PMOS (früher PCOS): Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung

Junge Frau mit dunklen Haaren blickt mit ernstem Gesicht auf den Boden

Deine Periode kommt selten, du hast Akne oder stärkere Körperbehaarung oder einen unerfüllten Kinderwunsch? Diese Beschwerden können – besonders in Kombination – auf PMOS (früher PCOS) hindeuten, eine Hormon- und Stoffwechselstörung. Wir erklären, welche Symptome noch auftreten können, welche Ursachen es gibt und wie die Behandlung aussieht.

Was ist PMOS (früher PCOS)?

PMOS steht für polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom und ist die neue Bezeichnung für das bisher als PCOS bekannte Krankheitsbild. Es handelt sich um eine komplexe Hormon- und Stoffwechselstörung, bei der verschiedene Prozesse im Körper zusammenspielen – insbesondere der Hormonhaushalt, die Funktion der Eierstöcke und der Stoffwechsel.

Das Syndrom kann sich bereits in der Jugend zeigen und auch über die Wechseljahre hinaus gesundheitlich relevant bleiben. Typisch sind zum Beispiel unregelmäßige Zyklen, bei denen Frauen keinen oder nur sehr selten einen Eisprung haben, erhöhte Androgene und Veränderungen der Eibläschen in den Eierstöcken.

PMOS gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 10 bis 13 Prozent betroffen. Gleichzeitig weiß ein großer Teil der Betroffenen nichts von der Erkrankung.

Warum heißt PCOS jetzt PMOS?

Vielleicht kennst du die Erkrankung noch als polyzystisches Ovarialsyndrom oder PCOS. Seit 2026 wird international zunehmend die Bezeichnung polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) verwendet. Auch mehrere deutsche Fachgesellschaften unterstützen die neue Bezeichnung.

Der neue Name soll besser beschreiben, worum es bei der Erkrankung geht. Der Begriff PCOS rückte die Eierstöcke stark in den Mittelpunkt und ließ zudem vermuten, dass Zysten das entscheidende Merkmal seien. Die im Ultraschall sichtbaren Strukturen sind jedoch Follikel – also Eibläschen – und keine klassischen Zysten.

Außerdem betrifft PMOS nicht nur die Eierstöcke: Auch verschiedene Hormone und der Stoffwechsel spielen eine wichtige Rolle. Genau das bringt die neue Bezeichnung PMOS stärker zum Ausdruck.

Welche Symptome sind bei PMOS häufig?

PMOS-Symptome können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein. Zu den möglichen Anzeichen gehören:

  • Unregelmäßige oder ausbleibende Perioden: Weil Eisprünge seltener stattfinden oder ausbleiben können, verlängert sich der Zyklus oder die Blutung bleibt aus.
  • Unerfüllter Kinderwunsch: Unregelmäßige oder fehlende Eisprünge können es schwieriger machen, den fruchtbaren Zeitpunkt zu bestimmen und schwanger zu werden.
  • Vermehrter Haarwuchs: Ein Überschuss an Androgenen kann stärkere Körper- oder Gesichtsbehaarung, den sogenannten Hirsutismus, begünstigen.
  • Akne und fettige Haut: Erhöhte Androgenspiegel können die Talgproduktion beeinflussen und Akne begünstigen.
  • Haarausfall: Bei manchen Betroffenen kann das Haar insbesondere am Oberkopf und im Bereich des Scheitels dünner werden.
Gerade weil diese Beschwerden auch andere Ursachen haben können, bleibt PMOS teilweise lange unentdeckt. Wenn deine Periode dauerhaft sehr unregelmäßig ist, ganz ausbleibt oder mehrere dieser Symptome zusammenkommen, lohnt es sich deshalb, mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin darüber zu sprechen.

Was sind mögliche Ursachen für PMOS?

Die genaue Ursache von PMOS ist bislang nicht bekannt. Wahrscheinlich kommen verschiedene hormonelle, genetische und stoffwechselbezogene Faktoren zusammen. Auch eine familiäre Veranlagung spielt eine Rolle: Frauen, in deren Familie PMOS oder Typ-2-Diabetes vorkommt, können ein erhöhtes Risiko haben.

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Ein wichtiger Faktor ist bei vielen Betroffenen eine Insulinresistenz. Dabei reagieren die Körperzellen schlechter auf Insulin. Um den Blutzucker trotzdem zu regulieren, bildet der Körper mehr Insulin. Ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel kann wiederum dazu beitragen, dass die Eierstöcke mehr Androgene produzieren. Das kann den Eisprung und den Zyklus beeinflussen.

Auch Übergewicht oder Adipositas kommen bei PMOS häufiger vor und können bestehende Stoffwechselprobleme verstärken. Wichtig ist aber: PMOS entsteht nicht allein durch ein höheres Körpergewicht. Auch normalgewichtige und schlanke Frauen können vom Syndrom betroffen sein und beispielsweise eine Insulinresistenz entwickeln.
Ärztinnen und Ärzte behalten deshalb meist auch den Zuckerstoffwechsel im Blick. Bei Frauen mit PMOS ist das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Prädiabetes und Typ-2-Diabetes erhöht.

Wie wird PMOS diagnostiziert?

Für eine PMOS-Diagnose betrachtet deine Ärztin oder dein Arzt mehrere Elemente. Dazu gehören deine Beschwerden und dein Zyklus ebenso wie körperliche Untersuchungen, Blutwerte und gegebenenfalls ein Ultraschall. Andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, sollen ausgeschlossen werden.

Bei erwachsenen Frauen orientiert sich die Diagnose an den modifizierten Rotterdam-Kriterien. Dabei schaut die Ärztin oder der Arzt auf drei mögliche Merkmale. Mindestens zwei davon müssen vorliegen, damit PMOS diagnostiziert werden kann. Andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden müssen vorher ausgeschlossen werden:

  1. Erhöhte Androgene: Im Blut lassen sich erhöhte männliche Geschlechtshormone nachweisen. Auch typische Anzeichen wie stärkere Körper- oder Gesichtsbehaarung, Akne oder Haarausfall können darauf hindeuten.
  2. Unregelmäßige oder ausbleibende Eisprünge: Der Eisprung findet unregelmäßig statt oder bleibt aus. Das zeigt sich häufig durch unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen.
  3. Typische Veränderungen der Eierstöcke: Im Ultraschall zeigt sich ein für PMOS typisches Bild. Bei erwachsenen Frauen kann alternativ ein erhöhter AMH-Wert als Hinweis auf eine erhöhte Zahl an Eibläschen berücksichtigt werden. Der AMH-Wert allein reicht jedoch nicht für die Diagnose aus.
Bei der Diagnostik sollte auch Thema sein, wie es dir psychisch mit den Beschwerden geht. Frauen mit PMOS haben häufiger Depressionen oder Angststörungen. Auch Akne, stärkerer Haarwuchs, Gewichtsschwankungen oder ein unerfüllter Kinderwunsch können das Selbstbild und die Lebensqualität belasten. Wenn du merkst, dass dich solche Themen stark beschäftigen, darfst du sie im ärztlichen Gespräch offen ansprechen. Auch Essstörungen können bei PMOS häufiger auftreten und sollten ernst genommen werden.

Vor einem Termin kann es helfen, deinen Zyklus und Veränderungen wie Akne, Haarwuchs oder Haarausfall eine Zeit lang zu notieren. Dadurch kannst du deine Beschwerden im Gespräch leichter einordnen.

Noch Pubertät oder schon PMOS?

In der Pubertät ist die Diagnose besonders anspruchsvoll, weil unregelmäßige Zyklen, Akne und hormonelle Veränderungen zunächst Teil der normalen Entwicklung sein können. 
Im ersten Jahr nach der ersten Periode sind Zyklusunregelmäßigkeiten grundsätzlich normal. Danach gelten – abhängig davon, wie lange die erste Periode zurückliegt – unterschiedliche Zykluslängen als auffällig. Auch wenn die Blutung länger als 90 Tage ausbleibt, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.

Bei Jugendlichen müssen für die Diagnose von PMOS sowohl eine Zyklusstörung als auch Zeichen eines erhöhten Androgenspiegels vorliegen. Ultraschall der Eierstöcke und der AMH-Wert werden in diesem Alter nicht zur Diagnosestellung herangezogen.

Wenn nur eines der beiden Merkmale vorliegt, kann ein erhöhtes Risiko für PMOS bestehen. Eine ärztliche Begleitung und gegebenenfalls spätere Kontrolle können dann sinnvoll sein. Auch eine ausbleibende erste Periode sollte abgeklärt werden: Wenn bis zum Alter von 15 Jahren keine Menstruation eingesetzt hat, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll.

 

Eine Hyperandrogenämie ist eines der Hauptmerkmale des PMOS. Gynäkologin Dr. Sheila de Liz erklärt die hormonelle Störung. (Anm. d. Red.: Im Video wird noch die alte Bezeichnung PCOS verwendet.)

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei PMOS?

PMOS lässt sich derzeit nicht heilen, aber die Beschwerden und gesundheitlichen Risiken können meist gut behandelt werden. Welche PMOS-Behandlung sinnvoll ist, richtet sich danach, welche Beschwerden dich belasten und was dir gerade wichtig ist. Möchtest du deinen Zyklus stabilisieren, Akne oder Haarwuchs behandeln, deinen Stoffwechsel verbessern oder schwanger werden?

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Diese Ziele können unterschiedliche Behandlungen erfordern. Eine gute Therapie wird deshalb gemeinsam mit dir geplant. Eine wichtige Grundlage bilden Ernährung, Bewegung und weitere Lebensgewohnheiten.

Ernährung bei PMOS

Eine spezielle PMOS-Ernährung oder einen festen Ernährungsplan gibt es nicht. Für eine bestimmte „PCOS-Diät“ gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass sie anderen Ernährungsformen grundsätzlich überlegen ist.

Entscheidend ist vielmehr eine ausgewogene und langfristig umsetzbare Ernährung, die zu deinen persönlichen Vorlieben, deinem Alltag und deinen gesundheitlichen Zielen passt. Eine Ernährungsberatung kann dir dabei helfen, passende Gewohnheiten zu entwickeln.

Bewegung und Gewichtsmanagement

Regelmäßige Bewegung kann sich unabhängig vom Körpergewicht positiv auf Stoffwechsel und Wohlbefinden auswirken. Internationale Leitlinien empfehlen grundsätzlich 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität oder 75 bis 150 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche. Ergänzend sind Muskelkräftigungsübungen an mindestens zwei Tagen pro Woche sinnvoll.

Bei Übergewicht oder Adipositas kann eine individuell begleitete Gewichtsabnahme Stoffwechsel und PMOS-Beschwerden verbessern. Bei Frauen mit PMOS, Übergewicht und Kinderwunsch nennt die deutsche Leitlinie eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent als mögliches Ziel.

Wichtig ist aber auch hier: Bewegung und eine gesunde Lebensweise können sinnvoll sein, unabhängig davon, ob du abnehmen möchtest oder nicht.

Medikamente bei PMOS

Nach ärztlicher Rücksprache können Medikamente ergänzend helfen. Wenn aktuell kein Kinderwunsch besteht, kommen beispielsweise kombinierte hormonelle Verhütungsmittel infrage, um Zyklusstörungen oder Beschwerden durch erhöhte Androgene zu behandeln.

Metformin kann ebenfalls Teil der Therapie sein und wirkt vor allem auf den Zucker- und Insulinstoffwechsel. Bei PMOS wird es teilweise außerhalb seiner eigentlichen Zulassung eingesetzt.

Welches Medikament sinnvoll ist, entscheidet ihr gemeinsam – abhängig von Nutzen, möglichen Nebenwirkungen, deinen Beschwerden und deinen persönlichen Wünschen.

Weil PMOS auch den Stoffwechsel betreffen kann, sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. Besonders der Zuckerstoffwechsel sollte bei der Diagnose und anschließend abhängig von deinem persönlichen Risiko überprüft werden.

Was ist beim Kinderwunsch mit PMOS zu beachten?

Auch mit PMOS kannst du schwanger werden. Manchmal braucht es allerdings etwas mehr Zeit, weil Eisprünge unregelmäßig auftreten oder ganz ausbleiben können.

Wenn du dir ein Kind wünschst, kann eine frühzeitige Beratung sinnvoll sein. Dabei lassen sich unter anderem Blutdruck und Zuckerstoffwechsel überprüfen und deine persönliche Situation besprechen.

Bei PMOS und Kinderwunsch kann zunächst versucht werden, den Eisprung medikamentös anzuregen. Letrozol wird dabei in der aktuellen deutschen Leitlinie als Mittel der ersten Wahl zur Ovulationsinduktion empfohlen. Wenn diese Behandlung nicht erfolgreich ist oder nicht infrage kommt, können unter anderem Clomifen oder Gonadotropine eingesetzt werden.

Bleibt eine Schwangerschaft aus oder liegen zusätzliche Faktoren vor, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, kommen auch Verfahren der künstlichen Befruchtung wie IVF oder ICSI infrage.

Welche langfristigen gesundheitlichen Risiken kann PMOS haben?

PMOS betrifft nicht nur Zyklus und Fruchtbarkeit. Das Syndrom kann auch mit verschiedenen Stoffwechsel- und psychischen Gesundheitsrisiken verbunden sein.

Dazu gehören unter anderem:

  • Prädiabetes und Typ-2-Diabetes
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • erhöhte kardiometabolische Risiken, beispielsweise Bluthochdruck
  • Depressionen und Angststörungen
  • ein erhöhtes Risiko für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut

Deshalb gehören je nach persönlichem Risiko regelmäßige ärztliche Kontrollen zum Umgang mit PMOS.

Hast du weitere Fragen, Themenwünsche oder etwas anderes auf dem Herzen? Dann schreib uns: doktorsex@dak.de! Wir freuen uns, von dir zu hören.

Häufig gestellte Fragen zu PMOS

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