Inkontinenz beim Mann: Ursachen erkennen und Beschwerden wirksam behandeln

Inkontinenz beim Mann: Älterer Mann macht Dehnübungen in Sportkleidung an einer Straße.

Wenn die Kontrolle über Blase oder Darm nachlässt, kann das viele Männer stark verunsichern. Auch wenn es schwerfällt, darüber zu sprechen: Inkontinenz ist kein Grund, sich zu schämen. In vielen Fällen ist sie gut behandelbar. Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lässt sie sich therapieren.

Ursachen und Anzeichen: Warum die Blasen- oder Darmkontrolle nachlässt

Inkontinenz beim Mann bezeichnet den unwillkürlichen Verlust von Urin oder Stuhl aufgrund einer gestörten Kontrolle über die entsprechenden Schließmuskel- oder Organsysteme. Ob Harn- oder Stuhlinkontinenz – beide Formen treten gehäuft im Alter, nach Operationen im Beckenbereich oder infolge chronischer Erkrankungen auf. 

Bei der Harninkontinenz steht oft die Prostata im Fokus, zum Beispiel nach Operationen oder durch gutartige Vergrößerung. Die Stuhlinkontinenz wird häufig durch Eingriffe am Enddarm, Schließmuskelschwächen oder chronische Darmleiden begünstigt. 
Sowohl bei der Blase als auch beim Darm spielt das Nervensystem eine wichtige Rolle. Krankheiten wie Parkinson, Multiple Sklerose oder ein Schlaganfall können diese Steuerung stören. Auch Diabetes oder die Einnahme bestimmter Medikamente haben manchmal Einfluss darauf. Zudem gibt es Faktoren im Lebensstil, die das Risiko erhöhen können – dazu gehören vor allem starkes Übergewicht, Rauchen und zu wenig Bewegung.
Oft wirken mehrere Faktoren zusammen. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um die genaue Ursache zu finden und gezielt zu behandeln.

Typische Anzeichen von Inkontinenz 

Inkontinenz beim Mann beginnt oft schleichend. Anzeichen sind zum Beispiel: 

  • Bei der Blase: Ungewollter Urinverlust bei Belastung (Husten, Niesen, Heben), plötzlicher, starker Harndrang sowie das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung.
  • Beim Darm: Unfähigkeit, Winde oder Stuhl kontrolliert zurückzuhalten, sowie ungewollter Stuhlabgang bei körperlicher Anstrengung.

So wird Inkontinenz beim Mann festgestellt

Der erste Schritt kostet Überwindung, ist aber wichtig, um Ihre Lebensqualität zurückzugewinnen. In einem vertraulichen Gespräch nimmt sich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Zeit, um mit Ihnen gemeinsam die Ursachen zu finden. Je nach Form der Inkontinenz sind später unterschiedliche Fachdisziplinen, wie die Urologie oder Proktologie gefragt. Für die Diagnose gibt es unterschiedliche Methoden:

  • Urin- und Stuhlanalyse: um Entzündungen oder Fehlbesiedlungen auszuschließen
  • Ultraschall: von Blase und Prostata sowie ggf. Endosonografie (Ultraschall des Enddarms)
  • Funktionstests: Messung des Restharns in der Blase oder eine Druckmessung des Schließmuskels am After (Anorektale Manometrie)
  • Spiegelungen: Blasenspiegelung (Zystoskopie) oder Enddarmspiegelung (Proktoskopie), um Gewebeveränderungen zu erkennen

Dokumentation und Spezialuntersuchungen

Ein Miktions- oder Stuhlprotokoll ist für beide Formen wichtig, um Trinkmengen, Toilettengänge und unwillkürliche Abgänge über mehrere Tage zu dokumentieren. Eine Vorlage für ein Toiletten- und Trinkprotokoll finden Sie auf den Seiten der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Bei Verdacht auf neurologische Ursachen oder Stoffwechselstörungen werden zudem die Nervenfunktion geprüft und Bluttests durchgeführt.
Ziel der Untersuchung ist es, die genaue Ursache und die Art der Inkontinenz zu bestimmen – nur so lässt sich eine individuell passende Therapie planen.

Die verschiedenen Formen der Inkontinenz im Überblick

Jeder Mann erlebt die Beschwerden anders. Um die für Sie bestmögliche Linderung zu finden und die Art der Inkontinenz herauszufinden, hilft eine genaue Unterscheidung der Symptome. Folgende Formen der Inkontinenz werden unterschieden:

  • Belastungsinkontinenz: Urin- oder Stuhlverlust bei körperlicher Anstrengung (Husten, Heben, Sport) durch einen geschwächten Schließmuskel, oft nach Operationen im Beckenraum.
  • Dranginkontinenz: Plötzlicher, kaum kontrollierbarer Drang, bei dem die Toilette nicht rechtzeitig erreicht wird. Ursachen sind oft eine überaktive Blase oder ein gereizter Darm.
  • Mischinkontinenz: Eine Kombination aus Belastungs- und Drangbeschwerden.
  • Überlaufinkontinenz: Die Blase entleert sich nicht vollständig zum Beispiel bei einer Prostatavergrößerung - und „läuft über“, was zu ständigem Nachträufeln führt.
  • Reflexinkontinenz: Unkontrollierte Entleerung ohne vorheriges Dranggefühl aufgrund von Nervenschäden, zum Beispiel bei Multipler Sklerose (MS) oder Parkinson.
  • Sensorische Inkontinenz: Betroffene spüren nicht mehr, ob der Enddarm voll ist oder ob es sich um Gase oder Stuhl handelt.
  • Extraurethrale/Fisteln: Urin oder Stuhl tritt über krankhafte Verbindungsgänge (Fisteln) an der Harnröhre oder dem After vorbei aus.

Behandlung und Hilfsmittel: Effektive Unterstützung für Ihren Alltag

Der erste und wichtigste Schritt ist das Gespräch mit der Hausärztin, dem Urologen oder einem Proktologen. Steht die Diagnose fest, richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Wichtig ist dabei eine Behandlung, die den ganzen Menschen im Blick hat – körperlich, seelisch und im Alltag. Zu den Möglichkeiten eines solchen ganzheitlichen Therapieansatzes gehören verschiedene Bausteine.
  • Beckenboden- und Schließmuskeltraining, das die Muskulatur für Blase und Darm stärkt.
  • Physiotherapie hilft, die Muskulatur bewusst zu steuern und die Kontrolle über den Urin- bzw. Stuhlabgang zu verbessern.
  • Ernährungsanpassung, zum Beispiel bei Stuhlinkontinenz, um die Konsistenz zu optimieren.
  • Medikamente regulieren den Harndrang, verbessern den Harnfluss oder beeinflussen die Darmtätigkeit.
  • Entspannungstechniken unterstützen den Therapieerfolg, besonders bei nervöser Blase oder gereiztem Darm.
  • Operative Verfahren kommen zum Einsatz, wenn konservative Methoden nicht ausreichen, zum Beispiel künstliche Schließmuskeln oder Band-Operationen.

Hilfsmittel und Unterstützung im Alltag

Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die Männern mit Inkontinenz Sicherheit geben und den Alltag spürbar erleichtern können. Dazu gehören:

  • Saugende Produkte, wie spezielle Einlagen, Vorlagen oder Pants, die es in anatomischen Passformen für Urin- oder Stuhlverlust gibt.
  • Ableitende Systeme und barrierebildende Systeme, wie Katheter oder Urinalkondome sowie Analtampons oder Irrigationssysteme.

Viele Produkte werden bei ärztlicher Verordnung von der Krankenkasse übernommen. Versicherte ab 18 Jahren zahlen eine gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten, maximal 10 Euro pro Monat. 

Biofeedback und Elektrostimulation

Auch technische Hilfsmittel wie Biofeedback- oder Elektrostimulationsgeräte können nach ärztlicher Rücksprache unterstützend eingesetzt werden. Sie führen in der Regel nicht allein zum dauerhaften Rückgang der Inkontinenz und sind unter anderem nicht geeignet bei Herzschrittmachern, akuten Infekten oder strukturellen Ursachen, die einen chirurgischen Eingriff erfordern. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin berät Sie dazu und weist Sie in die Geräte ein.

Gezieltes Beckenbodentraining: So stärken Männer ihre Muskulatur

Grundsätzlich können Männer ähnliche Übungen wie Frauen durchführen, da die Beckenbodenmuskulatur bei beiden Geschlechtern eine ähnliche Funktion hat: Sie stützt die Organe und sichert den Verschluss von Blase und Darm.

Allerdings sollten anatomische Unterschiede berücksichtigt werden: Männer haben eine längere Harnröhre und eine Prostata, weshalb Übungen gezielt auf den äußeren Schließmuskel und den tiefen Beckenboden ausgerichtet sein sollten. Besonders nach Prostataoperationen sind spezielle, auf Männer zugeschnittene Programme üblich.

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Typische Beckenbodenübungen für Männer

  • Wahrnehmung (vorderer Bereich): Tun Sie im Sitzen so, als wollten Sie die Harnröhre verschließen. Wichtig: Führen Sie dies niemals beim eigentlichen Wasserlassen durch, da dies die Blasenentleerung stören kann.
  • Wahrnehmung (hinterer Bereich): Spannen Sie den Muskel um den After an, als wollten Sie Winde oder Stuhl zurückhalten. Spüren Sie, wie sich der Bereich leicht nach innen oben liftet.
  • Anspannen & Entspannen: Den Beckenboden schrittweise (wie ein Lift) anspannen, 5–10 Sekunden halten und bewusst wieder lösen. 10 Wiederholungen, mehrmals täglich.
  • In den Alltag einbauen: Den Beckenboden vor dem Husten, Niesen oder Heben anspannen, um plötzlichen Druck auf Blase und Darm abzufangen.

Allgemein gilt: Lassen Sie sich die Übungen von einer spezialisierten Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten zeigen und bleiben Sie geduldig mit sich. Kleine, regelmäßige Schritte bringen oft mehr als große Vorsätze.

Unterstützung und Beratung

Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung anzunehmen. Sie sind mit dem Thema nicht allein. Viele Männer erleben durch die richtige Behandlung spürbare Verbesserungen. Dafür ist die Beratung durch Spezialisten wichtig. Nutzen Sie zum Beispiel die Fachexpertensuche der Deutschen Kontinenz Gesellschaft (DKG), um qualifizierte Ärzte und Ärztinnen in Ihrer Nähe zu finden. Darüber hinaus können Ihnen Selbsthilfegruppen wertvolle Unterstützung, Austausch und Orientierung bieten.

Mehr Informationen zum Thema Inkontinenz und was man dagegen tun kann, finden Sie auch in unserem Interview „Inkontinenz ist kein unabwendbares Schicksal“ mit Professor Dr. med. Christl Reisenauer, der 2. Vorsitzenden der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. 

Informationen der Deutschen Kontinenzgesellschaft: 

Spezialisierte Physiotherapie-Praxen:

Selbsthilfegruppen:

Was Sie selbst tun können

Nicht alle Formen lassen sich verhindern, aber Männer können selbst einiges tun, um das Risiko für Inkontinenz zu senken und ihre Gesundheit aktiv zu unterstützen. 

Präventionskurse

Wir helfen dabei, etwas für die Gesundheit zu tun - und bezuschussen Kurse zur Entspannung, Ernährung und Bewegung.

  • Regelmäßiges Beckenbodentraining: Auch in jungen Jahren stärkt es den Verschluss von Blase und Darm.
  • Ausreichend Bewegung und gesundes Gewicht: Reduziert den Druck auf den Beckenboden und die inneren Organe.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Beugt Verstopfung vor. Starkes Pressen beim Stuhlgang ist eine der Hauptursachen für eine Schwächung des Beckenbodens und Schließmuskels.
  • Ausgewogene Flüssigkeitszufuhr: Fördert eine gesunde Blasenfunktion und eine geschmeidige Stuhlkonsistenz.
  • Verzicht auf Rauchen: Chronischer Raucherhusten belastet den Beckenboden massiv.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Kaffee, Alkohol und sehr scharfe Speisen können sowohl die Blase als auch den Darm reizen und den Harndrang verstärken.
  • Frühzeitige ärztliche Abklärung: Bei ersten Veränderungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang sowie bei Prostatabeschwerden.

Häufige Fragen zu Inkontinenz beim Mann

Was kann man bei Demenz und Inkontinenz tun?

Welche Form der Inkontinenz beim Mann ist am häufigten?

Ist Inkontinenz beim Mann heilbar?

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