Unsere Gewinnerinnen und Gewinner 2026: Mecklenburg-Vorpommern
Vielen Dank für die sehr beeindruckenden Projekte für ein gesundes Miteinander – da hatte es die Landesjury in Mecklenburg-Vorpommern wirklich nicht leicht, die drei besten Projekte und die Gewinnerin für den Sonderpreis Pflege auszuwählen. Nach gründlichem Abwägen steht die Entscheidung nun fest. Herzlichen Glückwunsch!
1. Platz
Andrew Gordon für „Männerschuppen Insel Poel e.V.“

.
Den ersten Preis sichert sich Andrew Gordon mit seinem Projekt "Männerschuppen Insel Poel e.V.“, welches es bereits seit 03.06.2024 gibt.
Der Männerschuppen Insel Poel steht für Gemeinschaft, Teilhabe und ein gesundes Miteinander unter Männern im fortgeschrittenen Alter. Er bietet einen offenen Raum, in dem handwerkliche Tätigkeit, gegenseitige Unterstützung und soziale Begegnung zusammengehören. Viele Männer finden hier eine Struktur, die Einsamkeit reduziert, Aktivität fördert und neue Kontakte ermöglicht.
Unsere Motivation ist, einen verlässlichen Treffpunkt zu schaffen, an dem Männer ihre Fähigkeiten einbringen, Neues lernen und sich in einem wertschätzenden Umfeld austauschen können. Der Männerschuppen ist ein Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft, in der Menschen füreinander da sind und Verantwortung übernehmen.
Der Männerschuppen wirkt inzwischen weit über die Insel hinaus. Wir haben robuste Marktstände für die Gemeinde gebaut, einen wiederverwendbaren Weihnachtswunschbaum gestaltet, eine Wanderschutzhütte unterstützt und kreative Projekttage für Schulkinder durchgeführt. Kochen, Qigong, Singen und öffentliche Vorträge zu Gesundheits- und Gesellschaftsthemen ergänzen unser Angebot.
Neben solchen Höhepunkten lebt der Verein vom Miteinander im Alltag: vom gemeinsamen Werkeln, vom Austausch über das, was uns bewegt, vom Lachen und voneinander lernen. Der Männerschuppen ist ein offener Ort, an dem jeder Mann seinen Platz findet. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Wer neugierig ist, kommt vorbei, schnuppert rein und erlebt die besondere Atmosphäre selbst. Wir freuen uns über jeden, der Lust hat, Teil dieser aktiven und herzlichen Gemeinschaft zu werden.
Statement von Andrew Gordon zur Nominierung:
„Was in den 1990er Jahren in Australien begann, hat sich inzwischen zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt: die Männerschuppen. Die Idee dahinter ist erstaunlich simpel und gerade deshalb so wirkungsvoll. Männer treffen sich in einer offenen Werkstatt, bauen, reparieren, tüfteln und kommen dabei ganz nebenbei ins Gespräch."
Andreas Mirwald, Leiter der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, über die Bedeutung des Projekts:
„Mit dem ‚Männerschuppen Insel Poel e.V.‘ gewinnt ein Projekt den Landeswettbewerb, das in beeindruckender Weise zeigt, wie Gesundheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und ehrenamtliches Engagement zusammenwirken können. Dort entstehen nicht nur praktische Projekte für die Gemeinschaft, sondern auch soziale Kontakte, die Einsamkeit entgegenwirken und das Wohlbefinden stärken. Die ausgezeichneten Initiativen zeigen insgesamt, wie viele Menschen sich in Mecklenburg-Vorpommern mit großem Einsatz für ein gesundes Miteinander engagieren.“
2. Platz
Marie Zörner für das Projekt „Nightline Greifswald - studentisches Zuhörtelefon"

.
Die Nightline Greifswald steht für ein niedrigschwelliges, anonymes und wertschätzendes Zuhörangebot, das Studierenden und jungen Menschen in belastenden Situationen einen sicheren Raum für ihre Sorgen eröffnet. Unser Projekt verbessert das Miteinander, indem wir Einsamkeit, Stress und psychische Krisen nicht tabuisiert, sondern verständnisvoll mit ihnen umgehen. Durch empathische Gespräche fördern wir Selbstwirksamkeit, Entlastung und das Gefühl, nicht allein zu sein.
Unsere Motivation ist klar: Wir wollen eine Kultur schaffen, in der über Sorgen gesprochen werden darf, ohne Angst vor Bewertung. Viele junge Menschen erleben Leistungsdruck, finanzielle Unsicherheit oder private Konflikte. Wir möchten ihnen ein Gegenüber bieten, das zuhört, ohne zu urteilen.
Dass unser Projekt wirkt und notwendig ist, zeigen unsere Statistiken: Die Nightline Greifswald ist seit 2011 etabliert.
Wöchentlich sind wir an zwei Abenden erreichbar, an denen das Telefon selten stillsteht. Von Konflikten mit der Familie, über körperliche Erkrankungen bis Liebeskummer sind die Themen breit gestreut, mit denen Menschen bei uns anrufen. Wir haben ein wachsendes Team engagierter Ehrenamtlicher aufgebaut und Kooperationen und lokalen Initiativen wie den Kunstwerkstätten und RAA gestärkt. Außerdem bemühen wir uns, durch Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für mentale Gesundheit sichtbar zu erhöhen. Jedes geführte Telefonat ist ein Erfolg – weil es Menschen in schwierigen Momenten Halt gibt.
Statement von Marie Zörner zur Nominierung:
„Damit aus kleinen Sorgen keine großen Probleme werden, braucht es manchmal nur jemanden, der da ist und zuhört. Wenn Freunde und Familie gerade nicht erreichbar sind, sind wir es. Anonym. Vertraulich. Offen."
Andreas Mirwald, Leiter der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, über das 2. Sieger-Projekt:
„Nightline zeigt, wie Prävention auch aussehen kann: zuhören, früh auffangen und Unterstützung anbieten, bevor aus Belastungen größere Krisen werden. Dass Studierende dieses Angebot ehrenamtlich für andere Studierende schaffen ist für mich gelebtes gesundes Miteinander."
3. Platz
Katja Thiede für das Projekt „Ping Pong Salon - Begegnung in Bewegung"

.
Der Ping Pong Salon ist unser Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft in Neustrelitz, bereits seit 126.09.2024. Mitten in der Stadt – in einem ehemaligen Friseursalon – bringen wir Menschen über das gemeinsame Spiel miteinander in Kontakt.
Die Tischtennisplatte ist hier Sportgerät, Wohnzimmertisch und kleinster gemeinsamer Begegnungsort in einem. Hier treffen sich Menschen, die sonst kaum Berührungspunkte haben, ob alt oder jung, alteingesessen oder zugezogen. In Zeiten zunehmender Vereinzelung schaffen wir einen Ort, an dem Nähe und Gemeinschaft spielerisch wachsen können. Regelmäßige offene Spielzeiten, spontane Begegnungen, Gespräche auf Augenhöhe – all das hat hier Platz.
Wer nicht spielen will, bleibt auf einen Kaffee, schaut zu, hört Musik oder holt ein Brettspiel raus. Das Konzept gleicht einem offenen Wohnzimmer: Wir machen Angebote, aber schreiben nichts vor. So finden auch Menschen ihren Weg zu uns, die sonst schwer Zugang zu sozialen oder kulturellen Angeboten oder klassischem Vereinssport haben. Mit mobilen Salons bringen wir den Gedanken des Ping Pong Salon auf Hinterhöfe und Plätze, also dorthin, wo nachbarschaftliches Leben oft fehlt. Die positive Wirkung zeigt sich nicht nur in steigenden Teilnehmendenzahlen, sondern vor allem in persönlichen Geschichten: Menschen, die jahrelang zurückgezogen lebten, fassen wieder Vertrauen; andere entdecken ihre Freude an Bewegung oder bauen neue soziale Kontakte auf. Gerade für Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, ist der Ping Pong Salon mittlerweile eine feste Adresse im Alltag. Wir sind Gewinner des "Deutschen Nachbarschaftspreis" 2025.
Statement von Katja Thiede zur Nominierung:
„An der Platte passiert im Kleinen, was wir uns im Großen wünschen: Menschen, die ganz unterschiedlich sind, teilen sich einen Raum, haben eine richtig gute Zeit zusammen und schmettern dabei unbemerkt auch noch das eine oder andere Vorurteil weg."
Andreas Mirwald, Leiter der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern über das Projekt:
„Der Ping Pong Salon in Neustrelitz verbindet Tischtennis mit Begegnung un schafft einen offenen Ort, an dem ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Gerader in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht selbstverständlich ist, sind solche niedrigschwelligen Orte der Gemeinschaft besonders wertvoll.“
Sonderpreis Pflege
Gernot Kunzemann für das Projekt: „Rikscha für Bewegungseingeschränkte"

Seit 2022 fahren wir im Rahmen der weltweiten Aktion "Radeln ohne Alter - Ein Recht auf Wind in den Haaren" auch in Neubrandenburg Menschen, die ohne uns ihr Zuhause nicht verlassen könnten. Wir fahren im Ehrenamt - also vollkommen unentgeltlich auf Spendenbasis.
Inzwischen bewegen wir 3 Rikschas und ein Lastenrad (für Menschen, die wir aus dem Rollstuhl nicht umsetzen können) an 7 Tagen in der Woche. Wir fahren regelmäßig in Pflegeheimen und Tagespflege-Stützpunkten. Aber auch "Sonderfahrten" zu Jubiläen Hochbetagter finden zunehmend Anklang.
Unsere Passagiere fahren wir im Wohngebiet, zu früheren Wohngebieten, durch das Zentrum oder den Kulturpark oder auch an das Grab von verstorbenen Angehörigen.
Es ist faszinierend, welche belebende Wirkung solche Fahrten sowohl auf unsere Passagiere, als auch auf uns begegnende Passanten hat: allen zaubern wir ein Lächeln ins Gesicht!
Selbst Menschen mit fortgeschrittener Demenz gewinnen auf der Rikscha Freude zurück.
Unsere Pilotinnen und Piloten sind ein Abbild unserer Gesellschaft: von 27 bis 73 Jahre; von Hauptschule bis Akademiker - alle sind hoch motiviert, ehrenamtlich Freude zu bringen.
Statement von Katja Thiede zur Nominierung:
„Wir bauen Brücken für eingeschränkte Menschen jeden Alters. Durch uns können diese ihr sonst extrem eingeschränktes Wohnumfeld verlassen. Das ist ein herzerwärmendes Geben und Nehmen."
Andreas Mirwald, Leiter der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, über das Projekt:
„Die Rikscha schenkt bewegungseingeschränkten Menschen ein Stück Mobilität, Teilhabe und Lebensfreude zurück. Gleichzeitig entstehen bei jeder Fahrt Begegnungen zwischen Menschen, die sonst vielleicht nie miteinander ins Gespräch gekommen wären – genau das macht gesellschaftliches Miteinander aus."