Entzugserscheinungen von Nikotin: Das passiert nach dem Rauchstopp

Eine junge Frau steht draußen mit einer Zigarette und einem Feuerzeug in der Hand und guckt auf ihre Hände.

Spielst du schon länger mit dem Gedanken, mit dem Rauchen aufzuhören, fürchtest dich aber vor den Entzugserscheinungen? Wir möchten dir deine Angst nehmen, indem wir dich über alles Wissenswerte zum Rauchstopp informieren und dir Tipps an die Hand geben. 

Was sind die Entzugserscheinungen von Nikotin?

Bleibt ein Suchtstoff plötzlich aus oder wird stark reduziert, kommt es zu Entzugssymptomen. Das gilt auch für Nikotin. Nikotin wirkt als psychoaktive Substanz stimulierend auf das zentrale Nervensystem, beispielsweise auf deinen Stoffwechsel oder die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe.  Paradox, aber gut: Beschwerden nach dem Rauchstopp sind ein Zeichen dafür, dass sich dein Körper zu erholen beginnt und wieder auf ein nikotinfreies Leben einstellt.

Körperliche Entzugserscheinungen von Nikotin

Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, kann der Nikotinentzug körperliche und psychische Symptome verursachen. Körperliche Symptome sind:

  • Kraftlosigkeit: Nikotin kann den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen. Beim Entzug normalisiert sich beides in der Regel wieder. Dies kann vorübergehend als Müdigkeit oder reduzierte Leistungsfähigkeit wahrgenommen werden.
  • Kopfschmerzen und Schwindel: Die veränderte Durchblutung kann zeitweilig Kopfschmerz und Drehgefühl verursachen.
  • Gewichtszunahme: Nikotin wirkt als Appetitzügler. Es erhöht leicht den Energieverbrauch und beeinflusst das Hungergefühl. Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, sind Heißhunger und Gewichtszunahme mögliche Folgen.
  • Verdauungsprobleme: Wird dein Darm nicht mehr zusätzlich durch Zigaretten angeregt, können zeitweise Verstopfungen auftreten.
  • Schlafstörung: Ohne Nikotin pendeln sich verschiedene Hormone neu ein, darunter einige Botenstoffe im Gehirn und das Stresshormon Cortisol. Solche hormonellen Schwankungen können wachhalten.

Psychische Entzugserscheinungen von Nikotin

Nikotin wirkt im Gehirn ähnlich wie körpereigene Botenstoffe. Es dockt an Rezeptoren an, die die Ausschüttung von Dopamin anstoßen. Vereinfacht gesagt: Beim Rauchen wird das Belohnungssystem aktiviert. Bleibt bei der Rauchentwöhnung der gewohnte Nikotinnachschub aus, gerät dieses System vorübergehend aus dem Gleichgewicht.
  • Starkes Verlangen nach Zigaretten – auch als „Craving“ bekannt.
  • Reizbarkeit: Deine Frustrationstoleranz kann im Zuge des Rauchstopps sinken. Eventuell wirst du nervös oder gar aggressiv, was deine Beziehungen belasten kann.
  • Konzentrationsstörungen: Ohne Zigaretten kann es dir schwerfallen, dich gedanklich auf eine Sache zu fokussieren.
  • Anspannung: Oft kommt es zu innerer Unruhe, Anspannung und Rastlosigkeit.
  • Depressive Verstimmung: Dein hormonelles Belohnungssystem gerät nach dem Rauchstopp ins Wanken. Eventuell fühlst du dich deswegen zeitweilig niedergeschlagen oder antriebslos.
Ob und welche Entzugssymptome auftreten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es lohnt sich jedoch immer, mit dem Rauchen aufzuhören.

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Wie lange halten Entzugserscheinungen nach dem Rauchstopp an?

Wie lange Entzugserscheinungen von Nikotin anhalten können, hängt von verschiedenen Umständen ab, etwa:

  • wie lange du zuvor geraucht hast
  • wie schnell dein Stoffwechsel arbeitet
  • wie fest das Rauchen in deinem Tagesablauf verankert war, zum Beispiel als unverzichtbare Morgenzigarette oder zur Stressbewältigung

Erste Symptome können bereits wenige Stunden nach der letzten Zigarette auftreten. Die körperliche Entzugsphase dauert meist zwei bis vier Wochen. Psychische Symptome hingegen können länger anhalten – besonders in Situationen, die früher mit dem Rauchen verknüpft waren. Das Verlangen kann schubweise über mehrere Monate auftreten, nimmt jedoch mit der Zeit ab.

Wann sind die Entzugserscheinungen am stärksten?

Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, wird das Verlangen, wieder zur Zigarette zu greifen, zunächst heftig sein. Dieses Bedürfnis erreicht nach etwa 24 bis 72 Stunden einen kritischen Höhepunkt. Körperliche Symptome, Nervosität, Konzentrationsschwäche und Reizbarkeit sind dann besonders intensiv. Hast du diese kritische Phase überwunden, lassen solche Beschwerden deutlich nach.

Was verursacht die starken Entzugserscheinungen von Nikotin?

Dass Körperreaktionen in den ersten drei Tagen nach dem Rauchstopp so heftig ausfallen, liegt an der Anpassung des Gehirns an den Wegfall von Nikotin. Beim Rauchen baut sich ein gewisser Pegel an Nikotin im Blut auf. Nach ungefähr 48 Stunden ist das Nikotin der letzten Zigarette aus dem Blut abgebaut. Das daran gewöhnte Gehirn registriert die Veränderung. Daher rührt das starke Verlangen nach Zigaretten. Zugleich sinkt der "Glückshormonspiegel" vorübergehend ab, da sich das Belohnungssystem ohne die Stimulation durch Nikotin vorübergehend in einem Mangelzustand befindet.

Nach etwa 72 Stunden ist das Nikotin im Körper weitgehend abgebaut. Das Abbauprodukt Cotinin bleibt jedoch länger im Körper und wird erst in den folgenden Tagen vollständig ausgeschieden. Der organische Anpassungsprozess setzt ein und bringt kurzzeitig Symptome wie Verstopfung oder Kopfschmerzen mit sich.

Was hilft gegen Entzugserscheinungen?

Statt von jetzt auf gleich darauf zu verzichten, kannst du das Nikotin ausschleichen lassen. Du hörst zwar mit dem Rauchen auf, aber führst dem Körper übergangsweise in kontrollierter, absteigender Dosis Nikotin in Form von Ersatzprodukten zu. Indem du die Dosis stetig reduzierst, verlängert sich die Entwöhnungsphase, aber die Symptome werden abgefedert. 

In der Apotheke bekommst du Ersatzprodukte wie Nikotinpflaster, Kaugummis oder Lutschtabletten sowie eine fachkundige Beratung dazu, wie du sie anwendest und dosierst. Nikotinbeutel sind dagegen keine gute Idee. Zum einen haben sie in Deutschland keine Marktzulassung, zum anderen ist ihr Nikotingehalt oft gesundheitlich bedenklich. 

Tipps für den Rauchstopp

Bereite dich gut auf deine Rauchentwöhnung vor. So erhöhst du deine Erfolgschancen für ein langfristig rauchfreies Leben. Hier ein paar Tipps für den Start:

  • Beratungsangebote: Bei Infoveranstaltungen und Suchtentwöhnungskursen bekommst du praktischen Rat und findest Gleichgesinnte. Gemeinsam fällt der Rauchstopp leichter.
  • Entspannungsverfahren: Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sind Techniken, die helfen, innere Unruhe zu reduzieren.
  • Bewegung: Sport, Spaziergänge, Gartenarbeit oder was immer dir Freude macht, lenken vom Rauchritual ab.

Wie lassen sich Rückfälle während des Nikotinentzugs vermeiden?

Zigaretten dauerhaft zu widerstehen, ist eine Herausforderung. Aber du schaffst das. Voraussetzung ist, dass du dich gut organisierst.

  • Ziele setzen: Mach dir einen klaren Plan. Sag nicht: Ich will mit dem Rauchen aufhören. Sag: Ich will mit dem Rauchen aufhören, um ein klares Ziel zu erreichen. Beispielsweise, um ohne Atemnot Treppen steigen zu können oder das Zigarettengeld für etwas Schönes zu sparen.
  • Termin festlegen: Nimm dir einen festen Zeitpunkt vor, um mit dem Rauchen aufzuhören. Wähle einen Zeitraum, bei dem du dich ruhig darauf konzentrieren kannst, beispielsweise im Urlaub. In Stressphasen mit dem Rauchen aufzuhören, ist unnötig herausfordernd.
  • Risiko analysieren: In welchen Situationen hast du bislang geraucht? Zum Kaffee, in der Raucherpause, bei Stress? Mach dir bewusst, dass bestimmte Umstände dich zum Rauchen verführen können – das macht den Verzicht leichter.
  • Aufräumen: Schaffe alles aus deiner Reichweite, was du mit dem Rauchen verbindest, etwa Feuerzeuge oder Aschenbecher. Selbst wenn kein Tabak im Haus wäre, könnten solche Utensilien unnötige optische Anreize fürs Craving bieten.
  • Verbündete suchen: Ob professionelle Beratung, Familie oder Freundeskreis, je mehr Unterstützerinnen und Unterstützer du mit ins Boot holst, desto besser.

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So gut tut deinem Körper der Rauchstopp!

Sobald du die kritische Phase der Entzugserscheinungen überwunden hast und Rückfälle vermeidest, verbessert sich dein Allgemeinzustand. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreichst du ab der letzten Zigarette zu folgenden Zeitpunkten gesundheitliche Meilensteine:

  • 20 Minuten: Angleichung von Blutdruck und Puls
  • Acht bis zwölf Stunden: Normalisierung des Sauerstoffspiegels im Blut
  • Zwei Wochen bis drei Monate: Kreislauf stabilisiert sich, Lungenfunktion bis zu 30 Prozent verbessert
  • Ein bis neun Monate: Flimmerhärchen (feine Härchen in der Lunge) regenerieren, reinigen die Lunge, Husten und Kurzatmigkeit nehmen ab
  • Ein Jahr: Risiko für Herzkrankheiten nur noch halb so hoch wie bei Rauchenden
  • Fünf bis fünfzehn Jahre: Schlaganfallrisiko so hoch wie bei Nichtrauchenden
  • Zehn Jahre: Lungenkrebsrisiko gegenüber einem Rauchenden halbiert, Risiko für weitere Krebsarten sinkt
  • Fünfzehn Jahre: Risiko für Herzkrankheiten beinahe auf dem Niveau von Menschen, die nie geraucht haben

Du wolltest rauchfrei werden und konntest dann doch nicht widerstehen? Das ist schade, aber auch nicht ungewöhnlich. Wichtig ist, dass du möglichst schnell einen neuen Anlauf nimmst. Lass dich von den Nikotin-Entzugserscheinungen nicht abschrecken. Die gesundheitlichen Vorteile nach dem Rauchstopp überwiegen und sind eine gute Motivation für einen erneuten Versuch.

Häufige Fragen zu Entzugserscheinungen von Nikotin

Welche Vorteile hat der Rauchstopp?

Wirkt sich der Rauchstopp positiv auf das Äußere aus?

Ist ein kalter Nikotinentzug gefährlich?

Wie lange ist man müde nach dem Nikotinentzug?

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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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