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So lernst du deinen Körper zu lieben

Psychologe Umut Özdemir spricht über Body Positivity

Perfektion und Schönheitsideale: Spätestens seit Social Media ist der Druck enorm, dem Schönheitsideal der Stunde zu entsprechen. Die Body-Positivity-Bewegung will dem etwas entgegensetzen. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, was passieren kann, wenn wir uns zu viel mit anderen vergleichen. Und wie wir lernen können, unseren eigenen Körper zu akzeptieren.


Auf Social Media zeigen sich Menschen von ihrer besten Seite. Alle sind schön, jung, schlank und irgendwie makellos. Aber Vorsicht: Nicht immer kommt gutes Aussehen von gesunder Ernährung, Sport und vorteilhaften Genen. Ob gut gewählte Lichtquelle, die richtige Pose, vertuschende Filter oder der gekonnte Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen: Es gibt viele Tricks, wie sich die Realität gekonnt verzerren lässt. Trotzdem: Das Körperbild, das in den sozialen Medien vermittelt wird, setzt unter Druck. Wer täglich stundenlang durch all die schönen Menschen scrollt, wird sich unweigerlich mit ihnen vergleichen, was verheerende Folgen für die psychische und physische Gesundheit haben kann. Menschen, die diesen unrealistischen Trugbildern hinterherjagen, sind anfälliger für Depressionen, Magersucht, Sportsucht und andere psychische Erkrankungen. Genau dem will Body Positivity entgegenwirken. Wir klären im Folgenden, was das genau ist und wie du es schaffst, deinen Körper zu akzeptieren – so wie er eben ist!

Was ist Body Positivity?

Der Druck, perfekt aussehen zu müssen, ist enorm. Doch der Widerstand dagegen wächst. Als Gegengewicht zum Schönheitswahn auf Social Media ist die Body-Positivity-Bewegung entstanden. Die Grundbotschaft lautet: Hab eine positive Einstellung zu deinem Körper. Egal, ob du ein paar Kilo mehr, Falten, Narben oder andere (vermeintliche) „Makel“ hast. Das Ziel der Bewegung ist, den Druck zu verringern, wenn du nicht dem gesellschaftlich vorgegebenen Schönheitsideal entsprichst. Dich nicht auf dein Äußeres reduzieren zu lassen und dein Selbstwertgefühl nicht aus einem flachen Bauch, einer makellosen Haut oder muskulösen Oberarmen zu ziehen. Wer nicht der gesellschaftlich vorgegebenen „Norm“ entspricht, wird wegen seines Aussehens schnell gemobbt oder beschimpft – vor allem auf Social Media. „Body Shaming“ nennt man das. Doch davon musst du dich nicht runterziehen lassen. Es gibt Wege, wie du etwas an deiner Körperwahrnehmung ändern und dich lieben lernen kannst. Denn wenn du dich in deiner Haut wohlfühlst, strahlst du das auch aus und wirkst allein deswegen attraktiv. Was sich im Übrigen wieder positiv auf deine Sexualität auswirken kann. Wenn es dir gelingt, zu dir und deinem Körper zu stehen, bist du außerdem auch psychisch und physisch widerstandsfähiger. Das kann gerade in schwierigen Zeiten echt von Nutzen sein.

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Du fragst dich jetzt vielleicht, wie du das hinbekommst? Bevor wir genauer darauf eingehen, gilt es erst mal zu verstehen, warum das ständige Vergleichen auf Social Media so gefährlich sein kann.

Was macht Social Media mit unserem Selbstbild?

Wenn wir uns wegen unseres körperlichen Erscheinungsbildes schlecht fühlen, dann liegt das heutzutage oftmals an Social Media. Per Klick oder Wisch haben wir Einblicke in andere Lebenswelten und sehen, wie attraktiv alle aussehen und wie schön es alle haben. Das beeinflusst uns in unserem Denken über uns selbst – ob nun bewusst oder unbewusst. Der ständige Vergleich mit unseren Mitmenschen kann uns ganz schön runterziehen. Dabei spiegeln die Bilder auf Social Media in der Regel ein bestimmtes Schönheitsideal wider, dem die meisten nacheifern. Solche Ideale sind abhängig von der jeweiligen Zeitepoche und Kultur und können sich schnell wieder ändern. Wenn du dem aktuellen Ideal nicht entsprichst, kann das belastend sein. Zum Beispiel, wenn jemand einen blöden Kommentar über deine Nase oder dein Gewicht macht. Oder du dich aus Scham nicht traust, diese oder jene Hose zu tragen. Gegen den Strom schwimmen ist immer schwierig. Daher ist es für viele das geringere Übel, zu versuchen, dem Ideal zu entsprechen. Wobei Filter, Bildbearbeitungsprogramme und – inzwischen ja auch – künstliche Intelligenzen die Sache vereinfachen. Doch im Grunde belügen wir uns damit ja nur selbst. Body Positivity will zurück zur buchstäblich „ungeschminkten“ Wahrheit. Denn ist es nicht auf kurz oder lang entspannter, zu sich und seinem Aussehen zu stehen?

Body Positivity vs. Body Neutrality

Gerade auf Instagram wird häufig darüber gesprochen, wie wichtig Body Positivity ist. Natürlich wäre es fantastisch, wenn wir uns alle plötzlich von Kopf bis Fuß lieben könnten. Aber sind wir mal ehrlich: Das ist utopisch. Und kann, genau wie das eifrige Verfolgen von Schönheitsidealen, ebenfalls Druck aufbauen. Nach dem Motto: „Jetzt sei doch mal glücklich mit deinem Booty! Los!“ Aber so einfach ist das eben nicht. Der bessere Weg könnte sein, unseren Körper schlichtweg zu akzeptieren. Ganz wertungsfrei. Also nicht Body Positivity, sondern Body Neutrality. Schließlich bist du viel mehr als dein Körper oder Aussehen. Dein Körper ist sozusagen dein Zuhause. Er ist dafür da, dass du jeden Tag aufstehen, umherlaufen und schöne Dinge erleben kannst. Das zu verinnerlichen, klappt natürlich nicht von heute auf morgen. Gerade, wenn sich dein Körper in der Pubertät immer wieder verändert und mehr oder weniger stark im Fokus ist. Die Sache mit der Selbstakzeptanz ist ein langer Prozess, der sich Jahre hinziehen kann. Wichtig ist es, überhaupt damit loszulegen. Und täglich ein bisschen dran zu arbeiten. Damit dir ein guter Einstieg gelingt, geben wir dir im Folgenden ein paar Tipps, die dir hoffentlich helfen, deinen Körper zu akzeptieren – so wie er eben ist.

J2: VORSORGEUNTERSUCHUNG

Bei der J2 (zwischen 16 und 17 Jahren) handelt es sich um eine einmalige Vorsorgeuntersuchung. Es geht um Früherkennung körperlicher Probleme sowie Sexualitätsstörungen. Die J2 ist eine freiwillige Mehrleistung der DAK-Gesundheit. MEHR INFOS

PS: Ab 20 Jahren können junge Frauen einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung, auch wegen Früherkennung möglicher Krebserkrankungen.

7 Body Positivity-Tipps: So lerne ich meinen Körper zu lieben

  • Tipp 1: Mach dir selbst Komplimente
    Übe dich in Selbstliebe, indem du sie laut vor dir selbst aussprichst. Das ist gerade wichtig in Momenten, in denen du vermeintliche Schwierigkeiten mit deinem Körper hast. Stell dich einfach vor einen Spiegel und frag dich: Was findest du schön an dir? Wofür bist du dankbar?
  • Tipp 2: Vergleich dich nicht zu sehr mit anderen
    Wenn du dich zu sehr mit anderen vergleichst, hast du vielleicht das Gefühl, nicht so auszusehen, wie du aussehen willst. Aber du sollst ja auch nicht so aussehen wie jemand anders. Du sollst so aussehen wie du! Wenn es dir gelingt, weniger auf andere zu schauen, dann schaffst du es vielleicht auch, deine eigenen Vorzüge zu betonen. Und mehr zu dir zu stehen.
  • Tipp 3: Verringere die Zeit auf Social Media
    Schönheit das ist, woran das Auge sich gewöhnt. Wenn man auf Social Media also Menschen z. B. mit verschiedenen Körperformen folgt, verändert sich auch das eigene Bild von Schönheit. Die meisten Bilder auf Social Media zeigen nur einen kleinen Teil der Realität. Oder sie verfälschen die Realität dank der allseits bekannten Tools und Filter oder einfach einer geschickt gewählten Pose. Es ergibt also wenig Sinn, sich an dem dort erzeugten Schönheitsbild zu orientieren. Wenn du deine Zeit auf Social Media verringerst, wirst du dich automatisch auch nicht mehr so sehr mit anderen vergleichen. Und dich wieder daran erinnern, dass nicht nur du, sondern ja eigentlich alle mit Wasser kochen.
  • Tipp 4: Kritik von anderen überprüfen
    Bedenke, dass viele das Äußere von anderen kritisieren, weil sie es selbst so gelernt bzw. erfahren haben. Wenn jemand dein Äußeres kritisiert oder dich beleidigt, überleg, welche Absicht dahinter steckt. Fühlt sich vielleicht jemand im Vergleich zu dir selbst schlecht? Weil du etwas hast, was er oder sie nicht hat? Dann wird er mit seiner Kritik möglicherweise darauf aus sein, dich zu verletzen. Versuch, da drüber zu stehen. Und schau, wer wirklich konstruktiv Kritik übt und wer nur aus reiner Bosheit schlecht über dich redet.
  • Tipp 5: Gib anderen Komplimente
    Wenn wir unsicher sind, projizieren wir das manchmal unbewusst auf andere Menschen. Das Schönheit das ist, woran das Auge sich gewöhnt. Wenn man auf Social Media also Menschen z. B. mit verschiedenen Körperformen folgt, verändert sich auch das eigene Bild von Schönheit, heißt, wir beurteilen sie hart, weil wir uns selbst zu hart beurteilen. Wenn wir uns allerdings dafür öffnen, freundlich zu anderen zu sein, öffnen wir uns auch dafür, freundlicher zu uns selbst zu sein. Probier es doch einfach mal aus! Verteile Komplimente!
  • Tipp 6: Fokussiere dich auf das Positive
    Mit ein bisschen Übung kannst du deine Gedanken aktiv in eine positive Richtung lenken. Anstatt darüber nachzudenken, wie viel dein Körper wiegt oder wie er beschaffen ist, frag dich lieber, was er alles kann. An welche Orte er dich schon gebracht oder wie viel Freude er dir auf die eine oder andere Weise schon bereitet hat. Behandle deinen Körper wie einen guten Freund. Er wird es dir danken.
  • Tipp 7: Du bist mehr als dein Körper
    Du kommst einem gesunden Körperbild näher, wenn du dich nicht permanent auf deinen Körper konzentrierst. Widme dich auch deinen geistigen Fähigkeiten. Probier ein neues Hobby aus. Unternimm was mit Freunden. Hab Spaß. Vergiss nicht: Du bist mehr als dein Aussehen.

So lerne ich, auf meinen Körper zu hören

Body Positivity ist nicht nur gut für deine Selbstwahrnehmung und dein Selbstvertrauen. Eine liebevolle Einstellung zu deinem Körper zahlt auf kurz oder lang auch auf deine Gesundheit ein. Denn wer seinen Körper akzeptiert, der pflegt ihn auch. Wer ihn nicht akzeptiert, behandelt ihn eher stiefmütterlich und unterdrückt von ihm ausgesendete Signale. So sind zahlreiche Erkrankungen oftmals das Resultat unterdrückter Gefühle. Nehmen wir das Beispiel von Hautveränderungen: Jemand mit einem negativen Selbstbild wird sie möglicherweise als Schönheitsfehler abtun und verdrängen. Jemand mit einem positiven wird sie als Warnzeichen „für voll nehmen“ und die richtigen Maßnahmen treffen. Wer ein positives Verhältnis zu seinem Körper hat, wird auch andere Alarmzeichen wie Rücken- oder Gelenkschmerzen, chronische Müdigkeit oder Verspannungen früher registrieren. Doch was tun, um diese Wahrnehmung zu schulen? Nun, beginne mit den einfachen Dingen. Wenn du müde bist, dann ruh dich aus. Wenn du auf Toilette musst, dann geh. Wenn dir nach weinen zu Mute ist, weine. Vertrau darauf, was dein Körper dir sagen will. Führe keinen Kampf gegen ihn, nur weil du vielleicht deiner Meinung nach einem gewissen Ideal nicht entsprichst. Bestrafe deinen Körper nicht, denn am Ende bestrafst du damit nur dich selbst. Nimm an, was und wer du bist – mit all deinen Stärken und Schwächen.

Fazit

Den eigenen Körper zu akzeptieren – das geht sicher nicht von heute auf morgen. Aber es lohnt sich, daran zu arbeiten. Das hört sich jetzt vielleicht leichter gesagt an als getan. Aber wir sollten versuchen, unser Selbstwertgefühl nicht davon abhängig machen, ob andere uns schön finden. Stattdessen sollten wir versuchen, uns anzunehmen, wie wir sind. Denn wer sich in seiner eigenen Haut wohlfühlt, strahlt das auch aus, lebt bewusster, achtsamer und gesünder. Und wirkt letztendlich auch attraktiver als diejenigen, die unentwegt einem unerreichbaren Ideal hinterherlaufen.

  • Quellenangaben


    • Jessica Cwynar-Horta: Documenting Femininity: Body Positivity and Female Empowerment on Instagram. August 2016
    • Birk, Frank Francesco & Mirbek, Sandra (2021): Bodyshaming, Bodypositivity, Bodyneutrality und Bodydiversity: Körperlichkeit als zentrale (Anti-)Diskriminierungsthematik. In: körper - tanz - bewegung. Zeitschrift für Körperpsychotherapie und Kreativtherapie, Jg. 9 (3), Seite 142–150.
    • “Body Positive Power: Because Life Is Already Happening and You Don't Need Flat Abs to Live It" von Megan Jayne Crabbe
    • The Beauty Myth: How Images of Beauty Are Used Against Women" von Naomi Wolf
    • Hauke, Alexandra (2022): Body Positivity. In: Anja Herrmann/Tae Jun Kim/Evangelia Kindinger/Nina Mackert/Lotte Rose/Friedrich Schorb/Eva Tolasch/Paula-Irene Villa (Hrsg.), Fat Studies: Ein Glossar, Seiten 71–74.


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