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Bewusster leben

Wir sind so alt, wie wir uns fühlen. Und wenn es danach geht, sind laut Allensbacher Institut die heutigen 29-Jährigen 26, die 60-Jährigen 52 und die 75-Jährigen flotte 60. Dieses Phänomen nennt sich Downaging und nimmt die Angst vorm Älterwerden. Ein bisschen – und das sicherlich auch nicht bei jedem.

Greta Silver hat mit 66 Jahren ihren eigenen YouTube-Kanal gegründet und macht seit dem Lust aufs Älterwerden

Buchautorin und YouTube-Star Greta Silver

„Älterwerden ist toll!“ sagt YouTube-Star Greta Silver (Foto). Die Hamburgerin hat mit 66 Jahren ihren YouTube-Kanal gelauncht und gibt seitdem Lebenstipps. Im Herbst erscheint ihr zweites Buch („Alt genug, um mich jung zu fühlen“). Ihre Fans sind zwischen Ende 20 und 80. Wer Greta Silver in die fröhlichen Augen schaut, wird angesteckt – von purer Lebensfreude. Und ein bisschen von der Vorfreude darauf, welche Möglichkeiten uns das Leben (auch) im Alter (noch) zu bieten hat.

Freuen Sie sich hier auf ein Gespräch mit Greta Silver über Downaging, Glück, die Vorzüge des Älterwerdens, Lebenskrisen und die Chancen, die sich daraus ergeben.

Haben Sie schon einmal mit dem Alter gemogelt?

Greta Silver: „Nein.“

Wie alt sind Sie?

Greta Silver (lacht): „71“.                            

Und wie alt fühlen Sie sich?

Greta Silver: „Wie 71! Ich fühle mich so, wie ich heutige 71-Jährige sehe. Die Zeiten, in denen man als Frau ab Mitte 50 mit Kittel und Dutt rumlief, sind ja glücklicherweise lange vorbei.“

Warum haben wir so ein Problem mit unserem Alter?

Greta Silver: „Weil es so in unseren Köpfen drin ist. Oh, oh, JETZT brauche ich einen Rollator, jetzt brauche ich einen Treppenlift. Wir haben in uns Hemmschwellen, die müssen erst einmal weg. Auch in den Alten selbst – nicht nur in den jungen Menschen. Denn eine Sache dürfen wir nicht vergessen: Von 60 bis 90 ist genau so lang wie von 30 bis 60. Das heißt: Das sind Jahre, die ich nutzen kann! Nur weil ich alt bin, gehöre ich nicht aufs Abstellgleis, um dort ab 60 die nächsten 30 Jahre wartend vor mich hinzuvegetieren.“

Was veranlasst die Menschen Ihrer Meinung nach dazu, ihr Leben im Alter nicht mehr zu genießen oder Spaß zu haben?

Greta Silver: „Das ist alles eine Frage der Einstellung. Ich bereite junge Musikstudenten ehrenamtlich auf ihre Arbeit in Pflegeheimen vor. Denen sage ich immer, dass die Menschen, auf die sie treffen werden, diejenigen sind, die zum Mond gefahren sind, die das Handy erfunden haben, denen wir das Wirtschaftswunder – ja auch unser heutiges, gutes Leben – zu verdanken haben. Ich möchte dafür ein Bewusstsein schaffen, was sich hinter der Hülle verbirgt, die auf den ersten Blick alt erscheinen mag. Und die älteren Menschen sollten sich genau dies bewusst machen, was sie alles geleistet haben. Ich vermute, viele Senioren, die im Alter vergnaddelt sind, haben möglicherweise zu wenig Wertschätzung für das erhalten, was sie eigentlich alles geleistet haben in ihrem Leben. Dann kommt noch die Einsamkeit hinzu, unter der viele leiden. Und dann dürfen wir nicht vergessen, dass die jetzigen älteren Menschen diejenigen sind, die den Krieg erlebt haben und nun im Alter mit unschönen Erinnerungen an die Vergangenheit zu tun haben. Ich beobachte, dass diese Menschen oft sehr schweigsam und in sich gekehrt sind. Und dann gibt es glücklicherweise die Menschen, die ihr Alter genießen und im Hier und Jetzt leben.“

Das gefühlte Alter unterscheidet sich um bis zu 15 Jahre vom biologischen Alter.

Greta Silver: „Und das ist auch gut so. Aber dennoch ist es wichtig, älteren Menschen das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden. Nichts ist schlimmer, als sich überflüssig und nicht gebraucht zu fühlen.“

Was machen die heutigen 65-jährigen anders als die beispielsweise vor 20 Jahren?

Greta Silver: „Die heutigen älteren Menschen achten mehr auf sich. Gesunde Ernährung, mentale Fitness, aber auch Sport – die Menschen, die sich im Alter gut und jünger fühlen, nehmen sich die Zeit, um auf sich selbst zu achten. Und wer im Alter fit und agil sein möchte, kommt nicht umhin, seine Gedanken in eine positive Richtung zu bringen.“

„Ich selbst trage die Verantwortung für mein Glück“ schreiben Sie in ihrem Buch „Wie Brausepulver auf der Zunge – glücklich sein ist keine Frage des Alters“. Das klingt so einfach und doch tun sich viele schwer damit, die Verantwortung fürs eigene Glück zu übernehmen. Woran liegt das?

Greta Silver: „Manche Menschen brauchen ihr Drama. Wer nicht glücklich ist oder sein kann, hat sich selbst entschieden, es nicht zu sein. Wichtig ist auch die Erkenntnis, sein eigenes Glück nicht von anderen abhängig zu machen. Wer sein Leben ohne Erwartungen an andere gestaltet, ist frei – auch fürs Glück.“

Muss man fürs Glücklichsein eine gewisse Reife haben?

Greta Silver: „Auf jeden Fall muss man gelernt haben, mit Krisen umzugehen und Vertrauen ins Leben haben. Ich denke, eine gewisse Lebenserfahrung gehört zum Glücklichsein auf jeden Fall dazu. Und wir sollten uns nichts vormachen: Man kann einfach nicht jeden Tag glücklich sein.“

In Ihrem Leben gab es viel Bewegung: Mit Anfang 30 wurden Sie Mutter und haben sich 17 Jahre lang ausschließlich um ihre drei Kinder gekümmert. Ende 40 haben Sie dann beruflich völlig neu angefangen und mit 66 haben Sie auf YouTube ihren eigenen Kanal gelauncht, um andere Menschen zu motivieren und Lebenstipps zu geben. Hatten Sie nie Angst zu alt zu sein für die neuen Herausforderungen – oder vielleicht sogar zu scheitern?

Greta Silver: „Nein, hatte ich nicht. Das ist ja das Schöne am Älterwerden. Ich habe gelernt, mich von der Meinung anderer frei zu machen. Es ist mir schlicht egal, was andere von mir denken könnten. Das macht unheimlich frei. Und wenn ich scheitere, gräme ich mich nicht, sondern überlege mir, was ich als Alternative machen könnte. Das Leben ist Bewegung und steckt voller Chancen, wir müssen nur zugreifen.“

Rückblickend: In welchem Alter haben Sie sich am zufriedensten gefühlt?

Greta Silver: „Alles hat seinen Zauber. Ich fand jedes Alter kostbar und jede Erfahrung, die ich machen durfte. Es ist schön, im Alter die Gewissheit zu haben, sich nicht mehr durch jede Krise aus der Bahn werfen zu lassen. Das ist ein unheimlich beruhigendes Gefühl.“

Auch wir als Krankenkasse unterstützen Sie dabei, auch im Alter ein gesundes und bewusstes Leben zu führen – zum Beispiel mit diesen Leistungen. 

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Willkommen bei der DAK-Gesundheit

Buchtipps

  • Wie Brausepulver auf der Zunge – Glücklich sein ist keine Frage des Alters (Greta Silver, SCORPIO)
  • Alt genug, um mich jung zu fühlen (Greta Silver, Rowohlt – erscheint am 19.11.2019)

DAK Antistress-Coaching

Für mehr Gelassenheit und innere Ruhe

Greta Silvers Tipps, um jung zu bleiben

  • Tipp 1: Gesunde Ernährung und Bewegung Achten Sie auf das, was Sie essen. Nahrung ist Energie für Ihren Körper. Bewegen Sie sich regelmäßig: Radfahren, Walken, Spaziergänge – fühlen Sie in sich hinein, was Ihnen gut bekommt.  
  • Tipp 2: Achten Sie auf Ihre Gedanken Ist das Glas halb voll oder halb leer? Sie tragen die Verantwortung für Ihre Einstellung zum Leben. Genießen Sie Ihre Lebenserfahrung und machen Sie sich bewusst, was Sie alles im Leben erreicht haben. Seien Sie stolz auf sich!
  • Tipp 3: Mentale Fitness Erweitern Sie auch im Alter Ihren Horizont. Verwirklichen Sie Ihren Traum vom Klavierspielen. Lernen Sie Chinesisch, Spanisch oder Suaheli – egal was, tun Sie etwas, um Ihren Geist zu trainieren.
  • Tipp 4: Versöhnen Sie sich mit Ihrer Vergangenheit Verletzungen aus der Kindheit oder gebrochene Herzen – söhnen Sie sich damit aus und belasten Sie nicht den Rest Ihres kostbaren Lebens. Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber das Heute und damit auch das Morgen.
  • Tipps 5: Unterstützen Sie junge Familien Eltern sind heutzutage meist gestresst und haben kaum Zeit für sich und Großeltern, die oftmals nicht in der Nähe leben. Wie schön ist es, wenn ältere Menschen jüngere Familien unterstützen. Das hält Ältere fit und gibt ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden – und die jungen Eltern haben die Möglichkeit, mal wieder durchzuschnaufen.