Suchtmittel Nikotin: Wirkung, Folgen und Gefahren

Junger Mann sitzt auf einer Treppe und lässt das Nikotin seiner E-Zigarette auf sich wirken.

Wer sich das Rauchen angewöhnt hat, kommt oft schwer wieder davon los. Verantwortlich für das starke Verlangen nach regelmäßigem Nachschub an Zigaretten ist Nikotin. Gelangt es ins Blut, wirkt es in Gehirn und Nervensystem stimmungsaufhellend, entspannend und belebend. Doch Nikotin macht schnell abhängig und birgt einige Gesundheitsrisiken, egal wie du Nikotin zu dir nimmst. Hier erfährst du, wie Nikotin wirkt, warum es süchtig macht und welche Auswirkungen es auf dich und deinen Körper hat – aber auch wie du von Nikotin wieder loskommst.

Nikotin: Was ist das eigentlich?

Chemisch gesehen ist Nikotin ein Alkaloid. Das ist eine organische Stickstoffverbindung. In Spuren, also ganz wenig, kommt es beispielsweise in Nachtschattengewächsen wie Tomaten oder Kartoffeln vor. Hochkonzentriert findet sich Nikotin in Tabakpflanzen (Nicotiana).

Tabakpflanzen erzeugen Nikotin als natürliches Insektenvernichtungsmittel, das einen Botenstoff namens Acetylcholin imitiert. Der wiederum spielt eine entscheidende Rolle im Nervensystem von Lebewesen. Knabbert nun beispielsweise eine Raupe am Tabakblatt, gelangt Nikotin in ihren Organismus und besetzt entsprechende Rezeptoren. An diesen Signalstellen bewirkt es eine Überreizung der Nerven, die zum Tod des Fressfeindes der Tabakpflanze führt. Nikotin funktioniert also als Nervengift. 

So wirkt Nikotin im Körper

Auch im komplexen Organismus des Menschen übt Nikotin eine Wirkung auf das Nervensystem und die Gehirnchemie aus. Beim Rauchen, Vapen oder bei oraler Einnahme, zum Beispiel als Nikotinbeutel oder Kautabak, gelangt es durch Einatmen oder über die Schleimhäute direkt ins Blut. Auf diesem Weg erreicht es innerhalb weniger Sekunden Rezeptoren im Gehirn und an den Nervenbahnen. Dabei passiert Folgendes:
  • Gehirn: Wenn Nikotin seine Wirkung im Gehirn entfaltet, stößt es im „Belohnungszentrum“ (Nucleus accumbens) die Ausschüttung von Dopamin an. Das ist ein als „Glückshormon“ bekannter Botenstoff. Der Effekt: Du fühlst dich wohl.
  • Sättigungsgefühl: In einem anderen Gehirnareal (Hypothalamus) aktiviert Nikotin Hormone, die dem Organismus ein künstliches Sättigungsgefühl signalisieren. Der Effekt: Nikotin kann Hunger unterdrücken.
  • Vegetatives Nervensystem: Zugleich zeigt Nikotin seine Wirkung an der Synapse, wenn es an Rezeptoren des Sympathikus elektrochemische Reize auslöst. Dieser Nervenstrang steuert Körperfunktionen, die erhöhte Leistungsbereitschaft sicherstellen. Der Effekt: Nikotin lässt Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck und Puls ansteigen. Das überlagert Müdigkeit und wirkt anregend.

Beim Rauchen wird aber noch eine Reihe weiterer Hormone freigesetzt, darunter das Stresshormon Adrenalin. Damit übt Nikotin seine Wirkung auf Gefäße aus. Die Wände der Adern spannen sich an und verengen sich. Das Blut fließt langsamer, seine Gerinnungsneigung steigt.

Gut zu wissen: Der menschliche Organismus baut Nikotin über ein Enzym in der Leber wieder ab. Das Wohlgefühl hält nur kurz an. Genau das ist problematisch: Auf das Nikotin-Hoch folgt ein Stimmungsabfall, der das Verlangen nach der nächsten Zigarette weckt. Nikotin gilt daher als „legale Droge“. 

Darum macht Nikotin abhängig

Lungenkrebs-Früherkennung

Screening für derzeitige und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher.

Der Teufelskreis beim Nikotin ist schnell erklärt: Nikotin stößt die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn an, dadurch erlebst du ein Glücksgefühl, das allerdings nicht lange anhält. Sobald die Wirkung verflogen ist, verlangt dein Körper nach Wiederholung. Du willst dieses wohlige Gefühl wieder erleben. Es entsteht eine Mischung aus psychischer und körperlicher Abhängigkeit. 

Mit der Zeit entsteht zusätzlich ein Gewöhnungseffekt und du brauchst immer höhere Dosen, also mehr Nikotin. Schließlich geht es nicht mehr um das wohlige „High“, sondern ums Abwenden unangenehmer Entzugserscheinungen. 

Fortgeschrittene Nikotinsucht kann nämlich so weit gehen, dass bereits Reize wie der Anblick eines Aschenbechers dich zur Zigarette greifen lassen. 

Bleibt der Nachschub eine Weile aus, treten psychische und körperliche Entzugserscheinungen auf:

  • Drang nach Zigaretten
  • Übelkeit
  • Beklemmungen
  • Verstopfung
  • Husten
  • Depressive Verstimmung
  • Konzentrationsschwäche
  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung
  • Gleichgewichtsstörungen

Sind E-Zigaretten, Shishas und Nikotin-Pouches „gesünder“ als Zigaretten?

Lass dich nicht täuschen: Das Marketing von E-Zigaretten will dir weiß machen, dass Vapes weniger schädlich seien als herkömmlicher Tabak. Richtig ist jedoch, dass zwar beim Verdampfen keine Schadstoffe wie Teer inhaliert werden. Es besteht allerdings kein Unterschied in Bezug auf das Suchtpotenzial, wenn die Flüssigkeit für die E-Zigarette Nikotin enthält. Nikotinfreie E-Zigaretten mit Geschmackszusätzen können sogar ein verführerischer Einstieg in den Nikotinkonsum sein und die Hemmschwelle senken.

Ähnlich sieht es beim Shisha-Rauchen aus. Der vermeintlich „sauberere“ Rauch aus der Wasserpfeife sowie aromatisierter Tabak täuschen über das Gewöhnungsrisiko hinweg. Außerdem ist Shisha-Rauchen durch das längere Rauchen und andere schädliche Stoffe im Rauch ein Gesundheitsrisiko.

Besonders tückisch sind Nikotinbeutel. Bei „Pouches“ wird Nikotin über die Mundschleimhäute konsumiert, quasi „an der Lunge vorbei“. Da Pouches üblicherweise einen höheren Nikotingehalt haben als Zigaretten, drohen neben der Suchtgefahr Nebenwirkungen durch Überdosierung. In Deutschland ist der Verkauf von Nikotinbeutel verboten.

Welche negativen Auswirkungen hat Nikotin?

Abgesehen von belastenden Entzugserscheinungen schadet das Rauchen deiner allgemeinen Gesundheit. Nikotin ist dabei nur einer von zahlreichen Schadstoffen. Nikotin selbst ist zwar nicht krebserregend, dafür begünstigen aber die Kondensate beim Rauchen Lungenkrebs. Nikotin ist eine mögliche Ursache für diverse Erkrankungen:
  • Arteriosklerose: im Volksmund auch „Gefäßverkalkung“ genannt. Sie entsteht, indem sich an kleinen Verletzungen der Blutgefäße Ablagerungen bilden. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die vermehrte Anspannung der Gefäßwände durch die gesteigerte Adrenalin-Ausschüttung durch Nikotin kann solche Schäden hervorrufen.
  • Wundheilungsstörungen: Infolge der Gefäßverengung kann sich bei Verletzungen der Heilprozess verschlechtern. Sauerstoff und Reparaturzellen (Fibroblasten) gelangen langsamer zur Wunde.
  • Reduzierte Abwehrkräfte: Nikotin kann die Balance von essenziellen Botenstoffen für die Immunabwehr durcheinanderbringen. Weiße Blutkörperchen werden träge und weniger effektiv.
  • Beeinträchtigte Gehirnentwicklung: Speziell Heranwachsende, also junge Menschen, laufen Gefahr, durch die ständige Einwirkung von Nikotin ihrem Gehirn zu schaden. Das solltest du nicht nur bei deinem eigenen Rauchverhalten bedenken. Wenn Kinder in deinem Umfeld sind, nehmen sie beim „Passivrauchen“ aus eingeatmetem Zigarettenrauch ebenfalls Nikotin auf.
  • Risiken fürs Baby: Rauchen in der Schwangerschaft gefährdet die gesunde Entwicklung von Körper und Gehirn des Fötus im Mutterleib. Daher ist Rauchen in der Schwangerschaft ein absolutes Tabu – genauso wie Alkohol und andere Drogen.
  • Erektionsstörungen, schnellere Hautalterung und Probleme mit der Zahngesundheit sind weitere negative Auswirkungen des Nikotinkonsums.
Laut Bundesministerium für Gesundheit sterben in Deutschland jährlich 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, tust du deiner Gesundheit etwas Gutes – und sparst nebenbei eine Menge Geld für andere schöne Dinge.
Du willst wissen, wie stark du von Nikotin und Zigaretten abhängig bist? Der Fagerström-Test kann dir eine Antwort geben. Das ist ein Angebot der Website Rauchfrei vom unabhängigen Informationsportal vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.

So gelingt dir der Nikotinentzug

Mit dem Rauchen aufhören und Bonuspunkte sammeln

Wenn du einen Suchtentwöhnungskurs (Präventionskurs) nutzt, um mit dem Rauchen aufzuhören, kannst du von uns dafür Punkte im Bonusprogramm erhalten. Die kannst du gegen Geld oder für besondere Gesundheitsleistungen einlösen.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Wirkung, die das Nikotin auf die Psyche hat. Um Entzugserscheinungen zu meistern und Rückfälle zu vermeiden, brauchst du einen systematischen Plan für deinen Rauchstopp. Beste Grundlagen für die Rauchentwöhnung sind ein fester Entschluss und die Motivation, deine Rauchgewohnheiten innerlich aufzuarbeiten. Indem du erkennst, in welchen Alltagssituationen du die Wirkung von Nikotin benötigst oder dir das Rauchen angewöhnt hast, kannst du gezielt Auslöser meiden und Gewohnheiten bewusst ändern.
Das klingt nach einer Herausforderung? Keine Sorge: Du musst das nicht allein bewältigen. Wir unterstützen dich dabei. Unser Artikel „Nikotinsucht – Endlich mit dem Rauchen aufhören“ gibt dir wertvolle Tipps. 
Aber auch zusammen mit Gleichgesinnten fällt der Rauchstopp leichter. Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen und Organisationen wie Gesundheitsämter stehen dir zur Seite. In Suchtentwöhnungskursen bekommst du fachkundige Anleitungen, wie du erfolgreich von Nikotin und Zigaretten loskommst.

Nikotin ohne Rauchen für die Entwöhnung

Wenn du den Zigarettenzwang besiegen willst, können dir im ersten Schritt auch Nikotinersatzprodukte helfen, Entzugserscheinungen abzufedern. Das Ziel ist, den Konsum auszuschleichen, zum Beispiel durch Nikotinpflaster. Die Wirkung erfolgt durch die sukzessive Freisetzung von Nikotin über die Haut. So wird die Nikotinzufuhr von der Zigarette entkoppelt. Ähnlich funktionieren Nikotinkaugummis oder Pastillen. Auch in Sprayform oder Inhalatoren gibt es Nikotin ohne Rauchen.

Wichtig: Kaugummi und Co. sind ausdrücklich zur Rauchentwöhnung gedacht – nicht als dauerhafter Zigarettenersatz.

Alle genannten Produkte sind rezeptfrei erhältlich, allerdings nur in der Apotheke

Falls nötig, kann dich auch dein Hausarzt oder deine Hausärztin dazu beraten, wie du deine Nikotinsucht beenden kannst – gegebenenfalls auch mithilfe von Medikamenten.

Häufige Fragen zur Wirkung von Nikotin

Du hast noch eine Frage? Hier gibt es weitere Antworten zum Thema Nikotin und seine Wirkung.

Ist Shisha ohne Nikotin schädlich für die Lunge?

Ja. Denn für deine Lunge ist es unerheblich, ob Shishatabak Nikotin enthält. Unmittelbar lungenschädigend sind die Verbrennungsprodukte, Feinstaub und Kohlenmonoxid. Hinzu kommt, dass bei einer Wasserpfeife wesentlich mehr Rauch eingesogen wird als bei Zigaretten.

Ist Dampfen ohne Nikotin schädlich für die Lunge? 

Ja, denn auch Vapes mit null Prozent Nikotin sind eine Belastung für deine Lunge. Der heiße Dampf kann Atemwege und Lungenbläschen reizen und Entzündungen erzeugen. Auch die E-Zigarette selbst ist nicht ungefährlich, wenn sich Metallpartikel vom Heizdraht lösen und eingeatmet werden.

Sind Nikotinlutschtabletten schädlich?

Ja, denn Kaugummis oder Lutschtabletten sind als Nikotinersatzquellen zur Unterstützung bei einer Rauchentwöhnung gedacht. Sie sind keinesfalls eine „gesündere“ Alternative zum Tabakrauchen oder Vapen. Durch den oralen Nikotinkonsum wird zwar nicht die Lunge, weiterhin aber das Herz-Kreislauf-System belastet.

Wie ist bei Nikotin-Pouches die Wirkung?

Nikotin-Pouches (Nikotinbeutel) enthalten Nikotin, Aroma- und Süßstoffe sowie Pflanzenfasern. Sie werden im Mund platziert, das Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen. Nikotinbeutel gelten als problematischer neuer Suchttrend und dürfen derzeit in Deutschland nicht verkauft werden.

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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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