Blasenentzündung beim Kind: Symptome, Ursachen und Behandlung

Ein Kind sitzt auf der Toilette.

Wenn du selbst schon einmal eine Blasenentzündung hattest, weißt du, wie unangenehm Brennen und Druck beim Wasserlassen sein können. Nun stell dir vor, wie sich dein Kind oder dein Baby beim „kleinen Geschäft“ fühlt, wenn dabei etwas nicht stimmt. Mit Antibiotika, Sitzbädern und einfachen Hygieneregeln ist schmerzhaftes Pipimachen für den Nachwuchs meist schnell ausgestanden. Hier erfährst du, wie eine Blasenentzündung beim Kind entsteht, wie du ihr vorbeugen kannst und woran du sie erkennst.

Was ist eine Blasenentzündung bei Kindern?

Eine Blasenentzündung (fachsprachlich: Zystitis) ist eine Infektion der unteren Harnwege, speziell der Harnblase. Blasenentzündungen kommen bei Kindern häufig vor. Glücklicherweise sind sie meist kein Anlass zu ernster Sorge – vorausgesetzt, sie werden schnell behandelt. Du solltest einen Verdacht auf eine Blasenentzündung stets abklären lassen, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Wie entsteht eine Blasenentzündung bei Kindern?

Die häufigsten Erreger für Blasenentzündungen sind körpereigene Darmbakterien, die auf Abwege geraten und in die Blase eindringen. Da Mädchen eine kürzere Harnröhre haben, die zudem näher beim After liegt, sind Blasenentzündungen bei ihnen häufiger als bei Jungen. Bei denen kann wiederum eine Fehlbildung der Harnwege oder eine Vorhautverengung die Anfälligkeit für wiederkehrende Blasenentzündungen erhöhen. Die Infektion entsteht in dem Fall auch durch Stauungen oder Rückfluss von Urin.
Darmbakterien gelangen häufig durch Stuhl ins Harnsystem, etwa durch zu volle Windeln bei Säuglingen oder durch Schmierinfektionen bei Kleinkindern. Dies passiert zum Beispiel, wenn die Kleinen das Händewaschen vergessen, ein unsauberes Töpfchen nutzen oder einmal nicht richtig abgewischt wurde. Magen-Darm-Infekte wie Durchfall erhöhen das Risiko. 

Doch wie kannst du richtig vorbeugen? Wichtig ist die richtige Wischtechnik nach dem Stuhlgang und beim Windelwechsel. Der Po muss immer von vorn nach hinten gesäubert werden, nie andersherum. So bleiben Darmbakterien weit weg vom Harnröhrenausgang. 

Weitere Risikofaktoren für Blasenentzündungen

Folgende Bedingungen können die Vermehrung von Erregern verstärken.

  • Unterkühlung: Kälte und Nässe, beispielsweise durch feuchte Badesachen oder Sitzen auf kalten Oberflächen, können die Durchblutung drosseln und so die lokale Abwehr schwächen — das begünstigt eine Blasenentzündung, wenn Bakterien bereits vorhanden sind.
  • Dehydrierung: Wenn die Kids beim Spielen zu wenig trinken und darum kaum Pipi machen, werden die Bakterien nicht schnell genug aus der Harnblase gespült. Sie haben mehr Zeit, sich zu vermehren und sich in der Blase festzusetzen.
  • Synthetische Unterwäsche: Unter nicht atmungsaktiver Kleidung entsteht ein schwitziges Mikroklima, in dem Bakterien sich vermehren können.
  • Mechanische Reizung: Beengende Unterwäsche kann an der Harnröhrenöffnung reiben und winzige Verletzungen erzeugen, die zu Eintrittspforten für Keime werden können.

Abgesehen davon können anatomische Besonderheiten wie die erwähnten Fehlbildungen oder funktionelle Störungen untere Harnwegsinfekte begünstigen, etwa eine unvollständige Blasenentleerung. Ein geschwächtes Immunsystem, Diabetes oder Gewebeschädigungen sind weitere Risikofaktoren.

Woran erkennen Eltern eine Blasenentzündung bei ihrem Kind?

Blasenentzündungen sind schmerzhaft. Kinder zeigen allerdings oft unklare Symptome und können ihre Beschwerden meist nicht genau beschreiben. Umso wichtiger ist es, dass du bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion schnell medizinischen Rat einholst. Die Symptome können je nach Alter variieren.

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Anzeichen für eine Blasenentzündung bei Kindern bis drei Jahre

Bei Säuglingen und Kleinkindern können Symptome für einen Harnwegsinfekt leicht mit Anzeichen des Zahnens oder anderen Erkrankungen verwechselt werden. Manchmal ist Fieber das einzige Krankheitszeichen. Weitere mögliche Symptome einer Blasenentzündung beim Kind in diesem Alter sind:

  • Reizbarkeit
  • Berührungsempfindlichkeit
  • anhaltendes Jammern und Quengeln
  • Teilnahmslosigkeit, Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit beziehungsweise schlechtes Trinkverhalten
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Trüber, übel riechender oder sogar blutiger Urin

Anzeichen für Blasenentzündungen bei Kindern ab vier Jahren 

Im Kindergartenalter können Symptome bei einer Blasenentzündung besser beschrieben werden. Du kannst hellhörig werden, wenn dein Kind etwa über Bauchschmerzen klagt. Mögliche weitere Beschwerden können sein:

  • Brennen und Schmerzen während des Wasserlassens
  • Häufiger Harndrang mit jeweils nur geringer Urinmenge
  • Unterbauchschmerzen
  • Einnässen (bei bereits „trockenen“ Kindern)
  • Kind kratzt oder reibt sich im Genitalbereich, um den Juckreiz zu lindern
  • Kind vermeidet den Toilettengang – wegen der brennenden Schmerzen beim Urinieren
  • Trüber, flockiger, stark riechender oder blutiger Urin.

Achtung: Hohes Fieber, Schüttelfrost, blutiger oder getrübter Urin und Schmerzen im Nierenbereich sind immer ernste Warnsignale. Sie können ein Hinweis sein, dass die Blasenentzündung vom unteren Harnsystem aufgestiegen ist. Das muss unverzüglich medizinisch abgeklärt werden.

Blasenentzündung beim Kind ab sechs Jahren 

Im Schulalter ab sechs Jahren können gegebene Umstände die Blasenentzündung erschweren. In der Schule sind die Kinder beim Toilettengang auf sich allein gestellt. Zeitmangel, Eile in der Pause oder mangelnde Ausstattung der Schul-WCs können zu Schmierinfektionen führen. Manche Kinder halten sogar bewusst ein, um nicht auf eine unsaubere Schultoilette gehen zu müssen. Das Vermeiden des Toilettengangs und das Unterdrücken des Harndrangs gibt den Bakterien jedoch Zeit zur Vermehrung.

Tipp: Sprich offen mit deinem Kind. Wie sind die Gegebenheiten in der Schule? Gibt es Ängste oder Unsicherheiten? Erkläre deinem Kind, warum der Toilettengang wichtig ist und auf was es dabei achten soll. 

Wann sollte man mit einem Kind wegen einer Blasenentzündung zum Arzt gehen?

Vielleicht überlegst du, wann du zum Arzt oder zur Ärztin gehen solltest, wenn du eine Blasenentzündung bei deinem Kind bemerkst. Ganz einfach: Bei Säuglingen musst du schnellstens, bei älteren Kindern so zeitnah wie möglich hin. Gerade bei Babys und Kleinkindern mit vagen Symptomen ist es wichtig, dass du bei Verdacht auf eine untere Harnwegsinfektion schnell handelst. Mit einem Besuch bei einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin eilt es besonders, wenn:

  • das Kind Fieber hat,
  • Schüttelfrost oder Nierenschmerzen hat,
  • starke Schmerzen im Bauch- oder Rückenbereich spürt,
  • die Farbe des Urins auffällig oder Blut enthalten ist,
  • es bereits zu wiederkehrenden Infekten gekommen ist und
  • Symptome sich nach 48 Stunden noch nicht gebessert haben.

Eine unbehandelte Blasenentzündung bei Kindern kann wiederkehrend werden oder zu einer Entzündung des Nierenbeckens und zu einer Nierenschädigung führen. In der kinderärztlichen Praxis können andere Infekte ausgeschlossen und eine gezielte Behandlung eingeleitet werden. Die medizinischen Fachpersonen bestätigen bei der Untersuchung des Urins das Vorhandensein von Bakterien und starten eine entsprechende Therapie. Im Fall eines erstmaligen Harnwegsinfekts kann eine Ultraschalluntersuchung Fehlbildungen des Harnsystems nachweisen.

Wie wird eine Blasenentzündung beim Kind diagnostiziert?

Für eine rasche Diagnose bei dem Verdacht auf Blasenentzündung benötigt der Arzt oder die Ärztin eine Urinprobe deines Kindes. Die solltest du zur Untersuchung gleich mitbringen, denn kleine Kinder können häufig nicht auf Anweisung Wasser lassen. Damit zu Hause das Pipi läuft, gib deinem Kind vorher viel zu trinken und geh das ganze spielerisch an. Vielleicht gibt es eine Runde Vorlesen, wenn das Pipi im Becher landet? Falls das Auffangen zu Hause nicht klappt, können Kinderärzte oder Kinderärztinnen Urin auch per Urinbeutel, Katheter oder Punktion in der Praxis entnehmen.  

Achte darauf, dass der Genitalbereich des Kindes beim Wasserlassen ganz sauber ist. Darmbakterien aus frischem Stuhl könnten die Probe verfälschen. Benötigt wird der sogenannte „Mittelstrahl“, das ist der zweite „Schwall“ beim Entleeren der Blase.

Die behandelnde Fachperson wird sich nach den Symptomen erkundigen und den kleinen Patienten oder die Patientin körperlich und gegebenenfalls mit Ultraschall untersuchen. Der Urin wird mittels spezieller Teststreifen und unter dem Mikroskop analysiert. Das ist innerhalb weniger Minuten möglich; bei einem unklaren Befund ist eine Laboruntersuchung notwendig. Manchmal kommt ein Blutbild oder eine spezielle Röntgenuntersuchung hinzu.

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Wie wird eine Blasenentzündung beim Kind behandelt?

Dein Kind hat eine Blasenentzündung – was nun? Je nach Alter und Schweregrad der Infektion wird von Kinderärzten und Kinderärztinnen in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen verordnet. Ziel ist es, die Entzündung zu beseitigen und ein Übergreifen aufs Nierenbecken zu verhindern.

  • Antibiotika: Während eine Blasenentzündung bei Erwachsenen nicht zwingend medikamentös behandelt wird, ist das bei Kindern üblich. Das liegt daran, dass das Abwehrsystem noch empfindlicher ist. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin verschreibt ein gezielt auf die häufigsten Erreger abgestimmtes Antibiotikum, das streng nach Vorschrift eingenommen werden muss. Den Behandlungserfolg überprüft der oder die Behandelnde anschließend mit einer neuen Urinprobe. Ältere Jugendliche mit unkomplizierter Infektion werden indes nicht zwingend medikamentös behandelt.
  • Hausmittel: Eine Blasenentzündung beim Kind kannst du unterstützend lindern. Wichtig ist, viel zu trinken. Wasser oder ungesüßter Tee sind ideal, allerdings solltest du Kindern unter sechs Jahren keine harntreibenden Tees (wie Brennnessel oder gar Blasen-Nieren-Arzneitees) anbieten. Das Trinken führt zu vermehrtem Wasserlassen, bei dem die Blase ganz entleert werden sollte. Außerdem können warme Sitzbäder oder eine Wärmflasche für bessere Durchblutung der Blasenregion sorgen. Das unterstützt die Immunabwehr. 

Achte darauf, dass der Unterleib des Kindes stets sauber und trocken ist. Wechsele bei Wickelkindern regelmäßig die Windeln und achte auf atmungsaktive Unterwäsche. Mit diesen praktischen Tipps wirkst du Blasenentzündungen bei Kindern effektiv entgegen.

Häufige Fragen zur Blasenentzündung beim Kind

Wie kann man einer Blasenentzündung bei Kindern vorbeugen?

Welche Bakterien lösen bei Kindern Blasenentzündungen aus?

Was tun bei wiederkehrender Blasenentzündung beim Kind?

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Fachbereich der DAK-Gesundheit

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