Endometriose am Darm: Symptome erkennen und behandeln

Viele Menschen mit Endometriose berichten über Darmbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung, Durchfall oder Schmerzen beim Stuhlgang. Solche Beschwerden können durch Endometrioseherde am Darm entstehen, kommen jedoch auch bei Endometriose ohne direkte Darmbeteiligung vor. Hier erfährst du, welche Symptome auf Darmendometriose hinweisen können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Kann Endometriose den Darm betreffen?
Eine Endometriose des Darms ist symptomatisch und diagnostisch nicht so leicht von einer Endometriose ohne direkte Darmbeteiligung abzugrenzen. Das liegt zum einen daran, dass die Symptome ähnlich sind. Zum anderen daran, dass kleine endometriumähnliche Gewebestrukturen am Darm in der Diagnostik nicht leicht zu finden.
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Endometriose und Darm: Wechselwirkungen verstehen
Darmbeschwerden gehören zu den häufigsten Begleitsymptomen der Endometriose – egal, ob direkt am Darm Endometrioseherde bestehen oder nicht. Doch warum reagiert der Darm bei Endometriose oft besonders empfindlich? Das liegt zum einen an der direkten Nachbarschaft von Gebärmutter, Eierstöcken sowie Dick- und Dünndarm. Zwischen den unterschiedlichen Gewebestrukturen kann es zu Verwachsungen kommen, die zyklusabhängig Beschwerden auslösen können.
Formen der Endometriose am Darm
Bei der Darmendometriose wachsen Endometrioseherde in das Darmgewebe ein und verursachen meist zyklisch auftretende Darmbeschwerden. Grundsätzlich unterscheidet man die Formen der Endometriose am Darm nach ihrer Lokalisation und ihrer Ausbreitungsform.
Die häufigste Form ist die Endometriose am Enddarm und Rektum. In diesem Fall wachsen die Endometrioseherde am und rund um den Enddarm. Das kann zu Verengungen führen. Laut der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose weisen ungefähr 26 Prozent der Patientinnen mit Rektumendometriose eine solche Verengung (Stenose) auf. In der Folge kommt es zu chronischer Verstopfung mit festem Stuhl sowie Schmerzen.
Ist die Darmschleimhaut von Endometriose betroffen, kann das zyklusabhängig zu Blut im Stuhl führen. Solche Fälle sind allerdings selten. Blut im Stuhl kann auch andere Ursachen haben, etwa Hämorrhoiden, Fissuren oder Polypen, und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Wachsen die Endometrioseherde zwischen Rektum und Vagina, so nennt man das „rektovaginale Endometriose“. Sie kann Schmerzen beim Stuhlgang, tief sitzende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und auch starke Regelschmerzen verursachen. Dazu können Endometrioseherde, Vernarbungen, Verwachsungen, Entzündungsreaktionen und eine erhöhte Empfindlichkeit der umliegenden Nerven und Muskeln beitragen.
Sehr selten tritt Endometriose am Dünndarm auf. Die dadurch verursachten Beschwerden wie Durchfall, Krämpfe oder Verstopfung lassen sich oft lange keiner Krankheit zuordnen. Erst wenn die Endometrioseherde zum Beispiel im Rahmen einer Operation entdeckt werden, wird deutlich, was die Symptome verursacht hat.
Wie äußert sich Endometriose am Darm?
Beschwerden bei Endometriose können einem Reizdarmsyndrom ähneln. Beide Erkrankungen können außerdem gleichzeitig auftreten. Ein Hinweis auf Endometriose sind insbesondere Beschwerden, die wiederholt im Zusammenhang mit der Menstruation auftreten, etwa Schmerzen beim Stuhlgang. Solche Zusammenhänge mit dem Zyklus erhöhen den Verdacht auf Endometriose; sie sind aber nicht bei allen betroffenen Frauen auszumachen.
Wenn du die folgenden Symptome bei dir beobachtest, ist die Abklärung einer möglichen Endometriose mit Darmbeteiligung ratsam:
- Blähungen und „Endobelly“: Endometriose kann dazu führen, dass der Bauchumfang sichtbar zunimmt. Bei einigen Betroffenen kann sich das während der Menstruation verstärken.
- Verstopfung oder erschwerte Darmentleerung: Die Beschwerden können sich vor und während der Menstruation verstärken. Ursächlich dafür können Entzündungsreaktionen, Schmerzen, eine Einengung der Darmwand, eine veränderte Darmbeweglichkeit oder eine verspannte Beckenbodenmuskulatur sein.
- Durchfall: Bei manchen Betroffenen wechseln sich Verstopfung und Durchfall ab. Das gilt jedoch nicht als typisch und auch Zeitpunkt und Verlauf sind sehr individuell und folgen auch keinem Zyklusmuster.
- Schmerzen beim Stuhlgang: In bestimmten Phasen deines Zyklus leidest du unter einem anhaltenden Gefühl, aufs Klo zu müssen. Auch Krämpfe, Unterleibsschmerzen nach dem Stuhlgang, Brennen und starker Druck im Bereich des Enddarms treten auf.
- Völlegefühl, Übelkeit und Appetitlosigkeit können begleitend auftreten, diese Beschwerden gelten aber als unspezifisch. Erbrichst du wiederholt, hast einen stark geblähten Bauch und heftige kolikartige Schmerzen, solltest du das ärztlich abklären lassen.
- Rückenschmerzen: Betroffen ist vor allem dein unterer Rücken. Die Schmerzen treten zyklusabhängig auf und sind während der Periode besonders stark.
Achtung: Bei Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust, Fieber, anhaltendem Erbrechen, stark zunehmenden Bauchschmerzen oder fehlendem Stuhlgang, solltest du sofort beziehungsweise zeitnah einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Solche Symptome können auf eine Darmverengung, einen Darmverschluss oder eine Darmlähmung (Ileus) hinweisen.
Wie wird Darmendometriose diagnostiziert?
Zur Abklärung einer möglichen Endometriose am Darm kommt eine Vielzahl von diagnostischen Verfahren zum Einsatz. Welche genau, hängt von der Art und Schwere deiner Beschwerden ab. Häufig werden basierend auf den ersten Ergebnissen weitere Diagnoseschritte eingeleitet. Eine erste Anlaufstelle kann deine gynäkologische oder hausärztliche Praxis sein.
Zur Diagnostik der Darmendometriose können verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen. Dein behandelnder Arzt oder deine behandelnde Ärztin entscheidet, welche nötig sind.
- Anamnese: In einem ersten Gespräch beschreibst du deine Beschwerden, seit wann und unter welchen Umständen sie auftreten, und beantwortest Fragen rund um deine Gesundheit.
- Tastuntersuchung: Bei der vaginalen und gegebenenfalls rektalen Untersuchung können schmerzhafte Verhärtungen oder Knoten, eine eingeschränkte Beweglichkeit der Beckenorgane und Veränderungen im Bereich zwischen Vagina und Enddarm auffallen. Ein normaler Tastbefund schließt Endometriose allerdings nicht aus.
- Ultraschall: Bei dem sogenannten transvaginalen Ultraschall wird der Schallkopf in die Vagina eingeführt. So lassen sich manchmal bereits Verwachsungen an der Darmwand erkennen. Für diese Untersuchung gibt es erfahrene Fachleute, zu welchen dich deine Arztpraxis eventuell überweisen wird.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ein Becken-MRT kann die Ausdehnung einer tief infiltrierenden Endometriose und die Beteiligung verschiedener Organe genauer erfassen, insbesondere wenn der Ultraschall unklar ist oder eine Operation geplant wird. Generell gelten ein spezialisierter transvaginaler Ultraschall und MRT je nach Lokalisation und Erfahrung der Untersuchenden als ähnlich leistungsfähig und ergänzen sich.
- Bauchspiegelung (Laparoskopie): Eine Bauchspiegelung kann zur Diagnose und gegebenenfalls gleichzeitig zur Behandlung eingesetzt werden. Sie ist nicht bei jeder betroffenen Person als erster Diagnoseschritt erforderlich. Auch ein unauffälliger Ultraschall oder ein unauffälliges MRT schließen insbesondere oberflächliche Endometriose nicht sicher aus.
- Darmspiegelung (Koloskopie): Durch eine Darmspiegelung können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Auch kann damit überprüft werden, ob es Endometrioseherde an der Darminnenwand gibt.
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Wie wird Endometriose am Darm behandelt?
Die konventionelle Therapie der Endometriose am Darm umfasst je nach Schwere der Erkrankung unterschiedliche Optionen:
- Osmotisch wirksame Abführmittel oder stuhlregulierende Maßnahmen helfen dabei, deinen Darminhalt weicher zu machen. So geht das Abführen bei einer Verstopfung leichter. Je weicher der Stuhl, desto geringer sind die Belastung und damit die Schmerzen beim Stuhlgang. Die Auswahl und Dosierung der Mittel solltest du aber mit einer Ärztin oder einem Apotheker absprechen, insbesondere bei Verdacht auf eine Darmverengung.
- Schmerztherapie: Schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkstoffe mit Ibuprofen oder Naproxen helfen dir gegen die akuten Schmerzen.
- Hormonelle Therapie: Hormonelle Therapien können die Menstruation und die hormonabhängige Aktivität der Endometriose unterdrücken und dadurch Schmerzen sowie zyklische Darmbeschwerden verringern. Sie entfernen bestehende Herde nicht und wirken in der Regel nur während der Anwendung.
- Operation: Eine Operation kommt insbesondere bei starken oder anhaltenden Beschwerden, relevanter Einengung des Darms, drohender Organbeeinträchtigung oder unzureichender Wirkung beziehungsweise Unverträglichkeit einer medikamentösen Therapie infrage. Die Entscheidung sollte in einem spezialisierten interdisziplinären Zentrum getroffen werden.
Was kann ich selbst bei Endometriose am Darm tun?
Begleitend zur Therapie kannst du noch weitere Maßnahmen in deinen Alltag einbinden:
- Ernährung bei Endometriose: Iss ausgewogen und beobachte mögliche Auslöser, um Darmbeschwerden zu reduzieren. Welche Lebensmittel vertragen werden, ist sehr unterschiedlich. Bei ausgeprägten Beschwerden kann eine qualifizierte Ernährungsberatung sinnvoll sein. Stark einschränkende Diäten solltest du nicht ohne fachliche Begleitung beginnen, da es ansonsten zu einem Nährstoffmangel kommen kann.
- Pro- und Präbiotika: Für Probiotika oder Präbiotika gibt es bisher keine ausreichende Evidenz, dass sie Endometriose oder Darmendometriose gezielt behandeln. Einzelne Präparate können bei bestimmten funktionellen Darmbeschwerden hilfreich sein. Ob oder wie Produkte wirken, ist sehr individuell.
- Hausmittel gegen Schmerzen: Wärme und Kräutertees mit Inhaltsstoffen wie Anis, Fenchel und Kümmel lindern Krämpfe und Bauchschmerzen vor und während der Menstruation.
- Bewegung und Entspannung: Regelmäßige, individuell angepasste Bewegung, Entspannungsverfahren und spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie können bei Schmerzen und Funktionsbeschwerden helfen. Je nach Befund steht dabei nicht nur Kräftigung, sondern häufig auch Entspannung und Koordination des Beckenbodens im Vordergrund. Gut zu wissen: Die Endometriose kann einen Einfluss auf deine Fruchtbarkeit haben. Mit einer geeigneten Behandlung ist es aber oft möglich, trotz Endometriose schwanger zu werden. Besprich deinen Kinderwunsch mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
Häufige Fragen zu Endometriose am Darm
Kommt es häufig zu Blut im Stuhl bei Endometriose am Darm?
Ist eine Darmendometriose gefährlich?
Erhöht eine Behandlung der Endometriose die Chancen, schwanger zu werden?
Fachbereich der DAK-Gesundheit




