Gehirnerschütterung: Symptome erkennen und richtig behandeln

Ein Sturz, ein Zusammenprall beim Sport oder ein Stoß gegen den Kopf: Eine Gehirnerschütterung kann schnell passieren. Nicht immer zeigen sich die Symptome sofort. Hier erfährst du, woran du eine Gehirnerschütterung erkennst, wann ärztliche Hilfe nötig wird und was bei der Genesung wichtig ist.
Was ist eine Gehirnerschütterung?
Medizinerinnen und Mediziner sprechen bei einer Gehirnerschütterung von einer Form des leichten Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Das Gehirn ist im Schädel gut geschützt, denn es ist vom sogenannten Nervenwasser (Liquor) umgeben, das normale Bewegungen und leichte Erschütterungen abfedert.
Bei einem heftigen Stoß, einem Aufprall oder einer ruckartigen Bewegung des Kopfes kann sich das Gehirn innerhalb des Schädels stärker bewegen und gegen die Schädelwand stoßen. Das kann die Gehirnfunktion vorübergehend beeinträchtigen. In den meisten Fällen erholt sich das Gehirn aber wieder vollständig.
Häufige Ursachen für eine Gehirnerschütterung sind:
- Stürze im Alltag
- Sportverletzungen, zum Beispiel beim Fußball, Handball, Eishockey oder Boxen
- Fahrrad- und Verkehrsunfälle
- Arbeits- oder Haushaltsunfälle
- Schläge oder andere starke Stöße gegen den Kopf
Gehirnerschütterungen gehören zu den häufigen Kopfverletzungen. Mehr als 200.000 Menschen werden in Deutschland jedes Jahr mit einer Gehirnerschütterung stationär behandelt. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, lässt sich nur schwer abschätzen, weil längst nicht alle nach einer Kopfverletzung ärztliche Hilfe suchen.
Welche Symptome treten bei einer Gehirnerschütterung auf?
Zu den typischen Anzeichen einer Gehirnerschütterung gehören:
- Kopfschmerzen
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Seh- oder Hörstörungen
- Benommenheit oder Verwirrtheit
- Orientierungs- und Konzentrationsprobleme
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Reizbarkeit oder andere Veränderungen der Stimmung
- kurze Bewusstlosigkeit
- Erinnerungslücken rund um das Geschehen
Gut zu wissen: Eine Gehirnerschütterung ist nicht immer sofort zu erkennen. Sie kann auch ohne Bewusstlosigkeit oder sichtbare Verletzung vorliegen. Manche Anzeichen wirken vielleicht zunächst harmlos oder treten erst später auf. Nimm Beschwerden nach einer Kopfverletzung deshalb ernst. Eine Gehirnerschütterung zählt zwar zu den leichten Schädel-Hirn-Traumata, sollte aber ärztlich abgeklärt werden. Dadurch lassen sich schwerere Kopfverletzungen ausschließen.
K.E.K.S.-Test zur ersten Orientierung
Eine erste Orientierung nach einer Kopfverletzung bietet der K.E.K.S.-Test der „ZNS-Stiftung - Hilfe für Menschen mit Schädelhirntrauma“. Die Abkürzung K.E.K.S. steht für:
Kopfschmerzen,
Empfindlichkeit,
Konzentration und
SchlafBeobachte also nach einer Kopfverletzung, ob unmittelbar danach oder auch zeitversetzt Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit auftreten. Nimm ebenso wahr, ob du ungewöhnlich gereizt oder empfindlich reagierst, dich schlechter konzentrieren kannst oder sich dein Schlaf verändert hat.
Stellst du eines oder mehrere dieser Symptome bei dir fest, solltest du ärztlichen Rat einholen. Such auch dann eine Praxis auf, wenn du dich nach dem Sturz, Stoß oder Unfall allgemein unwohl fühlst.
Warnsignale nach einer Kopfverletzung
Bestimmte Beschwerden können auf eine schwerere Kopfverletzung oder Komplikation hindeuten, die lebensgefährlich sein könnte. Achte besonders auf folgende Symptome:
- Schlimmer werdende oder sehr starke Kopfschmerzen
- Wiederholtes Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit
- Starke oder zunehmende Schläfrigkeit
- Krampfanfälle
- Lähmungserscheinungen oder ausgeprägte Schwäche
- Probleme beim Sprechen oder Sehen
- Erinnerungslücken oder zunehmende Verwirrtheit
- Unterschiedlich große Pupillen
- Blut oder klare Flüssigkeit aus Nase oder Ohr
Treten diese Beschwerden nach einer Kopfverletzung auf, ist sofort medizinische Hilfe nötig. Wähle in so einem Fall den Notruf 112.
Wie wird eine Gehirnerschütterung ärztlich festgestellt?
Um eine Gehirnerschütterung zu diagnostizieren, werden die Symptome und der Unfallhergang erfragt sowie verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Zunächst möchte die Ärztin oder der Arzt deshalb wissen, wie deine Kopfverletzung passiert ist und welche Beschwerden du seitdem hast. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob du kurz bewusstlos warst, Erinnerungslücken hast oder unter Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit leidest.
Anschließend folgt eine neurologische Untersuchung. Dabei werden unter anderem dein Bewusstsein und deine Orientierung, die Pupillenreaktion, das Gleichgewicht und die Reflexe überprüft. Zur Einschätzung des Schweregrads kann zusätzlich die Glasgow Coma Scale (GCS) zum Einsatz kommen. Das ist eine Standardmethode, um den Bewusstseinszustand nach einer Kopfverletzung zu bewerten. Es werden drei Bereiche betrachtet: das Augenöffnen, die sprachliche Reaktion und die motorische Reaktion (Bewegung).
Ist eine Gehirnerschütterung im CT sichtbar?
Eine Gehirnerschütterung lässt sich in der Regel nicht anhand einer CT-Aufnahme feststellen. Eine Computertomografie kann jedoch notwendig sein, wenn deine Beschwerden oder andere Anzeichen auf eine schwerere Kopfverletzung hindeuten.
Selten kann es nach einer Gehirnerschütterung zu einer Hirnblutung kommen. Je nach Befund kann es deshalb notwendig sein, dass du nach der Kopfverletzung zunächst weiter im Krankenhaus beobachtet wirst. Wenn du anschließend nach Hause darfst, solltest du in der ersten Zeit nicht allein bleiben und ein Telefon in Reichweite haben. Verschlechtert sich dein Zustand, kannst du oder deine Begleitperson schnell medizinische Hilfe rufen.
Wie wird eine Gehirnerschütterung behandelt?
Nach einer Gehirnerschütterung sind körperliche und geistige Ruhe wichtig. Vermeide in der ersten Zeit größere Anstrengungen und Aktivitäten, etwa:
- längere Bildschirmzeiten am Handy, Tablet oder Fernseher
- laute Musik und andere intensive äußere Reize
- Lernen oder konzentriertes Arbeiten
- Sport und andere körperlich anstrengende Aktivitäten
Nach etwa ein bis drei Tagen kannst du leichte Tätigkeiten wieder aufnehmen, sofern deine Beschwerden es zulassen. Ein kurzer Spaziergang oder einfache Aufgaben im Haushalt eignen sich für den Einstieg. Steigere die Belastung anschließend Schritt für Schritt und achte darauf, wie du dich dabei fühlst.
Wann kann ich nach einer Gehirnerschütterung wieder Sport machen?
Das richtige Maß spielt auch bei Schule, Studium oder Beruf eine Rolle. Fachleute sprechen hier von Pacing: Passe deine Aktivitäten und die Belastung an deine Beschwerden und deinen Zustand an. Steigere die Belastung anschließend Schritt für Schritt.
Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache
Medikamente können akute Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit lindern. Gegen Kopfschmerzen kommt zum Beispiel Paracetamol infrage. Bei Übelkeit oder Erbrechen kann die Ärztin oder der Arzt geeignete Medikamente verschreiben. Welche Medikamente für dich geeignet sind, solltest du nach einer Kopfverletzung ärztlich oder in der Apotheke abklären.
Welche Langzeitfolgen sind nach einer Gehirnerschütterung möglich?
Bei den meisten Menschen klingen die Beschwerden nach einigen Tagen oder Wochen wieder ab. Nach ein bis drei Monaten ist ein Großteil der Menschen mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma wieder symptomfrei. Bleibende Schäden sind nach einer Gehirnerschütterung normalerweise nicht zu erwarten.
Manche Betroffene haben jedoch noch über mehrere Wochen gesundheitliche Probleme, was häufig als Post-Concussion-Syndrom bezeichnet wird. Mögliche längerfristige Folgen sind:
- Kopfschmerzen und Übelkeit
- Müdigkeit und Schlafstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Antriebslosigkeit
- Ängstlichkeit und Reizbarkeit
Hilfe bei anhaltenden Problemen
Halten deine Beschwerden länger an, solltest du sie erneut ärztlich abklären lassen. Je nach Symptomen kommt oft eine Kombination aus Physiotherapie bei Schwindel oder Nackenschmerzen und Ergotherapie bei Konzentrationsproblemen infrage. Wichtig ist außerdem, dass du deinen Körper weiterhin schonst.
Welche Behandlung für dich geeignet ist, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wie kann ich einer Gehirnerschütterung im Alltag vorbeugen?
Eine Gehirnerschütterung lässt sich nicht immer verhindern. Du kannst das Risiko für Kopfverletzungen und Stürze aber senken. Zum Beispiel, wenn du auf Folgendes achtest
- Beseitige zu Hause Stolperfallen wie lose Teppiche oder herumliegende Kabel.
- Nutze daheim nur geprüfte Leitern und vermeide Hocker und Stühle als Steighilfe.
- Halte dich im Straßenverkehr an die Verkehrsregeln und schnalle dich im Auto an.
- Trage einen geeigneten Helm beim Fahrradfahren, Inlineskaten und auf E-Scootern.
- Nutze beim Sport die empfohlene Schutzausrüstung, achte auf Fair Play und handle vorausschauend, um Zusammenstöße möglichst zu vermeiden.
- Regelmäßige Bewegungs- und Koordinationsübungen können besonders im Alter helfen, Kraft und Gleichgewicht zu verbessern und Stürzen vorzubeugen.
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