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Wenn wir rotsehen: Was ist Wut?

Dass Maria sich diese Fragen stellt und damit ihr Verhalten reflektiert, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Denn jeder von uns kennt das Gefühl, wütend zu sein, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können und nur noch rot zu sehen. Es geht darum, die Ursachen zu entlarven und zu lernen, mit dem Ärger umzugehen.

Wut ist und bleibt unangenehm – sowohl für den, der sie verspürt, als auch für die Person, die sie trifft. Das ist in dem Fall Marias Tochter. Der mütterliche Ärger kann die Beziehung zu ihr, zu ihrem Partner, zu Freunden oder Kollegen beeinträchtigen. Er kann sogar dazu führen, dass sich ihre Tochter unrühmliche Verhaltensweisen abschaut und möglicherweise später auf ihre eigenen Kinder und die Mutterrolle überträgt.

Wiederkehrende Wutanfälle können aber auch Marias ganz persönliches Wohlbefinden negativ beeinflussen. Mediziner wissen: Erschöpfung, Angst und Depression sind mögliche Folgen. Aber auch mit einer reduzierten Funktion des Immunsystems, mit Bluthochdruck und einem erhöhten Herzinfarktrisiko ist zu rechnen.

Facettenreicher Ärger: Die verschiedenen Arten von Wut

Bei allen negativen Auswirkungen von Wut: Sie ist ein Teil unseres Lebens, und ganze Systeme in unserem Gehirn beschäftigen sich mit ihr. So unterstützt sie uns etwa dabei, Gefahren wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren. Wie Maria schon ganz richtig erkennt, ist es wichtig zu lernen, ihre Wut unter Kontrolle zu bringen und mit ihr bewusst zu arbeiten.

Aber das ist natürlich nicht immer ganz einfach. Denn Wut ist vielfältig und häufig schwer zu greifen. Da wäre zum einen die Frustration – wenn Maria hart daran arbeitet, ihrer Tochter gewisse Verhaltensweisen nahe zu bringen, sich aber einfach nicht der herbeigesehnte Erfolg einstellt. Dann wäre da noch die impulsive Wut, die schnell und mächtig aufflammt, bei der Maria Rot sieht und mit der geballten Faust am liebsten auf den Tisch hauen würde. Die selbstgerechte Wut hingegen tritt ein, wenn Maria Ungerechtigkeit widerfährt, etwa, wenn sie bei der Arbeit unfair kritisiert wird. Von der Wut als einem Gefühl der Ohnmacht sprechen wir, wenn Maria sich nicht gesehen und gehört fühlt – zum Beispiel von ihrem Partner, der gerade womöglich andere Dinge im Kopf hat.

Doch welches Ausmaß Marias Wut auch annimmt und in welchem Gewand sie sich zeigt – sie durchläuft stets verschiedene Phasen dieses negativen Gefühls, wie DAK-Psychologin Franziska Kath (Foto) erklärt: „Unsere Gefühle verlaufen wellenartig. Sie fluten heran, ebben aber auch wieder ab. Wenn wir diese Erkenntnis verinnerlicht haben, fällt es uns leichter, auch ungeliebte Gefühle wahr- und anzunehmen. ‟

DAK-PODCAST: GANZ SCHÖN KRANK, LEUTE!

In unserer Podcast-Reihe spricht  Moderator René Träder (Foto) mit spannenden Menschen über ihre persönlichen Erfolge und Misserfolge und fragt, was sie antreibt und was sie aus Rückschlägen gelernt haben. Jetzt reinhören! https://gesundes-miteinander.de/podcast/

DAK-Psychologin Franziska Kath

Wenn das Fass überläuft: So kommt Wut zustande

Eltern wie Maria sind häufig verunsichert. Sie möchten alles richtig machen und fühlen sich dabei schnell überfordert. In Auseinandersetzungen mit ihrem Kind treten sie zugunsten des Kindes kürzer und unterdrücken ihre eigenen Bedürfnisse und die Gereiztheit.

In der Folge stellt sich bald ein Gefühl von Machtlosigkeit und Frustration ein. Und jene Verunsicherung, Überforderung und Hilflosigkeit verwandelt sich dann schnell in Wut.

Aber auch eine allgemeine Unzufriedenheit im Alltag, zu wenig Zeit mit dem Partner oder beruflicher Druck können Stressquellen und Ursachen für Wut sein. Wenn Kinder dann besonders laut und frech sind, ist der Bogen der ohnehin strapazierten Nerven schnell überspannt. Dabei wird der Erwachsene selbst zum Kind: Die Gefühle dominieren und rationale Argumente geraten in den Hintergrund.

Wie verhält man sich richtig: Erste Hilfe bei Wutanfällen

Was du gegen spontane Wutattacken und für die nötige Ausgeglichenheit tun kannst:

  • Aus dem Raum gehen. Generell: Abstand nehmen. Was helfen kann: Ein kleines Kind in den Kinderwagen setzen und gemeinsam eine Runde spazieren fahren.
  • Mit weichen Gegenständen schmeißen. Eine Kissenschlacht veranstalten. Das kann in deeskalierende Albernheit übergehen.
  • Am offenen Fenster bewusst ein- und ausatmen. Sauerstoff fördert die Durchblutung des Gehirns und die Fähigkeit, ruhig und überlegt zu handeln.
  • Wenn es schon lauter zugehen muss: Das Verhalten rügen und nicht das Kind selbst. Also nicht sagen „Du bist unmöglich“, sondern „Was du machst, ist unmöglich“.
  • Körperlicher Kontakt löst Spannungen auf beiden Seiten. Durchatmen, an der Schulter fassen, eindringlich und ruhig sprechen kann helfen.
  • Es kann passieren, dass du dein Kind im Affekt doch mal schlägst. Spiel es nicht herunter in Richtung „Mir ist einfach einmal die Hand ausgerutscht.“ Denn wenn das häufiger der Fall ist, solltest du eine Erziehungsberatung aufsuchen.
  • Erkläre deinem Kind nach einem Wutausbruch, was dich auf die Palme gebracht hat und entschuldige dich für dein eigenes Verhalten, wenn es dir leidtut.
  • Sprich mit dem Partner oder einer Freundin über einen Wutausbruch, wenn er dich länger beschäftigt.
  • Was strapazierten Nerven vorbeugt und für den nötigen Ausgleich sorgt: Guter Schlaf, Sport, Spaziergänge, gute Gespräche.

Wut tut auch mal gut: Dürfen Eltern wütend sein?

Wut bei Eltern ist häufig ein Tabu-Thema. Nicht nur Maria fühlt sich schuldig, wenn ihr mal wieder der Kragen geplatzt ist. Man gibt ungern zu, wenn man die Kontrolle verliert und der eigene Nachwuchs darunter zu leiden hat.

Wut kann aber auch befreiend wirken und durchaus positive Effekte haben. Dann nämlich, wenn Marias Wut sie dazu bringt, endlich mal zu äußern, was sie schon seit Wochen beschäftigt und was sie sich sonst kaum anzusprechen getraut hätte. Manche Dinge müssen eben einfach auf den Tisch, auch wenn sie mit einem Wutausbruch einhergehen, der erst einmal ein Kopfschütteln bei Freunden und Verwandten auslöst. Denn Wut permanent zu unterdrücken ist ein Ding der Unmöglichkeit.

"Eltern können gar nicht immer nett und verständnisvoll sein“, weiß DAK-Psychologin Franziska Kath. „Wut ist eine ganz normale Reaktion auf eine Provokation. Und im Provozieren sind kleine Kinder wahre Meister, wenn sie ihre Grenzen ausloten. Wichtig ist nur, seine Wut anzunehmen, sie zu verstehen und zu überlegen, wie man damit am besten umgeht.“

Wenn es Maria auf Dauer nicht gelingt, die obigen Ratschläge zu beherzigen und ihre Aggressionen ihrer Tochter gegenüber im Zaum zu halten, dann sollte sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Manchmal hat die Wut auf das Kind auch tieferliegende persönliche Hintergründe. Wenn Maria etwa bei ihrer Tochter Verhaltensweisen beobachtet, die sie bei sich selbst nicht akzeptiert. Oder wenn ihre Tochter mit ihrem Verhalten alte Verhaltensweisen aus ihrer eigenen Kindheit triggert. Bei ganz genereller Kraftlosigkeit kann aber schon eine entsprechende Kur für erschöpfte Mütter oder Väter helfen. In allen anderen Fällen: In sich gehen, tief durchatmen, Augen auf und durch.