ADHS: Neudiagnosen im Saarland sinken gegen Bundestrend

  • Sonderanalyse des DAK-Kinder- und Jugendreports: Elf Prozent weniger ADHS-Neudiagnosen

  • Prof. Möhler, Uniklinik Saarland: Frühzeitige Prävention könnte zum Rückgang im Saarland beigetragen haben

  • Jungen erhalten dreimal so häufig eine Neudiagnose

Saarbrücken, 12. September 2026. Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen im Saarland geht zurück. Im Vergleich zum Vorjahr sank sie 2024 um elf Prozent. Damit entwickelt sich das Saarland deutlich anders als der Bund: Deutschlandweit stiegen die Neudiagnosen im selben Zeitraum um 16 Prozent. Hochgerechnet wurde 2024 bei rund 1.600 jungen Menschen im Saarland eine ADHS-Neudiagnose dokumentiert. Das ist das Ergebnis des saarländischen Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit. Auffällig ist auch die Geschlechterverteilung. Jungen erhalten fast dreimal so häufig eine Neudiagnose wie Mädchen. Prof. Möhler, Direktorin der Uniklinik des Saarlandes, sieht Hinweise auf eine wirksame Prävention der eingesetzten Programme START und START-Kids zur Förderung von Stress, Resilienz und Emotionsregulation an saarländischen Schulen. 

„Der Rückgang der Neudiagnosen ist auffällig, aber keine Entwarnung“, sagt Jürgen Günther, saarländischer Landeschef der DAK-Gesundheit. „Im Saarland haben weiterhin tausende Kinder und Jugendliche eine dokumentierte ADHS-Diagnose. Eine Diagnose muss der Ausgangpunkt für eine passgenaue Unterstützung sein. Entscheidend ist, dass Kinderärzte, therapeutische Fachkräfte, Eltern und Schulen eng zusammenarbeiten und ihre Angebote gut aufeinander abstimmen.“

Für den Kinder- und Jugendreport wertete das Wissenschaftsteam von Vandage Abrechnungsdaten von rund 9.700 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen im Saarland bis 17 Jahren aus. Analysiert wurden rund 509.300 Versorgungskontakte im Zeitraum von 2019 bis 2024. Dazu zählen ambulante Arzt- und Therapeutenbesuche, Krankenhausaufenthalte und Arzneimittelverschreibungen. Die ADHS-Sonderanalyse nimmt Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren in den Fokus. 

Rund 1.600 ADHS-Neudiagnosen im Saarland
2024 erhielten im Saarland 11,9 von 1.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren eine ADHS-Neudiagnose. Im Vorjahr waren es 13,4 je 1.000. Das entspricht einem Rückgang um elf Prozent. Im längerfristigen Vergleich ist die Entwicklung ebenfalls rückläufig. 2020 lag die Rate noch bei 12,7 je 1.000. Von 2020 bis 2024 ging sie damit um sechs Prozent zurück. Hochgerechnet wurden im Jahr 2024 rund 1.600 Neudiagnosen im Saarland dokumentiert. Im Saarland zeigen sich damit andere Trends als im Bund. So erhielten deutschlandweit 17 je 1.000 Kinder und Jugendliche eine ADHS-Neudiagnose. Auch die Krankheitshäufigkeit liegt im Saarland mit 3,8 Prozent unter dem Bundeswert von 5,2 Prozent. 

Prof. Möhlers: „Prävention stärker in Blick nehmen“
„Der Rückgang der ADHS-Neudiagnosen ist bemerkenswert. Wir halten es für plausibel, dass frühzeitige Prävention dazu beitragen kann, Kinder in ihrer Emotionsregulation und Impulskontrolle zu stärken, bevor sich Probleme verfestigen“, sagt Prof. Dr. med. Eva Möhler, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Universitätsklinikum des Saarlandes. „Die im Saarland breit eingesetzten Programme START und START-Kids zeigen gute Evaluationsdaten und eine hohe Akzeptanz bei Kindern und Jugendlichen. Ob und in welchem Umfang sie zum Rückgang der Diagnosen beigetragen haben, sollte jetzt systematisch untersucht werden. Generell sollten wir die Prävention stärker in den Blick nehmen.“

Grundschulkinder erhalten am häufigsten eine Neudiagnose
Am häufigsten bekommen saarländische Kinder im Grundschulalter eine ADHS-Neudiagnose. 2024 lag die Rate bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 17,7 je 1.000, bei den Zehn- bis 14-Jährigen bei 12,6 und bei den 15- bis 17-Jährigen bei 6,6. In allen Altersgruppen sank die Zahl gegenüber 2023.

Jungen erhalten fast dreimal so häufig betroffen
Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Jungen und Mädchen. Im Jahr 2024 erhielten 17,0 von 1.000 Jungen eine ADHS-Neudiagnose. Bei Mädchen waren es 6,6 je 1.000. Hochgerechnet entspricht das rund 1.200 Jungen und 400 Mädchen im Saarland, die damit dreimal so häufig erkrankten. Gegenüber 2023 sank Anzahl bei Jungen um neun Prozent, bei Mädchen um 14 Prozent. Weil die Ausgangswerte bei Mädchen niedriger sind, fällt ihr prozentualer Rückgang stärker aus. Die absolute Abnahme ist bei beiden Geschlechtern ähnlich. 

Insgesamt rund 5.100 junge Menschen mit ADHS-Diagnose
Auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit einer dokumentierten ADHS-Diagnose ist im Saarland rückläufig. 2024 lag er bei 3,8 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen. Hochgerechnet entspricht das rund 5.100 jungen Menschen. Gegenüber 2023 ging die Diagnosehäufigkeit um fünf Prozent zurück. Im Vergleich zu 2019 beträgt der Rückgang zwölf Prozent. Auch hier ist der Geschlechterunterschied groß. 2024 hatten 57,4 von 1.000 Jungen eine dokumentierte ADHS-Diagnose, bei Mädchen waren es 17,9 je 1.000. Hochgerechnet sind das rund 3.900 Jungen und 1.100 Mädchen. 

Weitere Informationen: www.dak.de/adhs 

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten, davon knapp 70.000 im Saarland, die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit.

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