Wechselwirkungen von Medikamenten: Das sollten Sie wissen

Wenn Sie Medikamente einnehmen, vertrauen Sie darauf, dass sie Ihnen helfen. Doch was viele nicht wissen: Medikamente können einander beeinflussen – und das kann ernsthafte Folgen haben. Ob Pille, Schmerzmittel, Antidepressiva oder pflanzliche Mittel: Wechselwirkungen sind ein wichtiger Aspekt der Arzneimittelsicherheit. Und nicht nur Medikamente allein spielen dabei eine Rolle. Auch Lebensmittel, Alkohol oder sogar die Außentemperatur können Auswirkungen auf die Wirkung haben. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, worauf Sie achten sollten, wie Sie sich schützen und welche Hilfsmittel Ihnen im Alltag dabei helfen.
Was sind Wechselwirkungen bei Medikamenten?
Nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente sind betroffen. Auch frei verkäufliche Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate wie beispielsweise Johanniskraut können problematisch sein. Selbst Mittel aus der Hausapotheke können im Zusammenspiel mit anderen Medikamenten gefährlich werden.
Zu den typischen Einflussfaktoren für Medikamentenwechselwirkungen zählen:
- Andere Medikamente (zum Beispiel Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Antidepressiva)
- Lebensmittel (etwa Grapefruitsaft, Milchprodukte, Kaffee)
- Alkohol
- Temperatur und Umweltfaktoren (wie etwa starke Hitze)
- Pflanzliche Mittel (beispielsweise Ginko oder Johanniskraut)
Deshalb ist es wichtig, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt genau wissen, was Sie einnehmen – und zwar wirklich alles. Nur so können Sie auf Nummer sicher gehen, dass keine ungewollten Reaktionen auftreten.
Welche Medikamente haben häufig Wechselwirkungen?
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Viele Medikamente sind für sich genommen gut verträglich. Doch wenn sie kombiniert werden, kann es kritisch werden. Besonders betroffen sind:
- Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder ASS
- Antibiotika, die mit anderen Arzneimitteln oder Lebensmitteln reagieren können
- Antidepressiva und andere Psychopharmaka
- Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille
Ein Beispiel: Das pflanzliche Mittel Johanniskraut kann zur Stimmungsaufhellung eingenommen werden. Doch es kann die Wirkung der Pille abschwächen – und damit ungewollt die Verhütung beeinträchtigen. Auch bei Antidepressiva kann Johanniskraut zu teils schweren Wechselwirkungen führen.
Was viele nicht wissen: Auch ein einfaches Antibiotikum kann die Wirkung der Pille beeinflussen – ohne, dass man es sofort merkt. Der Körper baut die Hormone der Pille dann schneller ab oder nimmt sie nicht mehr richtig auf. Das kann den Empfängnisschutz deutlich verringern. Deshalb ist es besonders wichtig, bei der Einnahme von Antibiotika immer auch an die Verhütung zu denken und sich ärztlich beraten zu lassen. Oft ist eine zusätzliche Verhütungsmethode für die Dauer der Antibiotikatherapie sinnvoll.
Grundsätzlich gilt:
- Kombinieren Sie Medikamente niemals ohne ärztliche oder pharmazeutische Beratung.
- Verändern Sie die Dosierung nicht auf eigene Faust.
- Informieren Sie sich bei jeder neuen Medikation über mögliche Medikamentenwechselwirkungen.
Wenn Sie unsicher sind, kann ein einfacher Wechselwirkungscheck von Medikamenten in der Apotheke erste Hinweise geben. Diesen Service bieten einige Apotheken an. Sie prüfen Ihre Medikamente mithilfe einer Software, die Wirkstoffe und bekannte Wechselwirkungen miteinander abgleicht, ob Sie auf etwas Acht geben müssen. Oftmals gibt es verschiedene Medikamente, die ähnlich wirken, aber auf einen anderen Wirkstoff setzen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann ein passendes Alternativprodukt verschreiben, damit Wechselwirkungen verhindert werden.
Lebensmittel, die die Wirkung von Medikamenten verändern können
Diese Kombinationen sollten Sie kennen:
- Grapefruitsaft hemmt bestimmte Enzyme in der Leber. Dadurch kann sich die Konzentration einiger Wirkstoffe im Blut gefährlich erhöhen.
- Kaffee beschleunigt den Abbau bestimmter Medikamente – das kann die Wirkung abschwächen.
- Milch und Milchprodukte binden einige Wirkstoffe, insbesondere bestimmte Antibiotika, und verhindern so die Aufnahme im Körper. Das trifft aber nur auf wenige Antibiotika zu. Dazu gehört zum Beispiel das Breitband-Antibiotikum Tetrazyklin. Es wird bei einer Vielzahl von Infektionskrankheiten eingesetzt.
Besonders kritisch ist das bei hormonellen Verhütungsmitteln, Antidepressiva und Schilddrüsenmedikamenten. Deshalb: Lesen Sie den Beipackzettel genau durch. Dort finden Sie meist Hinweise zur Einnahme mit oder ohne Nahrung. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in der Apotheke nach.
Umweltfaktor Klimawandel: Wie beeinflusst Hitze die Wirkung von Medikamenten?
Nicht nur andere Stoffe beeinflussen die Wirkung von Medikamenten – auch die Witterung spielt eine Rolle. Besonders hohe Temperaturen können Medikamente und deren Wirkung beeinflussen.
Das betrifft vor allem:
- Herz-Kreislauf-Medikamente
- Psychopharmaka
- Schmerzmittel
Deshalb sollten Sie Ihre Arzneimittel unbedingt vor Hitze schützen. Lagern Sie sie am besten an einem kühlen, trockenen Ort, also nicht im Auto oder direkt in der Sonne. Hinweise zur Lagertemperatur finden Sie meistens auf der Verpackung oder dem Beipackzettel. Dauert eine Hitzeperiode länger an, besprechen Sie die Einnahme gegebenenfalls mit einer medizinischen Fachperson. Eventuell muss Ihre Einnahmezeit oder die Dosis angepasst werden. Berücksichtigen Sie auch, dass Hitze Nebenwirkungen wie Schwindel, Kreislaufprobleme oder Müdigkeit verstärken kann.
Außerdem können einige Medikamente (und dazu gehören wiederum die gängigen Antidepressiva) die Fähigkeit des Körpers zur Temperaturregulation und dessen Lichtempfindlichkeit beeinflussen.
So schützen Sie sich vor gefährlichen Wechselwirkungen
Nicht nur andere Medikamente und bestimmte Lebensmittel können Wechselwirkungen verursachen. Auch, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, sollten Sie vorsichtig sein. Denn sportliche Aktivität kann den Stoffwechsel und die Wirkung von Medikamenten beeinflussen – etwa durch verstärkte Aufnahme, schnelleren Abbau oder Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen. Deshalb sollten Sie neue Medikamente nicht direkt vor dem Training einnehmen und auf mögliche Reaktionen Ihres Körpers achten.
Grundsätzlich lassen sich Wechselwirkungen oft vermeiden – wenn Sie ein paar Dinge beachten:
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Apothekerin über alle Medikamente, die Sie einnehmen. Dazu gehören auch Vitaminpräparate, Tees oder pflanzliche Mittel.
- Lesen Sie den Beipackzettel sorgfältig. Dort finden Sie wichtige Hinweise zu Wechselwirkungen der Arzneimittel, Einnahmezeiten und Kombinationen mit Lebensmitteln.
- Achten Sie auf Ihr Körpergefühl. Plötzliche Beschwerden oder veränderte Symptome können Hinweise auf Wechselwirkungen sein.
- Planen Sie die Einnahme bewusst. Berücksichtigen Sie Mahlzeiten, sportliche Aktivität, Ihren Zyklus oder heiße Tage.
Elektronische Patientenakte: Ihr Schutzschild vor Wechselwirkungen
Was bringt Ihnen die ePA konkret?
- Ihre Medikamente, Diagnosen und Behandlungen werden übersichtlich gespeichert.
- Sie entscheiden, wer Zugriff hat.
- Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sehen auf einen Blick, ob neue Medikamente mit bestehenden kollidieren.
Das ist besonders hilfreich, wenn mehrere Fachbereiche beteiligt sind oder Sie eine Notfallbehandlung brauchen. So können Sie aktiv dazu beitragen, Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu prüfen und Ihre Medikamentenverträglichkeit zu sichern.
Häufige Fragen zu Wechselwirkungen von Arzneimitteln
Welche Wechselwirkungen gibt es bei Medikamenten?
Wechselwirkungen entstehen, wenn sich Medikamente gegenseitig beeinflussen. Dabei kann es zu verstärkter oder abgeschwächter Wirkung kommen – oder zu unerwünschten Nebenwirkungen. Auch die Kombination aus Medikamenten mit Lebensmitteln, Alkohol oder Umweltfaktoren spielen hier eine Rolle.
Wie behandelt man Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Medikamente sich gegenseitig negativ beeinflussen, sollten Sie die Einnahme nicht auf eigene Faust abbrechen. Wenden Sie sich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Eventuell reicht es, die Einnahmezeitpunkte zu verschieben oder ein Medikament zu ersetzen.
Wie erkennt man Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Typische Anzeichen sind plötzliche Nebenwirkungen (wie etwa Schwindel, Hautausschlag, Müdigkeit) oder eine ausbleibende Wirkung trotz regelmäßiger Einnahme.
Fachbereich der DAK-Gesundheit

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