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Gutes Bauchgefühl!

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände haben 7 von 10 Bundesbürgern Magen- und Darmbeschwerden. Immer mehr Deutsche leiden regelmäßig unter Verstopfung, Sodbrennen, Reizdarm oder Blähungen, doch aus Scham wird oft geschwiegen. Wir haben Sven-David Müller, Diätetikexperte und Autor des Ernährungsratgebers Magen und Darm (Schlütersche Verlag), gefragt, was vor alltäglichen Wehwehchen schützt und wann es Zeit ist, zum Arzt zu gehen. 

Vier typische Magen- und Darmbeschwerden und was man dagegen tun kann

Wenn der Darm träge ist ...

Etwa 20 Prozent der Bevölkerung quälen sich zumindest gelegentlich mit einem trägen Darm, 75 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Eine der wichtigsten Ursachen für das Verdauungsproblem ist eine falsche Ernährung. „Wer zu Verstopfungen neigt, sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte bevorzugen", erklärt Sven-David Müller. Aber das ist nicht alles, denn auch die Work-Life-Balance spielt eine Rolle. Häufig sind gestresste Menschen von Darmträgheit betroffen, und zwar nicht nur, weil der eng getaktete Arbeitsalltag Bewegungsmangel und den Griff zu Fast Food und Sweets begünstigt. Sven-David Müller: „Im hektischen Alltag ignorieren oder unterdrücken viele Menschen den Drang, zur Toilette zu gehen. Hinzu kommt, dass ein hoher Adrenalinspiegel die Verdauungsaktivität runterschraubt; Entspannung jedoch sorgt für eine gute Verdauung.“ Ein Tipp vom Experten: „Höre auf die Signale deines Körpers. Wenn du Probleme mit Verstopfung hast, solltest du nach dem Essen etwas Zeit einplanen, denn nach jeder Mahlzeit tritt ein sogenannter gastrokolischer Reflex ein. Er erleichtert die geregelte Darmentleerung. Es ergibt also durchaus Sinn, zum Beispiel morgens etwas früher aufzustehen, damit man nach dem Frühstück genügend Zeit für das „große Geschäft“ hat.“ 

Wenn der Bauch aufgebläht ist ...

„Es ist ganz normal, dass während der Verdauung Gase entstehen, die dann ausgeschieden werden. Es gibt allerdings Ernährungsgewohnheiten, die die Blähungen begünstigen“, sagt Sven-David Müller. 
Viele Menschen reagieren zum Beispiel auf das Süßungsmittel Sorbit negativ. Es ist oft in Light-Produkten enthalten. Außerdem gibt es Gemüsesorten, die „starke Winde im Darm“ fördern. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Kohl oder Zwiebelgewächse, aber auch Steckrüben, Schwarzwurzeln oder Spargel werden von dem einen oder anderen nicht gut vertragen. „Linseneintopf, Rotkohl oder asiatische Gerichte werden nicht ohne Grund traditionell stark gewürzt, denn viele Würzmittel und Kräuter wirken entblähend. Sehr wirksam sind Kümmel, Fenchel, Anis, Curry, Koriandersamen oder Kurkuma“, erklärt der Experte. Aber auch die Zubereitung kann eine Rolle für die Verträglichkeit spielen. „Wer Probleme hat, sollte gegartes Gemüse und Obst der rohen Variante vorziehen, denn es ist deutlich bekömmlicher“, erklärt Müller. Sein Tipp zur Prophylaxe: „Verzehren Sie täglich probiotische Lebensmittel wie zum Beispiel Joghurt oder Kefir, denn eine gesunde Darmflora ist die Basis für ein gutes Bauchgefühl“, ergänzt Sven-David Müller. 
 

Wenn der Bauch grummelt und du Durchfall hast ...

Nach dem Essen grummelt es im Bauch und schon wenig später hat man das Bedürfnis, blitzschnell ein WC zu finden – keine Frage, hier liegt etwas im Argen. Neben einer schlichten Magen- und Darmgrippe, die meist nach 24 Stunden durchgestanden ist, ist die häufige Ursache für Durchfall eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Milch, Sahne und auch wenig gereifte Käsesorten sorgen bei diesen Menschen für Bauchweh, Blähungen und Durchfall. Joghurt, Buttermilch und alter Käse hingegen werden meist vertragen, weil sie durch die Fermentation kaum noch Milchzucker enthalten. Die gute Nachricht: Streicht man laktosehaltige Lebensmittel vom Speiseplan, gehören die Beschwerden schnell der Vergangenheit an. Übrigens: Auch in Fertigprodukten steckt häufig Laktose, deshalb ist ein Blick auf die Zutatenliste der Verpackung absolut empfehlenswert. Sven-David Müller rät: „Wenn man länger als 24 Stunden häufiger als dreimal täglich flüssigen Stuhlgang hat, sollte man sich in jedem Fall von einem Arzt untersuchen lassen, denn Ursache dafür kann ein bakterieller oder viraler Infekt, Parasiten, eine Lebensmittelvergiftung oder auch eine schwerwiegendere Unverträglichkeit von Nahrungsmittelbestandteilen, z. B. Gluten, sein.“ 

Wenn du unter Sodbrennen leidest ...

Nach einem üppigen Schlemmermahl oder einer Partynacht mit Alkohol erwischt es fast jeden einmal, andere leiden schon darunter, weil sie zu viel Kaffee getrunken oder Schokolade genascht haben – Sodbrennen ist wirklich unangenehm. Es drückt hinter dem Brustbein, die Magensäure steigt auf, die Speiseröhre scheint zu brennen und im Mund macht sich ein unangenehmer Geschmack breit. Grundsätzlich gilt: Bleibt es bei diesen seltenen Fällen von Sodbrennen, besteht kein Grund zur Sorge, denn es reicht dann, den Auslöser, also das zu üppige Essen, Alkohol, Kaffee, Kakao, Zitrusfrüchte oder auch insgesamt bestehendes Übergewicht zu meiden. Tritt der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre jedoch regelmäßig auf, solltest du zum Arzt gehen und die Ursachen abchecken lassen. Sven-David Müller: „Es kann eine sogenannte Refluxkrankheit vorliegen, die zum Beispiel durch einen erschlafften Speiseröhrenmuskel oder Bakterien im Magen verursacht wird. Unbehandelt kann sich durch das häufige saure Aufstoßen die Schleimhaut der Speiseröhre entzünden und dauerhaft Schaden nehmen. Auch das Risiko für Speiseröhrentumore steigt.“