Ergotherapie für Kinder: Wann ist sie sinnvoll und was bringt sie?

Kinder aufwachsen zu sehen, ist spannend: Als Erwachsener beobachtest du diese Entwicklung mit Argusaugen. Vielleicht bemerkst du dabei, dass das Kind sich anders bewegt, reagiert oder verhält als Gleichaltrige. Ist es auffällig tollpatschig? Hat es Schwierigkeiten, einen Stift zu halten? Gerät es bei kleinsten Misserfolgen aus der Fassung? Um solche Defizite aufzufangen, gibt es ganzheitliche Behandlungsmethoden mit spielerischem Ansatz. Hier erfährst du, was Ergotherapie für Kinder leistet, was dabei geschieht und wann sie sinnvoll ist.
Was ist Ergotherapie für Kinder?
Für dich als Beobachter mag es vordergründig aussehen, als würde die Therapie größtenteils aus Basteln und Spielen bestehen. Genau das ist der Sinn dabei: Ergotherapie für Kinder setzt auf altersgerechte Förderung und berücksichtigt die individuellen Stärken und Schwächen der kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Je nach Alter und Art des Defizits deckt sie eine große Bandbreite an Methoden ab. Ein passgenauer Therapieplan stärkt Kids für ihre jeweiligen Herausforderungen.
Bei welchen Diagnosen ist Ergotherapie für Kinder sinnvoll?
Eine Ergotherapie für Kinder ist ein geeigneter Ansatz bei unterschiedlichen Defiziten. Dabei sind Überschneidungen möglich:
Organische, genetische und neurologische Befunde
Cerebralparesen (Haltungs- und Bewegungsstörungen durch frühkindliche Hirnschädigung), Trisomie 21 (und weitere genetisch bedingte Krankheitsbilder), Schädel-Hirn-Verletzungen, Lähmungen durch Hirn- oder Nervenschäden, geistige und körperliche Beeinträchtigungen
Kognitive Befunde (abweichende Verarbeitung von Informationen im Gehirn)
Aufmerksamkeitsstörungen (ADS/ADHS), Autismus, Teilleistungsstörungen (beispielsweise Lese- oder Rechenschwäche), Grob- und Feinmotorikstörungen (ohne Lähmungen), Störungen der WahrnehmungsweiterleitungEmotionale und psychische Befunde
Verhaltensauffälligkeiten, mangelnde Impulskontrolle (beispielsweise Wutanfälle), Störungen der emotionalen Regulation und Instabilität
Wie funktioniert eine Ergotherapie bei Kindern?
Um festzustellen, ob deinem Kind eine Ergotherapie helfen kann, ist eure erste Anlaufstelle die Kinderarztpraxis. Bevor Kinder mit einer Ergotherapie beginnen, wird abgeklärt, ob und in welchem Maß eine Störung tatsächlich vorliegt. Dazu gehört das Patientengespräch mit dir und deinem Kind sowie medizinische Untersuchungen. Ablauf und Inhalte der Therapiemaßnahmen werden dann an der Diagnose ausgerichtet.
Die Therapie selbst findet in spezialisierten Fachpraxen statt, abhängig vom Förderbedarf in Einzelsitzungen oder Kleingruppen. Parallel beraten dich die Fachkräfte, wie sich Übungen und Therapieerfolge in den Alltag übertragen lassen. Deine Mitwirkung und die Zusammenarbeit zwischen dir und dem Praxisteam sind wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Therapie.
Was machen Kinder bei der Ergotherapie?
Was zeichnet eine Ergotherapie für Kinder aber nun inhaltlich aus? Im Rahmen einer Ergotherapie werden die Kleinen je nach Förderschwerpunkt in oft spielerischen Situationen systematisch mit Bewegungs- und Wahrnehmungsreizen konfrontiert. Daneben werden gestalterische und handwerkliche Mittel genutzt.
Außerdem kommen bei der Ergotherapie Übungen für Kinder zum Einsatz, die körperliche und geistige Fertigkeiten trainieren
- Sensorische Integration: Die Kinder verarbeiten Sinnesreize durch Tasten und Bewegung. Schaukeln, Hüpfen oder Balancieren regen beispielsweise den Gleichgewichtssinn an, ein „taktiler Parcours“, bei dem das Kind über verschiedenartige Untergründe läuft, den Berührungssinn.
- Motorik: Die Feinmotorik kann gefördert werden, indem das Kind malt, bastelt oder Schreibübungen macht. Für die Grobmotorik eignen sich Bewegungsspiele für Kinder, zum Beispiel Bälle werfen, an einem Parcours klettern oder durch einen Tunnel kriechen.
- Konzentration: Gedächtnis- und Konzentrationsspiele, Entspannungsübungen und Übungen zur Hand-Auge-Koordination sind nur einige Instrumente der kognitiven Ergotherapie für Kinder.
- Verhalten und Impulskontrolle: Hierfür bieten sich Gruppentherapien und Spiele an, bei denen Kinder miteinander kooperieren oder bei denen achtsame Bewegungen erforderlich sind.
- Lebenspraxis: Auch alltägliche Fertigkeiten wie das Anziehen oder eine Schleife binden, sind ergotherapeutische Aufgaben für Kinder.
Was sind die Ziele der Ergotherapie?
Die Behandlung soll den kleinen Patientinnen und Patienten zu größtmöglicher Selbstständigkeit verhelfen. Die wichtigen Ziele der Ergotherapie für Kinder bestehen darin, Alltags- und soziale Kompetenzen zu stärken und Selbstvertrauen aufzubauen. Bei Erfolg führt das zu einer langfristigen Steigerung der Lebensqualität für die gesamte Familie.
Mit Ergotherapie Kinder im Sozialverhalten stärken
Charaktere von Kindern sind einzigartig. Manchmal zeigen sie Extreme. Dein Nachwuchs will stets das Spiel bestimmen und wütet, wenn andere Kids Einwände haben? Oder gehört es zu den Kindern, die schüchtern abseitsstehen und sich nie trauen mitzuspielen? Idealerweise wird bessere Durchsetzungskraft oder Impulskontrolle für Kinder mit einer Ergotherapie erreicht.
Eine wichtige Rolle nimmt in der Ergotherapie für Kinder die liebevolle Unterstützung bei der Verarbeitung von Emotionen ein. Dazu gehört beispielsweise die Arbeit an der Frustrationstoleranz oder an der Selbstwertstärkung in der Gruppe.
Wann ist Ergotherapie sinnvoll?
Hast du den Eindruck, dass sich bei deinem Nachwuchs Verzögerungen oder ungewöhnliche Ausprägungen in der geistigen, seelischen oder körperlichen Entwicklung abzeichnen? Dann solltest du im konkreten Bedarfsfall euren Kinderarzt oder eure Kinderärztin auf eine Ergotherapie für Kinder ansprechen.
Aufschlussreich ist das zusätzliche Gespräch mit den pädagogischen Fachkräften im Kindergarten oder in der Schule. Schwierigkeiten in der sozialen Kompetenz fallen im Familienleben manchmal nicht auf. So ist ein Kind daheim unter vertrauten Bezugspersonen möglicherweise eine Plaudertasche. In der Schule kann demselben Kind das Selbstvertrauen fehlen, etwas zu sagen. Ein Vergleich mit Gleichaltrigen ist aufschlussreich.
Fälle, in denen kinderärztliches Fachpersonal unabhängig von organischen oder psychischen Auslösern Ergotherapie für Kinder empfiehlt, sind:
- Schwierigkeiten in Grob- und Feinmotorik
- Gleichgewichtsstörungen
- Normabweichungen bei der Verarbeitung von Wahrnehmungen
- Verhaltensauffälligkeiten
- Schwierigkeiten bei sozialen Interaktionen mit anderen Kindern und Erwachsenen
- ADHS/ADS
- Konzentrationsschwäche
Achtung: Jedes Kind ist anders und entwickelt sich in seinem Tempo. Wenn dein Kind noch nicht so gut malt wie andere Kinder oder Probleme beim Ausschneiden hat, bedeutet das nicht gleich, dass dein Nachwuchs zwingend eine ergotherapeutische Behandlung braucht. Ausschlaggebend ist der altersgemäße Entwicklungsstand. Ein Kindergartenkind hält einen Stift natürlich nicht so geschickt wie ein Grundschulkind und hat eine geringere Aufmerksamkeitsspanne.
In der Kinderarztpraxis werden routinemäßig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen „Entwicklungsmeilensteine“ überprüft. Auch sonst ist die behandelnde medizinische Fachkraft dein Ansprechpartner, um einen Ergotherapiebedarf festzustellen.
Wer verordnet Ergotherapie für Kinder?
Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche
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Die Empfehlung für die therapeutische Maßnahme erteilt in der Regel der Kinderarzt oder die Kinderärztin. Außerdem können Medizinerinnen und Mediziner aus der Jugendmedizin, Kinderneurologie oder Kinderpsychiatrie Verordnungen ausstellen.
Gut zu wissen: Frühzeitig begonnen, ist Ergotherapie für dein Kind eine Chance, für den Alltag fit zu werden. Das Gute dabei ist, dass die Kinder die Behandlung nicht als ärztliche Maßnahme empfinden – und du erleichterst ihnen den Alltag und den Umgang mit der Welt.




