Thüringen: 54 Prozent der älteren Beschäftigten wollen früher in Rente
DAK-Gesundheitsreport 2026 untersucht Rentenpläne und Krankenstand in Thüringen
Fehlzeiten steigen mit zunehmendem Alter deutlich: mit 66 Jahren liegt der Krankenstand im Schnitt bei 11 Prozent
DAK-Landeschef Kaiser setzt auf Werte und betriebliches Gesundheitsmanagement für lange Erwerbstätigkeit

Erfurt, 29. Juli 2026. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ab 50 Jahren in Thüringen will früher in Rente gehen. Bei denjenigen mit einer schlechteren Gesundheit sind es mit 78 Prozent deutlich mehr. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“ hervor. Dafür hat das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit den Krankenstand aller DAK-versicherten Beschäftigten in Thüringen analysiert und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Ein Kernergebnis: Ältere Beschäftigte sind seltener, aber im Schnitt länger krankgeschrieben. Ab Mitte 50 kommen auffällig viele Fehlzeiten dazu. Im Alter von 66 Jahren liegt der Krankenstand der Beschäftigten im Schnitt bei 11 Prozent. Über alle Beschäftigten ab 50 Jahren hinweg liegt Thüringen mit 8,4 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt (7,4 Prozent).
„Angesichts des Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, auf die Erfahrung und Kompetenz älterer Beschäftigter zu verzichten“, sagt Marcus Kaiser, DAK-Landeschef in Thüringen. „Der DAK-Gesundheitsreport zeigt jedoch, dass gesundes Arbeiten bis zur Rente für viele Menschen eine große Herausforderung ist. Viele ältere Beschäftigte erwägen einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben, weil die gesundheitlichen Belastungen zunehmen. Deshalb müssen Arbeitsplätze gesundheitsgerecht gestaltet und die Bedürfnisse älterer Beschäftigter stärker berücksichtigt werden. Wer länger arbeiten soll, muss auch die Voraussetzungen dafür vorfinden.“
Über die Hälfte der ab 50-Jährigen plant vorzeitigen Ruhestand
Eine Forsa-Umfrage für den DAK-Gesundheitsreport zeigt, dass 54 Prozent der Beschäftigten ab 50 Jahren in Thüringen einen vorzeitigen Renteneintritt planen. Damit liegt der Freistaat leicht über dem Bundesdurchschnitt. Über alle Altersgruppen hinweg denken 42 Prozent in Thüringen über einen früheren Ausstieg aus dem Erwerbsleben nach. 40 Prozent möchten bis zur gesetzlichen Rente arbeiten. zehn Prozent können sich vorstellen, darüber hinaus erwerbstätig zu bleiben. Ob Menschen länger arbeiten möchten, hängt maßgeblich von ihrer Gesundheit ab. Während 35 Prozent der Beschäftigten mit guter oder sehr guter Gesundheit einen Renteneintritt vor der gesetzlichen Altersgrenze in Betracht ziehen, liegt dieser Anteil bei Beschäftigten mit schlechterem Gesundheitszustand mit 78 Prozent deutlich höher.
Wertschätzung als wichtige Voraussetzung für längeres Arbeiten
Wer länger, motiviert und leistungsfähig arbeiten soll, braucht laut Report neben guten Arbeitsbedingungen vor allem mehr Wertschätzung. Für 50 Prozent der Befragten ab 50 Jahren ist dies eine wichtige Voraussetzung für ein längeres Erwerbsleben. 30 Prozent wünschen sich zudem eine stärkere Anerkennung ihres Erfahrungswissens. Damit gehört Wertschätzung zu den wichtigsten nicht-monetären Faktoren für eine längere Erwerbstätigkeit. Am häufigsten wünschen sich die Befragten jedoch eine höhere Bezahlung (51 Prozent). Mehr betriebliche Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit empfinden 41 Prozent als wichtig, gefolgt von der Anpassung des Arbeitsumfangs an ihre individuellen Bedürfnisse (39 Prozent).
Beschäftigte ab 50 seltener, aber länger krankgeschrieben
Laut DAK-Gesundheitsreport schätzen ältere Beschäftigte in Thüringen ihre Leistungsfähigkeit als sehr hoch ein und sind seltener krankgeschrieben als jüngere. Beschäftigte ab 50 Jahren kamen im Jahr 2025 auf 180 Krankschreibungen je 100 Versicherte, bei den unter 50-Jährigen waren es mit 230 Fällen deutlich mehr. Obwohl Erwerbstätige ab 50 Jahren seltener krankheitsbedingt ausfallen als jüngere Altersgruppen, dauert eine durchschnittliche Krankschreibung ab 50 Jahren mit 17,1 Tagen mehr als doppelt so lange wie bei Beschäftigten bis 49 Jahren (8,4 Tage). Der Krankenstand liegt bei den über 50-Jährigen in Thüringen im Durchschnitt bei 8,4 Prozent. Mit zunehmendem Alter steigt er kontinuierlich an und erreicht im Alter von 66 Jahren 11 Prozent. Ein Krankenstand von 11 Prozent bedeutet, dass an jedem Tag durchschnittlich elf von 100 Beschäftigten arbeitsunfähig sind.
Aktivrente: Extra-Bonus für Gesunde?
Die Befragung zeigt auch: Gegenüber der neuen Aktivrente sind viele Beschäftigte ab 50 grundsätzlich offen (68 Prozent), allerdings gibt es keine Mehrheit mit klarer Nutzungsabsicht. Fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) kann sich die Nutzung einer Aktivrente gut vorstellen. Weitere 44 Prozent schließen dies nicht aus. Gleichzeitig lehnt knapp ein Drittel die Aktivrente klar ab.
Für den DAK-Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Arbeiten ab 50: langfristig gesund und zufrieden“ wurden unter anderem die Krankschreibungen von 50.000 erwerbstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Thüringen analysiert.
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