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Berlin, 8. August 2023. Kinder und Jugendliche in Berlin sind durch anhaltende Krisen weiter stark psychisch belastet. Vor allem Mädchen sind betroffen. So erreicht die Zahl von Krankenhausaufenthalten wegen Essstörungen und Depressionen bei weiblichen Teenagern zwischen 15 und 17 Jahren Höchststände. Psychische Erkrankungen insgesamt gehen in der Krankenhaus-Versorgung zurück. Das zeigt eine Sonderanalyse zur stationären Behandlung psychischer Erkrankungen im DAK-Kinder- und Jugendreport für Berlin. DAK-Landeschef Volker Röttsches fordert eine Präventionsoffensive zur Stärkung der psychischen Gesundheit.

Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 45.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Berlin versichert sind. Analysiert wurden Krankenhausdaten aus den Jahren 2018 bis 2022. Es ist die erste umfassende Analyse von Klinikbehandlungen für das vergangene Jahr.

„Die Zunahme bestimmter psychischer Erkrankungen sollte unseren Blick auf die Situation Heranwachsender schärfen“, sagt Volker Röttsches, Landeschef der DAK-Gesundheit in Berlin. „Wir müssen offen über die Entwicklung sprechen und den Betroffenen und ihren Familien Unterstützung und Hilfe anbieten. Denn die aktuellen Krankenhausdaten bilden nur die Spitze des Eisbergs ab. Wir brauchen sehr kurzfristig eine breite Präventionsoffensive in Schulen, Vereinen und Verbänden, um die psychische Gesundheit von Mädchen und Jungen zu stärken. Wir dürfen sie und ihre Eltern nicht allein lassen.“

Essstörungen und Depressionen: neue Höchstwerte bei Krankenhausbehandlungen jugendlicher Mädchen
Mit 5,7 Fällen je 1.000 Mädchen bei Essstörungen und 17,7 Fällen je 1.000 Mädchen bei Depressionen wurden 2022 in Berlin neue Höchststände erreicht.  Hochgerechnet auf alle Jugendlichen in der Altersgruppe 15 bis 17 kamen 2022 in der Hauptstadt rund 250 Mädchen mit einer Essstörung und 750 Mädchen mit der Diagnose Depressionen ins Krankenhaus.  Bei Depressionen stiegen 2022 die Behandlungszahlen von jugendlichen Mädchen im Vergleich zu 2019 um 32 Prozent, bei Essstörungen sogar um 241 Prozent. Die DAK-Sonderanalyse zeigt, dass Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren häufiger aufgrund psychischer Erkrankungen in Kliniken sind als Jungen. Ein Beispiel: Von hochgerechnet 850 Jugendlichen, die mit einer Depression stationär behandelt wurden, waren 750 Mädchen.

„Wir befinden uns mitten in einer Mental-Health-Pandemie, deren Auswirkungen erst nach und nach sichtbar werden. Das zeigt sich bereits jetzt besonders im Bereich der Essstörungen und Depressionen“, sagt Prof. Dr. med. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité als Bewertung der neuen DAK-Sonderanalyse.

Weniger Klinikbehandlungen im vergangenen Jahr
Insgesamt wurden 2022 weniger Kinder und Jugendliche mit psychischen oder Verhaltensstörungen in Kliniken behandelt als vor der Corona-Pandemie. Werden alle sogenannten F-Diagnosen, also Diagnosen, die psychische und Verhaltensstörungen beschreiben, zusammengefasst, ergibt dies 2022 bei Jugendlichen in Berlin einen Rückgang von elf Prozent im Vergleich zu 2019. Damit liegen die Zahlen in der Hauptstadt unter dem Bundesniveau.

„Die Begründung für den Rückgang der Behandlungszahlen im Bereich psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist wahrscheinlich auf die Covid-Pandemie zurückzuführen. Wir hatten in deutschen Kliniken schlicht weniger Kapazitäten zur Verfügung“, sagt Prof. Correll. „Während des Pandemie-Verlaufs mussten wir durch Covid-Infektionen Bettenkapazitäten reduzieren und auch mit weniger Personal aufgrund von Krankheitsausfällen agieren. Das führte auch dazu, dass vor allem schwerere Fälle stationär behandelt worden sind. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg von Essstörungen und Depressionen als noch dramatischer zu bewerten.“

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,5 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit. Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Berlin rund 250.000 Menschen versichert.



Stefan Poetig

Pressesprecher für Berlin

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