Alkoholvergiftung: Symptome erkennen, richtig handeln, Leben schützen

Wenn Menschen beim Trinken kein Maß kennen, wird aus einer lustigen Party schnell ein todernster Notarzteinsatz. Eine Alkoholvergiftung ist ein akuter Notfall und kann, insbesondere bei schweren Verläufen, auch langfristige Schäden hinterlassen. Wir erklären, woran man eine Alkoholvergiftung erkennt, wie eine Soforthilfe aussehen kann und wann ärztliche Hilfe notwendig ist.
Was ist eine Alkoholvergiftung?
Denn Alkohol ist nicht harmlos. Was wir umgangssprachlich als „Promille“ bezeichnen, ist chemisch gesehen Ethanol – ein Stoff, der deinem Körper schadet. In größeren Mengen wirkt Alkohol wie ein Gift, das unter anderem das Gehirn und Nervensystem beeinträchtigt. Von einer Alkoholvergiftung spricht man, wenn so viel Alkohol im Blut ist, dass das Gehirn und wichtige Körperfunktionen erheblich gestört werden. Das passiert schnell, wenn du viel Alkohol in kurzer Zeit trinkst – zum Beispiel beim sogenannten „Vorglühen“ oder bei Trinkspielen.
Der Alkohol bringt dabei dein zentrales Nervensystem durcheinander. Im schlimmsten Fall werden wichtige Funktionen ausgeschaltet, die du zum Überleben brauchst – etwa die Atmung oder der Herzschlag. Eine Alkoholvergiftung ist deshalb kein „Ausrutscher“, sondern ein ernstzunehmender Notfall.
Alkoholvergiftung: Symptome & Stadien
Die Stärke und Form der Alkoholvergiftungssymptome hängen vom aktuellen Stadium der Vergiftung ab. Sie verändern sich im Verlauf der Intoxikation:
- Stadium 1 – Exzitation: Zu Beginn bewirkt der Alkohol eine deutliche Enthemmung, oft verbunden mit einer gesteigerten Redseligkeit. Was oft noch harmlos als „Schwips“ abgetan wird, zeigt bereits deutlich die Wirkung von Alkohol auf das zentrale Nervensystem. Bereits in diesem Stadium kann es zu einer Beeinträchtigung der Koordination und des Gleichgewichts kommen. Symptome: Enthemmung, verminderte Selbstkontrolle, Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen und gegebenenfalls Erbrechen.
- Stadium 2 – Hypnose: Zu diesem Zeitpunkt sind Koordination, Gleichgewichtssinn, Sprache und Sehfähigkeit bereits stark gestört. Die betroffene Person wirkt zunehmend verwirrt, ist weniger schmerzempfindlich und entwickelt eine ausgeprägte Muskelschlaffheit. Symptome: Verlangsamte oder eingeschränkte Pupillenreaktion, Orientierungslosigkeit, Schläfrigkeit, Bewusstseinstrübung.
- Stadium 3 – Narkose: Hier kommt es zu einer tiefen Bewusstlosigkeit, alle Schutzreflexe sind stark herabgesetzt oder aufgehoben. Auch grundlegende Körperfunktionen wie die Kontrolle über Blase und Darm können verloren gehen. Symptome: Tiefer, nicht weckbarer Schlaf, flache oder verlangsamte Atmung, unwillkürlicher Harnabgang.
- Stadium 4 – Asphyxie: Dieser Zustand schwerster Intoxikation mit sehr hoher Blutalkoholkonzentration ist mit akuter Lebensgefahr verbunden, insbesondere durch eine Abflachung der Atmung bis hin zum Atemstillstand. Symptome: Unregelmäßige oder stark verlangsamte Atmung, schwacher Puls, tiefe Bewusstlosigkeit.
Wer diese Anzeichen erkennt und handelt, kann im Ernstfall Leben retten. Wie schnell diese Stadien erreicht werden, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von persönlichen Faktoren und Risiken ab.
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Risikofaktoren für eine Alkoholvergiftung
Wie schnell es zu einer Alkoholvergiftung kommt, wird nicht nur von der aufgenommenen Ethanolmenge, sondern von vielen weiteren Faktoren beeinflusst. Dazu gehören zum Beispiel:
- Individuelle körperliche Voraussetzungen, also wie gut dein Körper Alkohol abbauen kann
- Biologische Unterschiede: Männer können oft größere Mengen Alkohol abbauen als Frauen
- Trinkgeschwindigkeit und Grundlage: Wer auf leeren Magen und sehr schnell trinkt, überfordert die Abbaukapazität der Leber.
- Zuckerhaltige Mix-Getränke werden oft schneller konsumiert als herb-schmeckende Alternativen: Dadurch wird oft in kürzerer Zeit, mehr Alkohol konsumiert.
Ab wann sollte man bei Alkoholvergiftung den Rettungsdienst rufen?
Die Party ist in vollem Gange, aber du bist unsicher, ob es einem der Gäste wirklich noch gut geht? Du solltest bei Alkoholvergiftungssymptomen sofort den Rettungsdienst rufen. Das gilt insbesondere, wenn:
- Die betroffene Person auf Ansprache nicht mehr reagiert oder schon bewusstlos ist
- Es zu Erbrechen, Krampfanfällen oder Atemproblemen kommt
- Die Hautfarbe sich bläulich verändert
- Eiskalte Hände eine Unterkühlung andeuten
- Die Atmung sehr langsam wird
Im Zweifel gilt immer: Lieber einmal zu früh den Rettungsdienst rufen als ein lebensgefährliches Risiko einzugehen.
Erste Hilfe bei einer Alkoholvergiftung
Wenn aus dem Partyspaß lebensbedrohlicher Ernst wird, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und gezielt zu handeln. Im Folgenden findest du Tipps, um diese Situation bestmöglich zu meistern:
- Bringe eine bewusstlose Person umgehend in die stabile Seitenlage, um ein Ersticken an Erbrochenem zu verhindern.
- Prüfe kontinuierlich die Atmung und den Puls, bis der Rettungsdienst eintrifft.
- Decke Betroffene warm zu, da der Körper durch die Gefäßerweiterung sehr schnell auskühlt.
- Bleibe unbedingt bei der Person und lasse sie niemals allein, um auf Verschlechterungen reagieren zu können.
- Es kann passieren, dass die betroffene Person kurz zu sich kommt. Das ist normal und leider kein Zeichen für eine Entwarnung.
- Versuche keinesfalls, der betroffenen Person Getränke oder Essen zu verabreichen.
Wie kann man eine Alkoholvergiftung verhindern?
Du möchtest trotzdem hin und wieder ein Gläschen genießen? Dann können dir die folgenden Tipps helfen, deinen Alkoholkonsum bewusst zu gestalten:
- Kenne dein Limit: Leg vorher für dich fest, wie viel du trinken darfst. Im besten Fall folgst du der 3-2-1-Regel: maximal ein Getränk pro Stunde und zwei am Abend, beziehungsweise drei in 24 Stunden.
- Schaffe eine Grundlage mit einem kräftigen, gesundem Essen.
- Trinke vor jedem alkoholischen Getränk erst mal ein nichtalkoholisches Getränk gegen den Durst.
- Hör spätestens dann auf zu trinken, wenn dir schwindlig oder schlecht wird.
- Trinke keinen Alkohol, wenn du vorher Medikamente eingenommen hast.
- Achte auf deine Freundinnen und Freunde und hilf ihnen, wenn jemand zu viel trinkt.
Häufige Fragen zur Alkoholvergiftung
Noch Fragen offen? Vielleicht ist deine Antwort jetzt dabei:
Wie lange geht es einem schlecht nach einer Alkoholvergiftung?
Einmal ausschlafen und alles ist wieder gut? So einfach ist das nicht. Eine Intoxikation wirkt nach: Die Alkoholvergiftungssymptome am nächsten Tag umfassen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Zittern und Müdigkeit sowie Dehydrierung. Bei einer schweren Alkoholintoxikation können diese Symptome mehrere Tage anhalten.
Was passiert im Krankenhaus bei einer Alkoholvergiftung?
Am wichtigsten sind die Überwachung und Stabilisierung der Vitalwerte wie Atmung, Kreislauf und Herzfunktion. Infusionen unterstützen über eine zusätzliche Flüssigkeits-, Glucose- und Mineralstoffzufuhr die Kreislauffunktion. Die ersten 24 Stunden können so kritisch sein, dass eine intensivmedizinische Überwachung nötig ist.
Was braucht der Körper nach einer Alkoholvergiftung?
Nach einer Ethanolintoxikation benötigt der Körper Ruhe, viel Flüssigkeit und ausreichend leicht verwertbare Energie. Ziel ist, dass Kreislauf und Blutzuckerspiegel stabilisiert werden. Wer nach einer Alkoholvergiftung die Behandlung zu Hause fortsetzen möchte, darf auf ausreichend Wasser, Tee, Elektrolyte und Glucose achten.
Bei wie viel Promille droht die Alkoholvergiftung?
Bei den meisten Menschen spricht man ab etwa drei Promille von einer lebensgefährlichen Intoxikation. Schwere Alkoholvergiftungen können jedoch bereits bei deutlich niedrigeren Promillewerten auftreten. Ab wann es gefährlich wird, hängt stark von individuellen Faktoren wie Körpergewicht, Trinkgewohnheiten, Alter und Begleiterkrankungen ab.
Fachbereich der DAK-Gesundheit




