Hamburg: bundesweit Platz eins bei Depressionen und Angststörungen bei Teenagerinnen

- DAK-Kinder- und Jugendreport: Anteil jugendlicher Mädchen mit Depressionen und Angststörungen war 2024 höher als in jedem anderen Bundesland
- Angststörungen bei jugendlichen Mädchen steigen seit 2019 um 61 Prozent
- DAK-Landeschef Juncker fordert Bündnis für mentale Gesundheit
Hamburg, 4. Februar 2026. Hamburg belegt Platz eins im Bundesvergleich der Behandlungszahlen von Depressionen und Angststörungen bei jugendlichen Mädchen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für die Hansestadt. 2024 waren über 100 je 1.000 jugendlicher Mädchen in Hamburg wegen einer Depression und rund 86 von 1.000 jugendlichen Mädchen mit einer Angststörung in Behandlung – mehr als in jedem anderen Bundesland. Insgesamt waren 2024 hochgerechnet rund 2.400 Teenagerinnen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Depression und 2.100 mit einer Angststörung in Arztpraxen, bei Therapeuten und in Kliniken. Im Vergleich zu 2019 ist bei Mädchen dieser Altersgruppe bei Angststörungen eine Steigerung von 61 Prozent zu verzeichnen. Bei Depressionen steht ein Plus von 17 Prozent. Expertinnen und Experten sehen in den Ergebnissen des Reports eine postpandemisch hohe psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen.
„Im Ranking der psychischen Erkrankungen bei jugendlichen Mädchen belegt Hamburg einen traurigen ersten Platz. Das ist ein ernstes Warnsignal. Hier sind noch immer Nachwirkungen der Pandemie zu sehen“, sagt Jens Juncker, DAK-Landeschef in Hamburg. „Wir leben in einer Welt voller Krisen, die gerade jungen Menschen Angst machen und sie psychisch belasten – vor allem Mädchen. Wir brauchen einen Schulterschluss zwischen allen Akteuren zum Schutz der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Hansestadt, damit wir einen Teil dieser Generation nicht verlieren.“
Bundesweit Spitze bei Depressionen und Angststörungen
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt für Hamburg, dass 2024 rund 25 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Angststörung behandelt wurden. Das entspricht hochgerechnet landesweit rund 5.600 Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu 2019 steht 2024 ein Plus von zehn Prozent. Besonders betroffen sind jugendliche Mädchen: Seit 2021 bleiben hier die Zahlen auf einem hohen Niveau und bilden eine Art Plateau. 2024 mussten knapp über 86 von 1.000 jugendlichen Hamburgerinnen mit einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt werden, insbesondere mit sozialen Phobien und Panikstörungen. Damit belegt Hamburg bei Angststörungen Platz eins im Bundesvergleich vor Niedersachsen. Hochgerechnet waren es landesweit rund 2.100 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Vergleich mit dem letzten Vorpandemiejahr 2019 ist das ein Plus von 61 Prozent. Bei Depressionen mussten in Hamburg sogar über 100 je 1.000 jugendliche Mädchen im Jahr 2024 behandelt werden. Das ist Platz eins im Bundesschnitt vor Berlin. Hochgerechnet auf das Land waren es 2.400 Mädchen. Das bedeutet eine Steigerung von 17 Prozent im Vergleich zu 2019.
Expertin sieht anhaltende Auswirkungen der Pandemie
„Die Zahlen des Kinder- und Jugendreports für Hamburg bestätigen, was wir in unseren Praxen sehen: eine postpandemisch anhaltende hohe psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen mit entsprechenden Störungsbildern“, so Dr. Claudia Haupt, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Hamburger Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ). „Angststörungen, Depressionen und Essstörungen werden bei Mädchen häufiger diagnostiziert – Jungs zeigen ihre Ängste, Zwänge und Symptomatik nicht so deutlich. Das könnte erklären, warum sie unterrepräsentiert sind. Aus der Praxis kann ich bestätigen, dass Ängste und Depressionen häufig zusammen auftreten. Die anhaltenden Auswirkungen der Pandemie und fortbestehende Belastungen durch Krisen, Kriege und Klimawandel befeuern und unterhalten die Ängste der Kinder und Jugendlichen.“
Ängste chronifizieren sich bei jugendlichen Mädchen
Der DAK-Kinder- und Jugendreport für Hamburg macht deutlich: Jugendliche Mädchen sind von Depressionen und Angststörungen besonders betroffen. So ist eine Chronifizierung von Angststörungen bei ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie eingetreten: 2019 mussten 9,7 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren jedes Quartal mit einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt werden. 2024 waren es 24,2 je 1.000 jugendlicher Mädchen. Das entspricht einer Steigerung von 149 Prozent. Zudem haben sich die Komorbiditäten, also ein gleichzeitiges Auftreten zweier psychischer Erkrankungen bei jungen Patientinnen, ebenfalls stark erhöht. So hat sich die Zahl jugendlicher Hamburgerinnen, die zeitgleich an einer Angststörung und einer Depression litten, 2024 im Vergleich zu 2019 verdoppelt.
Als erste Krankenkasse in Hamburg hat die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von knapp 23.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Hamburg versichert sind. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 1,2 Millionen ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne fünf bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen.
Essstörungen auf gleichem Niveau
Ein ähnlicher Trend zu einer Plateau-Bildung zeigt sich in der Hansestadt auch mit Blick auf Essstörungen bei jugendlichen Mädchen. Seit 2021 verharren die Behandlungszahlen auf einem ähnlich hohen Niveau, auch wenn es zuletzt leichte Rückgänge gab. 2024 waren in Hamburg hochgerechnet etwa 500 Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Essstörung in Behandlung.
Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit. Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Hamburg mehr als 240.000 Menschen versichert.
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(Copyright: DAK-Gesundheit/Gettyimages_Dmitriy_Bilous)
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Sönke Krohn
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