Lost-Penis-Syndrom – ist der Penis zu klein?

Lost Penis Syndrom: Frau und Mann unter einer Decke, Frau guckt traurig.

Ob Paare oder Singles – Sex mit einer tollen Person, auf die du so richtig abfährst oder in die du bis über beide Ohren verknallt bist, ist der absolute Jackpot. Jetzt stell dir mal vor, du hast so einen Menschen gefunden, aber trotz aller Liebe und Anziehung gibt es ein Problem: Ihr spürt beim Sex nichts. Wenn das der Fall ist, spricht man umgangssprachlich vom Lost-Penis-Syndrom. Was das überhaupt heißen soll, was die Ursachen sind, warum niemand Schuld hat und welche Stellungen euch helfen können, erfährst du im Folgenden.

Was ist das Lost-Penis-Syndrom?

Ein verlorener Penis … Was in den Ohren der meisten Männer wie ein wahr gewordener Albtraum klingt, bringt zum Ausdruck, dass beim Sex die Reibung zwischen Glied und Scheidenwand fehlt.

Männer berichten beim Lost-Penis-Syndrom von dem Eindruck, keinen Penis zu haben oder davon, ihren Penis nicht zu spüren. Frauen haben das Gefühl, dass der Penis des Partners gar nicht oder nur ein wenig in ihnen ist. Sie spüren ihn fast nicht. Die Folge: Der Sex ist für alle Beteiligten nicht gerade befriedigend. Das ist nicht nur eine Belastung für die Partnerschaft, sondern auch für die Psyche.

Urologe Volker Wittkamp erläutert mögliche Gründe dafür, warum ihr euch beim Sex nicht richtig spürt.

Lost-Penis-Syndrom: Penis zu klein oder Vagina zu groß?

Junge Männer landen hier schnell bei der Frage: „Ist mein Penis zu klein oder zu kurz?“ Oder: „Ist ihre Vagina vielleicht ausgeleiert?“

Tatsächlich liegt die Ursache für das Lost-Penis-Syndrom häufig bei der Frau, wenngleich es dem Namen nach wie ein Männerproblem klingt. Dazu eines vorneweg: Eine Vagina kann nicht ausleiern. Das Gerücht, dass das doch möglich ist, stammt vermutlich aus einem archaischen Keuschheitsgedanken, der Mädchen und Frauen vor zu viel Sex warnte. Was stimmt, ist, dass die Vagina durch Sex gedehnt wird. Das ist auch gut so, denn so kann sie sich (fast) jeder Penisgröße und Penisform anpassen. Nach dem Sex sorgen die Scheidenmuskeln dafür, dass sie sich wieder zusammenzieht. 

Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die Ursache für das Lost-Penis-Syndrom in den allermeisten Fällen eine krankhafte Veränderung des weiblichen Beckenbodens ist. Das kann angeboren sein oder beispielsweise durch eine starke Gewichtszunahme oder Hormone ausgelöst werden.

Medizinerinnen und Mediziner sprechen deshalb nicht vom  Lost-Penis-Syndrom, sondern von einer erweiterten Scheidenwand, einer Beckenbodenstörung oder auch Beckenbodensenkung. Anders sieht es im Internet aus. Suchst du in Foren, Chatgruppen oder in sozialen Medien nach dem Phänomen, findest du kaum einen anderen Begriff dafür.

Lost-Penis-Syndrom – die Ursachen beim Mann

Auch wenn häufig eine Erkrankung oder Veränderung bei der Frau das Lost-Penis-Syndrom verursacht, gibt es Auslöser auf der männlichen Seite. Aber: Es liegt sehr selten daran, dass der Penis zu klein ist.

Wann ist ein Penis zu klein?

Dass der eigene Penis zu klein ist – genau davor haben viele Männer und Jungs besondere Angst. Was ist denn eigentlich „zu klein“? Werfen wir einen Blick auf einige Zahlen, um die Penisgröße besser einordnen zu können: In Ecuador misst der Durchschnittspenis 17,61 cm im erigierten Zustand. Die Kambodschaner hingegen brauchen deutlich kleinere Kondome beim Safer Sex. Bei ihnen hat der Durchschnittspenis eine erigierte Länge von 10,04 cm. In Deutschland ist der Durchschnittsmann mit einem erigierten 14,52-Zentimeter-Penis bestückt. Im schlaffen Zustand ist der Penis der deutschen Männer durchschnittlich 8,6 cm lang.

Wenn du auf deinen Penis schaust und im schlaffen Zustand denkst, er sei zu klein, hat das oft mit dem Unterschied zwischen Fleisch- und Blutpenis zu tun. Ein Fleischpenis ist im nicht erigierten Zustand schon fast so groß wie im erigierten. Das einschießende Blut bei der Erregung macht ihn hart, aber nicht mehr sehr viel größer. Beim Blutpenis ist das anders. Er ist im schlaffen Zustand klein. Erst das einfließende Blut sorgt dafür, dass er auf seine maximale Größe anwächst. Im steifen Zustand erkennt niemand einen Größenunterschied zwischen Fleisch- und Blutpenis.

Aber es gibt auch den Mikropenis. Darunter versteht man einen angeborenen, ungewöhnlich kleinen Penis. Bei Männern liegt die Latte für einen Mikropenis bei 7 cm, wenn dieser erigiert ist. Alle Funktionen sind wie bei einem größeren Glied. Die kleine Größe kann aber dazu führen, dass damit eine Vagina nicht ausreichend stimuliert werden kann. Auch so kann das Lost Penis Syndrom zustande kommen.

Sexuelle Aufklärung mit Doktorsex

Julia Salinger und Volker Wittkamp (v.li.)

Julia Saliger und Volker Wittkamp

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Erektile Dysfunktion

Als Ursache für das  Lost-Penis-Syndrom gilt auch, wenn der Penis nicht ausreichend steif wird. Das nennen medizinische Fachkräfte erektile Dysfunktion. Es bedeutet, dass der Penis entweder zu Beginn nicht steif wird oder beim Sex nicht steif bleibt. Daraus resultiert, dass er entweder zu klein und /oder zu weich ist, um die Vagina zu stimulieren. Gründe für eine erektile Dysfunktion gibt es einige:
  • Durchblutungsstörungen
  • Diabetes
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Stress
  • Leistungsdruck
  • Konflikte in der Partnerschaft

Was tun, wenn ich beim Sex nichts spüre?

Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Sex kann eine Quelle für Freude, Lust, Wohlbefinden und Intimität sein. Leider klappt es im Bett nicht immer so, wie wir es uns vorstellen. Probleme beim Sex verunsichern nicht nur junge Menschen. Auch älteren fällt es manchmal schwer, mit Arzt, Ärztin, Partner oder Partnerin darüber zu sprechen. Das Lost-Penis-Syndrom kann dich verwirren und sogar frustrieren. Das ist verständlich. Wichtig ist: Niemand hat Schuld. 

Bitte hab keine Scheu davor, wegen Sexproblemen medizinisches Fachpersonal aufzusuchen. Oft hindert uns ein falsches Schamgefühl daran, wegen einer sexuellen Dysfunktion zum Arzt oder zur Ärztin gehen. Dabei können Gynäkologinnen und Urologen beim LPS helfen – und damit auch dein Sexleben verbessern.

Lost-Penis-Syndrom: Was tun bei Orgasmusproblemen? 

Orgasmusprobleme kommen beim Lost-Penis-Syndrom leider häufiger vor. Durch den geringen bis keinen Kontakt des Penis mit der Scheidenwand entsteht keine Reibung. Ohne diese Stimulation empfinden vermutlich beide den Sex kaum bis nicht lustvoll. Das heißt, ohne zusätzliche Stimulation mit der Hand oder dem Mund ist der Orgasmus für beide Partner schwer erreichbar.

Kostenübernahme bei Verhütungsmitteln

Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen wir die Kosten für dein Verhütungsmittel.

Lost-Penis-Syndrom behandeln 

Liegt die Ursache in einem Erektionsproblem beim Mann, kann dieser durch weniger Alkohol, Zigaretten oder Stress einiges bewirken. Auch Sexspielzeuge wie ein Penisring helfen, die Erektion zu verstärken und zu verlängern. Frauen können mit gezieltem Beckenbodentraining etwas gegen das Lost-Penis-Syndrom unternehmen. Und eine Sache kann ebenfalls bei der Problemlösung helfen – miteinander reden. Tausche dich mit deiner Partnerin oder deinem Partner aus. Redet über die Standfestigkeitsprobleme und versucht, sie mit Liebe, Verständnis und Zuneigung zu lösen.

Was sind die besten Stellungen, um dem Lost-Penis-Syndrom zu trotzen?

Zuerst – das Liebesspiel ist mehr als rein und raus. Befriedige deine Partnerin oder deinen Partner mit der Hand, dem Mund oder einem spannenden Sexspielzeug. Erkundet so gemeinsam eure erogenen Zonen. Da auch die Klitoris, die Brustwarzen und viele andere Stellen eurer Körper entdeckenswert sind, sollte das Lost-Penis-Syndrom kein Hindernis beim Sex sein, sondern eine Möglichkeit, eure Spielarten zu erweitern.

Es gibt drei bekannte Sexstellungen, die bei einem Lost Penis Syndrom anregend wirken können.

  • Der Schieber: Die Frau liegt hier mit angewinkelten Beinen auf der Seite. Sie hebt das obere Bein in einem 90-Grad-Winkel an. Nun kniet sich der Mann direkt zwischen ihre Beine. Ihr werdet merken, dass bei dieser Stellung die Vagina schmaler wird und Mann und Frau mehr spüren.
  • Doggystyle – die Hündchenstellung: Die Frau kniet auf allen vieren. Der Mann kann so kniend von hinten in sie eindringen. Die Vagina wird hier angenehm verengt und stimuliert und der Mann kann besonders tief eindringen.
  • Die Wippe: Dabei liegt der Mann auf dem Rücken. Die Frau sitzt auf ihm. Ihre Knie zeigen zur Decke. Sie wippt langsam vor und wieder zurück. Der Penis dringt hier besonders tief ein und kann auch nicht so einfach wieder herausrutschen.

Fazit

Das Lost-Penis-Syndrom bedeutet, dass zwischen Penis und Vagina (fast) keine stimulierende Reibung beim Sex entsteht. Das ist aber kein Weltuntergang. Es gibt viele verschiedene Ansatzpunkte, dennoch ein erfülltes Sexualleben zu genießen. Manchmal ist das LPS nur temporär. In anderen Fällen kann ärztliche Hilfe lohnend und problemlösend sein. Auf jeden Fall ist es wichtig, das LPS nicht unter den Teppich zu kehren.

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.
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