, weil in den Hoden täglich etwa 200 Millionen Spermien produziert werden, die sich bei einer Temperatur zwischen 34 und 35 Grad am wohlsten fühlen. Aber nicht nur Spermien, auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron entsteht in den Hoden.

Urologe Volker Wittkamp erklärt den Pendelhoden

Welche Funktion haben Hoden?

Hoden sind vor allen Dingen eines: Produktionsstätte. Sie produzieren Spermien, also die männlichen Keimzellen, auch Samenzellen genannt. Damit halten sie den Laden, der sich Menschheit nennt, am Laufen. Denn klar: Spermien spielen bei der Fortpflanzung eine entscheidende Rolle. Etwa zwei Monate liegen sie in den sogenannten Nebenhoden „auf Halde“, um dort zu reifen. Von den Nebenhoden gehen auch die Samenleiter ab, die zur Harnröhre führen. Beim Samenerguss gelangen die gereiften Spermien über diesen Kanal mit einer Geschwindigkeit von bis zu 17 km/h nach draußen. Und zwar zusammen mit der in der Prostata gebildeten Samenflüssigkeit und dem Sekret der Samenblase.

Was die Hoden ebenfalls können: Sie produzieren das männliche Geschlechtshormon Testosteron, das für die Herausbildung der sekundären Geschlechtsorgane des Mannes verantwortlich ist. Wenn man so will, haben die tiefe Stimmlage, der Bartwuchs und die Behaarung an Kopf, Achseln und Schambereich also ihren Ursprung in den Hoden. Testosteron wirkt sich außerdem auch auf die Muskelverteilung und den Knochenaufbau aus. Dabei steht die Größe der Hoden in keinem Zusammenhang mit der Testosteron-Ausschüttung. Es ist also ein Mythos, dass Männer mit großen Hoden männlicher sind als Männer mit eher kleineren Hoden!

Sind unterschiedlich große Hoden normal?

Dass ein Mann unterschiedlich große Hoden hat, ist nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil. Bevor wir auf dieses Phänomen genauer eingehen, wollen wir allerdings erst einmal klären, wie groß ein Hoden für gewöhnlich ist. Der menschliche Hoden ist durchschnittlich 5 cm lang und 3 cm breit. Dabei bringt er etwa 20 Gramm auf die Waage und verfügt über ein Volumen von 20–25 ml. Im Laufe des Lebens gewinnt der Hoden stetig an Größe, ein Maximum erreicht er etwa im Alter von 40 Jahren und ab dem 50. Lebensjahr beginnt er wieder etwas zu schrumpfen. Natürlich gibt es von Mann zu Mann Unterschiede in Größe und Form. Das ist absolut normal. Genauso normal, wie zwei unterschiedlich große Hoden zu haben. Es ist ohnehin so, dass bei den meisten Männern ein Hoden tiefer hängt als der andere. Und das ist auch gut so, denn befänden sie sich auf derselben Höhe und wären zudem gleich groß, würden sie beim Gehen ständig gegeneinanderprallen. Mach dir also keine Gedanken, wenn es untenrum etwas asymmetrisch aussieht – das soll so!

Kleine Hoden-Kunde mit Volker Wittkamp

Krankheiten vorbeugen: der Selbsttest


Aber es gibt natürlich auch Erscheinungen an den Hoden, die nicht normal sind. Falls du ein Mann bist, mach doch einfach mal den Selbsttest und taste deine Hoden ab. Wenn du sie leicht zusammendrückst, sollte sich das prall und elastisch anfühlen – in etwa wie bei einem Flummi. Solltest du harte, knotenartige Stellen ertasten, die eher an einen Stein erinnern, kann das auf eine Krankheit hinweisen.

Um dem rechtzeitig vorzubeugen, ist es wichtig, die Hoden regelmäßig abzutasten. Wie man das am besten macht? Am besten nach einem warmen Bad oder einer warmen Dusche. Dann ist der Hodensack besonders entspannt, was den Selbsttest erleichtert. Taste nun deine Hoden mit beiden Händen ab, indem du einen Daumen auf die Oberseite des Hodens und jeweils zwei Finger hinter ihn legst und ihn zwischen den Fingern hin- und herbewegst.

Übrigens: Nicht nur erbsen- oder reiskorngroße Knoten, auch ein schmerzhaftes Ziehen am Hodensack kann ein erstes Warnsignal sein. Genauso wie eine plötzliche Veränderung in Größe, Farbe und Form. Solltest du eines dieser Anzeichen bemerken, zögere nicht, ärztlichen Rat einzuholen.

Was ist ein Hodenhochstand?

Aber nicht nur kann sich im Hoden eine Krankheit herausbilden, er kann mitunter auch an der falschen Stelle im Körper liegen. Das bezeichnet man dann als Hodenhochstand – die häufigste Störung im Zusammenhang mit den Hoden, die bei etwa drei Prozent der Neugeborenen und 30 Prozent der Frühgeborenen auftritt. Hierbei befinden sich ein oder beide Hoden zum Zeitpunkt der Geburt nicht im Hodensack. Weil dadurch die für die Samenzellreifung ideale Temperatur nicht gegeben ist, kann ein Hodenhochstand das Risiko für Unfruchtbarkeit erhöhen. Auch Hodentumore treten bei Männern mit Hodenhochstand tendenziell häufiger auf. Deshalb ist es auch wichtig, dass rechtzeitig eingegriffen wird – eine Korrektur erfolgt in der Regel noch im ersten Lebensjahr. Sollte ein Hodenhochstand bei älteren Kindern oder Erwachsenen auftreten, kann das daran liegen, dass im Säugling- und Kindesalter nicht genau genug untersucht oder die Störung nicht konsequent behandelt wurde. Auch kann es vorkommen, dass nach einer Operation am Leistenkanal der Hoden in diesem Körperbereich festsitzt oder während des Wachstums des Kindes nach oben gezogen wird.

Ein Hodenhochstand tritt im Wesentlichen in vier verschiedenen Formen auf:

  • Pendelhoden: Ein Pendel- oder Wanderhoden liegt zwar im Hodensack, er wird allerdings durch reflexartige Anspannung eines Muskels im Samenstrang immer wieder in den Leistenkanal gezogen. Auslöser für diesen Reflex können Kälte, Stress oder sexuelle Erregung sein. Sobald der Reiz wieder abebbt, zieht sich auch der Hoden in seine ursprüngliche Position im Hodensack zurück. Eine Behandlung ist in der Regel nicht vonnöten.
  • Gleithoden: Ein Gleithoden lässt sich zwar in den Hodensack bewegen, er verbleibt dort allerdings nicht. Stattdessen gleitet er wie an einem „Gummiband“ gezogen sofort wieder in eine höhere Position. Eine Operation ist unumgänglich.
  • Bauchhoden: Der Bauchhoden liegt unterhalb der Niere, in der Bauchhöhle, und ist von außen weder sicht- noch lokalisierbar. Eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomografie schafft hier Abhilfe, eine anschließende Operation bringt ihn in die richtige Position.
  • Leistenhoden: Der Leistenhoden befindet sich im Bereich des Leistenkanals. Auf eine operative Verlagerung in den Hodensack folgt in der Regel eine Fixierung mit Nähten, damit der Hoden nicht wieder nach oben wandern kann.


Fazit

All das klingt vielleicht etwas unangenehm, immerhin sind die Hoden ein ziemlich empfindliches Körperteil! In aller Regel werden etwaige Störungen aber im Kindesalter ausgemerzt, wodurch du wahrscheinlich wenig davon mitbekommen hast. Um auch weiterhin alle Eventualitäten auszuschließen, taste deine Hoden auf jeden Fall regelmäßig ab. Abgesehen davon musst du dir allerdings nicht allzu viele Gedanken über deine Hoden machen – auch nicht wegen ihrer Größe oder falls sie etwas schief hängen.

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.

Hodencheck mit Volker von @doktorsex

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