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Was ist Langeweile überhaupt?

Manche würden diese Frage wahrscheinlich einfach nur mit einem herzhaften Gähnen beantworten, aber schauen wir uns die Langeweile trotzdem einmal an. Die derzeit geläufigste wissenschaftliche Definition liefert der kanadische Psychologe John Eastwood: Langeweile ist das unangenehme Gefühl, eine zufriedenstellende Aktivität ausführen zu wollen, aber nicht zu können.

Will heißen: Wir wollen irgendetwas tun, aber wissen nicht was oder wir tun etwas, aber es ödet uns an. Diese Definition ist deswegen wichtig, weil sie uns die wahre Natur der Langeweile näherbringt. Die besteht in der Regel nämlich nicht darin, dass man nichts tun kann.

Wenn man zum Beispiel in einer vollkommen leeren Zelle säße, was zum Glück selten bis nie vorkommt, und man darüber nachdenken würde, was man außerhalb von ihr alles machen könnte, ist das eher ein Grund für Stress als für Langeweile. Das Gefühl von Langeweile tritt eher dann ein, wenn wir zwar verschiedene Handlungsoptionen haben, uns aber keine davon reizt. Das kennt wohl jeder: Man sitzt daheim herum und könnte den Fernseher anmachen, ein Buch lesen, im Internet surfen oder die Kacheln im Badezimmer zählen – aber man kann sich einfach zu nichts aufraffen.

Biologisch gesehen lässt sich Langeweile übrigens relativ schwer erfassen. Bei bildgebenden Verfahren wie dem MRT zeigte sich, dass bei Menschen, die sich gerade langweilen, die Hirnregion aktiv ist, die auch für abschweifende Gedanken und Tagträume verantwortlich ist. Unser Gehirn wechselt bei Langeweile also in eine Art Leerlaufmodus. Aber sind Leerlauf und Langeweile so schlecht?

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Maria Austermann (M.Sc. Psychologin)
Psychologin bei der DAK-Gesundheit

Was spricht gegen Langeweile?

Bei dieser Frage muss man ein wenig unterscheiden. Die eine Art von Langeweile gibt es nicht. Es hilft vielleicht, wenn du dir zwei Pole vorstellst. Sozusagen die Pole der Langeweile. Der eine Pol ist die Muße. In diesem Zustand sind wir entspannt, wir haben keine stressigen Verpflichtungen, können unsere Gedanken schweifen lassen und vor uns hinträumen. Der andere Pol ist die Ödnis. Wir haben keine inspirierenden Gedanken, können uns nicht aufraffen und begeistern und das was wir tun, befriedigt uns kein bisschen.

Von außen betrachtet wirken beide Zustände ähnlich. Im eigenen Kopf sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Denn beide Arten der Langeweile, die verträumte und die öde, rufen uns nämlich etwas zu: Werde aktiv!

Das gilt immer. Auf dem Sofa, im Büro, auf einer Parkbank. Dieses Warnsignal ist sehr wertvoll. So wie Schmerz uns vor einer Verletzung warnt, mahnt uns die Langeweile dazu, aktiv zu werden und uns nach neuen Zielen umzusehen.

Durch diesen Mechanismus suchen wir uns immer wieder Herausforderungen und lassen im Idealfall aus Tagträumen Realität werden. Stell dir nur einmal vor, dich würde das Lieblingsspiel aus deiner Kindheit nie langweilen. Dann würdest du es noch heute mit gleicher Begeisterung spielen, statt neue wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Ziemlich langweilig, oder?

Bei Kindern funktioniert dieser Mechanismus übrigens sehr gut. Sie befinden sich meistens in der Nähe des Muße-Pols der Langeweile, weil sie ohnehin viel träumen und spielen. Das ist für die Entwicklung ihrer Kreativität immens wertvoll und deswegen ist es so wichtig, Kindern immer wieder Raum für scheinbares Nichtstun zu geben. Denn auch oder gerade wenn Kinder scheinbar nichts Sinnvolles tun, tut sich bei ihnen in Sachen Kreativität sehr viel. Was mit Langeweile beginnt, kann also sehr schnell zu etwas sehr Spannendem werden.

Langeweile ist für sich genommen also überhaupt nichts Schlechtes. Sie gibt uns den Raum zum Träumen und kreativ sein und ist zugleich ein unbestechlicher Berater, der uns unmissverständlich sagt, wann wir uns im Leerlauf befinden und etwas gegen den inneren Stillstand tun sollten.

Was kann man gegen Langeweile tun?

Wie wir festgestellt haben, ist nicht die Langeweile der Feind, sondern die Ursache für die Langeweile. Nämlich das Fehlen einer zufriedenstellenden Aktivität. Und was hilft gegen derlei Inaktivität? Stimmt: zufriedenstellend aktiv werden. Total easy, oder? Aktiv statt inaktiv, tun statt lassen. Machen wir. Alles klar, danke. Gesagt, getan.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wer einen Job hat, der ihn oder sie nicht befriedigt, hat nicht immer die Möglichkeit, sich sofort einen neuen, erfüllenderen zu suchen und auch wenn wir wissen, dass wir etwas tun sollten, wissen wir deswegen noch nicht automatisch, was genau das ist. Wenn wir es wüssten und es so einfach wäre, hätten wir es ja gleich getan und uns wäre erst gar nicht langweilig geworden.

Neben bekannten und naheliegenden Mitteln wie Spielekonsole, Fernseher oder Internet gibt es auch andere Möglichkeiten, Phasen der Langeweile gezielt zu nutzen.  Diese haben sich im Alltag bewährt und sind auch unterwegs anwendbar. Allgemeingültig ist das nicht, denn Menschen sind schließlich verschieden.

Methoden gegen Langeweile

  • MeditationWenn du mal wieder auf den Bus warten musst und kein Mittel gegen die aufkommende Langeweile parat ist: Halte die Langeweile aus, atme tief durch, konzentriere dich auf das, was du riechst und was du siehst. Mach aus der Langeweile eine Insel der inneren Ruhe, auf der du deinem Kopf eine wohlverdiente Pause von To-dos, Sorgen und Gedankenspiralen gönnen kannst.
  • Träumen – Es gibt Tätigkeiten, die öde sind und uns langweilen, die aber einfach gemacht werden müssen. Hier kann die Muse helfen. Da solche Tätigkeiten oft monoton sind, kannst du sie ausführen und zugleich deine Gedanken schweifen und deiner Kreativität freien Lauf lassen, oft kommt man gerade dabei auf die besten Ideen.
  • Yoga – Bei Langeweile einfach mal Katze, Kuh oder Krieger sein! Quatsch? Überhaupt nicht. Roll einfach deine Yogamatte aus und probiere eine der vielen wunderbaren Asanas, also Übungen, mit den tollen Namen. Das bringt dich auf andere Gedanken, entspannt und macht dich ganz nebenbei fit wie ein Turnschuh, oder ein Tiger, die Figur gibt’s nämlich auch. Dazu passend bieten wir jede Menge Inspirationen von unserer bezaubernden Yoga-Expertin Sara Lyn und beteiligen uns an den Kosten für einen Yoga-Kurs.
  • Schwimmen gehen – Wenn du ins Wasser springst, machst du alles richtig. Natürlich nur, wenn du auch schwimmen kannst ;-). Wasser ist für uns Menschen einfach das richtige Element. Wir fühlen uns leicht, gleiten dahin, bewegen uns entspannt und tun damit ganz nebenbei und auf schonende Weise etwas für unser Herz-Kreislauf-System, die Muskeln und die Knochen. Wenn du dir also mal wieder langweilig ist: Pack den Badeanzug ein und ab ins Wasser! Bei unserem Fitness-Coaching findest du eine Vielzahl von weiteren Kursangeboten, interessantem Grundlagenwissen und spannende Fitness-Features.
  • Walken und Joggen – Das Schöne am Walken und Joggen ist, dass du dafür eigentlich nur ein paar Laufschuhe, bequeme Kleidung und etwas Zeit brauchst. Und schon kann es losgehen. Laufen ist wahrscheinlich die älteste Sportart, die Menschen praktizieren, auch wenn unsere Ur-Vorfahren darin wohl weniger Sport als eine Lebensnotwendigkeit sahen. Du hast dagegen das Glück, einfach so losjoggen zu können und damit etwas für dein Wohlbefinden und deine Gesundheit zu tun. Danach bist du frisch und die Langeweile ist vergessen. Laufen macht einfach glücklich!  Deswegen haben wir für dich auch noch mehr nützliche Tipps und Infos rund um das Thema gesunde Bewegung.
  • Sprache lernen – Wer sagt denn, dass man Langeweile nicht produktiv nutzen kann? Vielleicht willst du bei deinem nächsten Urlaub im Ausland ja mehr als Ja, Nein, Danke, Bitte in der Landessprache sagen können. Dafür musst du nicht unbedingt eine Sprachschule besuchen. Es gibt viele Möglichkeiten via App eine Sprache zu lernen. Das bietet dir die perfekte Gelegenheit bei der nächsten Langeweile-Attacke Vokabeln und einfache Sätze einzuüben.
  • Deine Stadt erkunden – Oft muss man aber gar nicht in die Ferne schweifen, um der Langeweile zu entkommen. Das Unbekannte und damit das Spannende liegt in Wahrheit ja so nah. Nehmen wir zum Beispiel deine Stadt. Kennst du hier wirklich jeden Winkel? Wahrscheinlich sind es eher die ausgetretenen Pfade, die du in deinem Alltag gehst. Erkunde deswegen einfach einmal deine Gegend. Geh in ein Viertel, eine Straße, eine Ecke, wo du noch nie warst und lass dich überraschen!
  • Ausmisten – Es gibt Sachen, die nimmt man sich immer und immer und immer wieder vor und hat dann doch immer etwas Besseres zu tun. Ausmisten zum Beispiel. Wenn dir allerdings langweilig ist, hast du aber gerade eben nichts Besseres zu tun. Wunderbar! Ran an den Kleiderschrank und weg mit den Teilen, die du nicht mehr trägst! Hin zum Schreibtisch und ab in den Mülleimer mit all dem unnützen Papierkram!
  • Ein Buch lesen – Klar, es gibt auch Netflix, aber ein Buch zu lesen ist für dein Gehirn viel belebender, du lernst ungewohnte Perspektiven kennen, es bildet und du schaffst mit deiner Fantasie, Seite für Seite, schier grenzenlose Welten, in denen es für Langeweile kein Platz gibt. Traumhaft, oder?

    Im Zweifel gilt: einfach ausprobieren und aus der Langeweile etwas Gutes machen!