51 Prozent der älteren Beschäftigten in Sachsen-Anhalt wollen früher in Rente
DAK-Gesundheitsreport 2026 untersucht Rentenpläne und Krankenstand in Sachsen-Anhalt
Fehlzeiten steigen mit zunehmendem Alter deutlich: Mit 66 Jahren liegt der Krankenstand im Schnitt bei elf Prozent
Wertschätzung der Arbeitsleistung ist wichtigste Voraussetzung für ein längeres Erwerbsleben

Magdeburg, 23. Juli 2026. Mehr als jeder zweite Beschäftigte ab 50 Jahren in Sachsen-Anhalt will früher in Rente gehen. Bei denjenigen mit einer schlechteren Gesundheit sind es mit 55 Prozent noch mehr. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“ hervor. Dafür hat das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit den Krankenstand aller DAK-versicherten Beschäftigten in Sachsen-Anhalt analysiert und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Ein Kernergebnis: Ältere Beschäftigte sind seltener, aber im Schnitt länger krankgeschrieben. Ab Mitte 50 kommen auffällig viele Fehlzeiten dazu. Im Alter von 66 Jahren liegt der Krankenstand der Beschäftigten im Schnitt bei elf Prozent – und damit fast doppelt so hoch wie bei den 50- bis 55-Jährigen (jeweils rund sechs Prozent). Über alle Beschäftigten ab 50 Jahren hinweg liegt Sachsen-Anhalt mit 8,8 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt (7,4 Prozent). Im Bundesvergleich hat Sachsen-Anhalt gemeinsam mit dem Saarland den höchsten Krankenstand in dieser Altersgruppe.
„Der DAK-Gesundheitsreport zeigt deutlich, wie wichtig Wertschätzung für ältere Beschäftigte ist“, sagt Steffen Meyrich, DAK-Landeschef in Sachsen-Anhalt. „Sie wird sogar häufiger genannt als der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten oder einer höheren Bezahlung. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussion über längere Lebensarbeitszeiten ist das ein wichtiges Signal für Arbeitgeber. Wer erfahrene Kolleginnen und Kollegen gesund, motiviert und leistungsfähig im Job halten möchte, muss ihre Arbeit anerkennen und ihre Erfahrung wertschätzen. Ergänzend braucht es ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das gezielt auf die Bedürfnisse älterer Beschäftigter eingeht. Wenn jeder zweite ältere Beschäftigte einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben anstrebt, sollten wir diese Botschaft ernst nehmen.“
Über die Hälfte der ab 50-Jährigen plant vorzeitigen Ruhestand
Eine Forsa-Umfrage für den DAK-Gesundheitsreport zeigt, dass 51 Prozent der Beschäftigten ab 50 Jahren in Sachsen-Anhalt einen vorzeitigen Renteneintritt planen. Damit liegt Sachsen-Anhalt etwas unter dem Bundesdurchschnitt (52 Prozent). 44 Prozent möchten bis zur gesetzlichen Rente arbeiten. 10 Prozent können sich vorstellen, darüber hinaus erwerbstätig zu bleiben. Bezogen auf alle Beschäftigten in Sachsen-Anhalt denken 35 Prozent über einen früheren Ausstieg aus dem Erwerbsleben nach. Ob Menschen länger arbeiten möchten, hängt maßgeblich von ihrer Gesundheit ab. Unter den Beschäftigten mit einem schlechteren Gesundheitszustand plant mehr als die Hälfte (55 Prozent) einen vorzeitigen Renteneintritt. Beschäftigte mit guter oder sehr guter Gesundheit können sich dagegen deutlich häufiger vorstellen, bis zum gesetzlichen Renteneintritt oder darüber hinaus zu arbeiten.
Wertschätzung: wichtiger als monetäre Faktoren für längeres Arbeiten
Wer länger, motiviert und leistungsfähig arbeiten soll, braucht laut Report neben guten Arbeitsbedingungen vor allem mehr Wertschätzung. Für 51 Prozent der Befragten ab 50 Jahren ist dies die wichtigste Voraussetzung für ein längeres Erwerbsleben. 42 Prozent wünschen sich zudem eine stärkere Anerkennung ihres Erfahrungswissens. Damit gehört Wertschätzung noch vor einer besseren Anpassung der Arbeitszeiten an individuelle Bedürfnisse (47 Prozent) und einer Erhöhung der Bezahlung (43 Prozent) zu den wichtigsten Faktoren für eine längere Erwerbstätigkeit.
Beschäftigte ab 50 seltener, aber länger krankgeschrieben
Laut DAK-Gesundheitsreport schätzen ältere Beschäftigte in Sachsen-Anhalt ihre Leistungsfähigkeit als sehr hoch ein und sind seltener krankgeschrieben als jüngere Kolleginnen oder Kollegen. Beschäftigte ab 50 Jahren kamen im Jahr 2025 auf 185 Krankschreibungen je 100 Versicherte, bei den unter 50-Jährigen waren es mit 239 Fällen deutlich mehr. Obwohl Erwerbstätige ab 50 Jahren seltener krankheitsbedingt ausfallen als jüngere Altersgruppen, sind die Fehlzeiten je Krankheitsfall fast doppelt so lang. So liegt die durchschnittliche Falldauer bei den über 50-Jährigen bei 17,3 Tagen, bei den unter 50-Jährigen waren es 8,8 Tage. Der Krankenstand liegt bei Beschäftigten ab 50 Jahren in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt bei 8,8 Prozent. Mit zunehmendem Alter steigt er kontinuierlich an und erreicht im Alter von 66 Jahren elf Prozent. Ein Krankenstand von elf Prozent bedeutet, dass an jedem Tag durchschnittlich elf von 100 Beschäftigten arbeitsunfähig sind. Im Bundesvergleich hat Sachsen-Anhalt gemeinsam mit dem Saarland (ebenfalls 8,8 Prozent) den höchsten Krankenstand in dieser Altersgruppe.
Aktivrente: Extra-Bonus für Gesunde?
Die Befragung zeigt auch: Gegenüber der neuen Aktivrente sind viele Beschäftigte ab 50 grundsätzlich offen (57 Prozent), allerdings gibt es keine Mehrheit mit klarer Nutzungsabsicht. Gut ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) kann sich die Nutzung einer Aktivrente gut vorstellen. Weitere 36 Prozent schließen dies nicht aus. Gleichzeitig lehnen 43 Prozent die Aktivrente klar ab.
Für den DAK-Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Arbeiten ab 50: langfristig gesund und zufrieden“ wurden unter anderem die Krankschreibungen von 48.000 erwerbstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Sachsen-Anhalt analysiert.
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