Orgasmus beim Mann: Was dabei passiert und warum er manchmal ausbleibt
Den Orgasmus zu beschreiben ist gar nicht mal so einfach. Sicher ist: Ob allein, mit deiner Freundin oder deinem Freund – das Gefühl ist meistens ziemlich berauschend. Was genau beim männlichen Orgasmus passiert, wie er auf Körper und Psyche wirkt und warum du nicht immer zum Höhepunkt kommst, klären wir im Folgenden.

Was ist ein Orgasmus?
Sexuelle Aufklärung mit Doktorsex
Umut Özdemir, Dr. Sheila de Liz und Volker Wittkamp (v.li.)
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Für ein befriedigendes Sexualleben ist der Orgasmus etwas Großartiges, aber er ist keine Voraussetzung dafür. In welcher Form du deine Sexualität auslebst – ob allein, mit einer Frau oder einem Mann – ist dir komplett selbst überlassen. Es gibt viele Spielarten und wenn sie einvernehmlich sind, kann jede davon Spaß machen. Der Orgasmus ist in den meisten Fällen der angestrebte Höhepunkt.
Bei dir als Mann ist ein Orgasmus mit zwei Dingen verbunden:
- Erektion (Versteifung deines Penis)
- Ejakulation (Samenerguss durch körperliche und/oder mentale Stimulation)
Beim Orgasmus selbst ziehen sich deine Nebenhoden, deine Samenleiter sowie deine Prostata mehrmals zusammen und entspannen sich wieder. Gleichzeitig verschließt sich reflexartig deine Harnröhre bis hin zur Blase. Nach dem Ende des Orgasmus beginnt die sogenannte Refraktärphase, während der kein neuer Orgasmus möglich ist. Die Länge unterscheidet sich von Mann zu Mann.
Hormone beim Orgasmus
Vor dem Orgasmus schüttet dein Körper verstärkt das Sexualhormon Testosteron aus. Beim Orgasmus selbst und auch schon etwas davor schüttet dein Körper Oxytocin aus. Du kennst es vielleicht auch unter dem Namen „Bindungshormon“. Es fördert in dir zum Beispiel das Verlangen, berührt zu werden.
Urologe Volker Wittkamp erklärt, was genau beim Orgasmus passiert und warum er gut für Körper und Psyche ist:
Wie lange dauert ein Orgasmus?
Bis ein Mann seinen Höhepunkt erreicht, vergehen im Durchschnitt fünf bis sieben Minuten, wobei die Bandbreite sehr groß ist und von weniger als einer Minute bis zu einer halben Stunde reichen kann.
Bei allen Männern ist hingegen gleich, dass sich diese Spannung schlagartig mit dem Orgasmus entlädt. Das ist der Fall, wenn die Erregung einen Punkt erreicht hat, von dem aus es kein Zurück mehr gibt. Dieser Punkt wird auch „Point of no Return“ genannt. Ab jetzt kannst du machen, was du willst: Dein Orgasmus-Reflex löst deinen Höhepunkt aus.
Endet ein Orgasmus immer mit einer Ejakulation?
Was genau passiert vor dem Orgasmus?
Den Zustand vor dem Orgasmus nennt man Erregungszustand. Davon gibt es vier verschiedene. Diese nennt man:
- Der archaische Erregungsmodus: Bei diesem Erregungsmodus ist schlicht der Orgasmus das Ziel. Hier spielen schnelle, rhythmische Bewegungen und beinahe ausschließlich genitale Erregung die zentralen Rollen. Eine emotionale Erregung ist nicht ausgeschlossen, muss aber nicht eintreten. Um so Sex zu haben, solltest du körperlich in guter Verfassung sein.
- Der mechanische Erregungsmodus: Diese Form der Erregung funktioniert langsamer und erfordert mehr Zeit. Die Zeitspanne zwischen der ersten Erregung und dem Orgasmus ist wesentlich länger als beim archaischen Erregungsmodus. Das Lusterleben ist im Vergleich zum archaischen Erregungsmodus deutlich höher. Wie der Name schon vermuten lässt, kann es beim mechanischen Erregungsmodus vorkommen, dass auf dem Weg zum sicheren Orgasmus immer die gleichen Bewegungen ausgeführt werden. Viele Menschen fühlen sich aber gerade bei dieser routinierten Art Sex zu haben besonders wohl und sicher.
- Der ondulierende Erregungsmodus: Bei diesem Modus nimmt man sich mehr Zeit. Du wirst schnell merken, dass mit mehr Zärtlichkeit auch das Erleben der Lust intensiver wird. Hier ist nicht der Orgasmus das Ziel, sondern die intensive erotische Zeit mit dem Partner, der Partnerin oder auch mit dir selbst. Widme dich in diesem Modus nicht nur den Geschlechtsorganen deiner Partnerin oder deines Partners, sondern dem gesamten Körper. Es kann durchaus sein, dass so ein sexuell befriedigendes Erlebnis ganz ohne Orgasmus stattfindet.
- Der wellenförmige Erregungsmodus: Variantenreichtum, Zärtlichkeiten und kraftvolle Bewegungen – die lustvollsten Seiten der drei bisher genannten Modi vereinen sich im wellenförmigen Erregungsmodus. Kurz gesagt: Hier haben nicht nur deine Genitalien Lust auf Sex, sondern dein ganzer Körper und deine Psyche. Mal schneller, mal langsamer – indem ihr die Intensität variiert, können du und dein Partner oder deine Partnerin eure Lust steuern. Diese Form des Sex muss man aber erst lernen. Das geht nicht über Nacht. Je besser du deine Partnerin oder deinen Partner kennst, desto mehr könnt ihr den wellenförmigen Erregungsmodus bis zum Orgasmus genießen.
Wie können Männer den Orgasmus hinauszögern?
Hast du den „Point of no Return“ erreicht oder überschritten, schaffst du es nicht mehr, deinen Orgasmus hinauszuzögern. Mit wachsender Erfahrung wirst du allerdings den Zeitpunkt deines Orgasmus besser zu kontrollieren lernen. Wichtig ist, dass du dich nicht unter Druck setzt. Denn Sex soll doch vor allem eines: Spaß machen.
Du kannst einige Techniken ausprobieren, mit denen du eueren Liebesakt verlängern kannst. Welche funktioniert, kann sich von Mann zu Mann unterscheiden. Die bekanntesten und effektivsten Methoden, um beim Geschlechtsverkehr oder bei anderen Sexualpraktiken den Höhepunkt nicht zu früh zu erreichen, sind folgende:
Die Squeeze-Technik – leichter Druck auf die Eichel
Für die Squeeze-Technik brauchst du keine Hilfsmittel. Wenn du merkst, dass deine Erregung schon so groß ist, dass du nur noch wenige Augenblicke vom „Point of no Return“ entfernt bist, dann ziehe deinen Penis heraus und drücke nicht zu fest auf deine Eichel. So verhinderst du, dass dein Samenerguss einsetzt. Du senkst damit auch deine Erregungskurve.
Die Zeitlupentechnik – runter vom Gas
Wie der Name der Technik schon vermuten lässt, führst du dabei deine Bewegungen beim Geschlechtsverkehr langsam, quasi in Zeitlupe, aus. So stimulierst du deinen Penis nicht so stark und zögerst den Höhepunkt noch etwas hinaus.
Die Stop-Start-Technik
Wenn du als Mann so richtig in Fahrt gekommen bist und du merkst, dass dein Orgasmus nur noch wenige Stöße entfernt auf dich wartet, verzögere diesen durch eine bewusste Pause. Nutze diese Zeit, um deine Partnerin oder deinen Partner auf andere Art und Weise mit Zärtlichkeiten zu bedenken.
Was ist eigentlich Edging? Urologe Volker Wittkamp erklärt, wie du mit der Technik den Orgasmus hinauszögern kannst und welche Vor- und Nachteile es gibt.
Warum bekomme ich keinen Orgasmus?
Neben dem „zu frühen kommen“ kann es auch das gegenteilige Problem geben – du bekommst gar keinen Orgasmus. Das kann eine belastende Situation für beide sein. Du fühlst dich dadurch womöglich „unmännlich“ und deine Partnerin oder dein Partner nicht attraktiv genug. In vielen Fällen ist der Kopf dafür verantwortlich, wenn es mit dem Orgasmus nicht klappt: So können Stress oder der Druck, beim Sex zu gefallen, Lustkiller sein und dem Höhepunkt im Wege stehen. Versuch dich daher beim Sex zu entspannen und dir selbst nicht so viel Druck zu machen.
Mögliche körperliche Ursachen sind zum Beispiel Probleme mit der Schilddrüse oder auch Nervenschädigungen, etwa durch eine Leisten-OP oder andere Eingriffe. Auch Medikamente wie Blutdruckmittel, Antidepressiva und Beruhigungsmittel können verhindern, dass du zum Orgasmus kommst. Gleiches gilt für Alkohol und Drogen.
„Circa zehn bis15 Prozent der Menschen hatten schon mal Phasen mit Orgasmus-Problemen", erklärt Urologe Volker Wittkamp im Video und nennt Tipps, die du selbst ausprobieren kannst:
Häufige Fragen zum Orgasmus beim Mann
Beeinflusst die Sexstellung die Intensität meines Orgasmus?
Wie unterscheidet sich der Orgasmus beim Mann von dem einer Frau?
Wie viele Orgasmen kann ich als Mann hintereinander haben?
Fachbereich der DAK-Gesundheit




