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Hessen: Krankenstand bei Beschäftigten sinkt auf Rekordtief

Frankfurt am Main, 2. August 2021. Die hessischen Beschäftigten fehlten im ersten Halbjahr 2021 so wenig, wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Der Krankenstand in Hessen ist um 0,5 Prozentpunkte zurückgegangen und liegt mit 3,7 Prozent auf Bundesniveau.  Das bedeutet, dass an jedem Tag durchschnittlich 37 von 1.000 hessischen Beschäftigten krankgeschrieben waren. Der historisch niedrige Krankenstand hängt mit dem massiven Rückgang von Atemwegserkrankungen zusammen (minus 66 Prozent). Das geht aus der aktuellen Krankenstands-Analyse der DAK-Gesundheit für Hessen hervor. Die Kasse sieht die geltenden Abstands- und Hygienemaßnahmen während der Pandemie als Ursache. Der Rückgang betrifft alle Berufsgruppen, zeigt sich jedoch besonders dort, wo die Beschäftigten vermehrt im Homeoffice arbeiten konnten. Während Fehltage wegen Atemwegserkrankungen weniger wurden, verzeichneten Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden einen Anstieg. Sie gehören weiterhin zu den wichtigsten Ursachen für Krankschreibungen. 

Laut Studie der DAK-Gesundheit hatten die Beschäftigten im ersten Halbjahr 2021 insgesamt 13 Prozent weniger Fehltage als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich ist der Rückgang bei Berufen, die verstärkt ins Homeoffice abgewandert sind: So hatten Beschäftigte in der Unternehmensführung und -organisation sowie in Recht und Verwaltung durchschnittlich ein Viertel weniger Fehltage als im ersten Halbjahr 2021 (minus 25 beziehungsweise 23 Prozent). „Wir sehen, dass Homeoffice und verstärkte Hygienemaßnahmen sich positiv auf den Krankenstand ausgewirkt haben. Sie schützen nicht nur vor Corona. Auch gewöhnliche Erkältungserreger werden seltener übertragen“, sagt Sötkin Geitner, Leiterin der DAK-Landesvertretung Hessen. 

In Berufen mit viel direktem Menschenkontakt, etwa in Kitas oder Krankenhäusern, fiel der Rückgang geringer aus: So gab es bei Erzieherinnen und Erzieher mit minus 3,5 Prozent einen relativ kleinen Rückgang bei den Fehltagen. Auch Klinikbeschäftigte in medizinischen Berufen verzeichneten nur ein Minus von 4,2 Prozent. „Die Krankenpflege gehört zu den Branchen mit den höchsten Krankenständen“, so Geitner. „Hier ist ebenso wie in der Altenpflege dringend eine wirksame Entlastung der Beschäftigten notwendig.“ Bei den Klinik-Beschäftigten beobachtet die Kasse im ersten Halbjahr 2021 auch einen überdurchschnittlichen Anstieg von Psych-Fehltagen. Bis Ende Juni kamen auf 100 DAK-versicherte Klinik-Beschäftigte 185 Fehltage wegen psychischer Diagnosen – fast ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch bei Erzieherinnen und Erziehern gab es im Bereich der psychischen Erkrankungen einen deutlichen Zuwachs an Fehltagen von 17 Prozent. 

Weniger Atemwegsinfektionen und mehr Psych-Fehltage
Auf 100 DAK-versicherte Beschäftigte kamen im ersten Halbjahr dieses Jahres durchschnittlich 52 Fehltage wegen Atemwegserkrankungen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum waren das zwei Drittel weniger. Während im ersten Halbjahr 2020 Bronchitis und Co. noch die zweithäufigste Ursache für Krankmeldungen waren, rangieren diese aktuell nicht mehr unten den Top-3 Krankheiten, die am häufigsten zu Arbeitsunfähigkeit führen. Die meisten Fehltage wurden wegen Rückenleiden oder anderer Muskel-Skelett-Probleme verzeichnet. Fast ein Viertel des Arbeitsausfalls war darauf zurückzuführen. 

Ein Fünftel (20,4 Prozent) des Krankenstands wurde von psychischen Erkrankungen verursacht. Sie lagen mit rund 136 Fehltagen je 100 Versicherte knapp 7 Prozent über dem Niveau vom 1. Halbjahr 2020. „Die Pandemie mit allen ihren Begleiterscheinungen hat auf psychische Erkrankungen wie ein Verstärker gewirkt“, so Geitner. „Was uns als Folge aus den Lockdown-Zeiten noch bevorsteht, können wir heute nur schwer abschätzen.“ In der Altenpflege aber auch bei Lehrkräften sind Depressionen und andere psychische Leiden schon jetzt die häufigste Ursache für das Fehlen im Job. Sötkin Geitner befürwortet daher Bestrebungen der Politik, für chronisch psychisch Erkrankte besondere Versorgungsformen zu fördern. „Strukturierte Behandlungsprogramme für Menschen mit Depressionen sind in Vorbereitung. Wir brauchen sie so schnell wie möglich.“ 

Für die Studie hat das Berliner IGES Institut Daten von mehr als 250.000 bei der DAK-Gesundheit versicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Hessen ausgewertet.  Eingegangen sind alle Fehlzeiten aus der Zeit von Januar bis einschließlich Juni 2021, für die eine Krankmeldung an die Kasse geschickt wurde.

Anteil an Fehltagen im Halbjahres-Vergleich

Erstes Halbjahr 2021

1.    Muskel-Skelett-System (24,6 Prozent)
2.    Psychische Erkrankungen (20,4 Prozent)
3.    Verletzungen und Vergiftungen (12,2 Prozent)
4.    Atmungssystem (7,9 Prozent)
5.    Neubildungen (4,8 Prozent)
6.    Verdauungssystem (4,6 Prozent)
7.    Unspezifische Symptome (4,5 Prozent)
8.    Kreislaufsystem (4,5 Prozent)
9.    Nervensystem, Augen, Ohren (4,2 Prozent)
10.    Infektionen (3,0 Prozent) 
   
Erstes Halbjahr 2020
1.    Muskel-Skelett-System (20,4 Prozent)
2.    Atmungssystem (19,8 Prozent)
3.    Psychische Erkrankungen (16,6 Prozent)
4.    Verletzungen und Vergiftungen (10,4 Prozent)
5.    Infektionen (4,8 Prozent)
6.    Unspezifische Symptome (4,7 Prozent)
7.    Verdauungssystem (4,5 Prozent)
8.    Nervensystem, Augen, Ohren (4,5 Prozent)
9.    Neubildungen (3,7 Prozent)
10.    Kreislaufsystem (3,7 Prozent)


Carina Schubert

Pressesprecherin für Hessen
 

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